Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1913
- Issue
- Heft 1 (3.1.1913)
- Date
- 1913-01-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Leue 4. Die Wage halten, kann sehr gefährlich werden. Trotzdem wüket der Kampf um die nationale Hegemonie im Staate ungezügelt, ja immer wilder, leidenschaftlicher und rücksichtsloser fort. Znm Ueberflusse gesellt sich noch der konfessionelle Kampf um das katholische Staatsgepräge hinzu, trotzdem die Bevölkerung konfessionell vielgestaltig zusammengesetzt ist und die konfessionelle Gleichwertigkeit in Staatsgruudgesetzen verbürgt erscheint. Die wirtschaftliche Not und das Wasfenglnck der an Oesterreich- Ungarn grenzenden slavischen Balkanstäaten haben die Gefährlichkeit der angeführten. Tatsachen auch nicht vermindert. Für aufrechte und für ihre tendenziös gehaßten und verfolgten Konfessionsgenossen solidarisch gesinnte, jüdische Staatsbürger erscheint es unter den gegebenen Verhältnissen noch weniger als in verflossener Zeit rötlich, sich im Kampfe einer Nation gegen die andere einer bestimmten Nation mit Haut und Haar anznschließeu und dabei durch dick und dünn mitzntun. Vielmehr ist es gegenwärtig am Platze, daß sich die Juden vorerst selbst als solche znsammensinden und beim Kampfe der anderen Nationen gegeneinander möglichst Neutralität bewahren. Es wäre wohl möglich, baß selbst die größten Jndenfeiude denselben dann eine Schonzeit znbilligen. wenn sie sich tvähreud der Kampfzeit als Waffen gegen den momentan bekämpften Gegner gebrauchen ließen. Aber die österreichische Geschichte der letzten 50 Jahre vermag die Juden wohl darüber zu belehren, daß dann des Kuckucks Lohn ihrer harre. Des Inden Losung im Nationalitätenkampfe'muß daher Gesetzlichkeit, Gerechtigkeit und Frieden lauten. Unter solcher Losung kann gegenwärtig nicht nur den Juden, sondern auch — der Regierung Heil erblühen. R. L. Die Konservativen in Deutschland nnd der Antisemitismus. (Schluß.) Für den moralischen Tiefstand der antisemitischen Presse st es. nebenbei bemerkt, überaus bezeichnend, daß die „Staatsb.-- Ztgi", um die antisemitischen Parteien von dem Fall Hammerstein zu entlasten,*) ihren Lesern in einer Polemik gegen das „Berl. Tagebl." den Bären anfbiuden will, Hammersteiu sejüdischer Abstammung gewesen : „Wenn das Mosseblatt dabei der ..Krenzztg." znm hundertsten Wale „Hammersteine" anbängen will, so müssen wir ihm zum hundertsten Male' auf die nnsaübere Schnauze schlagen, mit der Feststellung, daß der Freund der koscheren Flora von hebräischer Abstammung war." Seit den Tagen Hammersteins hat die Partei als Gesamtorganisation— einige wenige vornehme Charaktere, die zur Mäßigung mahnten, blieben stets Prediger in her Wüste —' niemals äüfgehört m der Erregung antisemitischer Leidenschaften eines der wiicksamsten Agitationsmittel zu Stärkung ihrer Organisationen nnd ihres politischen Einflusses zu erblicken. Die „Krenzztg." hat ja noch vor den letzten Reichstagswählen offen erklärt, daß die von dem Abg. Malkewitz vor zwei' Jahrzehnten' auf einem konservativen Delegierlentäge 'ausgesprochene Mahnung. ' „die konservative Partei müsse demagogischer auftreten", auch heute noch ihre'volle Berechtigung habe. Die im parteioffiziellen Aufträge heraüsgegebenen konservativen Kalender haben stets, solange sie die üblichen Werksprüche für die einzelnen Tage enthalten —seit zwei Jahren sind diese fortgefallen — Aeußeruügen der sattsam bekannten antisemisischen Autoritären in Hülle und Fülle enthalten neben einer ganzen Anzahl längst als apokryph oder als offenkundige Fälschungen sestgestellter Behauptungen, die Angehörigen des Judentums in den Mund gelegt wurden. Vor uns liegt ein im Verlage der agrarkonservativen „Thür. Landesztg." erschienener „Thüringer Völkskalender" für *) Es ist bewiesen, daß zahlreiche Konservative' die Verbrechen Hammersteins seit dem Frühjahr. 1895 nicht nur gekannt, sondern auch geglaubt! habe», es läßt sich aber auch ferner noch beweisen, — und das ist der springende Punkt in dem Falle Hammerstein überhaupt —, daß sie wisienMch dazu nntgewirkt haben, daß Herr v. Hammerstein dem Strafrichter'Wrtzogen worden ist. ° '' ' ' ' i Wahrheit. Nr. 1. 1913, der eine ganz schändliche Jndenhepe treibt. In '.einem Artikel: „DieJndenfrage — eine deutsche Frage" wird u. a. gesagt: „Seitdem, seit der Emanzipation her Jndeii. bildet die betrügerische „Pleite" eine geschätzte Erwerbsquelle und die Propaganda^ der Revolution gegen den Siaat, dem die Juden alles verdanken, was sie sind und haben, eine ehrenhafte Handlung . „Wir leiden alle am jüdischen Tuberkelbazillas aber lqir interessieren uns brennend für das Wohl dieses Bazillus, wir hegen und pflegen ihn und werden selbst dabei täglich kränker, anstatt dein Bazillus mit Feuer und Eisen zu Leibe zu . gehen und uns zu retten..."; „Unseren Herzeil die Hoffnung unseres Lebens und den Trost unseres Todes zu rauben, das ist des Inden liebste Arbeit." An einer anderen Stelle wird von Bestrebungen gesprochen, die darauf abzielen, den Deutschen „Gott und den christlichen Glauben ans dem Herzen zu reißen". Der dies, tue, sei kein „Glanbensheld, sondern derselbe kriechende und schmutzige Jude, der schon Christus gelästert nnd gemordet hat". Gegenüber diesen Glanzleistungen antisemitischer Demagogie verblassen selbst die schlimmsten agitatorischen Exzesse eines Ahlwardt und Pückler. Die konservative Partei hat eben erkannt, 'wie Dietrich von Oertzen in seiner Stöckerbiographie mit anerkennenswerter Offenheit zngesteht, - daß mit „Jndenhetze in jeder Volksversammlung ein rauschender Beifall zu erzielen" , ist. Nun hat die „Krenzztg." "(24. 11.) zwar versucht, dem jetzigen Beschluß des Ansschnsses der konservativen Partei eine kleine Abschivachnng zu geben. Die konservative Partei bekämpfe keineswegs die Inden als solche: ' , ' ' ' „Im Gegenteil, der staatstrene, geschäftlich solide, . ernsthafte Jude, der sich in unsere nationalen Ideale eingelebt hat nnd darauf verzichtet, zerfetzend zu kritisieren, was uns heilig und teuer ist, ist der konservativen Partei willkommen. Sie bekämpft,'wie das richtig verstandene Prägramm sägt, nur den zersetzenden jüdischen Einfluß ans unser Volksleben", nicht die Inden in ihrer Gesamtheit.' Wenn man vor zwei Jahren der Ansicht war, die Partei könne auf diesen Kampf verzichten, so hat die seitdem vergangene Zeit, deren Erscheinungen gerade auf diesem Gebiet sorgfältig beobachtet 'worden 'sind, gezeigt, daß dieser Kampf' noch dringend Notwendig - ist. " - "; - : ' Die ,',Deutsche' Tagesztg.". die zwar sonst bei jeder Gelegenheit'erklärt, daß sie als offizielles Organ oes/Bilnhes der Landwirte nicht befugt sei;'iin 'Namen' der konservativen' Päüei zu'sprechen, erhob aber''sofort gegen hie weitere Behäuptmig der „Krenzztg.",' daß „auch"heute noch' eine' starke Neigung in der Parket bestellt, den sögeiichülten antiseniltischeli Passus'" des Progrümmes fallen zä lassen"!. und daß Hskeineswegs' änsgeschlossen sei'" daß dies zu irgendeiner Zeit'einmal geschieht, lebhaften Widerspruch' sie habe'von einer solchen Neigung in der dentschkonservätlven Partei nichts gespürt. , „Mindestens' ist diese Neigung 'in'der Sitzung des weiteren Vorstandes der Parteien keiner Weise zum Ans druck' gekömnten. Im Gegenteile, es wurde mehrfach der Meinung Ausdruck gegegeben, daß "mail eher "ans eine Verschärfnstg'der betreffenden Satznngsbeslimülttng hinanskommem solle". ' ©te..Deutschs Tagesztg." 'gibt hier zweifellos die Stimmung der erdrückenden Mehrheit' der koilservativen Partei im'Lande wieder? Erst in diesen Tagen hat ja der Vorsitzende der koüsM vativen Landesorganisation in Bayern, der Abg. Beckh°, nieder Landesversammlnng in Nürnberg die Vertreter der Presse ausdrücklich ersucht, „auch dann über die Tagung zu berichten, wenn bei öen Verhandlungen ünangenehme Dinge über die Inden gesagt' würden". Die Juden' „seien'die Könige her Zeit" und besäßen die Macht in Deutschland. Die „Krenzztg." hat also, wenn sie wirklich —- was noch sehr zu bezweifeln istin der Stellung znm Judentum' eine weniges intransigente Haltung entnehmen wollte, auf irgendwelche nennenswerte Gefolgschaft in der Partei nicht' zu rechnen. Ist es ihr doch sch>ön sehr verübelt worden, daß sie vor einiger Zeit dem Werke eines jüdischen Autors, der einem restlosen Aufgehen des Jndentums im' DeNtschtnm das Wort redete, einige sympathische Geleitworte widmete? - ' ' '' ''