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Die Wahrheit · 1913-04-11 · Heft 15 (11.4.1913) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 15 (11.4.1913)
Date
1913-04-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 15. Die Wahrheit Seite 11. Die Solidarität gewisser Kantoren. Man möchte glauben, daß in unserer Zeit, in der selbst die Arbeiter vorzüglich organisiert sind, fest Zusammenhalten und bei jeder Gelegenheit Einer für Alle und Alle für Einen einstehen und ihre Interessen wahren, so daß sie einen mächtigen Faktor in der Gesellschaft bilden, mit dem man rechnen muß, auch die jüdischen Kultnsbeamten, besonders die Kantoren, die du so hochwichtiges Amt in den Gemeinden Jeschnruns bekleiden, eine Allianz bilden, sich gegenseitig brüderlich behandeln und darüber wachen, daß keinem von ihnen von irgendeinem Gemeindepascha oder von einem unsoliden Kollegen ein Unrecht geschehe, daß überhaupt Niemandem von ihren Genossen ungerechter Weise die Existenz zerstört werde. Aber weit gefehlt.. Da lebt ein würdiger, höchst anständiger, stimmbegabter berufseifriger Oberkantor zwanzig Jahre lang, in einer Gemeinde, in der er sich der größten Popularität erfreute und ungestört sür seine Familie, der er mit allen Fasern seines Lebens treu -anhänglich ist, sorgen könnte. Plötzlich jedoch wird er dem launenhaften allgewaltigen Gemeindepräses, der die Abwechslung liebt, sehr unbequem, dem sich aber auch gar bald die Gelegenheit darbietet, den braven, seit zwei Dezennien zur allgemeinen .Zufriedenheit wirkenden Oberkantor S. hinansznekeln. Es wird nämlich der zweite Kantorposten vakant, daher der Konkurs Lirr Besetzung dieser Stelle sofort ausgeschrieben werden muß. Unter anderen Kandidaten bewirbt sich auch der Oberkantor P. ans T. in Galizien um diese Stelle. Dieser wird .zur Abhaltung eines Probevortrages berufen, findet beim Präses großen Beifall und die Folge ist. daß Herr P. nicht als Uuterl'ondern als Oberkantor mit erhöhtem Gehalte in C. akzeptiert wird, soiüit hat diese Gemeinde zwei Oberkantoren. Alles weitere haben die geehrten Leser der „Wahrheit" bereits in der vorigen Nummer dieses sehr geschätzten Blattes erfahren. Das Drolligste bei der Sache ist, daß der fromme Herr P. ans lauter Zidkns den traurigen Mut hatte, das Vorgehen jener Kantoren, die ihren Kollegen Konkurrenz machen, zu verurteilen, sich rein zu waschen und zu behaupten, daß er sich um den in Rede stehenden Posten nicht beworben habe und ihn auch um keinen Preis annehmen würde. Und dennoch ist der gute Mann Oberkantor in C. geworden! Welche Wahrheitsliebe! Unwillkürlich erinnere ich mich an den polnischen Chasen R. Jankl -Chossid in K., Russisch-Polen. R. Jankl Coson, ein begeisterter Anhänger des Knttower Chassidim Rebben, galt in seiner Gemeinde, wo er das Vorbeteramt bekleidete, als großer Chossid. 'Nichtsdestoweniger gehörte er zu den Zebnjim „gefärbten", zu den Frömmlern, was aus folgenden pikanten Histörchen zu entnehmen ist. 'Er hatte eine brave schlichte Frau, namens Lea. deren er sich sehr gerne, als sie bereits 45 Jahre alt geworden, entledigt hätte, um eine jüngere Frau heiraten zu können. Eines Tages sagte er zu ihr: Leie, mein Gold! wir haben bis jetzt alle Mizwos (relig. Pflichten) die ein „gi'iter Jiid" halten muß, wenn er Olom liabo haben will, stets sehr streng und gewissenhaft beobachtet. Nur eine große? Mizwo haben wir noch Glicht mekajem gewesen, nämlich machsir geruscliosau uns scheiden lassen und dann w i e d e r heiraten. Was meinst du, wäre es nicht angezeigt, daß wir uns vom §63 Din. scheiden und nach einigen Wochen wieder trauen lassen? Wenn du es, erwiderte die arme nichts Böses ahnende Frau, für angemessen findest, habe ich gewiß nichts dagegen eiuzuwenden. Gesagt, getan. Ungefähr acht Tage später ließ sich Reb Jankl Cosid von seiner Lea scheiden. Nachdem dieser Akt vollzogen war, sagte er .zu der Geruscha: Jetzt wirst du auf vier Wochen zu unserem in B. wohnenden verheirateten Sohn Chajml fahren, denn es . wäre höchst unstatthaft, wenn dn auch nur eine Stunde vorder Hochzeit bei mir verweilen würdest. Die Arme fügte sich und tat. so wie ihr gewesener Gemahl es geboten. Sie fuhr mach B.. nahm die allernötigsten Möbelstücke mit und erzählte dem Sohne den ganzen Vorfall. Ei, Mutter, rief er ganz entrüstet aus, der Tatte hat dich -gefoppt. Sei aber ganz ruhig, ich werde dir helfen. Dn bleibst Vorläufig bei mir' und ich werde dafür sorgen, daß du bald wieder R. Jankl Cosids Weib sein wirft. Am anderen Tage fuhr Chajml nach K., um den Vater zu besuchen. Dieser zeigte sich umsomehr erfreut über den Besuch seines Sohnes, als dieser ihm sagte: Du hast vollkommen recht gehandelt, daß du dich von der Mutter scheiden ließest, denn sie ist doch schon gealtert, während du noch ein kräftiger Mann bist und daher eine jüngere Kraft als Lebensgefährtin benötigst. Nun ich möchte dir einen Antrag stellen. Die ältere Schwester meiner Frau hat eine schöne kräftige sechszehnjährige Tochter Reift, dn kennst sie ja, die möchte ich dir empfehlen als Geweres habajis. R. Jankl Cosid pochte das Herz vor lauter Freude und Wonne, nur ließ er es äußerlich nicht merken und sagte zu seinem Sohne, wenn du glaubst, daß die für mich paßt und mich gut pflegen wird, so tue. wie dn gesagt hast. Es hatte kaum vier Wochen gedauert und Chajml nahm seine Mutter, führte sie in das nächste Dorf, wo seine Schwägerin, die Mutter der erwähnten schönen Reisl wohnte, und wo auch die Cbnppa (Trauhimmel), ausgestellt war. dort zog man ihr das Brautkleid nebst dem dichten Schleier an und führte sie abends nach galizischem Branche znm Trauhimmel, der Bräutigam Jankl stand auch schon dort und dann als Chosid die Braut vor der Trauung nicht sehen durfte, glaubte er. es sei die Reisl. die man ihm zur Chnppa gebracht. Nach Vollzug des Trauaktes führte man das Brautpaar in ein Nebenzimmer und da faßte er sich und sagte: Habe ich dir nicht getagt, wir werden uns wieder heiraten? nrS rr'n rum E i n Kanto r. Verzeichnis der WerKorßenen vom 29. Mörz bis inklusive 5. April 1913. Sigmund Grün, Fabrikantenssohn, 14 I. Otto Heilig, Hilssarbeiterskind, 1 Monar. Charlotte Simon, Private. 60 I. Dr. Max Reiner, Dozent, 46 I. Noati Mnlbegert, Schneidermeister, 63 I. Friederike Kronfetd, Goldarbeiterskind, 3 I. Moritz Epstein. Sollizitator, 62*/, I. Serafine Actaß geb. Lion. Kaufmannsgactln. 57*.^ I. Katharina Amster geb. Strauß ohne Beruf. 70 I. H.rmine Weinlich. Pfründnerin, 75*/,, I. Nathan Berger ohne Beruf,. 63 I. Ernst Scernberg, GeschästsinyaberSkind, 4 Tage. Feige Engler rekre Roienbanm, Schänkersgatrin. 66 I. Grete Schacht, AgencenSkind, 1 Monat. Mathilde Spitzer geb. Rolig, Private. 51 I. Atrer Mandelbaum, Kanfmann, 52 I. Julius Mulla, Kommis, 50 I. Regine Knöpfler geb. Dick. Kanfmaunsgartin. 75 I. Friedrich Braicdl. Handelsangestelltenskind, 3/4 I. Jakob Hamlisch, k. k. Oberrevidenr i. P., 77 I. Wilhelm Kohn. Kaufmann, 59 I. Oskar Nenmann, Einj. Freiwilliger, 20 I. Hugo Silber ohne Beruf, 15 I. Mesche Frankel geb. Feld, Kanfmannswirwe, 63 I. Amalie Wechsler gev. Franzos, Kansmannswitwe. 86 I. Ernestine Rosenfeld ohne Beruf. 54 I. Mina Steiner, Hausierern:, 80 I. Lilly Feingold, Advokatenskind, 13 Monate. Bernhard Adler, Kaufmann, 65 I. Fanny Schwarzwald geb. Kleinberg, Agentensgatcin, 54 I. Josefine Schissmann. Private, 72 I. Fanny Pollak, Private, 75*/,, I. Abraham Fischer. Merallgießergehilse. 85 I. Samuel Dnb, Gntspüchrer, 56 I. Emannel Wessely, Privat, 81 I. Gerly Grauer, Kaufmannskind, 5 I. Anna Ocrenfeld geb. Schachert. Oberkautorswitwe, 74 I. Johaiina Frankl geb. Seelenfried, Pflegling, 80 I. Karoline Becherblnrh geb.-Strammer, Kürschuersgattin, 22 I. Golde Kugel, Hebamme, 40 I. Rudolf Schindler, Kaufmann, 43 I. Anstriite ans dem Indentnm. Marsch i k Gisela Maria. Kontoristin, geb. 4. Jänner 1870 in Ungarn. Wien, XVIII., Standgasse 62. Herzig I. Samuel auch Siegfried. Buchhändler, geb. 11. November 1861 in Galizien. Wien, III. Rudolf v. Alrplatz 5. R o b i rsch e k Alfred, Dr. phil., geb. 27. Juni 1871 in Wien. I., Rathaussiraße 20. Reich-Fischer Elise, geb. am 20. November 1860 in Funkhaus. Wien, IV.. Margarethenstraße 47. Alt Gisela, geb. 3. Februar 1391 in Wien. XVI.. Wnrlitzergasse 36. W e i l l e r geb. L ö w i t h Martha, Jngenieursgattin, geb. 17. November 1884 in Wien. I.. Goldschmiedgasse 9. Weiß Lili, Private, geb. 18. Juni 1833 m Wien. XII., Rechte Wienzeile 23. H ö n i ch geb. Roth Mathilde, Malerin, geb. 10. Juni 1866 in Ungarn. IX., Mariannengasse 15. Stark Bernhard, Privatbeamter, geb. 1886 in Wien, IX., Mosergasie 9. Strauß geb. Fischer Jda, geb. 14. März 1872 in Olmütz. Wien» VI., Mariahilferstraße 81. Pollak Marianne, Modistin, geb. 16. Mai 1889 in Wien. VIII., Lerchenfelderstraße 46. Steiner Otto. Ingenieur, geb. 15. Oktober 1887 in Retz. Wien, VIII., Schlösselgaffe 8.

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