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Die Wahrheit · 1912-04-19 · Heft 15 (19.4.1912) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 15 (19.4.1912)
Date
1912-04-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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akrheit . Redaktion n»d Sldministration: Wien, II/, Novaiagasse 27 Televhon: Redaktion S50S/1V.! Avakhängige Heitfchrift für Mische! OhuisifittrtA.Kl*.— Hnlbjnb'ia.’ K 7 — Administration -193811. ft, k üsterr. Bostlvartaffa- Scvcck-Konio Nr. 100.918. Interessen. Fii> NiiitiiSdeunite: <^>iiM)iibvin.Kl«* Injerate: Die viermal geivaltcu- Nonpareille-Zeile 25 Heller. Erscheint jeden Kreitng. Für Ausland: AdonnemeiuS- und Jiiserlious. <^>»»«lavri,>.ä M,>»k betröge und in Wien zahlbar und klagbar. Motto: „Das Siegel (Lottes ist Wahrheit!“ t> DtIIBrl oder US Src». Ur. 15. Wie», 19 April Inhalt: Zur Urne. — Die kommenden Gemeinderatswahlen.— Ans der Woche.— Galizischer Hilssverein.— Berichredene Nachrichreu.— Feuilleton Rabbi Abraham oder der bekehrte Albert. Die geehrten Kerren Aöonnenten werden um freundliche Einsendung des Monnementsöetrages für das laufende Huartal ersucht. Znr Urne! Wenn nicht alle Anzeichen trügen und wenn nicht wieder die rohe Gewalt das Recht ertöten wird, dann steht den Wiener- Juden in den nächsten Wochen eine große Genugtuung bevor. Eine Genugtuung für eine jahrelange, brutale und rücksichtslose Herrschaft einer unfähigen Clique, eine Genugtuung für Zurücksetzung ans allen Gebieten, für Verhetzung. Beschimpfung und Verleumdung. Eine Genugtuung für ein systemansches Hinarbeiten auf unseren wirtschaftlichen und sozialen Ruin. Die jahrelange, unerhörte Drangsalierung Vonseiten einiger weniger, die mit leeren Schlagworten die Mchf«m in Schach hielten, muß endlich einmal anshören, wenn nur alle einsichtsvollen Elemente sich in eine m Lager vereinigen. Die Vereinigung aller Gegner der Christlichsozialen in eine m Lager mußte den unaufhallsamen Sturz schon jetzt herbeisühren. Und wenn sie jetzt noch nicht ganz geschlagen aus dem Wahlkampfe znrückkehren werden, so ist daran nur der Mangel einer vollständigen Vereinigung gegen den gemeinsamen Feind schuld. Haben doch alle das gleiche Ziel vor Augen, wollen doch alle die Umklammerung Wiens durch die gierigen Klanen der Machtgesättigten endgültig beseitigen. Und doch können gar viele die kleinlichen Gegensätze zugunsten dieses großen, gemeinsamen Zweckes nicht zurückstellen. Diese Befehdung der Gegner der Christlichsozialen untereinander ist das unglaubliche Mittel der Fortfristung, ist die einzige Existenzmöglichkeir dieser volksfeindlichen Gesellschaft. Sie weiß aus der Uneinigkeit ihrer Gegner trefflich Kapital zu schlagen, so daß ihre Aktien den Kurs noch immer ziemlich hoch behaupten; sie wußte sich an der Krippe der Bevölkerung so reichlich zu mästen, daß sie auch für. den Hall des Eintrittes magerer Jahre ausreichend vorgesorgt ist. Wissen das die Freisinnigen oder wissen sie es nicht? Sie wissen es zweifellos und sie wissen es sehr gut. Aber sie vergessen immer wieder, daß, während sie an der Leiter .streiten, wer die Sprossen hinaufsteigen soll, die anderen inzwischen Zeit zum Aufstieg gewinnen. >- Seit sechzehn Jahren stehen die Christlichsozialen an der Spitze der Stadt Wien und des Landes-Niederösterreich; seit sechzehn Jahren unterdrücken sie die Schwächeren; seit sechzehn Jahren halten sie Stadt und Land mit nichtigen, uneinlösbaren Versprechungen hin; seit sechzehn Jahren wird der erbitterte Kamps gegen sie erfolglos geführt, weil die nieten kleinen Parteien gegen diese großgewordene Partei getrennt und nicht vereint Vorgehen. Und nun ist es wohl schon Zeit, ans den vielen begangenen Fehlern zu lernen und gemeinsam gegen den gefährlichen Feind zu ziehen. Schon ist bei den letzten Reichsratswahlen eine mächtige Säule dieser „Reichspartei" znm Sturze gebracht worden, noch gilt es, die zwei Säulen Wien und Niederösterreich niederzureißen. Jetzt ist die Gelegenheit tmr zu günstig. Fällt Wien, von wo die Macht dieser klerikalen Antisemiten aitsging, dann ist die letzte Säule dem Ansturm nicht mehr gewachsen und der Gewinn des Wiener Gemeinderates durch die Freiheitlichen bedeutet die Vernichtung dieser erbgesesfenen Hetzer unter den österreichischen Völkern! Noch ist ihre Uhr nicht abgelaufen, wenn es im Räderwerk auch bedenklich knarrt cmd rumort. Der Meister, der diese Uhr künstlich in Gang erhielt, ist tot und nun mühen sich seine Gehilfen vergeblich, das Werk zu reparieren. Es wird ihnen nicht gelingen, weil sie ja das Zauberwort des Meisters nicht erfahren konnten, jenes Zauberwort, das die großen Massen hypnotisierte und das er mit sich ins Grab genommen. Und nun müssen die Freiheitlichen den kunstvollen Mechanismus des großen Volkes in die Hand nehmen und das künstliche Räderwerk mit ihrer Erfahrung und Bildung lenken. Der unermeßliche Steuerdruck, dazu eine noch nie dagewesene Teuerung lasten schwer und drückend auf der Bevölkerung und diese bedarf, um nicht im schweren Lebenskämpfe zu nnterliegen, einer ausgiebigen Milderung der unerträglichen Bürde. Tüchtige, erfahrene und erprobte Männer sind fast überall ausgestellt und es ist Pflicht eines jeden jüdischen Wählers, znr Urne zu eilen und alle Bekannten und Freunde mitzuziehen. Jetzt gibt es nur ein Ziel, ein gemeinsames Interesse: Kampf gegen d i e C h r i st l i ch s o z i a l e n! Je d e r. der gegen diese Judenfeinde auftritl, muß mit aller Macht unterstützt werden! Jeder, der den Sturz dieser ärgsten Schädiger des Judentums hrrbeiführen will, muß dem jüdischen Wähler genehm fein. Wenn der Jude gegen die brutale Gewalt der Machthaber in Stadt und Land sonst keine wirksame Waffe entgegenhalten kann, so steht ihm jetzt eine gewichtige und schlagende Abwehr znr Verfügung: das ist der Stimmzettel! Eilet zur Urne und gebet ohne viel Zandern und Zagen den Stimmzettel gegen die Christlichsozialeu ab! Wähle jeder

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