Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 48 (13.12.1912)
- Date
- 1912-12-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/3062972-3063623-3063671--08218-3075367- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 11. Nr. 48. Die Wahrheit Große und Kieme Uergeßlichtreiten^ Wer. als Vorbeter füngiert und diesem heiligen Amte vor- "steht, muß sein physisches und geistiges Auge gegen Sehadai,;. den Allmächtigen, gerichtet haben. .. Nicht ohne Absicht habenunsere Vorfahren eigene Tafeln vor dem Schnlchan anbringen' -lassen, . um dem Vorbeter mit diesem Worte unter Glas und! Rahmen seine volle Aufmerksamkeit nahezulegen. Schoninr Morgengebet erfahren wir, daß zu den Früchten, die wir im dies-i zeitigen und jenseitigen Leben zn genießen haben, die Andacht inr Gebete hinzngerechnet wird. „Wisse, vor wem du stehst, vordem^ König der Könige." Auch dieser Satz soll dem Betenden leuchtend .vor Angen stehen und ist auch in manchen Synagogen beim Altäre -angebracht. Daß sich bei aller Vorsicht, bei aller Konzentrierung unserer heiligen Gedanken in der Ausübung unseres Amtes dennoch Fehler einschleichen. Irrungen infolge Zerstreuung, vorangegangenem Aergernis rc., welche manchmal zn humoristischen Bemerkungen. oft aber auch zn Verlegenheiten Anlaß geben, ist bei dem großen Umfange unserer Amtsobliegenheiten leicht erklärlich. Da ist vor allem der junge Kantor, der in Außerachtlassung gewisser eingebürgerter Nignnim und Sangesweisen, Verwechseln der Haftora, Fehler im Leinen rc. Großes leistet/ Das Vergessen des Kidnsch, das Auslassen ganzer Gebetsteile ■ ist bei Anfängern, die, obwohl in ihrer Schule gut vorbereitet und in allen Satteln gefestigt, doch vor der großen Oeffentlichkeit infolge Erregung und Trema rc. leicht ans ihrer Rolle fallen, nichts Neues. Auch in musikalischer Beziehung sind Fehler nicht zu vermeiden. Man vermeint, eine Kednschn perfekt aus dem Gedächtnisse vortragen zu können, verläßt sich vielleicht auf den Organisten, dieser zögert, hat auch vielleicht seinen Part nicht bei der Hand und das Malheur ist fertig. Auch bei Varianten in der Widduj ober beim Hodo und Ono können Entgleisungen Vorkommen, indem man eine Strophe mit der anderen verwechselt. Nicht selten kommt es vor. daß eine Stockung -eintritt, wenn der Organist den Akkord anzngeben hat und dem Solosänger anstatt des Grundakkords eine andere Lage. z. B. den Terz- oder Qnartsextakkord anschlägt, so daß sogar der Geübtere der Verlegenheit preisgegebeu ist. Eine Domäne, wo Fehler für Anfänger wie Unkraut auf den Feldern hervorsprießen, ist das Vorlesen ans der Thora -und dem. Buche Esther. Es kommt vor, daß Funktionäre durch Jahre denselben Fehler machen nnd erst nach langer Zeit durch gelegentliches Anfmerksammachen solche vermeiden. Da liest ein Kore: „Jezaw ad“ itcho es habroclio baamosecho anstatt „baasomecho“. Und was in dieser Beziehung Unberufene leisten, geht schon über das Maß des Gewöhnlichen. SDa „dawent“ ein Balbos im Psiko desimro: Hamchasir :nescbomos lifgorim messim. Der gute Manu har uns schon .in aller Früh eine „Schweinerei" zum Besten gegeben. Noch komischer wirkt im Achtzehner-Gebet: Nisvbou umitwoch iazadikim. Ein junger Sänger erschüttert uns im Unesanetokef mit: Kacherem benisehbo’r; aber ganz unabsichtlich entschlüpfte einem Gewiegteren: — ascher hechln mizaveh goder. Daß aber auch die Nervosität eine große Rolle spielt, ist 'uns ja allen bekannt. Sie bewirkt, daß durch zn schnelles Sprechen 'ein förmliches Hervorsprndeln der Sätze entsteht, welches in rasendstem Tempo Worte verschluckt oder verunstaltet, und wenn das zur Regelmäßigkeit wird, ist es schwer, solche Unebenheiten und holpriges Sprechen anszumerzen. Bei nicht wenigen spielt die .Zerstreuung ein-: wesentliches Moment, hervorgerufen durch Sorgen geschäftlicher und häuslicher Art, so daß wir oft im -Dienst ergraute Funktionäre sehen, die bei aller Routine in Fehler geraten. Da singt der Eine die Thora hochhaltend Gadlu ciit= ‘ftatt; Jehallelu, der andere erfaßt sie mit dem Ausrufe esos hatoro“, und sie ist noch mit Mantel, .Schild und Ez chajim angetan, und ein dritter nimmt beim Umgang noch einmal denselben Weg, anstatt von der anderen Seite. So wäre .noch Legion solcher Dinge zu verzeichnen, wozil mancher Erfahrene behufs Fortsetzung dieser Schilderung die Spalten unseres Blattes gern eingeränmt erhielte. B. S. Jnngbnnzlan, Ende November 1912. Dr. Adolf und Emanuel Stern’sche Stiftung für Rigorosanten der Medizin und Chirurgie. Anzahl der Plätze: Sechs im Betrage von K 210.—. Bewerbungsberechtigt sind: Israelitische Rigorosanten der Wiener medizinischen Fakultät. Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, Armutszeusruisj Iudex, Maturitätszeugnis und Studimzeuguisse der medizinischen Fakultät ’ in Wien. Letzter Tag der Einreichungsfrist: Bl. Dezember 1912. Einreichstelle-: 1., Seitenstettengasse 4, IT. Stock, (Eiureichungsprotökoll). Zur Bewerbung sind Gesuchsbögen zu verwenden, welche in der Eiureichstelle (I., Seitenstetteugasse 4, II. Stock) unentgeltlich zu haben sind - diese Formulare enthalten auch nähere für die Einschreiter wichtige Bestimmungen. Wien, 1. Dezember 1912. Der Vorstand der Israel. Kultusgemeiude Wien. Josef Spitzer-Stiftung für des Ernährers beraubte Familien. Anzahl der Plätze: Drei oder vier im Betrage von zusammen Kronen 252.—. Bewerbuugsberechtigt sind: Jüdische Familien, welche des Ernährers, sei es durch Tod, sei es durch andere Umstände beraubt wurden. Gesuelisbeilagen: Geburtsschein des einschreitenden Familienmitgliedes, sowie Bescheinigung über den Abgang des bisherigen Familienei-nährers, Armutszeugnis. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 31. Dezember 1912. Einreichstelle: I., oeitenstettengasse 4, II. Stock (Einreichungsprotokoll der Israel. Kultnsgemeinde). Wien, 1. Dezember 1912. Der Vorstand der isr. Kultusgemeinde Wien. Zur Bewerbung sind Gesuchsbögen zu verwenden, welche in der Einreichstelle (I., Seitenstettengasse 4, II. Stock) unentgeltlich zu haben sind; diese Formulare enthalten auch nähere für die Einschreiter wichtige Bestimmungen. Lori Baumgarten-Stiftung für herzkranke Frauen. Anzahl der Plätze: Einer im Betrage von K 35.—. Bewerbuugsberechtigt sind: Bedürftige, herzkranke Frauen Israel. Glaubensbekenntnisses. Gesuchsbellagen: Geburtsschein, Armutszeugnis, ärztliches Znuguis. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 15. Dezember 1912. Verleihungstag: 26. Jänner 1913 (18. Üchebat). Eiureichstelle: I. Seitenstetteugasse 4, IT. Stock (Einreichungsprotokoll.) Zur Bewerbung sind Gesuchsbögen zu verwenden, welche in der Einreichstelle (I., Seitenstettengasse 4, II. Stock) unentgeltlich zu haben sind; diese Formulare enthalten auch nähere für die Einschreiter wichtige Bestimmungen. Wien, 1. Dezember 1912. Der Vorstand der israel. Kultusgemeinde Wien. Austritte aus dem Judentum. Bader Stefanie, Private, geb. 13. Dezember 1884 in Wien, XVI., Roseggergasse 47. Weltmann Adele. Modistin, geb. 24. Dezember 1884 in Wien, I., Zelinkagasse 11. Mandl Valerie. Private, geb. 17. November 1868 in Wien, VI., Linke Wienzeile 40. Tnrnovsky Oskar, Beamter, geb. 6. Dezember 1888 in Deutschland, U., Haidgaste 10. Boger Grethe, geb. 23. November 1892 in Troppau, II., Nordbahu» straße 32. Hirsch Julius, Privatbeamter, geb. 14. Jänner 1869 in Budapest, II., Kaiser Josesstraße 1, K o r n i tz e r Marie. Private, geb. 16. Jänner 1895 in Wien. II. Bezirk, Rueppgaste 9. F ü r t b Victor Georg, Bankbeamter, geboren 3. Jänner 1888 in Teplitz. H. Berg gaste 29. H i tz Marie Fanni, verw. Wolf, geb. Weinberger, geb. 29. August 1354 in Komorn. H. Ayrenhosgaffe 8. Staudt Alfred, Beamter der k. k. priv. Länderbank, geb. 17. März 1880 in Slavonien. UL Pfefferhosgaffe 4. Hosfmann Robert, Student, geb. 13. Juli 1892 in Wien. III. Bezirk, Hörnesgaste 20. Lwow Heinrich, stud. med. geboren 23. Dezember 1892 in PrzemysL . IX. Märiännengaste 32.