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Die Wahrheit · 1912-08-30 · Heft 34 (30.8.1912) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 34 (30.8.1912)
Date
1912-08-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 34. Die Wahrheit Teile A. io angefeiudeten Geschichten von Abraham, Jakob, Joseph, Moses, die Geschichte der Könige Sanl. David und Salomo, das Lebensbild des Elias, des Hiskias, des Josna, des Jeremias, -des Esra und des Nehemia, des Judas Makkabäns, des Herodes und seiner Söhne einen sehr breiten Raum ein. Die deutsche Lehrerschaft, also das allein zur Lösung dieser Streitfrage berufene Forum, hat sich nicht entschlichen -.föniieu, den Unterricht im Alten Testament irgendwie zn verkürzen oder ihm etwa den Garaus zn machen, wie es die antisemitischen Verehrer des Wodausknltns seit Jahren stürmisch -fordern. Sie haben sich damit einmütig zn der Auffassung bekannt, der im Verlauf dieser Polemik eine Zuschrift au die „Nat.-Ztg." wie folgt Ausdruck gab: „Das Alte Testament har Stellen, die auch für uns religiös fruchtbar sind. Das jüdische Volk ist ein Volk der Religion, es ist darin der Lehrmeister für die ganze Welt — nicht •nur fürs Christentum — geworden, nur brauchen uns nicht .zu schämen, von ihm zu lernen. Ueber die religiösen Gedanken, die im Schöpfungsbericht stecken, über den religiös-sittlichen Ernst der Sündenfallerzählung ist noch niemand hinansgekommen. Die Kenntnis dieser Gedanken wird auch über die Schulzeit hinaus nicht unnütz sein. Sie wird zn entscheiden haben, ob jene „blutrünstigen, mythischen" Geschichten erst dem reiferen Kinde vorzulegen sind, das einer religionsgeschichtlichen Betrachtung zu folgen vermag, ob es nötig ist, „das Hirn acht Schuljahre damit git beschweren". Aber das Alte Testament aus dem Religiousunterricht zu nehmen ist vom geschichtlichen Standpunkt aus völlig unmöglich, vom religiösen aus sehr zn bedauern. Das Alte Testament ans dem Religionsunterricht nehmen, heißt ihn verflachen. Verschiedene Nachrichten. Wien. Der Primarius am Karolinen-Kittderspital, Dozent Doktor Wilhelm K n ö p f e l m a ch e'r, ist zum außerordentlichen Professor ernannt worden. Wien. (Er i u n ernn g an einen b.e deutenden Liter a t e n.) Zn Beginn des kommenden Winters wird der 100. Geburtstag des unvergeßlichen, großen Nabbiners und Gelehrten Josef W e i s s e s. A. begangen und gefeiert werden. Wenige Monate vorher, am 28. August d. I. sind es 70 Jahre, daß fein als Schriftsteller und Dichter, während feiner langen redaktionellen Wirksamkeit in Hamburg sehr geschätzte Sohn Dr. Arnold Weis s e, in der mährischen Scadt Prerou geboren wurde. Bor 2 Jahren, 4 Tage vor seinem 68. Geburtstage, verschied er in Wien und ruht nun zn Füßen seiner unvergeßlichen, verdienstvollen Eltern auf dem alten jüdischen Friedhos in Vä-gujhely (Ungarn). Der Verewigte war ein Freund nuferer Jugend nnd unserer Familie, in deren Dienst er seine Feder stellte. Er sah die große Zukunft voraus, die unser harrt und liebte sein Volk. — Was er für unsere Familien in den letzten Lebensjahren schrieb, verdient neuerdings veröffentlicht zn werden. — Ehre seinem Andenken! M. A. Wien.' (Bethausvereiu „Ad aß Jeschnrun" IX., Pflug gasse Nr. 5). Der Verkauf von Bersitzen für die hohen Feiertage findet im Vereinslokale Sonntag, den 1. nnd Sonntag, den 8. September von 10 bis '/21 Uhr, Montag, 2. September bis inkl. Donnerstag. 5. September, ferner» Montag, den 9. und Dienstag, den 10. September von 6 bis 'Iß Uhr abends und Samstag, den 7. September von 7 bis 8 Uhr abends statt. ~ Kierling. Jüngst fand hier in Schlögl's isaallokalitäten eine glänzend verlaufene Wohltätigkeitsakademie, verbunden mit einem Tanztränzchen statt. Der überaus gelungene Abend stand unter der Leitung des. durch seinen Wohltätigkeitssinn bekannten Herrn Max Wagner. Nach der Eröffnungsansprache desselben folgte eine Reihe von gelungenen Vorträgen. von denen wir als die glänzenden hervorhebeu: Die vielen aus- .gezeichneten Darbietungen des Öberkantors, Herrn Karl Neumann und 'die Konzertvorträge der Familie Koller. Dem wohltätigen Zwecke des Abends floß ein reiches Reinerträgnis zn. Berlin. Das Zentralkomitee der Zionistischen Organisation tritt vom 1. bis 4. September in Berlin zusammen. In fast jedem Laude bestehen zionistische Ortsgruppen, die zii Landesverbänden mit besonderen Vorständen zusammengeschlossen find. Alle 2 Jahre tritt der Kongreß zusammen, der aus sämtlicheu Ländern beschickt wird. Je 200 Zionisten wählen dazu einen Delegierten. Der Kongreß wählt das Aktions-Komitee, das aus 30 Mitgliedern besteht, von denen 5 die oberste Leitung, das sogenannte ^Engere Aktions-Komitee" bilden. In den Jahren, in denen kein Kongreß stattfindet, tritt das Zentralkomitee zusammen, welches ans den Mitgliedern des Aktions-Komitees, Vertretern aller Landesorganifationen nnd den Leitern der wichtigsten zionistischen Institutionen besteht. Auf der bevorstehenden Tagung wird hauptsächlich die zionistische Palästinaarbeit, die Propaganda und die allgemeine politische Lage erörtert. Berlin. (Amtsbezirke für die Berliner Gemeinde- Rabbiner.) Bereits vor längerer . Zeit ist ans . dem Schoße der Gemeindeverwaltung angeregt worden, eine Dezentralisation der Kultusverwaltung derart vorzunehmen, daß für das Predigeramt nnd zum Zwecke der Seelsorge den Gemeiuderabbinern bestimmte Bezirke zugewiesen werden. Da es infolge der bevorstehenden Errichtung mehrerer Gemeinde-Synagogen ohnehin nicht mehr möglich sein wird, die bisherige Gepflogenheit aufrecht zu erhalten, daß die Herren Gemelderabbiner fast sämtlich an allen Synagogen amtieren, hat der Gemeindevorstand, der erwähnten Anregung Rechnung tragend, beschlossen, Amtsbezirke für die Herren Rabbiner zu schaffen. Bon der Eröffnung der Synagoge Fasanenstraße an soll jeder Rabbiner nur an zwei Synagogen amtieren, in jeder Synagoge sollen 3 Rabbiner predigen. Bei der Einteilung ist die Synagoge Levetzowstraße, mit deren Bau in nächster Zeit begonnen werden wird, zum Teil bereits berücksichtigt. Bis znr Eröffnung der Synagöge Levetzowstraße und bis zum Amtsantritt der zur vollen Durchführung der Bezirkseinteilung noch zu berufenden Rabbiner sind einige provisorische Anordnungen getroffen worden. Der Gemeindevorstand har sich Vorbehalten, in einzelnen Fällen den büliu Gottesdienst amtierenden Rabbiner abweichend von den bisherigen Festsetzungen zn bestimmen, lnsbeiondere Über das Fungieren an den hohen Feiertagen in den Berlokaleu Bestimmung zn treffen und auch für feierliche Gelegenheiten einen der amtierenden Rabbiner ohne Rücksicht auf die obige Einteilnng mit der Funktion zn betrauen. Sofia. (Eine jüdische Deputation bei König F erdin a n d.) Ans Sofia, 23. d.. wird berichtet: Dieser Tage empfing König Ferdinand von Bulgarien die jüdische Deputation, die ihm die Glückwünsche der bulgarischen Inden und das Jilbllänmsgeschenk der Kultusgemeinden, bestehend aus einer Thorarolle mir den dazu gehörigen kunstvoll ziselierten Silbergegeilständen überreichte. Auf die Ansprache des Gcoßrabbiners von Bulgarien, Dr. Ehren teil, der die Deputation führte, dankte der König mir großer Wärme für die dargebrachren Glückwünsche und „für das herrl'che symbolische Geschenk", daß er mit besonderen Vergnügen entgegennehme. Der König sagte unter anderem: „Ich bitte Sie. Herr Gcvßrabbiner, seien Sie bei Ihren Glanbensgenossen der Dolmetsch meiner' besonderen Erkenntlichkeit für diese zarte Anfmerksamkeit, die mich tief rührt und Dolmetsch meiner unwandelbaren und aufrichtigen Sympathie für meine jüdischen llnterranen. Ich habe schon oft Gelegenheit gehabt. Ihnen zu sagen, wie sehr ich das jüdische Volk hochschätze und daß ich stets in meine jüdischen Bürgern ein Element der Ordnung und des Fortschrittes im Lande sehe. Sagen Sie Ihren jüdischen Mitbürgern, daß sie allezeit auf mein Wohlwollen rechnen dürfen. Kopenhagen. Mittwoch, den 14. d. M. gelangte im „Tivolis- Konzertsaal" unter Leitung des berühmten Dirigenten Herrn S ch n e d l e r- Pe rersen ein großes Orchester-Werk „Orientalische Suite", eine Komposition des hiesigen Oberkantors. Herrn Jakob Beimel, zur Aufführung. Der Erfolg war groß! Alle hiesigen Zeitungen haben sich sehr lobend über diese Komposition ausgesprochen. Einige derselben haben die Photographie nebst Biographie des Komponisten veröffentlicht. Herr Jakob Beimel ist bereits durch seine jüdischen Kompositionen (Lieder) sowie durch seine Aufsätze über jüdische Musik, veröffentlicht hauptsächlich in „Ost und West", bekannt geworden. Jüdische Bühne, Hotel Stefanie. II., Taborstraße 12. Die rührige, hier bestens akkreditierte Direktion Siegler hat für die kommende Saison, die am 21. September 1912 eröffnet wird, ein vortreffliches Ensemble engagiert, bestehend ans solqenden Knnstkrästen: Frau Rosa Siegler, Frl. Lia Weiutraub. Frau Salcia Weinberg, Frau Pepl Weinberg, Frau Ernest. Jungwirth. Frait Mina Deutsch. Frl. Frieda Körner. Frau Berson. die Herren M. Siegler, M. Streng, I. Deutsch, Jonas Reißmann, Solomon Podzamcze, Leopold Jnngwirt, M. Weinberg. I. Mestel, L. Katz und H. Weinberg. Infolge der diesjährigen ganz besonderen Bemühungen des Direktors in der Auswahl der Kräfte als auch in der Ansgestaltung des Fundus und der sonstigen szenischen Behelfe, verspricht die Saison einen durchaus zufriedenstellenden Verlauf zn nehmen. Anstrille ans dem Indenlmn. Senezvui ki Klara, geb. Klang, geb Juli 1875 in Tarnopol, VII., Josesstädterstraße 22. Weltlich Maria. Privat, geb. 13. Avril, Wien. VIII.. Löweubnraq. 24. H erz l Bikcoc Wilhelm, geb. 26. Dezemoer 1835 in Krems, Wien, XVIII., Kreuzgasse 15. Glück L>ly. geb. 5. Avril 1868 in Brünn, Wien, XVH.. Ortliebg. 17. Gärtner Olga. Verkäuferin, geb. 28. Juni 1880 m Prerau, Mähren, XVII.. Wichtelgaye 76. Brei er Sidonie, geb. 1873 in Ungarn. Wien XII., Wilhelmstraße 33. Bauer Alfred, Privatbeamrer, geb. 8. März 1890 m Wien. II., Obere Dvnanstraße 109. Beck Panline geb. L ö b l, geb. 9. Mai 1367 in Wien, H., Taborsir. 11. Pallak Ludwig. Schlaffer, geb. 2. Oktober 1881 in Jglan, II., Kaiser Josesstraße 27. Berger Friedrich. Buchhalter, geb. 30. Mai 1884 in Wien, XIV.. Rnstengaffe 9. Fröhlich Hermine. geb. Goldberger, Private, geb. 29. Oktober 1862 in Prag, VII., Landougaffe 44. Guttmann Olga, Weißnäherin, geb. 20. April 1887 in Wien, XII., Schönbrunnerstraße 197. F i l i p p Josef, Mediziner, geb. 16. November 1875 in Ungarn, XVHI., Antonigasse 15. Löwy Karl, Geschäftsdiener, geb. 27. November 1882 in Wollin, N.-Oe., II.. Miesbachgaffe 14.

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