Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 26 (5.7.1912)
- Date
- 1912-07-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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/ Redaktion und Administration: Wien, II/, Nvvara§asse 27 Telephon: Redaktion 5509/1V. Anakhängige Heitfchrift für jüöifche Meznu«-pret»: >di»i,zj>iv>ig.K 1*.— Halbiiiveia.K 7.— Adminisrrarion 493811. K. k. üslerr. Postjparlassa- Schect-Koino Nr. 100.918. Interessen. Für JViiltii*briuute: Inserate: Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. Erscheint jeden Freitag. Für Ausland: Abonnementsnnd Jniertions- «Sxiizliivria.8 Wurf betrage nnd in Wien zahlbar und klagbar. Motto: „Das Siegel Wottes ist Wahrheit!“ t» üliiOel oder tti Ar. 26 Wien. 5. |nü Inhalt: Alls der Woche. — Unrecht wird zu Recht gemacht. — Jto-Konferenz Wien. — Die Autonomie der jüdischen Konfession. — Feuilleton: Der verkaufte Sohn. — Verschiedene Nachrichten. Abonnements-Einladung. Die geehrten Kerren Köonnenten werden um umgehende ßrnenerung des Abonnements für das am 1. Iuti 1912 begonnene 3. Huartat ersucht, damit die regelmäßige K^pedition des Mattes keine Ztntervrechnng erleide. Abonnements-Bedingungen: Kanzjährig Kr. 14.— Kalöjährig Kr. 7.—, Aierteljährig Kr. 3.59. K. k. Poftfparkassen-Konto 1VV.S18. — — Probenummern gratis zur Verfügung. — Ans der Woche. Alfred G r ü it fei b, der geniale Künstler, der durch den bestrickenden Zauber seiner unvergleichlichen Kunst und feiner liebenswürdigen Persönlichkeit in aller Welt enthusiastisch verehrt und bewundert wird, hat am 4. d. M. in Baden bei Wien seinen 60. Geburtstag begangen. Der vielgefeierte Jubilar und sein künstlerisches Wirken und Schaffen gehört wohl der Allgemeinheit an. aber es erfüllt uns mit stolzer Freude, daß er trotz vieler glänzender Verlockungen, die ihm auf seiner siegreichen Künstlerlaufbahn begegneten, immer ein treuer Sohn des Judentums geblieben ist und in seiner bekannten Hilfsbereitschaft niemals versagt hat, wenn es galt, durch die herrlichen Gaben seiner Kunst auch jüdische Zwecke zu fördern. * * ❖ Eine vollkommen entgegengesetzte Haltung kann man bei den jüdischen Redakteuren der Wiener liberalen Tagespresse, der sogenannten „Judenpresse", beobachten. Die haben einen wahren horror vor allen jüdischen Dingen. Das zeigte auch die in den letzten Tagen in Wien abgehaltene JLo-Konferenz. Man mag ein Anhänger oder Gegner der Lerritorialistischen Idee sein, aber niemand wird leugneu können, daß eine von ernsten und weltbekannten Männern unterstützte Bestrebung, Tausenden gehetzter und verfolgter Juden eine Zufluchtstätte zu schaffen, die Beachtung der Oeffentlichkeit verdient. Nicht so die Wiener ..Judenvreffe.": Die hat entweder, wie die „Neue Frese Presse", sich überhaupt ausgeschwiegen, oder nur in einer flüchtigen Notiz von der Konferenz Mitteilung gemacht. Für sonstige Kongresse und Kön- $ serenzen wird die Druckerschwärze nicht gespart, und z. B. der Eucharistische Kongreß hat schon jetzt unzählige Spalten der „Judenpresse" ausgefüllt. Ja, Bauer, das ist was anderes! Für den soll es auch viel jüdisches Geld in Wien gegeben haben, und wie die „N. fr. Finanzpreffe" berichtet, hat Exzellenz Sieghart (früher Singer!) von der Bodenkreditanstalt die schöne Summe von 600.000 Kronen gezeichnet. * * * Das in anderen Staaten gegebene Beispiel, gegen die russischen Paßschikaneu jüdischer Reisender Protest zu erheben, hat nunmehr auch in Oesterreich die kaufmännischen Kreise zu einer diesbezüglichen Aktion angeregl und in diesem Sinne hat die Wiener Handels- und Gewerbekammer folgenden von Dr. Paul Hammerschlag eingebrachten Antrag einstimmig angenommen und dem Handelsminister übermittelt: „Das energische Vorgehen der Vereinigten Staaten von Amerika, welche wegen der Hintansetzung amerikanischer Staatsbürger jüdischer Konfession bei Reisen in Rußland den seit dem Jahre 1832 bestehenden russisch-amerikanischen Handelsvertrag gekündigt haben, läßt erwarten, daß die russische Regierung das gegenwärtige System der Behandlung aitslündischer Juden einer Revision unterziehen wird. Infolge des russisch-amerikanischen Konfliktes scheint es nicht ausgeschlossen, daß die volle Gleichberechtigung aller Ausländer ohne Unterschied der Konfession in Rußland noch vor der Erneuerung der russischen Handelsverträge mit den europäischen Staaten erreicht werden kann. Während gegenwärtig für Ausländer christlicher Konfession das Paßvisnm der russischen Konsulate ohne weiteres zu erlangen ist, erhalten Juden das Paßvisum, also die Erlaubnis zum Eintritte nach Rußland, nur mit besonderer Genehmigung des russischen Ministers des Innern, welche in langwierigem Instanzenwege erbeten werden muß. Nur Inhabern oder Vertretern von protokollierten Firmen dürfen die russischen Konsuln das Paßvisum auch ohne vorherige Erlaubnis des Ministeriums des Innern erteilen und es genügt für diese die Vorlage einer Protokollierungsbestätignng. In gewissen Gebieten im Süden Rußlands und in Sibirien ist ausländischen Juden der Aufenthalt überhaupt nicht gestattet. Eine weitere Erschwernis bildet die Verlängerung der Aufenthaltspässe über die Frist von sechs Monaten hinaus, welche bei fremden Staatsangehörigen christlicher Konfession in der Regel anstandslos erfolgt. Ganz abgesehen von allen Erwägungen der Billigkeit, bedeuten diese Erschwernisse große Hemmnisse für unseren entwicklungsfähigen Handel mit Rußland, deren Beseitigung von