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Die Wahrheit · 1913-05-30 · Heft 21 (30.5.1913) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 21 (30.5.1913)
Date
1913-05-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr, 21 Die Wahrheit Lette 7. Han Carnegie und von den Reichen! unter uns. Höret, Freunde ... ' Wer von Euch kennt nicht die Namen der „Großen" der .^Nenen Welt"? der Multimillionäre und Milliardäre? Und -wenn Eure Zeitungen von ihnen berichten, so lest Ihr es gern, wie Ihr von Kaisern und Königen leset. Vielleicht von jenen znit noch größerem Interesse, da Ihr doch wisset, daß sie ihre Giöße nicht ererbt, sondern erarbeitet, daß sie sich selbst zu dem gemacht haben, was sie sind. Sind sie doch allesamt Männer der Arbeit, Geschäftsleute mit praktischem Sinn, von denen man zuweilen etwas lernen kann. Von einem von ihnen .Möchte ich Euch heute etwas erzählen. Von dem, der Euch allerdings wahrscheinlich schon bekannter ist durch sein Geldansgeben als durch das Einnehmen, von Carnegie. Er ist sicher die interessanteste Erscheinung unter seiilen „Kollegen". Andrew Carnegie hat ganz klein angefangen, er ist der Sohn eines armen Webers, und ist heute einer der reichsten Männer Amerikas. Ein Mann von absolut makellosem Lebenswandel. Vor einiger Zeit erschien in deutscher Sprache ein Lebensbild -Carnegies (von Baron von Falkenegg, Verlag Voll u. Pickardt Berlin). Die interessantesten Kapitel des Buches sind wohl 'Carnegie als Erzieher und Carnegie als Philantrop. Ans ihnen sei hier einiges wiedergegeben. Andrew Carnegie, der so gut wie selten einer Geld zu verdienen verstand und dies edle Handwerk noch weiter mit recht gutem Erfolge betreibt, wiewohl er bereits nahezu 76 Jahre erreicht hat, hat die ausgesprochene Absicht: arm zu sterben. Und in der Ausführung dieser Absicht hat er bereits über 150 Millionen Dollar für soziale, humanitäre und wissenschaftliche Zwecke ausgegeben,' und man hört immer wieder von neuen Stiftungen, für die er Hunderttansende von Dollars nnd mehr aufwendet. Und was veranlaßt ihn, so zu handeln? Anschauungen, Ueberzeugnngen, denen er in seinen zahlreichen Schriften (er betätigt sich auch schriftstellerisch) Ausdruck gegeben 'har. So sagt er in seinem „Evangelium des Reichtums": „Der Wunsch, den Kindern etwas zu hinterlassen, wurzelt --mehr in der Eitelkeit der Eltern als in einer weisen Rücksicht -auf das Wohl der Kinder. Daß der Vater, der seinem Sohne ungeheuren Reichtum vermacht,, gewöhnlich die Anlagen und die Tatkraft des Sohnes t ö t e t und ihn versucht, ein weniger nützliches und weniger würdiges Leben zu führen, als er sonst führen würde, scheint mir solcher Beweise fähig, die nicht verneint werden können. Vor vielen Jahren schrieb ich in das Album einer reichen Dame: „I ch würde M e i n e m S o h n e e h e r e i n e n F l u ch a l s d e n a l l- 111 ächtigen Dollar h i n t e r l a s s en." Ausnahmen sind „zu jeder allgemeinen Regel häufig, aber es gibt kaum mehr Ausnahmen zudieser Regel als wie zu anderen, nämlich der, daß „jungen 'Leuten Reichtum ein Fluch und Armut ein Segen" ist.. . Man nehme nur die drei oder vier hervorragendsten "Namen, die erhabendsten Großen auf jedem Felde menschlichen Triumphes, und beachte, wie klein der Beitrag erblichen Ranges und Reichtums zn der kurzen Liste der Unsterblichen ist, die die Menschheit gehoben und weitergebracht haben. Man wird wohl einsehen, daß der Besitz dieser Güter der Größe und 'Trefflichkeit beinahe verhängnisvoll ist und die Größten und Besten unseres Geschlechts notwendig in der stählernen Schule der Armut erzogen worden sind, der einzig fähigen, die wirklich Großen, die Genies hervorzubringen ..." Und in seiner Abhandlung „Problem der Verwaltung .des Reichtums" führt er ans: ^Welches ist die richtige Art und Weife, den Reichtum zu verwalten^ den die Gesetze — auf denen die Kultur begründet ist den Wenigen in die Hände gelegt haben? Nur drei Formen gibt es, über überschüssigen Reichtum zu werfügen. Er kann den Familien des Verstorbenen hinterlassen, -oder für öffentliche Zwecke vermacht, oder endlich von 'Besitzern w ä h r e n d ihrer L e b z e i t e n verwaltet Uverden. In der ersten und zweiten Form ist der meiste Reichtum der Welt, der den Wenigen zugeflossen ist. bisher verwendet worden. Die erste, glaube ich, ist die unverständigste. Die Wahrnehmung lehrt, daß es im allgemeinen den Kindern durchaus nicht nützlich ist, wenn man sie mit einer solchen Pürde belastet. Mehr vorzusehen, als bescheidene Einkommensquellen für die Frau und Töchter möge man Bedenken tragen. Was die zweite Form anlangt, den Reichtum nach dem Tode zn öffentlicher Benutzung zu hinterlassen, so darf Man nach der Kenntnis der Wirkung solcher Legate behaupten, haß im allgemeinen dadurch nicht viel Gutes gestiftet wird. Der vom Erblasser beabsichtigte Zweck wird oft nicht erreicht. Nicht selten werden seine Wünsche völlig durchkreuzt. In vielen Fällen werden sogar die Vermächtnisse so angewendet, daß sie zn Denkmälern der Torheit werden. Es mnß deshalb daran erinnert werden, daß es kein geringes Geschick erfordert. Reichtum in einer der Gesamtheit nützlichen Weise zn verwenden, als ihn zu erwerben. Uebrigens schuldet das Gemeinwesen dem, der ihm nach dem Tode das Geld hinterläßt, keinen Dank. Es ist ohne Weiteres anznnehmen. daß solche Leute überhaupt nichts Hintersassen würden, wenn sie den Mammon hätten mitnehmen können. . . . Der Reiche ist zn bestimmen, der V e r w a l t u n g seines Reichtums bei Lebzeiten obznliegen. . . . Als Pflicht des reichen Mannes ist es demnach zn erachten, daß er unter Vermeidung von Pomp und Uebertreibnng ein Beispiel bescheidenen prnnklosen Lebens gibt, maßvoll für die berechtigten Bedürfnisse der von ihm Abhängigen sorgt, und hiernach alle ihm znfallenden überschießenden Einkünfte bloß als a n v e r t r a n t e Fonds betrachtet, welche er zu verwalten berufen und pflichtgemäß so zn verwalten gebunden ist, wie es ihm für das Wohl der Gesamtheit am geeignetsten erscheint. Der Mann mit Reichtum wird dadurch der bloße Bevollmächtigte und Vertreter seiner ärmeren Brüder, indem er seine höhere Einsicht und Erfahrung und sein Verwaltungstalent in ihrer: Dienst stellt und für sie Besseres vollbringt, als sie für sich selber vollbringen würden und könnten. ... Diejenigen nun, die den Reichtum weise verwalten wollen, müssen allerdings selbst weise sein, denn eines der ernstlichst en Hindernisse ist eine unterschied l o se Mildtätigkeit. Weder der Einzelne, noch die Menschheit wird durch A l m o s e n g e b e n verbessert. Die Entwicklung der Menschheit wird eine Stufe erreichen, ans der keine Form der Verfügung über überflüssigen Reichtum für denkende und ernste Männer, in deren Hände er fließt, mehr als ehrenvoll gelten wird außer der. ihn Jahr f n r I a h r fürs allgemeine Wohl zu verwenden. Dieser Tag dämmert schon. Fern ist nicht mehr der Tag. wo der, der unter Hinterlassung von Millionen verfügbaren Reichtums stirbt, die ihm bei Lebzeiten zu freier Verfügung standen, „nnbeweint, ungeehrt und unbesungen" hinscheiden wird, gleichviel zu welchem Gebrauch er die Schlacke, die er nicht mit sich nehmen kann, hiuterlüßt. . So Carnegie . . . Und daß das keine Phrasen find, die er predigt, keine grauen Theorien, beweist eben sein Tun. -beweisen die mehr als 150 Millionen Dollar, die er bisher öffentlichen Wohlfahrtszwecken zngewender hat, in deutschem Gelde etwa 650 Millionen Mark. ... Sollte nicht manch einer von uns von ihm lernen können? Gilt es nicht im allgemeinen als feststehende Tatsache, daß so manche Söhne Israels recht beträchtliche Vermögen ihr Eigen nennen? Etwas Wahres ist ja wohl daran. . . . Indes; wieviel hat doch qleich der „Jüdische Nationalfond", dieses Wohlfahrtsinstitnt. das in sich der Wohlfahrtszwecke beste und edelste umfaßt, wieviel Vermögen hat er doch gleich nach 11 jährigem Bestehen? Etwas über 3 Millionen. .... Immerhin etwas, aber nicht viel, wenn man an die Stiftungen eines Carnegie denkt. . , . Und wer gab diese 3 Millionen? Unsere Reichen? die Wenigen? Oder waren es mehr die Vielen, die Allzuvieleu. die es in Pfennigen, Hellern und Kopeken znsammensparten . . . _ D ib a r ti:

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