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Die Wahrheit · 1912-07-19 · Heft 28 (19.7.1912) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 28 (19.7.1912)
Date
1912-07-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redaktion nnd Iidininistration: Wien, llj1 Novaragasse 27 Televhon: Redaktion 5509/IV. Unabhängige Aertschrift für jiiöische Ganzjährig.K 14.— Halbjährig.K 7.— Administralio» 4988/11. K I. üsterr. Postsvarkasia- Scheck-Koino Rr. 100.918. Interessen. Für NnUusbeuiute: — G»»zjährlg.K »). — Inserate: Die Uterinat gehaltene Ronvareille-Zeile 25 Heller. Erscheint jeden Kreitng. Für Ausland: AbonneineulS- und JnsertionS- > Ganzjährig ...... 8 Mark betröge sind in Wien zahlbar nnd klagbar. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ i t> Radel oder lä Arc». Ur. 28. Wie», 19. Inli Inhalt: Aus der Woche. — Max Frank. — Seltsame Schwärmer. — Der Chasan, ein Kiinftler. — Feuilleton: Der verkauste Sohn. — Verschiedene Nachrichten. Wir ersuchen um Einsendung der restlichen Abonnementsbeträge damit die Aostaufträge, welche Kosten und Mühe verursachen, unterbleiben können. Aus der Woche. Die Wahlverwandtschaft der österreichischen Klerikalen zn den deutschnationalen Wotananbetern, die trotz ihrer inneren Unnatürlichkeit bei den letzten Gemeinderatswahlen so klar zu Tage trat, wird besonders durch die Tatsache konstatiert, daß die katholische Hierarchie und ihre publizistischen Organe mit seltenem Vergnügen allen rassenantisemitischen Exzessen der Deutschnationalen Vorschub leisten, und so kann es nicht Wunder nehmen, wenn ein vor kurzem erschienenes antisemitisches Pamphlet, „Semigotha", das die widerwärtigste antisemitische Hetze verfolgt, seitens der katholischen Presse aufs freundlichste begrüßt wird. In einer vom Pins-Vereine herausgegebenen Korrespondenz, aus welcher die katholischen und antisemitischen Blätter gespeist werden, lesen wir folgende Notiz: „Die V e r j u d u n g der ö st er r e i ch i s ch e n H o f v e rwaltung. Ein in den letzten Tagen erschienenes Werk „Semi- Gotha" enthält die historische Genealogie jener Adelsfamilien, die jüdischen Ursprunges sind. Man weiß, wie ängstlich der erbgesessene christliche Adel darüber wacht, daß nicht semitisches Blut den Stamm verunreinige; andererseits ist auch bekannt, daß das Judentum mit allen ihm zn Gebote stehenden Mitteln bestrebt ist, möglichst hoch in einstußreiche Stellungen zu kommen. Und so bietet sich uns das Schauspiel, daß, während die Hofwürdenträger Angehörige reiner Adelsgeschlechter sind, die leitende Hofbeamtenschaft aus Judenstämmlingen besteht. Nach dem „Semi-Gotha" gehören der jüdischen Rasse an im Obersthofm e i st e r a m t e: Der Sektionschef Baron W e t s ch l, geboren zu Tarnopol, Sohn jüdischer Eltern, verwandt mit dem Juden und Hoflieferanten Tiller und dem verstorbenen Hofoperndirektor Mahler; der Leiter der Intendanz der Hoftheater Hofrat von Hors etzky, er entstammt einer jüdischen Familie aus Böhmen, die Vorfahren hießen, wie die des früheren Zeremonielldirektors v. Loe best ein, Kohn. Ebenso sind die Beamten Gebhardt und R öh rich jüdischer Abstammung. Der Direktor des Wiener Hofburgtheaters Baron Berger gehört einer mährischen Judenfamilie an. Der Hofrat des Oberststallmeisteramtes Baron Slatin entstammt einer jüdischen Familie, die auf den böhmischen Herrschaften des Grafen Kinsky die Rolle eines Hausjnden spielte. Im Oberstkämmereramte ist die Frau des Regierungsrates Querner eine Jüdin, und zwar eine geborene v. Meyer. Eine ihrer Schwestern ist mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten Baron Beck, eine mit dem ehemaligen Reichsratsabgeordneten S k e n e und eine mit dem Sektionsches im Unterrichtsministerium Fesch vermählt. Ueberhanpt scheinen die Juden besonders in der „Kunst und Wissenschaft" bei Hofe die maßgebenden Stellungen eiuzunehmen. So istbemerkenswert die Kritik des Verfassers über die Verjudung der Wiener Hofbibliothek. Er führt an, daß dieses einstmals erste Institut der Welt auch viele wissenschaftliche Werke über und gegen die Juden besessen habe. Heute sei davon nichts mehr zu bekommen, denn die meistert Kustoden wie Beer, v. W e i l e n, Arnold (früher Löwisohn) seien Juden, der Direktor Karab a c e k mit einer Jüdin verheiratet, was daher den „Herren Israeliten" nicht behage, wird ansgemerzt auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens." Bedarf es da noch weiterer Belege, um die Gemeinschaft der deutschradikalen Radauantisemiten mit den klerikalen Judenhetzern zn beweisen? # % * Mit welch verwerflichen Mitteln die Christlichsozialen kämpfen, das zeigte neuerdings der Abgeordnete Dr. S tr a u ch e r, der in der Debatte über die Verisikation des Mandates des Antisemiten H r n s ch k a an der Hand des von ihm gesammelten Tatsachenmateriales nachwies, daß die Judenschast der Bukowina durch unerhörte Machinationen um ihre Vertretung gebracht wurde. Nur durch Terror nnd Betrug gelang es. dem Antisemiten Hruschka, der dezidiert erklärt hatte, der christlichsozialeu Partei nicht beizukrelen und heute im reichsrätlichen christlichsozialen Klub sitzt, das Mandat in einem Wahlkreise zu sichern, der mehr als 42"/^ jüdischer Wählerschaft zählt. Diese Mitteilungen des Dr. Strancher fanden in derselben Sitzung noch eine weitere Illustration durch den Abgeordneten G r j g o r o v i c i, der ein eigenartiges Dokument vorwies: ein christlichsoziales Flugblatt — in hebräischen Lettern gedruckt. In der erbaulichen Druckschrift, mit welcher die Antisemiten im Drei-Städte-Wahlbezirke der Bukowina während der letzten Reichsratswahlen die jüdischen Wähler „bearbeiteten", heißt es unter anderem: „Liebe Brüder aus den drei Städten! Wir zittern am ganzen Leibe, wenn wir hören, daß ihr für Lnzian Brunner stimmen wollt . . . Wer kann für uns beim Landespräsidenten, beim Minister, mit Erfolg intervenieren? Nur ein Christ! Wenn man uns die Scheiben einschlagen wird, wird Brunner

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