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Die Wahrheit · 1913-03-07 · Heft 10 (7.3.1913) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 10 (7.3.1913)
Date
1913-03-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 10. Seite 11 Die Wahrheit Oesterr.-Ungar. Kanloreu-Uereiu. Mittwoch, den 26. Februar fand eine Vorstandssitzung des ^Oesterr.-ungar. Kantoren-Vereines" statt. Anwesend waren; "Bauer. Schorr, Morgenstern, Jurberger, Schleifer, Kaufmann, 'Rosenberger, Schlesinger. Grob. Friedländer. Entschuldigt: .'Dünnmann, Kohn und Serebrenik. Vorsitzender, Präsident Bauer, eröffnete die Sitzung und widmete den jüngst verstorbenen Amlsgenossen I. Wittmann, Wien und I. Skolnik, Stanislan. warme Nachrufe, worauf .verschiedene an den Verein gelangte Zuschriften behandell wurden. Der bereits gedruckte Rechenschaftsbericht ist an sämtliche Vereins- Mitglieder ansgesendet worden. Beim Kassabericht wurde neuerdings über die lästige Ein- .zahlnttg der Vereinsbeiträge Klage geführt und wird sich der Vorstand bemüßigt sehen, diejenigen, welche den ohnehin kleinen Jahresbeitrag von blos.8 Kronen nicht senden — laut Statuten ausznschließen. Der Vorsitzende brachte weiters eine Zuschrift des Obmannes.des israel. Landeslehrervereines in Böhmen zur Kenntnis, betreffend die Mißbilligung, welche der Vorstand in der vorletzten Sitzung dem Kollegen A. Klein in Karolinenthal deswegen ausgesprochen hat, weil derselbe trotz vorher erfolgter Abmahuung auf den derzeit noch besetzten Posten in Triest einen Probevortrag absolvierte. Der Obmann des israel. Lehrervereines sucht in dieser Zuschrift sein Mitglied zu rehabilitieren und will den begangenen Fehler auf sein eigenes Konto fetzen. Das Vorgehen des Herrn Klein ist jedoch durch diese Zuschrift keineswegs gerechtfertigt und der Vorstand des Kantoren-Vereines hat beschlossen, diese Zuschrift in entsprecheitder Weise zu beantworten. 'Eigentümlich ist es immerhin, daß Herr Kollege Klein als Kantor statt zum „Kantoren-Verein" zum Lehrerverein Zuflucht nimmt und sich durch diesen vertreten läßt. ’ Leider ist ein ähnlicher, fast noch krasserer Fall anderwärts -neuerdings dem Vorstande zur Kenntnis gekommen und bringt 'der. Vorsitzende die auf diesen Fall bezügliche Zuschrift zur Verlesung, 'welche einstimmige Entrüstung hervorrief. In Czernowitz war ein Konkurs zur Besetzung der II. Kantorstelle ausgeschrieben. Dort wirkt in ausgezeichneter Weise fast 18 Jahre Mberkantor Schächter. Unter den Bewerbern ist auch Kollege Pinkassowitsch, derzeit Oberkantor in Tarnopol. Von ganz verläßlicher Seite hat nun der Vereinsvorstand gehört, daß Herr 'Pinkassowitsch den Wunsch äußerte, nicht die Unterkautorsondern die Oberkantorstelle in Czernowitz anzunehmen und daß er mach dieser Richtung eine Agitation in Czernowitz einleitete. Das 'Präsidium des österr.-nngar. Kantoren-Vereines hat sofort bei -Herrn Pinkassowitsch schriftliche Vorstellungen über das höchst unkollegiale existenzbedrohende Vorgehen erhoben, worauf derselbe eine derartige Zumutung zurückwies und selbst eine solche -Handlung von Seite eines Kollegen als „Schande" und Niedertracht bezeichnete. Nun scheint aber seine Entrüstung nicht am Platze gewesen zu sein, denn Herr Pinkassowitsch hat in Czernowitz vergangenen Samstag einen Probevortrag absolviert, welcher auch in der dort erscheinenden „Volkswehr" angekündigt war. Der Vorstand des Kantoren-Vereines hat infolge dieses Rorgehens des Herrn Pinkassowitsch beschlossen, demselben seine -entschiedenste Mißbilligung ansznsprechen und beabsichtigt weitere Maßnahmen bei den Gemeinden und anderen maßgebenden Faktoren gegen Ueberhandnahme solcher Erscheinungen einznleiten. Es ist aber Pflicht der gesamten Bernfsgenossenschaft, -mitzuhelfen, um derartige Uebelstände im eigenen Lager, die -geeignet sind, den Stand herabzusetzen, mit aller Energie zu ^bekämpfen. Berufsgenossen, die in so krasser Weise gegen die Pflichten der Kollegialität verstoßen, verdienen an den Pranger gestellt zu werden. Eingezahlte Beiträge: Serebrenik, Wien, 10 K; Allenberg. Liesing, 17 K; Skolnik, Stanislan, 10 K; Lederer. Eger, 6 L; Morgernstern, Wien, 8 K; Löwy, Kohljanowitz, 6 L; Kornstreicher, 12 K; .Jellinek, Hollabrunn, 2 K; Salar, Breitenbrnnn, 2K; S.Grün- 4>latt, Jägerndorf, 8 K; H. Kühner, Wien, 5 K; S. Handgriff, Zuaim, 2 L; M. Matyas, Wien, 14 K; L. Kraus, Essegg, 6 L; I. Schönfeld, Tab, 4L; B. Singer, Jungbnnzlau, 2L; Siegst. Kohn, Wien, 10 L; Schächter, Czernowitz, 2L; Bermann, B.-Leipa, 2K; Freisinger, Pilsen, 2 L; Jul. Steinhard, Nen-Bydzow, 2 L; M. Singermann, Troppau, 10 L. Unk H. Halpern. (Zur Erstaufführung des Theaterstückes „Das fremde Kind." Im Monate August vergangenen Jahres kam Jsak H. Halpern nach Wien. Augenscheinlich kümmerte sich keiner um diesen Mann. War es doch einer, der nach 25-jähriger Amtstätigkeit als Oberkaulor in einer der größten Gemeinden des Kontinents seines Postens verlustig wurde. Ein Freund, der viele Jahre auf der Suche nach einem Posten war und trotz seiner umfangreichen Stimme und vielseitigen Sachkenntnisse keine Stellung finden konnte, sagte mir gelegentlich: „In Wien ist derjenige ein Mensch, der einen eleganten Rock trägt, und wer einen Posten hat, der ist ein Kamor." Was Wunder wenn Halpern, der nicht mtr einer der bedeutendsten Kantoren, sondern auch der Autor mehrerer jüdisch-historischer Theaterstücke und unzähliger Lieder und Kompositionen ist, in dieser Millionen- Stadt fast gar keine Beachtung fand. In letzter Zeit wurde plötzlich der Name Halperus wiederholt in der Oeffentlichkeit genannt. Was war denn geschehen? Hatte Halpern etwa in Wien eine seinen Fähigkeiten entsprechende Stellung erlangt? Das allerdings nicht, denn er bettelt nicht um Protektion, die man hier besitzen muß, um einen Posten zu erlangen. Aber Halpern, der große. Kenner des jüdischen Schrifttums, und der Talmudist ersten Ranges ist, ist gleichzeitig mit der göttlichen Gabe ansgestaltet, auch außerhalb des Tempels für das jüdische Volk zu schaffen, zu singen und zu sagen. Und so ist es ihm während seines kurzen Aufenthaltes in ilnserer Stadt gelungen, ein neues Theaterstück zu vollenden, zu welchem er auch eine herrliche Musik komponierte. Am 1: d. M. wurde nun dieses Stück: „Das fremde Kind" betitelt, zum ersten Male auf der hiesigen jüdischen Bühne mit großem Erfolge aufgeführt. Ein distiuguierles Publikum füllte den großen Theatersaal und es waren auch viele Fachkollegen anwesend, die an den herzlichen Ovationen, welche das Publikum durch unzählige Hervorrufe dem Autor bereitete, mit inniger and aufrichtiger Freude teilnahmen. Nach dem 2. Akt dankte der Autor tiefbewegt für die ihm so offenbar bewiesene Anerkennung. Es ist auch zu erwarten, daß der Besuch an dem Ehrenabeud, welchen die jüdische Bühne zu Gunsten des Autors in der nächsten Woche veranstaltet (das Datum wird in den Zeitungen angegeben) ein sehr reger sein wird. Ueberhanpt werden die Wiener Kollegen diese Gelegenheit gerne benützen, um durch vollzähligen Besuch ihrer Verehrung für Halpern Ausdruck zu leihen- I. Grob. Austritte ans dem Judentum. Flandrak Wilhelm Josef, Agent, geb. 8. Juni 1885 in Wien. IX., . Glasergasie 19. Schneider Samuel, Architekt, geb. 3. Jänner 1884 in Wien. IX.. Fuchsthallergaffe 8. A l d o r Emmy, Privat, geb. 13. September 1891 in Wien. IX.. Frankgaffe 4. Spitzer Leo, Buchhalter, geb. 5. August 1889 in Wien. IX., Porzellaugaffe 53. R e i ch s f e l d Paul Otto, Privatbeamter, geb. 2. Juli 1887 in Wien. IX.. Clusiusgaffe 6. _ Feldbauer Albert, Holzfärber, geb. 13. Juli 1875 in Bosnien. VII., Nenniftgaffe 5. _ Heller Valerie, Private, geb. 31. Juli 1877 in Wien. VII., Kirchengaffe 42. Lustig Elisabeth geb. Pick, Beamtensgattin, geb. 28. April 1889 in Böhmen. VTL, Doblergaffe 4. Licht Rosa, geb. 28. Februar in Jaroslau, II., Gr. Mohrengaffe 34. Fischer Bruno. Fabnksleiter, geb. 24. Mai 1890 in Budapest. XIII., Kugelwiesengaffe 47. Fischer Alexandrine geb. Calmär. geb. 4. Oktober 1390 in Bukarest. XIII., Kugelwiesengaffe 47.

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