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Die Wahrheit · 1912-05-31 · Heft 21 (31.5.1912) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 21 (31.5.1912)
Date
1912-05-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Die Wahrheit Seite 9. Nr. 21 Wien. Vorige Woche ist der Religionslehrer Daniel Skutetzky .zn Grabe getragen. In früheren Jahren an der Talmnd Thora-Schule, zuletzt als Privätlehrer tätig, hat der Verblichene sein ganzes, mühevolles Leben hindurch sich mit lobenswertem Eifer in Worc und Schrift für die religiöse Erziehung der jüdischen Jugend eingesetzt und auch den Lesern unseres Blattes werden seine diesbezüglichen pädagogischen Anregungen bekannt sein. Seine zahlreichen Schüler und Freunde werden dem Heimgegangenen ein treues Andenken bewahren. Wien. Das Damenkomiree des Vereines zur Unterstützung armer alter Männer hat das für den 29. d. M. bei den „Pratecspatzen" geplante Fest für den 1. Juni in Wilheims Czarda (vis-ä-vis Endstation Hauptallee) verlegt. Ein urgemütliches Heurig enfest, verbunden mit einer Kinderjause, diverse Ueberraschungen für die Kleinen, so u. a. von Zöglingen des Tanzinstitntes Heimann anfgeführte Phantasie- und Nationaltänze. wird das voraussichtlich zahlreich erscheinende Publikum bis in die späten Stunden in bester Laune erhalten. Beginn des Festes 4 Uhr. Abends Ball champetre. Das Fest findet bei jeder Witterung statt. ZnaiM. Eine hochachtbare Familie, Buchhändler Wolf mrd Frau, wurde knapp vor unserem Schewuothsefte von einem schweren Lchicksalsschlage betroffen. Ihr älterer Sohn, der Hochschüler Otto Wolf, wurde ihnen nach kurzer Krankheit durch den Tod entrissen. Ausgestattet mit frommem Gemüt und hervorragendem Geiste, war er eine Zierde unserer 'studierenden Jugend und der Stolz seiner Eltern. Alle seine ehemaligen Lehrer werden dem strebsamen jungen Manu ein ehrendes Gedenken bewahren. Lundenbnrg. Der hiesige allgemein beliebte Kantor D. G r n nb a u m, Schüler des Oberkanrors I. Heller in Brünn, wurde in Meran in derselben Eigenschaft nach einem mit allgemeinem Beifall abgehaltenen Probevortrage einstimmig akzeptiert. Derselbe betritt am 1. September seine neue Stelle. Meran. Herr Leopold L ö w y, welcher bereits 4 Jahre hier zur allgemeinen Zufriedenheit als Oberkantor gewirkt und sich vollster Beliebtheit erfreut, hat die Stelle in Folge verschiedener unannehmbarer Punkte eines vorgelegten neuen Vertrages — gekündigt. Ung. Brod. In gedrückter Stimmung wurde diesmal in unserer Gemeinde das Schewuothfest begangen, da alles unter dem Eindrücke des Abschiedes von unserem altverehrten nach London bernfeneil Rabbiner stand. Am 2. Tage Schewuoth hielt Dr. Jung die Abschiedsrede, bei welcher kein Auge trocken blieb. Er schilderte seine 21jährige Tätigkeit in der Gemeinde, von der er nur ungern scheide, aber er wolle arbeiten und in Mähren habe man ihn nicht ganz verstehen wollen. Mit innigem Abschiedsgruße und dem priefterlichen Segen schloß er seine ergreifenden Ausführungen. Die Abreise war für Sonntag, den 26., *^2 Uhr nachmittags, festgesetzt und vom frühen Morgen bis zur Stunde der Abfahrt eilte Jung und Alt in die Wohnung des geliebten Seelsorgers, um ihm Lebewohl zn sagen. Die Frauen Brods übergaben der Rabbinerin eine prachtvolle Silberkassette mit Besteck für 12 Personen. Die vier von Dr. Jung gegründeten Vereine überreichten ihm eine kunstvoll ausgestattete Adresse, die Knltnsgemeinde übergab eine goldene Uhr samt Kette und eine namhafte Geldspende als “pn*7 rrrs und fast jedes einzelne Geuieindemitglied brachte Geschenke und Geldspenden. Die ganze Gemeinde gab dem scheidenden Seelsorger das Geleite bis zum Bahnhof und 20 Mitglieder begleiteten ihn bis nach Wessely, wo er von seinen intimsten Freunden rührenden Abschied nahm. In den großen Wirkungskreis, der ihn nunmehr als Oberrabbiner der „Federation of Synagogues“ in London erwartet, begleiten ihn unzählige aufrichtige Wünsche. 'London. Freitag, den 24. d. M. ist Sir Edward a s s o o n infolge eines Leidens, das ihm von einem Motornnfall zurückgeblieben war, im Alter von 56 Jahren gestorben. Mit ihm sind nun innerhalb dreier Monate drei intime Freunde König Eduards dahingeschieden: Sir Edward sind im Tote voransgegangen sein Cousin Arthur S a s s o o n und Mr. William I a m e s. Sir Edward entstammt einer Bagdader Familie. Sein Großvater David flüchtete mit Frau und Kinder aus Bagdad, als dort eine Judenverfolgung ausgebrochen war, nach Bombay, wo er ein großes Bankhaus gründete. Davids Sohn Abdallah kam im Jahre 1868 mit jeinen Halbbrüdern Reuben und Arthur nach England, gründete das große, hochgeachtete Haus Sassoon und wurde bald geadelt. Als Sir führt er den Namen Albert. Sein Sohn war Sir Edward, der nun im 56. Lebensjahr gestorben ist. Sir Edward war mit der Tochter Aline des verstorbenen Baron Gustav Rothschild verheiratet gewesen. Feuilleton. Jer verkaufte Sohn. Von Ballette Fried, Prag. (Fortsetzung.) Uebrigens kann ich Ihnen ein Beispiel aus der Tradition bringen, welches Ihre Theorie von der momentanen Bestrafung umstößt, vorausgesetzt, daß Sie mich nicht der Ueberhebung zeihen werden, wenn ich mich mit einem gottgesandten Propheten rrergleiche." „Dieser Verdacht ist bei Ihrer notorischen Anspruchslosigkeit ausgeschlossen. Bitte, erzählen Sie. Ich höre Ihnen so gerne zu. „Zwischen einem der letzten Könige Judas, dem frommen Chiskijahu, nnd seinem Freunde und Lehrer, dem Propheten Jesaias, war ein Zerwürfnis eiugetreten. Die Ursache davon dürfte so unbedeutend gewesen sein, daß sie sich nicht der Nachwelt erhalten hatte. Beide pochten auf ihr vermeintliches Recht und ihre Würde — dieser als Prophet, jener als König, und keiner wollte den ersten Schritt zur Versöhnung machen. Das Reich, vom äußeren Feinde bedroht, von inneren Zerwürfnissen zerklüftet, von einer Bevölkerung bewohnt, die eben dieser Prophet so bezeichnend F ü r st e n von S o d o m und Volk von A m o ra benennet, dieses Reich brauchte aber nichts so notwendig als ein kräftiges Zusammenwirken von König und Propheten. Was tat nun Gott? Er ließ den König in eine schwere Krankheit verfallen, welche ihn an den Rand des Grabes brachte, und da blieb dem Propheten Jesaias nichts anderes übrig, als pflichtgemäß dem Könige einen Krankenbesuch abzustatten. Unter dem Volke verbreitete sich nun die Ansicht, daß der König der einzig schuldige Teil sei, und zur Strafe erkrankt sei." Als dieses Gerücht dem Propheten zu Ohren kam, antwortete er: ,,Jhr irrt, meine Freunde! Die Erkrankung des Königs ist kein Beweis seiner Schuld. Für das Staatswohl ist es notwendig, daß weltliche Macht nnd geistiger Rat Hand in Hand gehen. Da dies aber nicht geschah, und dem Reiche Gefahr drohte, mußte nach dem weisen göttlichen Ratschlüsse einer von uns erkranken, damit ihn der andere besuchte. Wer aber sollte dies sein? Doch nicht der Prophet, dessen eventuelle Erkrankung der König zur Kenntnis genommen hätte, seine Würde es ihm aber kaum gestattet haben würde, den kranken Propheten zn besuchen. Daher mußte der König erkranken, damit der Prophet ihn besuchte und tröstete, und somit das frühere gute Einvernehmen zwischen beiden wieder hergestellt werde." Gar herzlich klang das Lachen, welches diese Erzählung, bei dem Vorsteher hervorrief. „Wenn Sie sich im vornherein dagegen verwahrten, mit dem Propheten verglichen zu werden, so muß ich mich noch mehr dagegen sträuben, auf einer Stufe mit dem frommen Könige zu stehen. Indessen war Ihre Geschichte ebenso köstlich als auf uns beide passend und wollen wir auch unseren gottlob beendeten Zwiespalt nicht weiter berühren." Nachdem Goldstein seinem Besucher ein Langes und Breites über sein Befinden und seine Krankheit erzählt hatte, was dieser mit merkwürdiger Geduld anhörte, sprach er seine Befürchtung ans, daß die Anfälle einmal seinem Leben ein jähes Ende bereiten können. Die Versicherung des Rabbiners, daß er von dem Doktor die allerbefriedigendste Auskunft erhalten habe, beantwortete Goldstern mit einem energischen Widerspruche. „Sie fassen Ihren Zustand zu pessimistisch auf", beharrte der Rabbiner. „Immer besser, als wenn ich zu gleichgültig wäre. Lassen Sie mich bei meiner Ansicht, und seien Sie mir behilstich, mein Haus zu bestellen, wie es jedem rechtlichen Manne in meiner Lage znkömmt. Vor allem habe ich eine.Bitte an Sie, die Sie mir erfüllen müssen." „Wenn es in meiner Macht steht, recht gerne." (Fortsetzung folgt.) Austritte ans dein Indent««. K ornitzer Auguste, Privat, geb. 4. Juni 1878 in Wigstadtl. XII. Bez. Bouygaß'e 12. B o u d i Margaretha, Private, geb. 12. Februar 1690 in Wien. IX. Bez. Wiederhofergaffe 7. Kardos Otto, geb. 7. Februar 1907 in Wien. VI. Mariahilferstr. 19. Kardos Alice, geb. 5. September 1909 in Wien. VI. Mariahilferstr. 19. Freund geb. Loew, geb. 10. Februar 1875 in Olmütz, I. Getreideinarkt7. Müller Sophie. Kontoristiu, geb. 2. Mai 1881 in Wadowice (Galizien). VI. Magdalenenstraße 26. Goldman« Frieda, Private, geb. 1. August 1893 in Hungerleideu (Mähren). VI. Stumpergasse 9. Lu kan Marta geb. Wolsner, geboren 18. Februar 1883 in Marienbad. I. Petersplatz 9. Gunszberger Heinrich, Handelsangestellter, geb. 22. Februar 1888 in Pecs (Fünfkirchen, Ungarn), VII. Lerchenfelderstraße 94. B r e i n e r Marie geb. Schall, Private, geb. 20. April 1879 in Wien. VHI. Pfeilgasse 84. Popper Jda geborene Haiman, Private, geb. 10. Mai 1876 in Wien. I XVIII. Schafberggaffe 5.

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