Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 29 (26.7.1912)
- Date
- 1912-07-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. Die Wahrheit. August th Gottschlig: der Name mag als Uebersetzung des hebräischen Eleazar anZusehen sein. Hartleben de Parkchazir der.bekannte Verleger, Levitenfamilie aus Mainz. Ignaz von Loyola: der Begründer des Jesuitenordens, stammt nach dem Semigotha aus einer geadelten Spaniolensamilie. I o s e f v o n M a r k n s, unser gewesener Oberbürgermeister ist Zudenstämmling, da (so heißt es bei ihm wortgetreu) in Budapest jeder Dritte ein Jude und jeder Vierte ein Getaufter ist. Medragy v. Davidhaz, Senats-Präsident an der kgl. Tafel in Nagyvarad. stammt „wohl" ans dem Hanse David. Singer: die Familie unseres Chefredakteurs ist mit dessen Großonkel, dem Eigentümer des Wiener Extrablatt Franz Ignaz Ritter v. Singer vertreten als Askenases aus dem Stamme Schimeon. S zen asy de To llkutas waren Juden : Askenasi, magyarisirt A-sceuasi. daraus mit Weglassung des A: Szenassy. Törley de Csantaver: vorsichtig sagt der Semigvtha, daß sich, die Angaben kraß widersprechen — Aufklärung wäre wünschenswert. So sieht das „Weimarer historisch-genealoges (siv!) Taschenbuch des gesamten Adels jehudäischen Ursprungs" aus und bezeichnend für die Art der Zusammenstellung ist die Aufforderung am Schlüsse des Bandes: ^Stille Mitarbeiter an allen Orten sind uns hochwillkommen!" Ein Pamphlet, wie es nur „stille" Mitarbeiter zu liefern vermögen. De» schiede»» Nachrichten. Wien. Aus London wird mitgeteilt, daß sich dort Baron Alfons Rothschild mit Miß Clarice S e b a g - M o n t e f i o r e, einer Urenkelin von Sir Moses Montesiore, verlobt hat. Diese Nachricht hat selbstverständlich in der Wiener Gesellschaft das lebhafteste Jntereffe erweckt. Seit dem Tode der kunst- und feinsinnigen Baronin Bettinv Rothschild, der Mutter des Bräutigams, fehlte im Hause der Wiener Roth, schild die Hausfrau, welche große gesellschaftliche Pflichten zu erfüllen gehabt hatte. Baron Alfons Rothschild, der im 35. Lebensjahre steht, ist der Zweitälteste Sohn des im Borjahre verstorbenen Barons Albert Rothschild. Er hat die juridischen Studien an der Wiener Universität zurückgelegt, den Doktorgrad erworben und ist Oberleutnant der Reserve nn Dragonerreglment Nr. 6, in dem sein jüngerer Bruder E u g e u e Leutnant ist. Zwischen ihm und seinen Brüdern herrscht das denkbar beste Einvernehmen. A»r den hohen Festtagen kann man alle drei vereint im Tempel in der Seitenftettengastemitgroßer Andacht am Gottesdienste teilnchmen sehen.Baron Al fons ist ein Sportsmann, der von Glück begünstigt ist, die Farben seines reichen Rennstalles haben oft den Sieg davougetragen. Er war der Liebling seines Oheims Nathaniel, der an seinem Kunstsinn besonderen Gefallen fand und ihn auch zum Universalerben einsetzte. So hat Baron Alfons nebst dem Palais in der Theresiauumgafle und deni zugehörigeil vielgerühmten Park die wundervollen Gärten auf der Hohen Warte geerbt, die eine so hervorragende Sehenswürdigkeit Wiens sind. Im Palais in der Theresianumgaffe' hat Baron Alfons Rothschild die dort befindliche wertvolle und große Gemäldesammlung seines Oheims noch um einige schöne srücke bereicherr. Auch ist dort die berühmte Briefmarkensammlung des Barons Alfons untergebracht, welche vielleicht nur derjenigen des, Königs Georg von England und des Herzogs von Galliera nachsteht. Baron Alfons pflegt in seinem Palais häufig große Diners und auch Gartenfeste vornehmsten Stils zu geben. Seine Braut, welche jetzt achtzehn Jahre zählt, entstammt, wie erwähnt, der Familie Montefiore. Schon ihr Urgroßvater, den Königin Viktoria zum Baronet erhoben hatte, war in verwandtschaftliche Beziehungen zum Hause Rothschild getreten, indem sich seine Tochter Luije mit dem Baron Anthony Rothschild verehelichte. Hochbetagt ist diese erste Baronin Rothschild-Montefioce vor zwei Jahren in London gestorben. Der Vater der Braut ist der Mitchef des Londoner Bankhauses Josef Sebag & Comp. Der zweite Chef ist Mr. B a i t e, ein Schwager des Barons Paul S ch e y. Mr. Sebag zählt zu den bekanntesten Bankiers Londons. Miß Clarisie wurde erst Heuer in die Gesellschaft eingesührt, , in der sie durch ihren Charme und ihre distinguierte, schlanke Erscheinung sehr gefiel. Baron Alfons Rothschild kehrt in den nächsten Tagen nach Wien zurück. Teplitz. Der Vorstand der israel. Kultusgemeinde in Teplitz-Schönan hat sich in einem Erlaffe au den Religionslehrer der hiesigen Volksschule gegen den Zwang zu religiösen Uebnngen ausgesprochen. In dem Erlaffe heißt es: „Der Vorstand der israel. Kultusgemeiude in Teplitz hat in Erledigung der bei demselben eingebrachten Beschwerde, betreffend die Erledigung des Religionsunterrichtes an den öffentlichen Volksschulen nnd die Anhaltung der Kinder zur Teilnahme an den religiösen Hebungen (^horten), den Beschluß gefaßt, ihnen in Ausübung der ihm Anstehenden Dieustaufsicht nachstehende Mitteilung zu machen: Was die Teilnahme au Nr: 29. den religiösen Uebnngen anbelangt. zu welchen der Vorstand auch die- Exhorteu zählt, da sie Versammlüngeir von Glaubensgenossen, bei denen, gemeinschaftlich gebeter wird, sind, so ist die Beteiligung hieran eine Betärignng der religiösen Empfindung und also eine Angelegenheit des Kulms. Als solche fällt sie, so weit es sich darum handelt, schulpflichtige Kinder zur Beteiligung an denselben zu verhalten; in den Bereich der elterlichen Gewalt und ist-ein Korrelat der mit dieser elterlichen Gewältverbundenen Pflicht zur-Erziehung. Der Lehrer, welcher die Kinder zur Teilnahme an den Exhorten verhält, wvmit sich der Vorstand durchaus einverstanden erklärt, übt einen Teil der elterlichen Gewalt aus und hat,, wenn die Kinder seinen diesbezüglichen Ermahnungen, keine Folge leisten, wegen Ausübung des etwa erforderlichen Zwanges, der nur in den Elternrechten seine Begründung findet, sich an die Eltern zu wenden. Hierausergibt sich, daß der Lehrer selbst einen Zwang auf die seinem Unterrichte anvertrauten Kinder in dieser Richtung ausüben noch auch die Eltern selbst' zwingen kann, von ihrem Erziehungsrechte Gebrauch zu machen. Vernachlässigungen der elterlichen Erziehungspflichten fallen in den Bereich' des der Zuständigkeit der Gerichte Angewiesenen Pflegschqftswesens. Ein Zwang zur Teilnahme an den religiösen Uebungen durch den Religionslehrer widerstreitet den Staatsgrundgesetzen, deren strikte Einhaltung ein Lebensiiitereffe der israel. Religionsgenoffenschaft bildet. Der Vorstanderklärt daher die Ausübung eines Zwanges zur Teilnahme an den religiösen Uebnngen für unzulässig und die Einhaltung der vorstehenden Grundsätze als Dienstpflicht" Diakovar. Oberkantor I. Freu des aus Birovitica ist nacheinem überaus beifällig aufgenommenen Probevortrage einstimmig zum Oberkantor der hiesigen Kultusgemeinde gewählt worden. Budapest. Die hier stattgehabte Konferenz der jüdischen Religionslehrer hat folgende Forderungen aufgestellt : Gehaltsminimnm, Defiuitivum, Pensionsrecht und Ouinquennalznlage im selben Ausmaß, wie es dieanderen Bolksschullehrer genießen. Jeder Religionslehrer muß sein Qualifikationszeugnis durch eine Prüfung bei einer ans Rabbinern und Religionslehrern bestehenden Kommission erwerben. Ans einer Einschreibegebühr von 80 Hellern für jedes Schulkind nnd einem Zuschlag von lfr Prozent bei den zu benützenden Schulbüchern soll der Pensionssonds der Lehrer begründet werden. Eine Woche nachder Lehrerkonferenz tagte hier der Schochtim-- kongreß, der seine Forderungen in folgender Resolution zusammenfaßte: 1. daß auch der Schochet ein Mitglied in das Disziplinargericht, das über^ jeweilige Streitfälle zwischen dem Schochet und seinen Vorgesetzten entscheidet, wählen kann (entgegen dem Beschlüsse der Landeskommission, die die Wahl der Mitrichter im Schiedsgerichte dem rabbmischen Vorgesetzten des Schochet überlassen), 2.- daß der Schochet nach zweijähriger Dienstzeit das Definitivnm erhält, 3. daß dem Pensionssonds der Schochitim ein- Zuschuß aus den Gabellaeinnahmen bewilligt werde. London. Vorige Woche empfing der Generalpostmeister eine De-' putation des Board of depnties unter Führung des Herrn Arthur F r a n k l i n„ um über die Anstellung sabb.attreuer jüdischer Beamten im englischen Postdienste zu verhandeln. Der Vorsitzende des Board of depnties, M. L. A l e x a n d e r, unterbreitete dem Generalpostmeister, dem bekannten jüdischen Minister Samuel, den Plan, eine Anzahl jüdischer Beamten im Post-, Telegraphen- und Telephondienste auzustellen, damit diese unter Beobachtung des Sabbats ihre christlichen Kollegen vertreten und entlasten. Es bedeutet dies für die Bekenner beider Religionen ein billiges und vorteilhaftes Arrangement. In seiner Erwiderung setzte der Generalpostmeister zunächst auseinander, daß das Projekt, so einfach es ans den ersten Blicke erscheint, doch seine Schwierigkeiten darbiete. Es sei bei den meisten Postämtern am Freitag und Samstag ein gewaltiger Andrang von Dienstgeschäftcn vorhanden, während es am Sonntag oft an Arbeit für die verfügbar gehaltenen Beamten fehle. Man könne dem Antrag also nur an gewissen Dienststellen, wo eine größere Gleichmäßigkeit zwischen Samstags¬ und Sountagsarbeit bestehe, nähertreten. Verlockend sei jedenfalls für die Post, daß die betreffenden jüdischen Beamten am Sonntag ihre einfachen Löhne bezögen, während im übrigen Zuschläge bezahlt werden müßten. Der Generalpostineister bemerkte weiter, daß 1902 und 1908 ähnliche Versuche gemacht worden seien, daß sich aber damals qualifizierte jüdische Bewerber und Bewerberinnen nicht in genügender Zahl angemeldet-hätten.. Er sei bereit einen erneuten Versuch zn machen und würde sich freuen, wenn diese zu einem für beide Teile vorteilhaften Ergebnisse führen-wird^ Namens der Deputation dankten die Herren Alexander nnd Leopold de Rothschild dem Postminister für sein Entgegenkommen. Austritte ans dem Judentum. Weiureb Oswald, Privatbeamter, geb. 4. September 1886 in Wien,. ledig. HH. Josefstädterstr. 16. ‘ Stern Josefa geb. Nabbisch, geb. 14. Juli 1879 in Wien, verheiratete II. Praterstraße 66. Pollak Katharina, geb. 30. Juni 1863 in Lakompak (Com. Sopron), ledig. 8. Kronprinz Rudolfsstraße 8. Toker Emma, geboren 10. Mai 1889 in Wien, ledig. H. Bezirks Stnverstraße 34. . - Blnmenthal. Hans, - Gymnasiast, geb. 5. Juli 1895 in Wien, ledig. I. Franz Josefs-Kai 65. P e r g e r Lili, Private, geboren 30. Juli 1887 in Hinterbrühl, ledige I. Rathansstraße 19. Singer Therese, -geb. 21. Dezember 1692 in Wien, ledig. Hl.'Bezirk,. Schönbrunnerstraße 186. ' Schiff m o n n rekte Gins b e r g Siegfried, Reisender, geboren 28. Sep-- tember 1890 in Wien, ledig. XX., Webergaffe 25.