Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 47 (6.12.1912)
- Date
- 1912-12-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Redaktion und Administration: Wien. II,, Avvaragasse 27 Telepdou: Redaktion 5509/1V. Administration 4938 II. Mrrabhängige Keilschrift fftr jüöische .K l*.— Haldiiilnig.K 7.— ß. k. üfterr..Poitsvarkasia- 8<Leck-ßoiuo Nr. 100.918. Ankerten. Für JfiiUuSlmiiiite: iMuii.iiiibriti.K 11» — JlnJevate: Die viermal geivaitene Ronvareille-Zciie 25 Heller. Erscheint jeden Areituij. Für Ausland: Abonnements- und Jnsertionsbetrage und in Wien zahlbar und klagbar. l Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ ««»»zUivrig.8 Mark t> Rudel oder U» Frc». Ur. 47. Wie», 6. Dezemver HM». Inhalt: Hilfsaktion für die jüdischen Opfer des Krieges in den Balkanländern. — Ein Licht strahlt dem Gerechten. — Die öffentlichen Lehrer und Staatsbeamten in Oesterreich und die Inden. — Die Wiener Knltnswahlen. — Wie man Antlfemrteu kuriert. — Die Inschriften des alten Wiener Friedbofes. — Auf dem Wege nach Jerusalem. — Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: „Analphabeten". — Worte des Gedenkens. — Publikationen des Oesterr.-ungar. Kantorenvereines. Kitfsaktion für die jüdischen Kpfer des Krieges in den Kalkantändern. Die Israelitische Allianz zu Wien hat im Vereine mit dem Verbände der israelitischen Humanitätsvereine „Bnai Brith" eine Hilfsaktion für die infolge des Rrieges, in unsägliches Elend geratenen jüdischen Gemeinden der Balkanländer eingeleitet, hochherzige spenden werden im Bureau der Israelitischen Allianz zu Wien, II., Untere Donaustraße 33, in den Vormittagsstunden zwischen 9 und X Uhr oder durch die Postsparkasse (Scheckkonto Nr. 8152) mit Dank entgegengenommen. Gin Licht strahlt dem Gerechten. Wieder naht das Lichtsest und gemahnt uns an die glorreichen Vätertaten, deren Nachahmung so -verdienstvoll und gerade in diesen Tagen so nötig ist. Judas Löwenmut soll niemals, sinken, wenn auch von innen und außen Verrat und Abfall die Reihen lichten. In den schweren Kämpfen der letzten Zeit bewiesen die Juden überall ihren Todesmut, in den ersten Reihen kämpften sie in allen Heeren und machten das Märchen von der jüdischen Inferiorität, Feigheit und Minderwertigkeit zu schänden! So ist es recht, so soll es sein! Mögen wir unsere Verächter durch unser hehres Beispiel Lügen strafen und mögen Licht und Aufklärung überall siegen! Wenn unsere Väter seit Abrahams Zeiten, der die Feinde in die Flucht schlug und ihre Uebermacht brach, stets glorreich kämpften bis auf unsere Tage, so können alle Verleumdungen, Lügen und Verdrehungen uns nichts anhaben; der Heldenmut unseres Volkes zeigt sich überall und steht hinter anderen nicht zurück. Wir wollen nicht über die Moral des Balkankrieges urteilen, doch hätten die Feinde Israels an uns solche Fahnenflucht, solchen Verrat bemerkt, wie er bei anderen zutage trat, wie würden sie da den Ausschluß der Juden vom Heeresdienste, ja aus der Gesellschaft, und alle möglichen Ansnahmsbestimmungen gefordert haben, sofort und unwiderruflich! Das ist unsere und die andere Moral'. Or sorua lazadik. Der Jude kämpft für sein Vaterland, für große Ideen und stirbt gleich den Makkabäern für Ideale! Wir beklagen mit der Gesamtmenschheit jeden Krieg, dessen Folgen, stets Not und Elend, oft in gar keinem Verhältnisse zu den Umwälzungen anderer Art sind! Wenn unsere Brüder kämpfen, so beseelt sie der Gedanken, die Erinnerung an ihre heldenmütigen Väter, die männiglich für hehre Ideen zu sterben wußten. Der Väter Ruhm, ein Hort spätester Enkel! Wenn die Gerechtigkeit nicht erstorben ist, so muß unseren Brüdern in den eroberten Gebieten Achtung und vollständige Gleichberechtigung in der Tat bewiesen werdenund ihnen auch anderwärts ein besseres Los zuteil werden. Wollen Rumänien und Rußland die Heldenkämpfe nuferer Brüder so gar nicht bemerken? Wollen nicht auch sie diesen Heldenkämpseru etwas Gerechtigkeit widerfahren lassen und ihren Brüdern ein besseres Los sichern! Sie leiden um ihres Glaubens willen Verfolgung, als würdige Nachfahren großer Väter, die aus der Finsternis dem Lichte entgegenstrebten und Religion als Erlebtes, an sich Erprobtes schätzen und lieben, über alles bewerten lernten! Auch uns sei die Väterreligion ans unseres Lebens täglichem Geschehen, aus jedem Ereignisse in unserer nähern und weiteren Umgebung ein Heiligtum, in dem wir ganz anfgehen sollen! Religion ist Leben. Tat, begeisternde Tat! Sehen wir es nicht täglich an unseren Heldenbrüdern, diesen armen, verachteten und gestoßenen Brüdern, die den Adel der Menschheit, aber auch ihren ganzen Jammer in sich bergen und stille Helden einer unsterblichen Idee sind und bleiben! Blicken wir hin aus die Schlachtfelder und gedenken wir der Brüder, die mit dem Schema in den Kampf zogen und so zahlreich dort verhauchten! Gewiß, alle Völker haben ihre Helden, doch wo ist ein Volk, wie Israel, unter so eigenartigen Verhältnissen, Umständen und versprengt unter alle Völker! Sie sind treue Juden, treue Bürger der Staaten, der Gesamtheiten, die sie ausgenommen. Sie verachten lauten Marktruhm, wie sie über die Gehässigkeiten und Nadelstiche ihrer Gegner mit Verachtung hinweggehen. Sie treiben nicht Patriotismus ans Kündigung, wie so manche ihrer blutrünstigen Gegner in den verschiedenen Lagern. Sie wollen Juda Makkabis würdige Nachkommen in allen Belangen sein. Lernen wir von diesen Helden unseren Glauben schätzen, lieben und wahren, lernen wir im Kleinen und Kleinsten, ihn zn hüten und zu erfüllen! Man säge nicht: „Religion ist Privatsache!" Gewiß ist Religion Privatsache im Sinne der reinsten Pflege durch jeden einzelnen, durch das Herz und Gemüt, deren Veredelung von ihr abhängt! Aber welches von Religion und Liebe zum Väterglauben erfüllte Herz könnte sich damit begnügen, nnr in sich dies Kleinod zu tragen! Nach öffentlichem Bekenntnisse, nach Zusammenschluß aller Gleichgesinnten schreit diese Herzenssache! Darum ist Religion ureigenste Herzenssache jedes einzelnne.