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Die Wahrheit · 1913-01-17 · Heft 3 (17.1.1913) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1913
Issue
Heft 3 (17.1.1913)
Date
1913-01-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 3 Die Wahrheit Seite 9 Hefterr.-ung. Kantoren-Werem. Die P. T. Mitglieder werden aufmerksam gemacht, daß! chie Einzahlungen der Beiträge nicht mehr per Postsparkasse. sondern per Postanweisung an den Kassier Herrn S. Jnrberger, JI. Tempelgasse 3, zu senden sind. Zuschriften sind an den Vorstand H/^Novaragasse27 zn richten. Die Tage der Vorzeit. Boil Babette Fried, Prag. (Fortsetzung.)' Die Mutter hatte davon erfahren, daß er noch immer — trotz ihres Verbotes,— mit dem armen Mädchen verkehrte, nnd sie ließ nicht nach, ihn zn bestürmen, üou ihr nach Anlassen. Er sei ihre einzige Hosinnng auf eine bessere Znknnft, und wenn sie -sich in ihm getäuscht hätte, so verlangte es sie nicht, ferner zu leben. Wenn ein Tropfen Wasser unaufhörlich träufelnd auch einen Stein anshölen kann, wie sollten die beständig dringlichen Worte einer geliebten Mutter nicht im Stande sein, ans das -Herz des zärtlichen Sohnes zu wirken nnd es umzustimmen. So kam es, daß das Verhältnis Davids zu Mina Teller ein immer kälteres geworden, dafür aber das zur Familie seines Chefs desto inniger, vertranter. Augenscheinlich war es Sommers Absicht, seinem Angestellten die älteste Tochter Klara zur Frau zu geben. Klara war etwas flatterhaft veranlagt, und so war ihr Vater darauf bedacht sie einem Manne anzuvertrauen, dessen geistige und moralische Eigenschaften, besonders dessen fester 'Charakter ihm eine Gewähr für deren zukünftiges Glück boten. Ein solcher Mann schien ihm David Borgstein zn sein. YIL ‘ David stieg im Sommer'scheu Unternehmen rasch von Stufe zu Stnfe, bis er die höchste erklommen, welche ein Fabrikbeamter erreichen konnte. Er wurde Prokurist im Geschäft, in welches er vor Jtchreivals einfacher Lehrling eingetreten war. Liebele Borgstein schwamm in Stolz und Wonne. Sie vermochte es sogar, auf Momente die ihr verhaßte Lebensstellung ihres Mannes zn vergessen, welche ihr so oft Anlaß zn Kummer und Tränen gegeben; sie setzte sich oft sogar über den Verlust ihres Vermögens hinweg, den sie bisher so schwer getragen. In ihrem Sohne ging ihr eine neue Lebenssonne auf. und winkte ihr die Hoffnung, daß ihr Mann bald aufhören werde, Salmele Narr zu heißen, da er es nicht mehr nötig haben werde ffür Geld den Narren zn machen. Die kleine Kehille, in der sie lebte, intressierte sich lebhaft für die Erzählungen von der Größe, welche David Borgstein erreicht hatte, und der die noch seiner harrte. Auch Mina Teller erfuhr davon. Jetzt war eingetreten, was sie für ihren Liebling erhofft, für sich aber gefürchtet hatte. Nun war er für sie verloren, dessen war sie sich bewußt, felbft wenn Frau Liebele nicht die von ihr verbreitete Nachricht mit allerhand auf sie gemünzten Bemerkungen versehen hätte. Was ffie für den neu eingetretenen Fall im Geiste vorgesehen hatte, wollte sie nun zur Ausführung bringen. Sie schrieb an David einen- Abschiedsbrief, in welchem sie ihm sein Wvrt zurückgab, nnd ihn bat ihrer fortab in Freundschaft zn gedenken, da sie sich nicht für würdig erachte, seine Gattin zu werden. Er möge an der Seite einer ihm an Bildung gleichstehenden Frau das höchste Glück genießen, das sie, Mina, ihm aus vollstem Herzen gönne. Sie habe längst eingesehen, daß sie eigentlich für ihn nicht passe. Jetzt sei es an der Zeit, dieses kindische Verhältnis welches sie beide wie eine Kette nach sich schleppten, abznbrechen. Der Eindruck, den dieses Schreiben auf den Empfänger machte, war kein unangenehmer. In erster Reihe freute er sich der wiedergewonnenen Freiheit. Er schien erst jetzt von -seiner Stellung ganz befriedigt zu sein, weil er sie jetzt nach jeder Richtung hin voll ansnützen konnte. Wie schrieb doch das kluge Mädchen? Ec hatte bisher eine Kette mit sich geschuppt. Anders konnte man es nicht nennen. Und welche Kette von Verdrießlichkeiten hätte dieses Verhältnis, wenn fortgesetzt nach sich gezogen! Der Vater? Ja, dem wäre es recht, vielleicht sogar sieb gewesen. Er chatte Nachbars Mindele immer gerne gehabt, und ihr Fleiß, ihre Bescheidenheit halten ihm immer gut gefallen. Zudem hatte er sich mit seinem jetzigen Berufe ausgesöhnt, und er dachte nicht daran, ihn freiwillig aufzugeben, so sehr auch David dazu drängte. Das alte jüdische Sprichwort schwebte dem erfahrenen ManNe vor Augen: „Wenn der Vater dem Sohne zieht, so lachen beide; wenn der Sohn dem Vater geben soll, dann weinen beide." Er wollte wohl eine Unterstützung von seinem Sohne annehmen — aber nicht ihm gänzlich zur Lastsallen. Anders stand es mit der Mutter. Eine ehemalige Rosch» hakohls-Tochter strebte sie nach nichts anderem, als wieder reich Und daher vornehm zn werden, nnd dazu konnte ihr nur David resp. eine reiche Heirat desselben verhelfen. Im bellen Falle hätte David zwischen der Mutter und Mina wählen müssen. Wie er sich entschieden hätte — darüber war er keinen Moment im Zweifel. Es war besser so. Er war frei geworden, ohne einen Wortbruch begangen zu haben. Andernleils fühlte er eine gewisse Leere im Herzen. Zu fest war der Gedanke an Minna mit seinem ganzen Sein verflochten gewesen. Er sah immer die schöne Näherin vor sich in einfachem aber nettem Kleide und dem schlicht gescheitelten Haare, die sanften blauen Angen so voll Liebe auf ihn gerichtet, daß es ihm oft warm wurde. (Fortsetzung folgt.) ISRAELITISCHE KULTUSGEMEINDE WIEN. Kundmachung. Im Sinne der Bestimmungen betreffend den von Herrn Donat Taussig a. A im Spital e der Israel. Kultusgemeinde in Wien begründeten Bettplatz hat auf diesen, bezw. im Falle des Platzmangels auf den Betrag von täglich einer Kroue in erster Linie ein um die Aufnahme daselbst ansuchender, armer mit dem abgenanuten Stifter verwandter Kranker, ohne Unterschied der Konfession, Anspruch, vorausgesetzt, daaa er den für dieses Spital geltenden Aufnahmebedingungen entspricht. Als Verwandte des Herrn Donat Tausaig sind in Hinsicht auf diesen Bettplatz Personen anzusehen, welche mit demselben nicht über den sechsten Grad der Seitenverwandtschaft hinaus — von dem Erblasser an gerechnet — verwandt sind. Unter mehreren Verwandten entscheidet der nähere Grad, unter gleich nahen Verwandten die Abstammung von väterlicher Seite des Erblassers. Bewerber um diesen Freiplatz, bezw. um den angegebenen Geldbezug haben haben ihre mit den erforderlichen Beilagen versehenen Gesuche bis 15. März 1913 im Einreichungsprotokolle der Israel. Kultusgemeinde Wien, I., Leitenstettengasse 4, II. Stock, während der Amtsstnndeh zwischen 9 und 12 Uhr vormittags zu überreichen. Sachdienlich-» Auskünfte werden im Stiftungsamte der Israel. Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 2, II. Stock, während der Amtsstunden erteilt. Wien, 15. Jänner 1918. Der Vorstand , der Israel. Kultusgemeinde Wien. Kundmachung. In der Versorgungaanstalt der Israel. Kultusgemeinde Wien, IX., Leegasse 9, ist an einen armen oder gebrechlichen, den im Orgauisationsstatute dieser Asstalt festgesetzten Bestimmungen entsprechenden Verwandten des am 18. Oktober 1907 i n Wien verstorbenen Herrn Donat Tauasig ein Freiplatz, eventuell an Stelle dieses Freiplatzes ein Jahresbetrag von K 820.— bis auf weiteres zu verleihen. Als Verwandte des Herrn Donat Taussig sind in Hinsicht auf diesen Freiplatz diejenigen Personen auznsehen, weiche nicht über den sechsten Grad hinaus mit dem genannten Erblasser verwandt sind. Bewerber um diesen Frei platz, bezw. um den ausgeschriebenen Jahresbetrag haben ihre mit den erforderlichen Beilagen belegten Gesuche bis 15. März 1913 im Einreichuugsprotokolle der Israel. Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, II. Stock, während der Amtsstunden zwischen 9 und 12 Uhr vormittags zu überreichen. Sachdienliche Auskünfte werden im Stiftungsamte der israel. Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 2, II. Stock, während der Amtsstunden zwischen 9 und 12 Uhr vormittags erteilt. Wien, 15..Jänner 1913. Der Vorstand der israel. Kultusgemeinde Wien.

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