Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 31 (8.8.1913)
- Date
- 1913-08-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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: Redüktion iiiidSldiiuniftration: -- SBten; II/, Novaragäffe 27 Lekevboil: Nevaktioil 5509/1V. r 1 Ldministraiiou 4938/11. Jl. I. öfters. Nöstsvarkafsa-;;; Scheck-stonw Nr, 100.918. - Inserats: Lte viermal geivaltene . . ' Sionvareille-Zeiie 25 Heller. -AbouneuieiilS-niid Jniertious- . . betrüge sind in, Wien zaylyar - und klagbar. ^abhängige Helifchnft für e Erscheint jeden Kreitng. Motto: „Das Wolters ist Wahrheit!' Wezng»t»eel»: Ännzjätzrig. K •!.— Hnlbiiidrig.IC 7.— tViic IkiiNuSbrnintr: (i'uiHj.iÜviii.N M> - Fiir ^liisinild: | 8 lUlaif rt Dtiinei ober Irt «frev. Ur 31 Wien. 8. August Jnhutl: Die Wertschätzung der Familie. — Maybaum als Exeget. — Der Idealismus der Rabbinen der talmudischen Zeit. — Kölns jüdische Vergangenheit. — Russisch-jüdische Emigranten. — Wie die russische Polizei die jüdischen Mädchen behandelt. — Die Juden in Persien. — Triester Brief. — Oesterr.-ungar. Kantoren-Berein. — Verschiedene Nachrichten. Die geehrten Kerren Abonnenten werden ersucht, den taufenden und event. reMchen Aöonnementsöetrag umgehend einsenden zu woKen. Die Wertschätzung der Familie. Selbst die ärgsten Judenfeinde anerkennen den hervorragenden Familiensinn der Juden und Eltern- und Kindesliebe sind noch gegenwärtig sehr verbreitete Volkstugenden der Juden. Die ärmsten jüdischen Väter nnd Mütter bringen freudig die empfindlichsten Opfer, um ihren Kindern eine bessere Erziehung geben zu können und trachten, dieselben in eine höhere Gesellschaftsschichte hineinzubringen, und gar oft erlebt man die Tatsache, daß solche Kinder später mit aufopfernder Kindesliebe die Gründung eigener Famiiien verschieben nnd ihren alternden Eltern einen angenehmen und sorgenlosen Lebensabend bereiten. Der Familiensinn der Juden ist uralt nnd das Familiengnt wurde schon in der mosaischen Gesetzgebung als unverkäuflich erklärt, denn es gab bekanntlich nur eine V e r p q ch t u n g bis zum n ä ch st e n Iubelj a h r e. Ehe- und Kinderlosigkeit galt bei den Inden als Unglück und die jüdische Gesellschaft war allezeit verpflichtet, die Existenz der Familie wirtschaftlich zu erleichtern. Die jüdischen Religionsverweser (Priester Und Leviten) und Beamten waren berechtigt, ihren Unterhalt d e r Z a h l ihrer Kinder gemäß zu beziehen und schon gelegentlich der ersten Verteilung des eroberten Landes wurde bekanntlich die Größe der Familie und des Stammes berücksichtigt. Die Wertschätzung der Familie drang mit der Verbreitung der anderen vom Jndentnme stammenden monotheistischen Religionen auch bei den anderen Nationen durch und übte einen sittigenden nnd moralförderndeu Einfluß aus. Der Liebe istvorzugsweise derjenige fähig, der selbst aufopfernde Liehe genossen und es ist deshalb nicht verwunderlich, warum beispielsweise' die Humanität erst in lichten Zeiten und inuerhalb gut regierter Völker, aufblühen konnte. , Auch nichtjüdische Nationen erkannten schon früherden sittigenden sund festigenden Wert der Familie und schon das alte.Rom förderte dieselbe dadurch, daß es in den eroberten Kölonialgebieten verdiente Soldaten mit Staatsländereien bedachte öder ihnen einträgliche Beamtenstellen znerkannte, wenn sie, sich daselbst verheiratet hatten. Auch fremde Handwerker- und Kaufmäunsfamilien förderte das. alte Rom, wenn sich dieselben unter seinen Schutz gestellt hatten. Erst in neuerer Zeit droht der grauenhaft erstarkte Eigennutz den Familiensinn zu untergraben und zu entwurzeln. Die schwächliche Angst vor w i r t s ch a f t l i ch e r N o t hat bei Juden und Christen die korrumpierende M i t g i f t j a g d gezeitigt, so daß gegenwärtig hie meisten männlichen Ehewerber ihre schönere Ehehälfte nicht mehr kaufen, wie dies in der antiken jüdischen Zeit geschah, sondern sie werden in Wahrheit von den ehelnstigen Frauen und Mädchen g e k a u f t. Die Familientugenden, die aus der ehelichen Treue resultieren, gedeihen natürlich bei diesem Systeme nicht sonderlich. Die geschilderte Angst vor wirtschaftlicher Not hat in letzter Zeit zum steigenden Mißbehagen mächtiger Militärstaaten, auch zum Z w e i k i n d e r s y st e m e geführt, das in Frankreich die Volksvermehrung bereits so empfindlich unterband, daß es zu einer fast drückenden Verschärfung der Militärpflicht kommen mußte. Das Zweikindersystem beginnt bereits auch leider unter den Juden einzndringen. Trotzdem hat sich noch kein moderner Staat znm Entschlüsse aufgrrafft, die Familie von st a a ts w e g en energisch zu fördern. Die französischen Kinderprämien und die hie und da durchgedrungene Junggesellensteuer können doch im Ernste nicht als hinreichende Maßregel gelten, diesem bedrohlichem Volksstreike abzuhelfen. Kann es dem Staate gleichgiltig bleiben, wenn sich die Zahl der Eheschließungen relativ fortwährend vermindert und dadurch naturnotwendig die Zahl der unehelichen Geburten stetig wächst? Können es die Staatsbehörden nicht begreifen, daß sie selbst dadurch das Staatsinteresse verraten, wenn sie die immer größer werdenden Scharen eheloser Frauen in verschiedenen bisher nur von Männern besetzten Stellen als L o h n d r ü ck e r i n n e n benützen oder ihnen gar noch ein Staatszölibat anferlegen? Verdient im allgemeinen ein Familienvater als Beamter oder Lehrer nicht mehr Vertrauen als ein sorgloser und daher ungebundener Junggeselle? Darf der Staat, der doch noch immer auf der Familie .fußt, das Uebel der zunehmenden Ehelosigkeit verschärfen helfen? Begreifen die Staatsvertreter nicht, daß Leute, die in der Jugend keine elterliche Liebe genossen haben, sondern meist Verständnis- und teilnahmslos wie gefühllose Nummern erzogen wurden, auch ein Man ko an Gefühl und Vaterlandsliebe attfweisen müssen? Nur im österreichischen Reichsvolksschulgesetze vom Jahre 1869 gibt es einen Gesetzesparagraphen (§ 55), der die wirtschaftliche Sicherstellung der Lehrerfamilie prinzipiell festlegt, aber keine österreichische Landesregierung hat bis zur Gegenwart nur