Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 31 (8.8.1913)
- Date
- 1913-08-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 31. Die Wahrheit Seite A. Oesterr.-Uugar. Kiultoren-Uerein. Die geehrten -Mitglieder werden ersucht, die restlichen "Vereins- und Pflichtbeiträge umgehend -einsenden zu wollen. Anmeldungen und sonstige Zuschriften sind-an den Präsidenten OberkantorI. Bauer, Wien II/l, zu richten. Die vom Vizepräsidenten, Oberkantor M. Schorr, dem Witwen- und Waisenfonds des Kantoren-Vereines gewidmeten L0 Exemplare seiner Kompositionen sind gegen Einsendung des Betrages von K 2.50 durch den Vorstand, Wien II/1, zu beziehen. Uerschiedeue Nachrichten. Wien. Herr S. S u d, welcher an den vergangenen hohen Festtagen im großen Sofiensaale von Seite der Wiener Knltnsgemeinde für die I. kantoraten Fnnkrionen gewählt war und allgemeine Anerkennung sowohl durch seine hübsch geschulte Stimme, als auch durch sein fachmännisches musikalisches und hebräisches Wifien fand, wurde für, die .Knltnsgemeinde Mislitz als Oberkantor einstimmig ernannt und wird derselbe am 1. September sein Amt antreten. Wien. (E m i g r a n t e n fü r s o r g e d e r I s r a e l i t i s ch e n Allianz zu Wien.) Während des Monates Juli 1913 wurden von der Zentrale der Israelitischen Allianz in Wien insgesamt L28 Emigranten. davon 215 russische und 13 rumänische/ weiterbefördert, u. zw..: 153 nach den Vereinigten Staaten, 20 nach Argentinien, 23 nach Kanada, 3 nach England, 12 nach Frankreich und 4 nach anderen Ländern. .In ihre Heimat zurückbefördert wurden 19 Rückwanderer. Während des Aufenthaltes in Wien wurden im Monate Juli für 39 Personen zusammen 124 Tage Logis und Verpflegung bezahlt und an' 116 Personen zusammen -455 Speisemarken für die israelitische Volksküche ausgegeben. Znaim. - Sonntag, den 3. August fand die Wahl des zweiten Wahlkörpers der hiesigen Knltnsgemeinde unter einer bis jetzt unerreichten regen Beteiligung der ganzen Wählerschaft statt. War es doch zum erstenmal, daß — ein geeintes oppositionell — jüdischnationales Komitee den -offiziellen Kandidaten eine eigene Kandidalenliste entgegenstellre. Dank der -überaus eifrigen Agitation der jüdisch-nationalen Studenten wurden sämtliche Kandidaten der Opposition mit überwältigender Majorität gewählt, .u. zw. vereinigen sie 77 Prozent aller abgegebenen Stimmen auf sich. Gewählt wurden in den- Kultusansschnß: Heinrich Lauser, Philipp 'M n ch, Josef Tandler, Samuel Scheuer, Karl Mink u s. Als Ersatzmänner : Arnold Z w e i g e n t h a l, Joses R o s e n f e l d. In den .verstärkten Ausschuß: Aron Scheuer, Ignaz Wallisch, Jakob S ch ö n, Johann Wertheimer, Friedrich Haas. . Budapest. Die jüdische Gemeinde Trentschin läßt eine Synagoge -bauendie schon demnächst ihrer Bestimmung übergeben werden soll. Die Vorbereitungen zur Einweihnngsfeier wurden getroffen, als in den unteren Volksschichten der Stadt und der umliegenden Dörfer eine große Erregung bemerkbar wurde: von Mund zu Mund ging die Mär, daß die Inden, die zum Ban einer Synagoge das Blut junger Christenmädchen benötigen, im benachbarten Bersinawalde ein Mädchen getötet hätten. Um größeren Ausschreitungen zuvorzukommen, ersuchte der Gemeindevorstand die Be- -hörden, eine Untersuchung einzuleiten. Der Wald wurde auch gründlich /durchsucht, die. Verbreiter des Blutmärchens wurden alle verhört, von dem -angeblichen Ritualmord wußte aber kein einziger etwas Positives zu -berichten. Trotzdem sieht die jüdische Bevölkerung dem Tage der Synagogen- Einweihung mit Besorgnis entgegen. Groffwardein. Vor einigen Tagen starb hier der jüdische Dorskrämer Simon Katz ans dem Dorfe Bojt. Znm Leichenbegängniffe. das in Großwardeiu stattfand, erschien ans dem weitentsernten Dorfe eine 'Abordnung von 100 Bauern unter Führung des Gemeiudesekretärs und des reformierten Geistlichen. Nach der Trauerrede des Rabbiners schilderte der Dorfgeistliche in einer ergreifenden Rede die große Trauer des ganzen Dorfes um den großen Verlust, welchen sie alle durch das Hinscheiden des .alten Simon Katz erlitten haben, der stets ihr selbstloser Helfer und Berater war und dessen Andenken bis in die spätesten Generationen in dem Dorfe, in welchem Katz gewirkt hat. ein ehrendes bleiben wird. Nagyvarad. (Großwardein.) Am 1. August fand hier unter mberaus großer Beteiligung das Leichenbegängnis der Fran Abraham Schwarcz statt. Sie war die Präsidentin des Frauenvereiues. Bei dem Leichenbegängnis sah man den Obergespan, den Bürgermeister, die Spitzen der Behörden ohne Unterschied der Konfessionen. Vertretungen vieler Vereine, wie auch eine Deputation der orthodoxen Gemeinde. Die ckautorale Funktion versah in sehr erhebender Weise Oberkantor Jenö Weiß mir Chorbegleitung. Die ergreifende Leichenrede hielt Oberrabbiner K e c s k e m e t y. Am Grab hielt Direktor S e b e st y e it int Namen -des Frauenvereiues eine teilnahmsvolle Ansprache, woraus Oberkantor Weiß das Gebet El mole-B,achamim rezitierte. u: Lemberg. Die Antisemiten in Galizien setzen alle Hebel in Bewegung, um einen allgemeinen wirtschaftlichen Boykott gegen die jüdische "Bevölkerung nach russisch-polnischem Muster zu organisieren. Ein Teil des uiederem katholischen Klerus unterstützt die galizischen Judenfeinde in --diesen edlen Bemühungen und hetzt die Landbevölkerung andauernd gegen ,die Juden aus. Vor'kurzem erschien eine polnische Broschüre, in der die Boykottpropagauda unsterhüllt betrieben wird. Es ist darin u. a. ausgeführt, die Teilung Polens sei von vier Mächten vollzogen worden: von Rußland, Preußen, Oesterreich und — dem Judentum. Die Juden werden als die historischen Erbfeinde des polnischen Volkstums bezeichnet, und das polnische Volk wird ausgesordert, sich dieser inneren Feinde in der Weise zu entledigen, daß es alle geschäftlichen und wirtschaftlichen Beziehungen zu den Juden abbricht und diese dadurch zur Maffenausmanderung zwingt. Dieses „Schutzmittel" sei durchaus gerechtfertigt und legal. — Die Broschüre wurde in einer Maffenausiage hergeftellt und durch antisemitische Agitatoren im ganzen Land verbreitet. London,' 25. Juli. Im Unterhause ist wiederum eine Sonntagsruhe-Bill eiugebracht worden, die zwar Ausnahmebestimmungen für Juden vorsieht, aber in recht ungenügender und. wie man vielleicht glauben darf, absichtlich wirkungsloser Form. Es soll denjenigen jüdischen Geschäften, die am Samsrag geschloffen halten, am Sonntag bis 11 Uhr vormittags gestattet sein, ihre Läden zu öffnen, vorausgesetzt, daß sie während dieser Sonntagsstunden mir Juden beschäftigen und — nur jüdische Kundschaft bedienen. Wie sich der wohlmeinende Lord, der diesen Entwurf eingebracht, die praktische Handhabung dieser Gesetzesbestimmung eigentlich denkt, ist schwer einzusehen. Schließlich werden die Ladeninhaber von jedem Herrn und jeder Dame, die ihre Berriebsstätte betritt, die Vorlage eines Konfeffionszengniffes von der znständigeu Behörde oder gar vom Oberrabbinate von London beanspruchen müssen. eine Prozedur, die jedenfalls ein wahrerHohnanfden vielgerühmteuenglischen Geschäftsgeist wäre. Obgleich die Bill von Mitgliedern aller Parteien eingebracht ist, darf man doch hoffen, daß sie nicht in der vorliegenden Form Gesetz wird. Bukarest. Wie der in Bukarest erscheinende „Curicul Iaalelit“ meldet, wurde der Oberkantor der großen spaniolischen Synagoge in Budapest, Alberto Della Pergola, der sich durch seine Konzerte einen hervorragenden Namen als erstklassiger Sänger gemacht hat. vor kurzem zu Hofe geladen, um dort anläßlich eines Soupers an der Hofrafel zu singen. Das Konzert gelang ausgezeichnet und Oberkantor Della Pergola, ein Florentiner von Geburt, wurde während des Cercles wiederholt sowohl vom Königspaar als auch vom Thronfolger in ein längeres Gespräch gezogen, im Verlaufe dessen besonders die Königin Carmen Sylva den Leistungen des Oberkantors uneingeschränktes Lob zollte. New-Aork. Man sieht mit einigem Bangen der Ernennung eines Nachfolgers für den bekanntlich zurückgetretenen Einwanderer-Kommissär Williams entgegen. Vorläufig fungiert als sein Stellvertreter Mister Byron Uhl, der ganz im Geiste des verflossenen Mister Williams tätig ist. Der Staatssekretär für Einwanderung, Mister W i l s o n. gilt als Anhänger einer scharfen Restriktionspolitik und diese Tatsache zusammen mit der erneuten Einbringung der bekannten Bucnet-Bill im Repräsentantenhaus (Ausschluß aller Einwanderer, die nicht schreiben können), erweckt keine guten Hoffitungen für die Sache der Einwanderung während des nächsten Jahres. An unsere Leserl Wir machen unsere geehrten Leser auf die in unserem Blatte enthaltene Ankündigung der äussersfc streng rituell und unter Aufsicht Sr. Ehr würden Rabbiner Dr. B. Wolf, Köln a. Rh., hergestellte Mandelmilch-Pflanzenbuüer-Marganne „TOIVIOR“ to besonders aufmerksam, welche von der im fit- und Auslande best bekannten und hervorragendsten Firma: „SANA“-Gesellschafl m. b. H. in CLEVE (Rheinpreussen) erzeugt wird. Dieses Produkt ist ein vollkommenster nca-Butterersatz und fleischig sowie milchig verwendbar. Oeffentlicher Dank. Für die überaus schmeichelhaften und zahlreichen Beweise von Aufmerksamkeit, die mir anlässlich meines fünfundzwanzigjährigen Amtsjubiläums von Seite meiner lieben Freunde erwiesen wurden, bitte ich, auf diesem Wege meinen innigsten Dank entgegenznhehmen. HL A. Landau, Wr.-Neustadt.