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Die Wahrheit · 1913-06-13 · Heft 23 (13.6.1913) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 23 (13.6.1913)
Date
1913-06-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Sirdaktion und Administration: Wien, 11/, Novaragasse 27 Televho»: Redaktion 5509/1V. Administration 4938/11. Anabhängige Hertschrift für Mische ^innzjälnig.K l* *.— Halbiiivvia ...... K 7.— K. k. üsterr. Nostsvarkassa- ' Scheck-Konto Sir.' 100.918. In! ernte: Anterejsen. Für JiuU»5briiintr: iMumiiibviii . . . . . . K Ui.— Die viermal geivalteue ' Ronvareille-Zeiie iö Heller. Erscheint jeden Ireitag. Für Ansluiid: AbonnemeniS- und JnsertionSberräge find in Wien zahlbar und klagbar. Motto: „JDaa /Siegel Gotte» ist Wahrheit!11 'Uiiiijlavrig.8 Mark t? üliibft oder Irt Nrr». Nr 23 Wien. 13. Juni Inhalt: Woche. — Die Gesetzesverwirrung in Oesterreich. — Die Nächstenliebe. — Emigranten-Fürsorge der israelitischen Allianz zu Wien. — Eine katholische Bürgerschullehrerin über die zionistische Propaganda. — Die Stellung der Inden zu den politischen Parteien. — Fünfzig Jahre. — . Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: „Marga". — Aus der Woche. Der Kampf, den die jüdische Studentenschaft an der Wiener Universität nicht nur gegen die deutschnationalen Verbindungen, sondern leider auch gegen die Lauheit des akademischen Senates zu führen gezwungen ist, verdient die vollste und tatkräftigste Unterstützung der Wiener.Judenschaft und insbesondere jener, die durch Beruf und Stellung an maßgebenden Stellen Einfluß haben. Es gilt nicht nur einem Kampfe um die akademische Ehre, sondern die Ehre der gesamten Judenschaft wird von jugendlichen arischen, Frechlingen in den Kot gezerrt und zu ihrem Schutze sollte jeder herbeieilen, der noch treu und aufrichtig zur Fahne - des Judentums hält. * $ * In Vertretung dieses Standpunktes hat die Oesterreichischisraelitische Union an den Minister des Innern Freiherrn von .Heinold eine Eingabe gerichtet, in der es heißt: „Der von einer gctiigen Gruppe studentischer Korporationen ausgestellte Grundsatz, daß die Juden der Ehre bar seien, reicht in seiner verletzenden Wirkung weit über den akademischen Bydeg hinaus. Erbedeutet einen freventlichen, allem Recht und Gesetz hohnsprechenden Angriff auf eine gesetzlich anerkannte Religionsgenossenschaft, auf eine ganze Klasse von Staatsbürgern, auf sämtliche Inden. Durch den Vorwurf der Ehrlosigkeit, den der akademische Senat selbst als eine „schwere Beleidigung" bezeichnet, werden nicht nur die jüdischen Studenten getroffen. Ehrlos wären nach dem Waidhofner Beschlüsse alle jüdischen Professoren unserer Hochschulen, ehrlos die vielen ausgezeichneten Männer jüdischer Geburt, die der Wissenschaft, der industriellen Arbeit, dem Staate, ja selbst dem Deutschtum in Oesterreich unschätzbare Dienste geleistet haben; ehrlos wären die fast zwei Millionen Staatsbürger, deren redliche und fleißige Tätigkeit mit 31t den wertvollsten Existenzgrundlagen unseres Vaterlandes gehört und die mit .Gut. und Blut zur Macht, und Größe Oesterreichs beitragen. Euer Exzellenz! Es ist Zeit, daß dem herausfordernden Uebermute, der den berüchtigten Waidhofner Beschluß diktiert hat. ein Ende gemacht werde. Dieser Beschluß ist gesetzwidrig, geseflschafts- und staatsfeindlich. Er verstößt gegen den Artikel 14 des Staatsgrundgesetzes über die allgemeinen Rechte, der Staatsbjchgevweil chie Ehre^ ein Rechtsgnt ist, ans dessen Genuß und Schutz auch die jüdische Bevölkerung vollen Anspruch hat; er verstößt gegen die §§ 302 und 491 St. G.. weil er einerseits Mn Feindseligkeiten, gegen die. jüdische NeUgionsgenossenschaft, respektive gegen die Juden als bürgerliche Gesellschaftsklasse ausfordert oder mindestens verleitet, und andererseits, weil er die Inden öffentlich verächtlicher Eigenschaften zeiht und sie dem öffentlichen Spotte aussetzt. Im Namen der österreichischen Judenschaft wenden wir uns daher au das zuständige Forum, an Eure Exzellenz als obersten Chef der Vereinsbehörde, welcher auch die studentischen Verbindungen auf Grund des Erlasses des Ministeriums des Innern vom 1. Juni 1876, Z. 2209, unterstehen und stellen die Bitte: Eure Exzellenz wolle im Sinne des § 20 des Gesetzes vom 15. Nov. 1867, R. G. Bl. Nr. 134, die Auflösung jener Studentenverbindungen, welche an dem gesetzwidrigen Waidhofner Beschlüsse mitgewirkl haben oder derselben seither beigetreten sind, verfügen und uns von der Erledigung dieser Beschwerde geneigtest verständigen." * * * Als Graf Zeppelin dieser Tage mit seinem gewalligen Luftschiffe in Wien eintraf, wurde er von der gesamten Bevölkerung jubelnd begrüßt und alle Wiener Blätter widmeten dem „Helden", der die Luft besiegt, überschwängliche Leitartikel. Wir wollen die Bedeutung Zeppelins für die Luftschiffahrt keineswegs verkleinern, aber als überaus zeitgemäß halten wir es zu konstatieren, daß ein Jude es war, dem er seine ersten Erfolge zu danken hat. Der arme und unglückliche jüdische Erfinder Schwarz ist an Hunger gestorben, Gras Zeppelin schreitet auf dem Wege des Ruhmes zur Walhalla! * * * Die bisher in den mährischen Landgemeinden durchgeführten Landtagswahlen zeigen ein kolossales Anwachsen der antisemitischen Stimmen. Die Wiener liberale Presse scheint hievon überrascht zn sein und findet, wie ein führendes Organ sich jüngst ausdrückte, diese Tatsache „höchst bemerkenswert". Wenn die Herren von der liberalen Presse bisher keine Anzeichen für ein Anwachsen der antisemitischen Stimmen bemerkt haben, dann bedauern wir nur ihre politische Kurzsichtigkeit und recht spät kommen sie vielleicht zur Erkenntnis, daß ein gutes Anteil an diesem Umschlag ihnen zu danken ist. indem sie stets gewaltig in das Horn der deutschen Gemeinbürgschast geblasen und damit nur Wasser auf die Mühlen der Antisemiten getrieben habein -i- * * Die Landesverrats-Affäre des Obersten Redl gibt auch den „Deutsch-Sozialen Blättern" Anlaß zn Betrachtungen. Sie sind allerdings danach. Das deutsch-antisemitische Organ macht darauf aufmerksam, daß nach dem Fall Hosrichter jetzt der Fall Redl im österreichischen Heer vorgekommen sei. Leider sind nun aber die beiden genannten Männer unverfälschte Arier und

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