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Die Wahrheit · 1913-08-15 · Heft 32 (15.8.1913) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 32 (15.8.1913)
Date
1913-08-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Seite A. 32. Die Wahrheit in a n n, Obmann, Siegmund S t a r k, I. Obmann-Stellvertreter, Julius N e n g e b a u e r, H. Obmann-Stellvertreter, Josef G oldberge r, Kassier, Josef Teller, Kassier-Stellvertreter. Leopold Altholz, Schriftführer, Hugo P o l l a t s ch e k, Schriftführer-Stellvertreter, Dr. Siegfried W e r t h e i m e r, Revisor, Adolf Deutsch, Revisor-Stellvertreter, Dr. Julms Steiner, PH. Emil S i l b e r st e i n, David W a l d m a n n, Salomon D r u ck e r, Markus Schlesinger, Jakob Wechsler Ansschnßmitglieder und Markus Fried, Josef Schick, Elias Scheu kelbach, Jonas I m b e r m a n n Ersatz- Ansschnßmitglieder. Zum Schlüsse wurde dem Gesamlvorstaude der einhellige Dank der Versammlung votiert. Waden. Sonntag, den 17. d. M., um l1j2 Uhr nachmittags findet im ' israelitischen Tempel in Baden die Trauung des Fräulein Berta G e s ch ü r mit Herrn Leo Z v l t a n, Oberkantor in Baden, statt. St. Pölten. Sonntag, dem 17. August 1913, halb 2 Uhr nachmittags, findet die feierliche Einweihnng der neuen Synagoge in Sankt Pölten statt. F e st p r o g r a m m: 1. Präludium. Einzug der Thorarollen. 2. Mah Towu. 3. Ueberreichung des Schlüssels zur heiligen Lade durch Herrn Architekten Theodor Schreier an den Knltnsvorsteher. 4. Einstellen der Thorarollen in die heilige Lade. 5. Anzünden des „ewigen Lichtes" durch .Se. Ehrwürden Herrn Dr. David F e n ch r w a n g, Rabbiner der israel. Kultusgemeinde Wien. 6. Schließen der Bnndeslade. 7. Weihepredigt: Se. Ehrwürden Herr Dr. Adolf Schächter, Rabbiner der israel. Kultusgemeinde St. Pölten. 8. Ansprache des Vorstehers der israelitischen Kultusgemeinde St. Pölten. Herrn Albert Leicht. 9. Ansprache Sr. Exzellenz des Herrn k. k. Statthalters von Niederösterreich, eventuell seines Herrn Stellvertreters. 10. Ansprache des Bürgermeisters der landesfürstlichen Stadt Sr. Pölten, Herrn kais. Rates Otto E y b n e r. 11. Ansprache des Präsidenten der israel. Knltnsgemeinde Wien, Herrn Dr. Alfred Stern. 12. Königspsalm 21. 13. Gebet für Se. Majestät den Kaiser. 14. Volkshymne. 15. Postludium. Anmerkung: Die Gesänge werden von Herrn Don Fuchs, Oberkantor der israel. Knltnsgemeinde Wien und Herrn Ph. W. R a b i n o w i t s ch, Kantor der israel. Knltnsgemeinde St. Pölten, unter Mitwirkung des Chores der türkisch-israelitischen Gemeinde in Wien und dessen Delegierten, Herrn Kantors Isidor L ö w i t, gesungen. Ischl. Sonntag, den 10. d. M. ist hier der Oberbürgermeister von Budapest, Dr. Franz Heltai, im 52. Lebensjahre gestorben. Während seiner mehrtägigen Krankheit ließ der Kaiser alltäglich Erkundigungen über das Befinden des Patienten einholen. Franz Heltai wurde im Jahre 1861 in Szenres geboren. Er absolvierte das Gymnasium in Budapest und Leipzig und erlangte an der Budapester Universität das Doktorat der Staatswissenschasten. Schon iii jungen Jahren widmete er sich der Journalistik und betätigte sich namentlich ans volkswirtschaftlichem Gebiete. Im Jahre 1883 erwarb er mit einer Arbeit über das Gewerbegesetz den Preis der Akademie der Wissenschaften. Im Jahre 1687 wurde er zum Mitglied der .Tarifkommission des ungarischen Handelsministeriums ernannt. 1898 wurde er in die.Budapester Repräsentanz gewählt, wo er sich alsbald vermöge seiner Sachkenntnis in allen .kommunalen Angelegenheiten eine hervorragende Position schaffte. j1896 wurde er ins Abgeordnetenhaus ans das Programm der liberalen Partei gewühlt. Als er vor einigen Jahren in die ungarische Delegation gewählt wurde, lenkte er die allgemeine Aufmerksamkeit ans sich, als er das Referat des Heeresausschusses erstattete. Er veröffentlichte damals auch eine vielbemerkte Arbeit über die Kommando- ,spräche des ungarischen Heeres. 1909 wurde er Direktor der Budapester Gaswerke und brachte dieses Jnftitnr zu hoher Blüte. Nach dem Rücktritte Füleps von der Oberbürgermeisterstelle wurde Heltai zum Oberbürgermeister gewählt. Es -war..das erstemal, daß. ein Jude zu diesem Ehrenamt berufen wurde. Ans dem Gebiete der hauptstädtischen Verwaltung entfaltete er eine überaus erfolgreiche Tätigkeit, und in der Antrittsrede, die er damals hielt, sprach er die bedeutungsvollen Worte: „Um dieses Tages willen war es der. Mühe,wert, zu leben." Heltai war auch Präsident des ungarischen^Journalistenimh Pensionsvereines, den er zu großer Blüte -brachte. . '. Kremfier. Die Präsidentin des hiesigen israel. Frauenvereines, Frau Rosa S im o n. wurde in Anerkemulttgihres humanitären Wirkens .vom Kaiser durch die Verleihung des goldenen Verdienstkreuzesausgezeichnet. - Jglan. In der Schillergaffe, einer Hauptverkehrsader der königlichen Stadt Jglan, steht der freundlich-ehrwürdige Bau eines jüdischen Gotteshauses, das vor einem halben Jahrhundert, am 9. September 1863 — am 25. Eliil — /feierlich eingeweihr wurde. Dieser Tag war für die 'Stadt, besonders aber für unsere Glaubensbrüder, damals ein Ereignis. Dr. Joachim Jakob Ung e r hielt als Rabbiner der Gemeinde die Weiherede und Dr. Adolf J e l lin e k ans Wien sollte gewissermaßen der Gefamtjndenschaft Freude Ausdruck geben, daß nach Jahrhunderten wieder in der alten Bergstadt. Jglan eine Synagoge errichtet wurde. Beide Weihe- ' reden bilden eine wertvolle Ecinnernng der Jglauer Gemeinde. Durch 52 Jahre wirkte Dr. Unger in Jglan und bei jeder Andacht war er im Tempel anwesend. Es war ihm nicht mehr gegönnt, den 50. Jahrestag der Einweihnng zu begehen. Der Tag soll nicht klanglos vorübergehen und wird neben Stiftungen auch eine Gedenktafel an den allbeliebten Seelsorger in unserer Gemeinde die Nachwelt erinnern. Saloniki. Der bisherige politische Vertreter Griechenlands für die besetzten Provinzen, Rektiwan, ist vor kurzem wieder nach Athen zurück- . gekehrt und Dragumis an seine Stelle getreten, welcher die oberste Gewalt hier bereits in Händen hatte, als die Griechen im November 1912 in Salonik einrückteu. Dragumis hat sich damals ein Verdienst erworben. indem er recht kräftig gegen jene Leute vorging, die den Augenblick gekommen glaubten, sowohl den religiösen als den wirtschaftlichen Kampf gegen die Israeliten, die in dieser Stadt bekanntlich die Mehrzahl bilden, aufzunehmen. Seither hat sich das Verhältnis zwischen Griechen und Juden tatsächlich gebessert, nnd da hier inzwischen auch die Zuneigung zu den Bulgaren infolge des wilden, beutegierigen Auftretens der bulgarischen Soldateska sehr zurückgegangen ist, darf man aus ein weiteres Aneinanderschließen rechnen. Was die wirtschaftlichen Fähigkeiten der Spaniolen anbelangt, so sind sie jenen der Griechen überlegen, denn, wenn die letzteren auch die für den Handel ins Gewicht fallenden geschäftlichen Vorteile jederzeit wahrznnehmen wissen, so wohnt den Spaniolen doch ein ganz anderer Schaffensdrang inne, und daher kommt es auch, daß die größten Handelshäuser Spaniolen gehören und diese nicht zu fürchten haben, die Griechen könnten ihnen den Rang ablaufen. Odessa. Die Juden von Odessa gehen abermals sehr traurigen Zeiten entgegen. Einer der gefährlichsten Pogromhelden, der aus der Schreckensherrschaft des Generals Tolmatschew bekannte Pelikan, wurde zum Bürgermeister der Stadt gewählt. Pelikan hat sehr viele Ausschreirnngen gegen Juden auf dem Gewissen, und die Inden von Odessa befürchten mit Recht, daß für sie jetzt abermals eine Schreckensaera herangebrochen ist. Mehrere Odessaer Blätter, welche die Erinnerung au die frühere Pogromtütigkeit Pelikans wachriefeu, wurden konfisziert und die Redakteure verhaftet. New-Zork. Der bekannte Multimillionär Binzeni Astor hat mir einem sehr llebenswürdigen Schreiben sich bereit erklärt, dem Exekutivkomitee der von Henry Green ins Leben gernfenen amerikanischen Liga zur Emanzipation der rumänischen Inden beizntreren. Astor erklärt, daß er gewillt sei, für diese Sache, die der Bemühungen der Besten würdig sei, nach Kräften tätig zu sein. Rumäniens Ungerechtigkeit seinen jüdischen Untertanen gegenüber sei schon längst ein unerhörter Weltskandal. Anstritte ans dem Indeutnm. Schatz Regina, geb. 2. November 1872 in Lemberg. VI., Linke Wienzeile 94. Schatz Maximilian, geb. 6. Mai 1880 in Lemberg. VI., Linke Wienzeile 91. B e l l a k Emma. Privat, geb. 27. Dezember 1882 in Wien. IX.. Porzellangaffe 44. Mautner Erwin. Bankbeamter, geb. 7. Februar 1836 in Wien. VH., Bnrggaffe 51. Kaufmann Richard, Beamter, geb. 13. Juni 1879 in Wien. I., Schottenring 9. Schwarz st ein Stefanie, Private, geb. 2. Juli 1899 in Wien. XX., Klnckygaffe 12. Weiner Anna. Kleidermacherin, geb. 5. Dezember 1889 in Böhmen. Wien, XVI., Grnndsteingaffe 9. M e d i a n s k y Lothar. Kaufmann, geb. 5. März 1883 in Wien. IX., Schwarzspanierstraße 9. Mittler Therese. Privarlehrerin. geb. 6. November 1875 in Wien- VI., Gumpendorferstraße 76. Pollak Otto. Fabrikant, geb. 19. Mürz 1888 in Wien. XIX., Karl Ludwigstraße 84. B o s k o w i tz Frieda, Weißnäherin, geb. 7. Jänner 1862 in Wien. XVII., Hormayrgaffe 24. S k a m v e r l Betti (Bertha), geb. 24. März 1893 in Nikolsburg. Wien, XV., Löhrgaffe 6. Frankfurt Adolf. Ingenieur, geb. 15. April 1889 in Wien. HI., Obere Weißgärberstraße 11. Wertheimer Grethe, geb. 19. Dezember 1892 in Wien. II., Zirkusgasse 27. B l a s ch o f s k y Louise, geb. 20. Oktober 1884 in Galizien. Wien. XX., Klosterueuburgerstraße 100 LöiurLoti Sternsalie Ausstattungs-Stiftung. Anzahl der Plätze: Einer im Betrage von K 265.—. Bewerbunssberechtigt sind: Arme, brave jüdische Mädchen» welche sich im Brautstande befinden. Bevorzugt sind: Verwandte des Stifters Herrn Heinrich Stern, gestorben in Wien, am 14. September 1887. Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, Armutszeugnis, Sittenzeugnis, Verlobungsnachweis, eventuell Verwandtschaftsnachweis. Letzter Tag der Einreichsfrist: 31. August 1913. Einreichstelle: I., Seitenstettengasse 4, II. Stock. (Einreichuugsprotokoll). Bewerberinnen, welche sich vor Verleihung dieser Stiftung verehelichen, werden jedes Anspruches an dieselbe verlustig. Zur Bewerbung sind Gesuchsbögen zu verwenden, weichein der Einr«ichstelle (I., Seitenstettengasse 4, II. Stock) unentgeltlich zu haben sind; diese Formulare enthalten auch nähere für die Einschreiter wichtige Bestimmungen. Wien, 1. August 1913. Der Vorstand der israel. Kultusgemeinde Wien.

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