Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1912-11-29 · Heft 46 (29.11.1912) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 46 (29.11.1912)
Date
1912-11-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3062972-3063623-3063669--08192-3075339
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

9it., 46. Die Wahrheit Seite II Eine Aktion des österr.-nngar. | Kantoren Herrin, In der am 21. d. M. unter. Dem Vorsitze des Präsidenten I. Bauer statlgehadten Sitziuig, ail welcher die Herren H a s s e r, D ü n. m a n n, F r i e d l a n d e r, G r v b, K o h n, R o s e n d e r g e r. S ch o r r, Sch l e s in g e/r ttiiö' S er eb.r e u i! teilnahmei^ beschäftigte sich der Vörstaüd 'züüächst mit 1>em Berichte über das Resultat der laut Beschluß der vorigen Sitzung änsgesendeten Mahnungen wegen größerer Rückstände einzelner Mitglieder. In der hierüber gepflogenen längeren Debatte kam besondere Mißbilligung gegenüber jenen zum Ausdrucke, die, ohne vorher ihre Schuldigkeit an den Verein beglichen zlt haben, den Austritt anmeldeten. Jenen Kollegen, die mm Begleich der Rückstände durch Teilzahlungen ansuchten, wurde dieses Ansuchen unter der Voraussetzung, daß die weiteren laufenden Zahlungen pünktlich erfolgen, nach Tunlichkeit bewilligt »lud nachdrücklichst betont, daß in Zukunft der Vorstand muf strengste Handhabung der Statuten bezüglich Einzahlung der ohnehin geringen Mitgliedsbeiträge beharren wird. Jene Mitglieder, die die Mahnung des Vorstandes vollkommen unbeachtet ließen, wurden im Sinne der Statuten ausgeschlossen. Nach Bekanntgabe der Anmeldungen nen eingetretener Mitglieder erweckten besonderes Interesse die Mitteilungen des Vorsitzenden über die bisher eingelangten Zuschriften der Wiener Dempelvereine betreffs Beschickung der geplanten Konferenz und es ist Aussicht vorhanden, daß diese Aktion einen praktischen 'Erfolg zeitigen wird. Der Vorstand des Oesterr-.itngar. Kantoren-Vereines wird -sich aber nicht damit begnügen, nur auf die Interessen der Wiener Kantoren Bedacht zu nehmen, sondern ihm liegt ebenso sehr das Wohl der gesamten Bernssgenossenschast am Herzen und die prekäre Lage der Kantoren in den kleinen Provinzgemeinden ist ihm nicht unbekannt. Er betrachtet es daher auch als seine Aufgabe, die maßgebenden Kreise in den Proviuzgemeinden-dafür zu interessieren, daß sie nach Mitteln und Wegen suchen, um das Los ihrer Angestellten zu verbessern. Leider fehlt es uns in Oesterreich an einer Organisation, wie der Dentsch-israel. Gemeindebund in Deutschland, der jüngst an sämtliche deutschen Gemeinden bis zu 1000 Seelen — bei den größeren Gemejnden ist es draußen selbstverständlich, daß sie für ihre Beamten genügend Sorge tragen —nachfolgendes' Zirkulär versandten: „Verehrlicher Vorstand! Wir gestatten uns, dem verehr- 'lichen Vorstand das Ersuchen zu unterbreiten, den Beamten der Gemeinde angesichts der herrschenden Teuerung eine Gehaltserhöhung oder zum mindesten eine Teuerungszulage gewähren ^n wollen. Der verehrliche Vorstand wird sich mit uns, der Einsicht nicht verschließen können, daß vorzugsweise die mäßig besoldeten Beamten der kleineren und mittleren Gemeinden unter der Preissteigerung der notwendigsten Lebensmittel schwer zu Heiden haben; dazu kommt., daß bei der rituellen Wirtschaftsführung die allgemeine Teuerung noch ganz besonders hart empfunden wird. Eine Vermehrung der Einnahmen, wie sie andere Bernfsstände in solchen Zeiten anstreben, um einen Ausgleich der Verhältnisse herbeiznführen, ist dem Beamten verwehrt, es muß im Gegenteil angenommen werden, daß insbesondere die unverbindlichen Nebeneinnahmen in Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage eine Verminderung erleiden. Ans diesen Gründen erachten wir es als ein Gebot sozialer Fürsorge, den Angestellten durch eine stärkere Inanspruchnahme der Mittel der -Gemeinde über die schwere Zeit hinwegznhelfen. Keine Gemeinde wird darum, so hoffen wir, unseren Appell überhören; eine jede kann es . bei gutem Willen ermöglichen, , ihren Beamten, zum mindesten so lange die derzeitige Teuerung anhält, einen entsprechenden Zuschuß zu gewähren. Ueber Ihre Entschließung 'bitten wir. uns gefälligst Bescheid zukömmen zu lassen. Der Ausschuß .des Dentsch.Jsrael. Gemeiudebundes. -Pros. Dr. S. Kalischer, geschäftsführender Vorsitzender." So wird in Deutschland seitens der Repräsentanz der -Gemeinden für die Kultusbeamten gesorgt, aber in Oesterreich geschieht gar nichts und so sinkt der jüdische Beamtenstand immer tiefer. Wir haben wohl auch in Oesterreich einen söge, nannten Gemeittdebnud, aber er schläft seit Jahren, und hat auch niemals besonderes Interesse für die Kultnsbeamren und am wenigsten-für die Kantoren gezeigt. In Ermanglung eines berufenen Mittlers wird, also der Oefterr.-nngar. Kantoren- Vereill den direkten Weg zu.den Knlinsgemeinden betreten müssen. Die Erfolge eines jüdischen Lehrers. Bekanntlich hat der österr.-üngär. Relchskriegsminister v.P irre ich. der ungarische Landesverteidigungsiunuster v. Bihar und der Admiral v. Monrecuccoli eiu Schreib- und Leseuurerrichtssystem, das sogenannte Gabelsche System, für den Unterricht der Analphabeten-Rekruten der gesamten Armee, der Honvedmannschaft und der Marine den Mannschaft-schnlen angeordnet. Mit Hilfe dieses Unterrichtsverfahrens erlernt sowohl das kleine Kind als auch der erwachsene Analphabet binnen zehn L e k t i o n s st n n d e n das Schreiben und Lesen in solchem Maße, daß das Kind oder der Mann imstande ist, seine Gedanken schriftlich anszndrücken. Infolge obaenannten Ministerialerlasses har nnn der Lemberger Korpskonunandant. Desiderius v. Kolosvar y, den Antor des Gadelschen Systems, den Bnapester Kommunallehrer Julins Gabel, der sein jüdisches Denken und Bestreben damit bekundet, daß er seit 19 Jahren ein südlich-konfessionelles Blatt: die „Ungarische Wochenschrift", redigiert, zu einem Bortrag nach Lemberg bernfeu, damit die Ostiziere, die den Unterricht in den iniillürischen Mannsch^srsschulen leiten, auch das vraktische Borgehen dieser Unrercichtsart kennen sollen. Der Bortrag fand am 19. d. M. im Militärwiffenschaftlichen und Kasinoverein Lembergs starr. Es erschienen unter Leitung des Feldzengmeisters und kommandierenden Generals Korvskommandanten von Ko lo sv ary die ganze Generalität Lembergs, die Offiziere aller Waffengattungen. der Starrhaller Dr. v. B o b r z i n s k y, der Landesschulrat mit den Herren : Landesschulpräsident Hosrat Mizislans Ritter v. M a r i j o w, Anton Kawecki, Alfred Jahn er und Kasimir Bruchmalsky, ferner die Herren vom Magistrate der Stadt Lemberg. Der Bortrag dauerte etwa 3/4 Stunden, welchen Lehrer Gabel mit einer psychologischen Begründung des Unrerrichtssystems einleitete. Zum praktischen Teil des Borrrages erschienen zirka 200 Analphabeten, die aus den Kasernen Lembergs hinkommmandiert worden sind. Oberst R e i m a n n und der Platzkommandant wählte von diesen Leuten fünf solche Absolut-Analphabeten heraus, die noch nie einen Bnchftabeir kannten. Der Erfolg war verblüffend. Die Männer erlernten in einer Viertelstunde die erste Wandleietafel genau lesen und schreiben. Es war erstaunlich, daß einer der Analphabeten, der noch nie im Leben einen Buchstaben schrieb, den schwierigen Buchstaben des lateinischen Alphabets, das große „A" mit vollständiger Genauigkeit niederschreiben konnte. Die anwesenden hohen Würdenträger sagten dem vornehm gebildeten Pädagogen in überaus warmen Worten ihren Dank und ihre Anerkennung für feine überraschende Leistung. Es wurde be» schloffen, dieses System in polnischer und ruthenischer Sprache zu edieren, damit das polnische und ruthenische Volk in diesen Unterrichtsbehelfen bei ihrem elementarsten Unterrichte der Kleinen in der Schule und der erwachsenen Analphabeten eine feste Grundlage haben sollen. Austritte ans dem Indentnm. A s ch n er. Dr. Bernhard. Arzt, geboren am 27. Jänner 1893 in Wien. VII. Breiregasse 3. W i n d m ü l l e r Herrmann, geb. 12. April 1884 in Berlin. VII. Bezirk, Nenstiftgaffe 66. Po llak Albiue geb. Pollak, Kaufhändlersgattin, geb. 18. Jänner 1876 in Wien. IX. Nußdorferstraße 16. Goldes Bertha. Knnststickeriu, geb. 22. Juli 1890 in Galizien. XX., Ochmargaffe 14. R o b i r s e k Stefan, geboren 26. September 1876 in Wien. IV. Bezirk Brucknerstraße 8. R o b i r j e k Stefanie, geboren 16. August 1906 in Wien. IV. Bezirk, Brucknerstraße 8. Ganz Josef, Realschüler, geb. 1. Juli 1898 iu Budapest. XIX., Peter Jordanstraße 72. H a s e n b e r g Franz, Ingenieur, geb. 7. Jänner 1885 in Drenic. IV., Göldegg-Gaffe 14. Robitfek geb. von Mauthner, Marianne Henriette, geb. 4. Juli 1886 in Brauhof. IV. Brucknerstraße 8. Ehrlich Samuel, Schriftsetzer, geboren 28. Oktober 1865 in Rosenberg, XIV. Benedikt Schellingecgaffe 35. Se igelt Marie, verehel. Wagner, geb. 26. September 1889 in Wien. XX. Wallensteiustraße 30. Wagner Markus, Buchbinder, geb. 27. November 1885 in Ung.-Brod. XX. Wallensteinstraße 30. Sckäffer Szali. Artistin, geb. 24, Jänner 1889 in Ungarn. II. Bezirk, Praterstraße 56. Sch äff er Ilona, Artistin, geboren 10. Oktober 1896 in Bulgarien. H., Praterstraße 56. Spitzkopf Rosa geb. Steinhart, geb. 3. April 1881 in Prerau. XHL, Märzstraße 126. ©reger Rudolf, Privatbeamter, geb. 22. Dezember 1887 in Hafnerbach N.-Oe. IX., Georg Siglgaffe 2. Sachs Franziska, Private, geboren 4. Juni 1889 in Wien. IX. Bezirk, Hörlgasse 10.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.