Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 15 (11.4.1913)
- Date
- 1913-04-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. Die Wadrhett Nr. 15. Hochtouristik wird nicht gepflegt unddie Erzielung von übermäßigen Krastleistungeu nicht forciert. Den Wanderern wirb weitgehendes SelbstbestiniNmngsrecht gewährt (die Bestellung der Führer von Unterabteilungen im Einverständnisse mir dem Führer; Verwaltung der Kameradschaftskassa nsiv:). Aeberhanpl wird weniger die Unterals die willige Einordnung. dxr Wanderer in einem freien Verband angestrebt. Zuschriften sind a n d i e A d r e s s e des ersten Schriftführers sind, j n r. Jakob Landau, H., Zirkusgasse 10, zu richten. Deutschtum «nd Iudeutnm. (Die Inden in der K u n st.) (Fortsetzung.) . . Corinth gehl bis an die Grenze des Grotesken. Aber das Groteske ist ihm heiliger Ernst wie dem göttlichen Rabelais. Castigat rideudo: er erschlägt mit seinem Lachen die Philister, die sich immer noch über ihn entsetzen. Die gesunde Stuulichkeit, von der Corinths Wer! strotzt, straft jene Lügen, dre uns Vorreden, die deutsche Kunst sei krank. Und wäre ste krank: nicht die Reden derer würde sie kurieren, die nach Nietzsches Won die Lebendigen durch die /Toten begraben, indem sie jedes Jahr einen anderen Künstler „entdecken", den sie der Gegenwartskunst als Allheilmittel anpreisen. Nein! Sie ist kerngesund: nie hat sich mehr frisches Talent geregt, als jetzt. Und sollte sich der junge Most zu absurd gebären, so sind gerade die Quacksalber daran schuld, die sie mit Phrasen kurieren wollen. Es gibt nur ein Heilmittel und eine Lehrmeisteriu: die Natur." Ein Liebermann hat ein Recht zu einer solchen trotzigen und stolzen Wehr. Denn selbst der Antisemit Heinrich Driesruanns spricht von ihm nur mit größter Achtung. Er nennt Liebermann „eine Art Spinozist", von dem gewaltige Anregungen ansgegangen seien: „Die jüngeren deutschen Künstler haben ungemein von ihm geleint, ohne 'doch in den Bahnen dieses Technikers hängen zu bleiben" — und gerade dies ist Driesmanns wieder ein „Beweis für die unverwüstliche Lebenskraft nud Reaktiotisfähigkeit unserer Volksnatur, die einer vermeintlich obwnltenden jüdischen Kaste in Künsten und Wissenschaften längst nicht zu erliegen braucht". Was sollen also alle diese lächerlichen Behauptungen über den Zerfall der Heimatkunst, wenn alles gar nicht so schlimm ist! Ist es nicht in der Tat eine leere inhaltlose Phrase, die jeder tatsächlichen Unterlage entbehrt und nur zit agitatorischen Zwecken ausgestellt wird, wenn z. B. die „Deutsche Tagesztg." in einem Artikel über „Den Untergang der deutschen Sezession" schreibt: „Eine spätere Zeit, in der das deutsche Element sich wieder siegreich über die audersrassigen Einflüsse erhoben haben wird, muß, falls ihre Dokumente dieses Tiefstandes vor Augen kommen, staunen über die menschliche Blindheit ^des Urteils, welche es wagte, die Charlatanerieu unreifer Geister mit dem Namen Kunst zu bezeichnen. Nur durch eine urteilslose Sensationspresse war es möglich, diese Fälschung der Begriffe dem deutschen Publikum vorzusetzen als die Kunst der Kommode." Nachdem Eorinth aus Gesundheitsrücksichten das Präsidium der Sezession niedergelegt hat, ist Paul Cassierer, der Inhaber des bekannten Kunstsalons, an die Spitze dieser Künstlervereiuigung berufen worden. Das war das Signal zu einer womöglich noch gesteigerten Hetze gegen das Judentum in der Malerei. Hat doch die „Staatsb.-Ztg." schon bei dem Konflikt Liebermann-Reicke sich in ihrem blinden Haß zu der von handgreiflichen Unwahrheiten strotzenden Behauptung hinreißen lassen : „Wie dem Semiten alles Geschäft und Sensation ist, so ist es auch die bildende Kunst; und trotz seiner gerade auf diesem Gebiete mangelhaften Fähigkeiten hat er es mit Hilfe seiner Presse fertig gebracht, daß dem deutschen Volke, das einen Schwind, Feuerbach, Leubach, Leibl, Böcklin, einen Menzel usw. fein eigen nennt, Männer wie Liebermann, Corinth, Slevogt, Maröes und der ebenfalls meist semitische Import aus Paris (Monet, Cezaune, Pissaro. uftv. als Vertreter der Kunst unserer Tage hingestellt werden. —Es wird das eins der traurigsten Kapitel der deutschen Kunstgeschichte werden, daß nach dem Zeitalter, das die erstgenannten Leute, hervorbrachte, daß nach diesem Höhepunkte deutscher Kunst die Stümpereien eines van Gogh, die Exotismen eines Gauguin in Verfolgung der Sezessivusbestrebuugen zum geschätzten Kunstgnt, zu anerkannten Werten werden konnten." . Nun, von allen den hier namentlich als Vertreter der spezifisch jüdischen Kunstrichtung aüfgeführten Künstlern — neun an der Zahl — ist nur einer, Liebermann, tatsächlich Volljude„ Maroes stammt nur mütterlicherseits von Juden. Alle andern sind rassenreine Arier. So leichtfertig.springt das antisemitische- Blatt mit der Wahrheit um.. Gehörten andererseits aber Leibl, Böcklin, Oberländer und andere hervorragende „deutsche" Mal-r früher nicht ebenfalls zu den führenden Männern der Sezession? Auch heutenoch' spielen in der Sezession eine Hauptrolle Künstler, wie Leopold v. Kalckreuth, Theo v. Brockhnsen, v. Kardviff, Thoma„ Trübner, Rößler, E. R. Weiß, deren rassenreine arische Abstammung wohl selbst der heißspornigste Antisemit schwerlich wird in Zweifel ziehen können. (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten Wien Die 40. o r d e u t l i ch e G e u e r a l v e r s am m l u n g. der Israelitischen Allianz zu Wien findet Mittwoch, den. 16. April 1913, abends 6 Uhr, im Saale der israelitischen Knltnsgemeiiide. Wien, L, Seitenstettengasse Nr. 4 a l s I n b i l ä n m s v e r s a in m- 1 u u g statt. Tagesordnung: 1. Bericht über die Tätigkeit des Vereines im Jahre 1912 (nebst einem Rückblick aus die 40jährige Tätigkeit des Vereines). 2. Bericht über die finanzielle Gebahrung im Jahre 1912. 3. Wahl von fünf Vorstandsmitgliedern mit vierjähriger Fiiiiktivnsdaner. ferner Genehmigung de>- Kooptation von zwei Vorstandsmitgliedern. 4. Aendernng des § 6, ad 2 und 3, sowie § 8 der Statuten. Der Jahresbericht wird in den nächsten Tagen an die Mitglieder in Wien direkt, au die auswärtigen Mitglieder durch Vermittlung der Leitung der Filialen und Vertrauensmänner übersandt. Die vorgcschlageue Statutenündernng, die schon im vorigen Jahre projektiert war, betrifft die Zusammensetzung und Ernennung des Beiratcs. Es wird vorgeschlagen, daß derselbe in Zukunft aus einer größeren Anzahl von Mitgliedern bestehe, welche ohne Rücksicht auf die von ihnen geleisteten Beiträge aus der Mitte derjenigen Persönlichkeiten ernannt werden soll die die Zwecke des Vereins zu fördern geeignet erscheinen. Wien. Samstag, den 12. d. M-, um 1li10 Uhr vormittags findet im israelitischen Tempel, YHL, Neudeggergasfe 12. die Barmizwah des Coufirmanden Eduard, Sohn des Rabbiners Dr. Moritz Bauer, statt. Wien. Samstag den 5. d. feierte erster Kantor Leon Serebrenit das Barmizwafest seines Sohnes Berthold. Im Tempel. XVIII. Schopenhauergasse, hatten sich der Vorstand und zahlreiche Freunde des beliebten langjährigen Funktionärs eingefunden. In Vertretung der Knltnsgemeinde war kais. Rat Dr. Lieben erschienen. Der Konfirmand trug in alttraditioneller Weise die Haftora ausgezeichnet vor und Rabbi Doktor Feuchtwang hielt an denselben eine schwungvolle Ansprache. Wien. (Jü bischer W a n d e r b u n d „Blau W e i ß".) Am. Mittwoch, den 16. April, 8 Uhr abends, findet in den Sonterrainlokalitäten des Cass Prückl, I., Stubenring 24, die konstituierende Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Eröffnung. 2. Referat des Herrn cand. med. Otio Gersun y : Ziel, Zweck und Organisation des Jüdischen Wanderbundes „Blau Weiß". 3. Verlesung der Statuten. 4. Konstituierung des Vereines. 5. Wahlen. 6. Eventnalia. Gäste willkommen! D a s P r o p o n e n t e n k o m i t e e. Wien. H i l f s v e r e i n für die n o tl e i d e n d e j ü d i s ch e Bevölkerung inGalizie it.) Sonntag, den 13. d. M.. um 10 Uhr vormittags findet in den Räumlichkeiten der Jsr. Humanitätsvereinr „B'nai B'ritb", IX., Universitätssiraße 4, die ordentliche Generalverversammlung statt. Wien. (Iüdisches Schülerfest.) Bon dem Bestreben geleitet, die jüdische Jugend dem Judentum zu erhalten, und angesporut durch den Erfolg im Vorjahre, veranstaltet das rührige Komitee unter dem Protektorate des Herrn Vizepräsidenten der israelitischen Knltusgemeinde und Landesschulrates Dr. Gustav Kohn am Sonntag den 13. April d.J. um sig4 Uhr nachmittag im Prachtsaale des Hotel „Kontinental", 11.. Taborstraße 4, ein Schülerfest. Programm: Festrede, Schülerchöre, Vortragsakademie, Festspiel „Der Weg der Treue". Orchester-Kapellmeister. G a n g l b e r g e r, Karten ä 4, 3 und 2 K erhältlich Schnlkauzlei 11., Malzgasse 16, Buchhandlung I. M. Bels, I., Nabensteig, Tanzinstitnt Heimann, II., Praterstraße 43, Theaterkarten-Bureau I, Morzinplatz 5 und eine halbe Stunde vor Beginn des Festes. - Allseitige Unterstützung ' und Förderung erwünscht. Reingewinn zugunsten hungernder Schulkinder.