Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 28 (18.7.1913)
- Date
- 1913-07-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Redaktion und Sldministration: Wien, XI/, Slovaragasie 27 Trlevhou: Redaktion 6509/1V. Administrarion 4938II. K. k. Sfterr. Nostsvartasia- Lchekt-ttonro Nr. 100.918. Jiilrvatc: Die viermal geivaltene Ronpareille-Zeiie 25 Heller. RbonnemenrSnnd Jnsertionsdrkräge sind in Wien zahlbar nnd klagbar. «abhängige Herkschrift für jüdische Interesfeu. KrlcheinL jeden Areitng. lilotto: „O»S iäisxsl Gottes ist Wahrheit!“ Aer»ig»prei»: Älinzjähi ig.IC 14.— tulbiiibviii.IC 7.— Fiii' .NiiltiiSsiruinte:' >M»„,j.ib> i,,.IC 10. — jVm Vi i!^Um0 : <A»»zI,>V> in .8 M»rk . ri SUinxi oder I« ffrc». Ar. 28. ieu, 18. Inli Inhalt: Eine jüdische Universität. — Sind die Inden eine kriegerische Nasse? — Die Lage der Inden in Rumänien. — Der Knabenmord in Kiew. — Oberkantor M. A. Landau. — Verschiedene Nachrichten. — (Sitte verhängnisvolle Ferienreise. Eine jüdische Wniversttät. In einem Artikel „Hochschulsorgen" entwickelt Dr. Heinrich Loewe in der „Welt" den Plan und die Notwendigkeit einer in Jerusalem zu errichtenden jüdischen Universität. Auch das jüdische Gymnasium mutete als Utopie an solange es noch nicht verwirklicht war und sich im embryonalen Stadium des Projektes befand; und doch hat au diesem Gymnasium dieser Tage die erste Reifeprüfung stattgefunden. Trotzdem sei im Folgenden weder auf den Plan der jüdischen Universität als solchen, noch auf die anznwendendeu Mittel zu dessen Durchführung eingegangen, wohl aber auf die Momente, die die Verwirklichung dieses Planes gebieterisch erheischen. Dr. Loewe schreibt unter anderem: „Das russische Kultusministerium befolgt schon seit langer Zeit Grundsätze, die das jüdische Volk geistig ersticken sollen, wie das Ministerium des Innern für ihre materielle Erwürgung sorgt. Scheinbar ist es nicht gar so arg, daß den Juden die Erlangung akademischer Grade unmöglich gemacht wird. Denn — so wird ein oberstächlicher Beurteiler sagen — müssen denn alle Leute studieren? Man muß doch nicht gerade Doktor sein und kann doch leben. Aber abgesehen davon, daß doch nur ein nicht zu großer Bruchteil der russischen Juden zum Studium sich drängt, ist dies allein der Weg, wodurch die Masse, auch der Nichtstudierendeu, kulturell steigt. Denn die Akademiker ziehen die übrige Bevölkerung mehr oder weniger nach sich. Aber gerade das ist einer der Hauptgründe, weshalb die russische Verwaltung sich der Erlangung akademischer Bildung durch die Inden widersetzt. Sie will nicht, daß die von ihr bekämpften ' Inden kulturell steigen-- Denn die kulturelle Hebung zieht die soziale nach sich. Dann aber liegt ihr ganz besonders daran. Die Erlangung akademischer Grade zu verhindern, weil durch diese die Inden das Wohnrecht außerhalb des Rayons erwerben. Nur von diesen Regierungsmaximeu aus versteht man die eiserne Folgerichtigkeit, welche^ darin liegt, daß bereits in den Mittelschulen in Rußland Inden nur zu 10 nnd höchstens zu 15% ausgenommen werden, und daß diese Prozentnorm ausnahmslos auch für solche „russischen" Städte gilt, in denen die Juden 50—95% der Bevölkerung bilden. Infolgedessen kann nur ein ganz kleiner Teil der gebildeten russisch-jüdischen Jugend eine Reifezeugnis erlangen, um so mehrmals jetzt auch die Extraneer, die sich selbst zur Prüfung vorbereiten, in diese Prozentnorm mit eingerechnet werden und dadurch also von der Erreichung eines russischen Abgangszeugnisses ausgeschlossen sind. Aber selbst diese kleine Zahl wird weiter gesiebt nnd gelichtet, indem nunmehr an den russischen Universitäten nur 5% aller Stndirenden Inden sein dürfen. Und auch das gilt nur für die drei kleinsten Universitäien, während für die sieben großen der Prozentsatz nur 3% beträgt. Hierbei ist zu beachten, daß die Juden nur durch das absolvierte Studium das Wohnrecht erhalten, also darauf angewiesen sind, ein Studium zu beenden, während der Russe, der das Gymnasium oder eine entsprechende Mittelschule absolviert hat, in den seltensten Fällen die Universität besucht, da ihm ja das höhere Beamtentum auch ohne Studium überall offen steht. Ferner studieren die christlichen Russen, was man ihnen ja nicht verdenken kann, mit besonderer Vorliebe in Moskau und Petersburg, wo der geringste Prozentsatz der zum Studium zugelassenen Juden sich anshallen darf, so daß die Zahl der Juden, die in Rußland eine Universität besuchen können, aus ein Minimum herabgedrückt ist. In Kiew existiert eine Handelshochschule. Sie ist eine private Gründnng der Kiewer Kaufmannschaft und fast ausschließlich mit den Mitteln der Inden begründet worden. Als private Anstalt hatte sie natürlich keinerlei staatliche Rechte. Sie bemühte sich um deren Gewährung, und es gelang, die Anstalt in das Eigentum des Staates überzuführen, den sie nichts kostete und der sie mit fast ausschließlich jüdischen Studierenden übernahm. Sofort aber wurde die Jndenprozentnorm eingeführt und ihr außerdem rückwirkende Kraft verliehen. Mehr als 1700 jüdische Studierende wurden ohne weiteres aus dieser hauptsächlich von jüdischen Kaufleuten gegründeten Handelshochschule im vergangenen Wintersemester ausgeschlossen." Diesen Ausführungen braucht nicht viel hinzugesügt zu werden. Nachdem sie in Rußland die Leiber unserer Glaubensgenossen gemordet haben, schicken sie sich nun an auch ihren Geist in Fesseln zu schlagen und zu ertöten. Gerade an dem bildungsdnrstigen Teil der Bevölkerung, au ihrem geistig agilsten soll dieser Bethlehemitische Kindermord vollzogen werden. Der Rest wird dann leichter in dumpfer Unwissenheit und Knechtschaft erhallen, leichter in Zügel gehalten werden können. 2000 Jahre sind es her, seit der alte Cicero in seinem Buch von den Pflichten (de offieiis) die ethische Forderung ausstellt, jedermann, das von dem Uuserigeu znkommen zu lassen, was uns nicht ärmer macht, wenn wir es spenden. Z. B. Feuer von unserem Herd. Ab igne ignem. Seit Erfindung der Streichhölzchen ist dies nicht mehr nötig, aber sehen wir nicht noch heute jeden Rancher dem andern willig die brennende Zigarre oder Zigarette darreichen? Der wilde Sarmate scheucht den Juden aber fort von dem kärglichen Bildnngsfeuer, das er sich widerwillig und verdrossen selbst entzündet, oder vielmehr das N