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Die Wahrheit · 1912-12-06 · Heft 47 (6.12.1912) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 47 (6.12.1912)
Date
1912-12-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Die Wahrheit Seite II. Nr. 47. Morte des Gedenkens it r f a i f e r l. Ra t Jo s e f Singer s. A. z urit er ft en Ja h rzei t s t a g e. Bon Oberkantor Jakob Bauer, Präsident des Oesterr.-nngar. Kantoren- Vereines. Ganz still, ohne Sang und Klang, wurde vor kurzem das Grabdenkmal des vor Jahresfrist Heimgegangenen kaiserl. Rates Dberkantor Joses Singer enthüllt, als ob ein Manu von der Bedeutung Singers so rasch vergessen werden sollte. Schreiber dieser Zeilen jedoch, welcher volle drei Jahrzehnte m i t ihm und neben ihm gearbeitet, wird fort und fort eines Mannes gedenken, dessen Streben es war, den Kantorenstand .zu heben und seinem Ansehen sowohl in als außerhalb der .Synagoge Geltung zu verschaffen. Nachdem ich mit der Gründung des Vereines und des Fachblattes mir das gleiche .Ziel vor Angen hielt, hatten wir gleiche Programmpnnkte. Josef Singer war ein hochgebildeter, intelligenter und zielbewußter .Fachmann, der, wie selten einer, das alte Chasonns beherrschte und für die Erhaltung der alttraditionellen Weisen seine ganze, vollgültige Persönlichkeit einsetzte. Als er mit seiner „Steigertheorie" vor die Oeffentlichkeit trat, war er selbst von hervorragenden Fachgenossen mancher scharfen, allerdings sachlichen .Kritik ansgesetzt, um schließlich doch den Sieg zu erringen. Sein großes Verdienst nach dieser Richtung kann nicht genug gewürdigt werden. Er hat eine wissenschaftliche Theorie ausgestellt, die einen hohen musikalischen und geschichtlichen Wert besitzt und für unsere heiligen, uralten Gesänge und Weisen von unschätzbarer Bedeutung ist. Sein umfassendes Wissen und seine glänzende Darstellungsgabe befähigten ihn besonders zur kritischen Beurteilung der alten und neu erschienenen Synagogen-Gesangswerke und Kompositionen. Ans diesem Gebiete war Singer tonangebend, und in unermüdlicher Arbeitskraft schuf er im Laufe der Jahre eine reiche Synagogengesangsliteratnr. die er in vielen Aufsätzen, namentlich in unserem Blatte, niederlegte. Was Singers Wirken in unserem Vereine anlangt, war sein Bestreben stets darauf gerichtet, die Organisation, die Vereinigung der Bernfsgenossenschaft zu stärken und durch dieselbe die soziale Stellung der Kantoren zu fördern. Verschiedene 'Aktionen, die der Verein unter seiner Leitung unternommen, legen von diesem Streben Zeugnis ab. Unbeirrt durch den 'Widerspruch, der sich besonders in früheren Jahren geltend machte, betonte er jederzeit, daß die Heran- und Ausbildung der jüdischen Kantoren eine Notwendigkeit sei. von der sowohl die soziale als auch die materielle Bessergestaltnng des kautoralen Standes abhänge. Daher ist er stets dafür eingetreten, daß, sowie es bei allen anderen Funktionären, wie Rabbinern, Religionslehrern und sogar „Schochtim“ der Fall ist, auch der .'Kantorkandidat, bevor er ins Amt eingeführt wird, sich einem Befähigungsexamen unterziehen solle, zu welchem Zwecke eine öffentlich anerkannte Kantoren-Bildungsanstalt nötig sei. Hiebei vertreten wir allerdings den Standpunkt, daß die Gemeinden — namentlich die Wiener K ultusg e meinde, von welcher der modern geregelte Gottesdienst durch Altmeister Salomon Snlzer gegründet, ausgegangen ist — berufen wären, eine Anstalt zur Heranbildung jüdischer Kantoren und 'Chasaium, eventuell in Verbindung mit einer Religionslehrer- Bildnngsanstalt ins Leben 31t rufen. Es ist sicher, daß die große Mehrzahl der Gemeinden eine solche Institution, die ihr das nötige Material von Funktionären sichern würde, freudigst begrüßen und fördern würde. Ebenso sicher ist es auch, daß in der heutigen Zeit nur ein weihevoller und würdiger Gottesdienst, bei welchem ein tüchtiger Kantor wirkt, imstande ist. ein Gotteshaus zu füllen und die Gemeinde zur Andacht zu leiten. Deshalb ist es auch im Interesse der Gemeinde gelegen, für einen tüchtigen und würdigen Nachwuchs von Kantoren und Chasonim %iv sorgen. - Es wäre endlich auch an der Zeit, daß gewissen unberufenen Elementen, welche zunächst ihr Glück bei der Bühne versuchen, hier sich mit den Satzungen unserer heiligen Religion in Widerspruch stellen, und nachdem sie Schiffbruch gelitten, ohne jede Schulung über Nacht Kantoren werden — nicht gar so leicht gemacht werde, das heilige Amt eines (Sch’liach- Zibur) auszuüben. Allerdings haben wir auch tüchtige und anerkannte Berufsgenossen, die früher bei der Bühne waren, aber diesen fehlte es bei ihrem Berufswechsel nicht an der nötigen chasonischen Vorbildung; ganz anders steht es jedoch mit jenen Schädlingen, die wir im Auge haben. Die Mißstände, die von solchen Elementen drohen, können nur durch die Gründung einer anerkannten Anstalt behoben werden. Zum Schluffe wollen wir noch, der bereits im Amte stehenden großen Kollegenschar ans Herz legen, dem seit über 30 Jahren bestehenden Vereine Mann für Mann beizntreten, denn rrrn dp dtid". Wir müssen und sollen stramm, friedlich und einträchtig Zusammenhalten, denn nur dann ist es möglich, alle Schäden und Uebelftände zu beseitigen. Der Vorstand des „Oesterr.-nngar. Kantoren-Vereines", welcher mit ernstem Willen und warmsühlendem Herzen sich der kollegialen Organisationsarbeit widmet und nichts unversucht läßt, mit Ersprießliches für unseren Stand zu erreichen, erwartet die vollste Unterstützung aller Berufsgenossen, 'b ’D sb '28 D8 In erster Linie sind wir selbst berufen und verpflichtet, für unsere Rechte und für unser Ansehen einzutreten und zu kämpfen, und wenn wir uns um den bestehenden Verein scharen, dann haben wir das Erbe Josef Singers hochgehalteu, denn er war ein echter, würdiger -1122: rrbc |)uf)[ilutiotien des ö|.-ung. Jtantocen-lereines. Eingang an Mitgliedsbeitcägen ab 1. Oktober 1912: I. Saller, Breiteubrunn, X 2: S. Handgriff, Znaim, I 2; B. Singer. Jnngbunzlau, K 2; S. Kraus, Effeg, X 4: I. Schönfeld. Tab, L 2; Oesterreicher. Triest. K 8; I. Grob, Wien. K 5; M. Scharr. Wien. K 26; I. Bakon. Wien, K 4; Dünmann, Wien, K 4; I. Basier, Wien, X 1t); I. Weißmann, Wien. X 10; L. Serebrenik, Wien, X 10; Kornfeld, Pilsen. X 20; I. Schlesinger, Wien, X 6; H. Lemberger. Wien, X2; I. Falk, Mödling, X 2; I. Schiller, Wien, X 6; Steinhardt.Neubydzow, X 18; Wolfensohn. Wien. X 8; G. Friedländer, Wien. X 5. An Spenden anläßlich des 60. Geburtstages des Präsidenten I. Bauer, von: Scharr, Bauer. Morgenstern, Dünmann. Jnrberger, Schiller, Baffer, X 220. Anstritte ans dem Indentnm. E n d r e Mariska Blanka. Beamtin, geb. 7. Juni 1895 in Ungarn. VI., Schmalzhofgaffe 1B. Weinst 0 ck Sophie, geb. 7. Juli 1871 in Wien. Löffler Hermine geb. Feller. Privatbeamtensgattin, geb. 10. August 1878 in Wien. L ö f f e r Albin» Privat, geb. 22. Februar 1878 in Wien. K l e i n Janos, geb. 10. April 1889 in Wien. Deutsch Arthur. Goldschmiedzeichner. geboren 5. Juli 1878 in Brünn. I. Himmelpfortgasse 12. Weiß Elsa, geb. 15. September 1883 in Wien. VI. Getreidemarkt 13. Brieß Therese, geborene Schreiber, geb. 23. Jänner 1874 in Mähren. HL Daponregasse 11. Wach Engen. Pcivatbeamrer, geboren 23. September 1879 in Wien. VI., Gumpendorferstraße 18. Fischer Frieda, Kompcoristin, geb. 5. Februar 1890 in Mährisch-Krumau. IX., Fnchsthallergaffe 4. Schnabel Gustav. Beamter, geb. 9. Juni 1890 in Wien. I., Hegelgaffe 17. Fuchs Bertha, Private, geb. 22. Oktober 1880 in Eisenberg. IX., Waisenhansgaffe 14. D u b Melitta, Private, geb. 2. Juni 1888 in Prag. III., Strohgaffe 19. Fischer Hedwig. Sängerin, geb. 23. Februar 1886 in Wien. IX., Wai'aqaffe 52. Probst Adolfine. Private, geb. 5. August in Agram. IV., Hauptstraße 23—25. Luckä. cs Moriz. Kaufmann, geb. 7. Februar 1875 in Budapest. XVII., Dornbacherstraße 105. _ Brenner Harry. Kontorist, geb. 2. August 1893 in Wien. XVTL, Hauptstraße 153. _ Hayek Emanncl, geb. 15. Mai 1859 in Anspitz. VIEL, Kochgaffe 32. Aviso! Wir ersuchen um Einsendung der restliche» Abonnementsbeträge.

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