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Die Wahrheit · 1913-07-04 · Heft 26 (4.7.1913) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 26 (4.7.1913)
Date
1913-07-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Dies sei aber nicht gelungen und zur Ablehnung dieses Antrages habe ein Gegenantrag des „Vereines deutscher Studenten aus Nordmähren" wesentlich beigetragen, welcher lautete: „Die Situation ist nicht angetan, eine Majorität für den Antrag Dr. Schachermayer zu finden. Der Verbandstag sieht sich genötigt, den Antrag auf einen kommenden Verbandstag zu vertagen." Der „Morgen" teilt noch mit, daß die geistigen Urheber des letzterwähnten V e r t a g n n g s a n t r a g e s die deutschnationalen Reichsratsabgeordneten Dr. Bodirsky und Doktor Sommer wären. Aufmerksame Verfolger der politischen Verhältnisse Mährens wissen, daß die letztgenannten Neichsratsabgeordneten nur mit Hilfe der jüdischen Wähler ihre Mandate erlangen konnten. Sie fanden sich deshalb ' genötigt, den in letzter Zeit gerichtlich stigmatisierten „Waidhofner Beschluß" einstweilen außer Wirksamkeit zu setzen, umsomehr als die Christlichsozialen infolge des im letzten Jahre fast überall beteiligten und für sie günstigen Wahlkompromisses auf die Auflösung des Reichsrates und Neuwahl desselben hinarbeiten, wobei sie die „Junisieger" wieder ans die Strecke zu bringen hoffen. Da nun eine stattliche Reihe dentschnatioualer Abgeordnelenmandate schlechterdings n u r m i t H i l f e jüdischer Wähler behauptet werden kann, so ist gegenwärtig natürlich „die Situation nicht angetan", die dummen Juden vor den Kops zu stoßen, uub man muß ihnen wohl oder übel eine Schonzeit gewähren, mindestens so lange, bis die nächste Reichsratswahl vorüber ist. Daß der besprochene Gegenantrag nur die Gewährung einer Schonzeit beinhaltet, erhellt wohl klar daraus, daß er nur eine Ver ta gung des bestialischen, jndenseindlichen „Waidhosner Beschlusses" durchsetzte. Diesen Beschluß als ungerecht, unrichtig, ja bestialisch zu bekämpfen, fiel den edlen deutschen Recken nicht im Traume ein. Für die jüdischen Wähler resultiert aus diesen Tatsachen wohl die dringende Forderung, die tiefe intellektuelle Einschätzung, die sie von Seite der deutschnationalen Wahlwerber erfahren, endlich einmal durch entschiedenes politisches Verhalten bei kommenden Wahlen zu ahnden. Für Inden besteht gar kein Grund, den Dentschuationalen mehr Vertrauen entgegenzubringen als den Christlichsozialeu. Beschränkt sich eine Wahl nur ans dentschnationale und christlichsoziale Wahlwerber, dann sind für jüdische Wähler leere Stimmzettel am geeignetsten. Für einen überzeugten Juden muß der Gedanke zwingend sein, Jndenfeinde um keinen Preis zu unterstützen! Nur solche Wahlwerber, welche auf demokratische in Standpunkte stehen, gleichgiltig ob bürgerlich oder sozial, besitzen Anspruch ans die Unterstützung der jüdischen Wähler. Wahlwerber aber, welche die Fr—heit aufbringen, den jüdischen Wühlern wegen ungünstiger Situation eine Schonzeit zuznbilligen. bestialische Verfolgungsgrundsätze nach wir vor aber a nerkenueir, können unmöglich aus die Hilfe charaktervoller Juden rechnen. Die gnädige Zubilligung einer für die Wahlwerber momentan nötigen Schonzeit müssen Inden, die nicht aus den Kops gefallen sind, entschieden a b l e h n e n. R. 2. Die Keopolbstiidler Rahbinersvnye. Seit dem Tode des Rabbiners Dr. David, ans den bald der wohlverdiente Ruhestand des greisen Rabbiner Dr. Schmiedl gefolgt war, ist die Kanzel des Tempels im zweiten Bezirke verwaist. Die Frage ihrer Neubesetzung wirft hochgeheude Wellen. Seit drei Jahren oder länger wogt der Wettkampf und es sei vorweg gesagt, er vollzieht sich in

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