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Die Wahrheit · 1912-09-20 · Heft 37 (20.9.1912) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 37 (20.9.1912)
Date
1912-09-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Die -, — --1•— liub Ehrenämter ergattern zu können, während sie im Inneren ihrer Gemeinde, so oft es gilt, die religiösen Anstalten,' wie die Humanitären 'gemeinnützigen Institutionen k r äs ti g st zu nnterstützeu, kühl bis aüs Herz hinan dastehen. Undwennuun der Versöhnungstag herannäht und sie endlich einmal die Synagoge mit ihrer Gegenwart beglücken, glauben sie was Großes geleistet. ihrer Psticht Genüge getan, ihre Sünden gesühnt und Absolution erhalten zu haben. Me gewaltig aber täuschen sich diese Leute. Ihre ganze Denkungsart beweist, daß ihnen der reine geläuterte Gottesglanbe fehlt, ja daß ihnen überhaupt die Kenntnis der Thora und der Tradition vollständig abgeht, denn sonst würden sie ja den Versöduungstag mit seinen Bnßeanstalten für einen Tag des „Ablasses" halten. Ein Ausspruch unserer Weisen lautet nw;b rra p,tsdö pN auwri xtoriK : naiKn rrawn „Wer da spricht: Mag ich immerhin sündigen, so schadet es mir nicht, denn ich kann ja wieder Buße tun", wer also die Bußeanstalten unserer heiligen Religion, wozu vorzüglich der Versöhnungstag gehört, zu einem sogenannten Ablaßkram mißbraucht, dem kann n i e verziehen werden. (Tal. Joma). Solcher Art Sünder hat es wohl zu allen Zeiten gegeben. Schon der Prophet Jesaias hatte das Treiben derartiger Sünder im Namen Gottes getadelt, indem er ihnen znrief: Hachose zäum ewchoreliu. Glaubt ihr denn, daß ich diesen Fasttag (Jom Kippur) eingesetzt habe, damit er zum Ablaßkram herabgewnrdigt werde, glaubt ihr. es genügt, wenn man nur fastet, seinen Körper kasteiet, sein Haupt wie ein Schilf krümmet und auf Sack und Asche sich bettet? Das ist nicht der eigentliche Zweck des Versöhnungstages. Kalo so zäum ewchorehu. Nein, das ist ein Fasten, daran ich mein Gefallen habe: Oeffne die Ketten des Frevels, löse die Banden des Joches, die Bedrückten. die laß frei und jedes Joch zerreißet. O, brich dein Brod dem Hnngerigen. die Heimatlosen, die grausam Verfolgten bring in dein Hans, siehst du einen Entkleideten, verschaffe ihm die nötigen Kleider, entziehe dich nicht dem, der deines Fleisches ist. Dann wird wie Morgenröte dein Licht durchbrechen uüd dein Heil schnell gedeihen. Dann wallet die Tugend vor dir her und die Majestät Gottes schließt den Zug. Dann rufest du, und der Ewige erhört, stehest und er spricht: „Hier bin ich!" Wckblick ans das Jahr 5672.*) (Von September 1911 bis September 1912.) Nachdruck nur mit Quellenangabe gestattet. (Schluß.) April. In London wird im Judenviertel ein Denkmal König Eduards VII. enthüllt; das Geld hiezu brachten die armen Juden Londons halbpennyweise auf. — Religionslehrer Ignatz L ö w. Amtsleiter des Bezirkes Floridsdorf, feiert seinen 70. Geburtstag und sein 50 jähriges Amtsjubiläum. — Der Archivbeamte der Wiener Kultusgemeinde, Siegmund H u s s e r l, starb 53 Jahre alt. -— Der Private Josef Spitzberger in in Wien hinterläßt sein ganzes Vermögen,: 2% Millionen Kronen, der Wiener Knltusgemeiude zur Errichtung eines Kinderspitales. — In Paris starb der ans der Dreysüs-Affaire bekannte Historiker Professor Gabriel Monod. :— Der Kaiser ernannte zu wirklichen Professoren der Wiener Universität: die Mediziner Dr. Max Neuburger, Dr. Otto Znckerkandl und Dr. Julius Rothberger. Bloß den Titel eines außerordentlichen Professors erhielten die Dozenten Dr. M. H a j e k, Dr. Jul. N e u nt q lt h, Dr. Viktor Hammerschlag, Dr. Friedrich P i n e l e s und Dr. Alfred Fuchs. — In Wien starb der Vorstand im Tempel Josefstadt, Samuel Steiner. — Kultusrat Siegmund Schwarz in Brunn erhält vom Kaiser das Ritterkreuz des Franz Josefs-Ordens. — Der erste Vizepräsident der 'Kultusgemeinde Wien, Landesschulrat Dr. Gustav K o h n, erhielt vom Kaiser den Orden der Eisernen Krone III. Kl. — Die Tageszeitung „H azefir ah" in Warschau feiert das 60 jährige Jubiläum ihres Bestandes. — *) In voriger Nummer soll es unter dem Datum 23. Oktober richtig heißen: In Brody (Galizien) starb Direktor Dr. Leopold H e r z l. Wahrheit. Nr. 37. —,—--—— . Dr.. Siegmnnd Ro n a wird vom König Franz Josef zun) Direktor der'meteorologischen-Reichsalistatr in Budapest ernänilti. >—7'Gemeiiiderat der 'Stadt Wien, Knltusvorsteher Max F r au k. hält feinen letzten Rechunilgsabschlnß. Dle jüdische Großgemeiude Wien hat Einnähmen und Ausgaben von etwa 3'2 Millionen Kronen' und einen U e b er s ch n ß voll 25.000 Kronen. Der berühmte Maler Isidor K a u s m a n n in Wien erhält' als höchste Auszeichnung die g r o ße g v l d e il e S t aats m e d a i l l e. — Bei der großen Schiffskatastrophe der ■„% i taui c" kommen mehr als 70 jüdische Passagiere lims Leben. Darunter die Millionäre Benjamin G n g g e n h e i m und Philanthrop Isidor Strauß samt Gattin, die ihm mutvoll in den Tod folgte, jede Rettung abweisend. — In Fez werden bei einem Aufstand 1000 Inden ermordet! — In Wien starb der hervorragende Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Daniel Bachrach. — Trotz nnZlaublicher Gewaltakte verlieren die Wiener Christlichsozialen bei den Gemeinderatswahlen doch zehn Mandate. — Oberrabbiner Buchler in Moor (Ungarn) erhielt vom König das goldene Verdienstkrenz mit der Krone. — In Lemberg starb.der Philanthrop Direktor Moritz Lazarus, Stifter des jüdischen Spitals, im 80. Lebensjahre. — Protest der englische n In d e n h e i t gegen die R i t u aIm o r dhetze in Rußland. Mai. 1. Oberkantor Professor Leon K a r t s ch m a r o f f in Groß-Kanisza feiert mit seiner Gattin das Fest der g o l d eneu Hochzeit. Er wirkt seit 47 Jahren in seiner Gemeinde in hervorragender Weise. — In K a t towitz wird in einer großen Versammlung thoratrener Inden aus allen Ländern der Weltverband „Agndath Israel" begründet. — Miß Nancy Isaacs wird als erste Dame zur Richter in in Australien ernannt. —In Neuseeland wird Mr. Arthur My ers Minister. - — In Wien starb Knltnsvorsteher, Großindustrieller David Ritter von Gutmann im 78. Lebensjahre. In ihm verlor das Judentum einen hervorragenden.Wohltäter. — Der Begründer der Lissaboner Judengemeinde und deren Ehrenpräsident, Abraham den Sande, starb 75 Jahre alt. — Schriftsteller Professor Ed. Nasche r in Wien feiert seinen 60. Geburtstag. — Oberrabbiner Jakob Schwarz in Csäkathurn (Ungarn), seit 50 Jahren Rabbiner, erhielt vom König das goldene Verdienstkrenz mit der Krone. — Armenrat Josef I ellin ek in Wien feiert seinen 80. Geburtstag. — Dr. Felix Fischet, Sekretär der Kultusgemeinde Prag, starb 50 Jahre alt. — Der große österreichische Dichter, Dr. Arthur Schnitzler in Wien, feiert unter zahllosen Ehrungen seinen 60. Geburtstag. — In Lissa (Polen) starb der Verfasser vieler philosophischer und historischer Werke, Rabbiner Dr. Samuel Bacek, im 79. Lebensjahre. — Religionslehrer Samuel S ch o ß b e r g e r in Brünn feiert seinen 70. Geburtstag und sein goldenes Amtsjitbiläum. — Im Wiener Beth-ha-Midrasch wird zum Atldenken an den großen Gelehrten Lektor Mayer Friedmann s. A. eine Gedenktafel feierlich enthüllt. — Sir Edward S a s s o o u, Deputierter des englischen Parlaments, ein intimer Freund des verstorbenen Königs Eduard VII., starb infolge eines Unfalles, 56 Jahre alt. — Ignatz' Zolles, Präses des Vereines „Mazmiäch JeschUa" und Obmannstellvertreter des Polnischen Tempels „Beth Israel" in Wien, feiert seinen 70. Geburtstag. — In Kntina (Kroatien) wird der Grundstein zu einem neuen Tempel gelegt. — Religionslehrer Daniel Skutetz ky starb in Wien 69 Jahre alt. — In Nachod (Böhmen) starb der Gemeinde- und Knltnsrat Ludwig Pick im 51.. Lebensjahr. — Josef T e i n o w i tz, der mehr als 30 Jahre Kantor in Karlsbad war, starb nach 'längerem Leiden. Juni: Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Arnold Ra bet, ehemaliger Redakteur der jüdischen Wochenschrift „Die Neuzeit", starb in Wien, 74 Jahre alt. — Die Präsidentin des Essegger Frauenvereines, Frau Friederike B a n er,' erhielt vom König Franz Josef das goldene Verdienstkreuz mit der Krone. — In Jerusalem beginnt die Zeitung „Hacheruth" täglich zu erscheinen. — In Nikolsbnrg starb der langjährige Bürgermeister der Jsraelitengemeinde, Morih A b e l e s, 55 Jahre alt. — Infolge des Krieges zwischen Italien und der Türkei werden mehrere tausend italienische Juden aus der Türkei aus-

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