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Die Wahrheit · 1913-08-29 · Heft 34 (29.8.1913) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 34 (29.8.1913)
Date
1913-08-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Bei allen fühlenden Menschen erregte es peinliches Auf- ' sehen, daß das humane Gründuugsprojekt des edlen Philanthropen Dr. Kupelwieser einen brutalen Widerstand unter den mächtigen Besitzenden aus der Semmeringer Gegend auslöste. Viele Bürgermeister, Hoteliers, Geschäftsleute, Hansbesitzervereine, der u. ö. Lündesknlturrat und Vereine für Fremdenverkehr eröffneten durch Eingaben, Resolutionen und Proteste ein wahres Kesseltreiben gegen die humane Gründung und die diesen Kreisen nahestehende Tagespresse stellte ihnen ihre Spalten behufs Unterstützung dieser unedlen und empörenden Aktion zur Verfügung. Die österreichische Regierung, die in Wahrheit niemals über den Parteien stand, wurde eingeschüchtert, was durch die blamable Entscheidung der k. k. u. ö. Statthalterei in dieser Sache offenbar wurde, aber der wackere Menschenfreund Dr. Kupelwieser ließ trotz wütender Verdächtigungen seiner Gegner nicht locker und reknrierte an das Ministerium des Innern. Dasselbe holte nun Gutachten des n. ö. LandessanitätsrateS und des Obersten Sanitätsrates ein, um Grundlagen für seine Entscheidung zu gewinnen. In diesen Gutachten erklärten nun beide Sanitätsbehörden, die in den Eingaben angeblich herrschende Furcht der Bevölkerung vor Ansteckungsgefahr sei U n b e g r ü n b et, weil Dr. Kupelwieser kein „Tuberkulosen- ' heim", wie dies die Beschwerdeführer konsequent behaupte,!, gründen will, sondern nur-ein „Kindererholungsheim", in dem solche Kinder k e i n e Aufnahme finden sollen, in deren Answurf gefährliche Bazillen gefunden werden. Beide Körperschaften bestreiten es auch in ihren Gutachten, daß innerhalb der Bevölkerung eine so große Angst vor Tuberkelansteckung bestehe, wie dies die Beschwerdeführer behaupten, weil in diesem Falle .die Hotels und Kurhäuser in allen Höhenluft-Kurorten leer stehen müßten, da dort tatsächlich T u b er! u l o s e ,o h n e j e d e K o n t r o l l e Aufnahme finden . k ö n n e n. ' Die Autoren der Gutachten wiesen daraus hin, daß ' '.Publikum, Gemeinde- und Ländesvertreter sicherlich opfer- .williger im Belange der Bekämpfung der Tuberkulose handeln würden, als dies der Fall ist, wenn die behauptete Furcht vor Ansteckung vorhanden wäre. Sie wiesen daraus hin, daß diese angebliche Angst nur gegen ein gemeinnütziges, humanes Unternehmen, nicht aber gegen ein geschäftliches gleiches Unternehmen am Krenzberge ansgenützt werden soll, gegen das der Herr Bürgermeister von Payerbach nichts einzuwenden hat. — Beide Sanitätsbehörden versäumen es in ihren Gutachten nicht, die heilige Pflicht der Vertretungskörper, mit allen Mitteln solche private Gründungen zu unterstützen und zu fördern, sestzustellen, weil tatsächlich für solche Unglückliche bei weide m zu wenig vorgesorgt würde. Der n. ö. Landessanitätsrat bittet am Schlüsse seines Gutachtens, daS k. k. Ministerium des Innern möge das Gesuch des Dr. Karl Kupelwieser mit Dank für sein u n e ntwegt h u m anes Wirken bewilligen, weil von dieser Bewilligung das Schicksal der H e i l st ä t t e ^- b e w e g u n g i n O e st c r r e i ch a b h ä n g t. Im Gutachten des Obersten Sanitätsrates wird der Semmering geradezu als ein Kurort für Lungenkranke erklärt, und unter Konstatierung der Tatsache, daß derselbe seit Menschengedenken von solchen Kranken auch ausgesucht wird, wenn es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben, was den Semmeringinteressenten ganz recht war. — Der Oberste Sanitätsrat stellt in seinem Gutachten, weiter fest, daß Herr Dr. Kupelwieser seinerzeit die Gründe am Kreuzberg mit Zu st i m m un g eines Mitgliedes des n.-ö. LandessanitätSrates und des damaligen Statthalters von Nieder öfter reich kaufte und eine eigene Straße bauen ließ. Warum, fragt der Oberste Sanitätsrat. soll der Semmering gerade a r m e u, schwächlichen Waisenkindern verschlossen sein? Die sanitäre Fürsorgepflicht dränge die Verwaltungsbehörden eben im Interesse der Allgemeinheit, solche Schöpfungen zu fördern. „Jene aber", meint das Gutachten des.Obersten Sanitätsrates, „die kein Mittel unversucht lassen, das edle Werk zu verhindern, mögen solche e b en s o v o l ksfeindliche als e g o i st i s ch e Haltung mit ihrem Gewissen ausmachen!" Der Oberste Sauitätsrat macht auch darauf aufmerksam, die Nichtbewilligung müßte im Volke gerechte Emyör u n g Hervorrufen und zum m or a li s ch e u u n d „tat er ie llen Schaden Oesterreichs anderen Menschenfreunden die Freude am Wohltun verleiden. In der Bitte am Schlüsse schreibt der Oberste Sanitätsrat : „Das hohe Ministerium wolle verhindern, daß die Semmeringer mit einer Gott es gäbe Wucher treiben auf Kosten armer Waisenkinder!"

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