Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 14 (12.4.1912)
- Date
- 1912-04-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Pr. 14. _. . _ -Pie. Wahrheit__Seite 9. 'arbeitsreichen Leben gestorben. Der Heimgegangene war früher Magistrats- -beämker siind lnllßte beim Anbruch her'antisemitischen Aera als Jude den 'Posten verlassen. Sigmund H us s e r l hat sich' auch literarisch vielfach bemühte Insbesondere die Geschichte der Wiener Kultusgemeinde hatte seine Aufmerksamkeit vielfach beschäftigt. Friede seiner Asche l ' Wien-Floridsdorf. Am letzten Tage des Pessachfeftes beging der Ämtsleiter und Religionslehrer der' israel. Kultusgemeinde. Herr Ignaz L ö w, seinen 70. Geburtstag und gleichzeitig sein 50-jähriges Lehrerjubiläum. Aus diesem Anlässe wurde der Jubilar, der sich im Bezirke außerordentlicher Beliebheit erfreut, zur Thora gerufen, wo I. Kantor Herr Rosenberger demselben einen besonderen Äischeheiach machte und Rabbiner Dr. Rosenfeld in einer Ansprache das Wirken und die ^Verdienste des Jubilars würdigte. Nach dem Gottesdienste versammelten sich der Vorstand und zahlreiche Gemeindemitglieder im Amtshause, wo dem Jubilar herzliche Glückwünsche entgegengebracht wurden. Baden. (Israelitische Kultusgemeinde Baden.) Bei den in dieser Gemeinde am 24. Marz l. I. erfolgten Neuwahlen der Vertretungsköcper wurden gewühlt: Als Mitglieder des Kultus-Ausschusses die Herren : Moriz L e i t n e r, Sigmund R a n s n i z. kais. Rat Dr. Einil Raab, Simon M a n d l, Jakob K o h n. Alois F l e i s ch m a n n, Moriz Daniel, Anton Schneid er. Bernhard R o s n e r, Ludwig L a ck e n b a ch e r. Alfred L e i t n e r. Adolf Raab (letztere neu.) Als Ersatzmänner die Herren: Alexander Braun, Max L ö b l, Moriz Deutsch, Josef Ungar. Als Vertrauensmänner in den verstärkten Kultusausschuß die Herren: Ignaz Lederer, Ernst Königsberg, Moriz P o l i z e r. Max K o h n, Dr. Sigmund Brüssler, Alfred Spitzer, Dr. Felix Hör n, Dr. Max Bauer, Max Schwär z, Gustav O e.d e n b n r g e r, David Daniel, Leopold W e i ß m a n n. Bei der am ~1. April stattgehabten Konstituierung des Kultusvorstandes, bei welcher Herr Jakob K o h u als intermistischer Vorsitzender fungierte, wurden gewählt die Herren: Moriz Leitner als Knlrnsvorsteher, Sigmund Rausnitz als Kultusvorsteher-Stellvertreter, Anton S ch n e i d e r als I. Beirat, Simon Man d l als II. Beirat. Infolge der Mandatsablehnung von Seite des Herrn kais. Rates Dr. Emil Raab ist der erste Ersatzmann, Herr Alexander B r a n n in den Kultnsausschuß eingetreten. Aussig a. E Herr Dr. Arthur Ro s e nz w e i g, Rabbiner der isr. Kultusgemeinde in Aussig, hat sich mir Fräulein Grete Fuchs, Tochter des Herrn Jnstizrates B. Fuchs in Bromberg (Pr.-Posen), verlobt. . Neuhaus : (Böhmen). Am 23. März NtNNL feierten unser allverehrter Kulrusvorsteher, Herr Sigmund Singer und seine Gattin, Mathilde Singer geborene Adler, Präsidentin des hiesigen Frauenweceiues das Fest der silbernen Hochzeit. Bor Beginn des Mnßaphgoctesdieustes versammelte sich der Gesamtvorstand, um sich im Vereine mit einer Deputation des Frauenvereines und den Beamten der Gemeinde behufs Darbringung ihrer Glückwünsche in die Wohnnng des Jubelpaares zn begeben. Daselbst feierce Herr Eduard H e r r m a n n Herrn Kultnsvorsteher Singer als einen Self-mademan, der durch rastlose Tätigkeit die Firma Adler & Singer im Vereine mit seinem Schwager- Herrn Siegfried A d l e r zu ihrer heutigen Höhe emporbrachte. Herr Rgbbiner Utitz würdigte die echte Betätigung jüdischen Empfindens, während Herr Kantor F ü r n b e r g als langjähriger Beamter der Gemeinde dem Herrn Kulcusvorsteher für das den Beamten zn jeder Zeit geübte Wohlwollen dankte. Das Jubelpaar seinerseits erwiderte den Erschienenen mit Worten der Rührung und des Dankes, und wurde hierauf in Gotteshaus geleitet. Letzteres wurde zu diesem Zwecke festlich dekoriert und beleuchtet und fast die ganze Gemeinde war versammelt, um an dem Jubelfeste ihres allgemein beliebten Vorstehers teilzuuehmen. Dieser wurde als 8clie1i8chi zur Thora gerufen. Herr Rabbiner U t i tz schilderte hierauf in markanten Worten die Tätigkeit des Herrn Kulmsvorsiehers Singer -auf humanitärem Gebiete. Herr Kantor F ü r n b e r g rezitierte den eigens zu diesem Zwecke verfaßten Mischeberach und der Tempelchor exeknrierte den 150. Psalm. Die Tätigkeit des Herrn Singer läßt sich am besten an der. Hand des Spruches beleuchten: Enian xbl »Tatsachen beweisen". Das sittlich-religiöse Beispiel, das hier den Kindern innerhalb der Familie gegeben wird, läßt die sichere Annahme zu, daß dieselben die im Elteruhause empfailgenen Lehren auch in Zukunft hoch halten werden. „Liebe die Arbeit, denn sie ehrt dich" sagen unsere Weisen ferner. Auch in diesem Punkte ist Herr Singer ein glänzendes Beispiel -rastloser-Tätigkeit und schon zeigen sich die Früchte bei den Kindern. Der älteste Sohn ist nach Vollendung technischer Studien über ausdrücklichen Wunsch seiner Eltern aus Amerika zurückgekehrt, entfaltet in dem Fabriksttttternehmen eine intensive Tätigkeit, während der zweitältesie Handelsakademiker und Musiker, ein Schüler unseres Kantors Fürnberg, in Wien -öffentlich das Mendelsohn'sche Rondo-Capriccio in E-moll gespielt und ajs Jubiläumsgabe den Eltern einen selbstkomponierten Hochzeitsmarsch gewidmet hat. Im Gegensätze zu so vielen Leisetretern bekennt Herr Singer sein Judentum frei gegenüber jedermann, daher es natürlich erscheint, daß ihn die Kultusgemeinde zum zweiten Male zu ihrem Vorsteher erwählt hat. Herr Singer ist ferner Delegierter bei der Landesjudeuschaft des Königreiches Böhmen, Mitglied des Stadtrates, des Bezirksansschusies rc. Die stillen Gebete von Witwen und Waisen, die heute für sein und seiner Familie ferneres Wohlergehen zum Himmel emporsteigen, sind Zeugen still geübter Wohltaten. Die Wohltätigkeitsanstalten der Kultusgemeinde wurden -auch diesmal von Herrn Singer in reichem Maße bedacht. Heil den Ge-; meinden, die solche Männer in ihrer Mitte zählen! F. Lemberg. Ein herzzerreißender -Unfall ereignete sich in Matejevice bei Kolomea. In diesem Dorfe wohnte ein Jude, uameus K r o h », Sohu des weltberühmten Rabbiners jD. Krohn in Borßczow. Am 21. v. M. bemrikte Krohu, daß ein Schwein des christlichen Nachbarn in feinem Garten wühlt , und großen Schaden anrichtet. Als der Jude sich anschickte, das Schwein festzunehmen, stürzte der Bauer mit einem dicken, langen Holzstück herbei und schlug Krohn am Schädel so wuchtig, daß der Unglückliche blutend zusammenbrach. Der herbeigeeilte Arzt konstatierte die höchste Lebensgefahr, riet indessen, den Verwundeten tunlichst «ach. Kolomeains Spital zu befördern. Der Unglückliche erlag jedoch feinen Verletzungen und hauchte unterwegs unter qualvollen Schmerzen seine Seele ans. Der Verblichene hinr.erließ eine Iran und fünf Kinder. Den so schwer heungefüchten Vater, den Herrn Rabbiner O. Krohn in Borßczow. belastet nun die schwere Aufgabe, die arme Witwe mit den fünf.zarreu Waisen zu ernähren, ,-r- Wir empfehlen diese Schwerheimgesuchten den rachmonim b’ne rachmonim. Meran. Sonntag am 24. März fand die VI. Generalversammlung des Vereines „Asyl für mirtellose kranke Israeliten in Meran" statt. Ein distinguiertes Publikum von Gönnern, Freunden und Mitgliedern des Vereines, die znm Knrqebranche in Meran anwesend sind, fand sich ein und folgte mit Interesse den Berichten des Bocstaudes. Präsideuc Herr med. Dr. Koref begrüßte die Erschienenen, konstatierte die ordnungsgemäße Eiuberilfung und Beschlußfähigkeit der Bersammlimg und gedachte in warmen Worten der durch den Tod dem Vereine encrisseneir Gönner. Frau Dr. Rosa H e r s ch, die gefchäftssübrende Bizepräsidentin. gab in ihrem Tätigkeitsberichte eure ausführliche Uebersicht über die geschäftliche Tätigkeit des Vereines und wußte durch die klare und sachliche Berichterstattung die fortschreitende gedeihliche Entwickelung des Genesungsheimes zn veranschanlichsn. so daß allgemeiner anhaltender Beifall ihren Ausführungen folgte. Dem Kassaberichte des Kassiers. Herrn Gustav Katzenft e i u und dem Revisionsberichte des Herrn Heinrich Gut mann bewies die Versammlilng die größte Aufmerksamkeit und wurde mit großer Befriedigung die umsichtige und genaue Führung der finauzielleu Agenden seitens der genannten Herren zur Kenntnis genommen. Einstimmig wurde hieraus dem Vorstände das Absolntocium ausgeivrochen. Herr Dr. med. M. K o r e f erstattete sodann seinen ärztlichen Bericht. Allseits große Befriedigung erregten die äußerst günstigen ärztlichen Erfolge, welche das Genesungsheim anfzuiveisen hat. Bei Berücksichtigung der vielen schwere» Fälle, welche unvermeidlich im Lause eines Jahres dem Genesungsheime zugeschickt werden, gewinnt die Tatsache noch größere Bedeutung, indem dadurch einerseits der vortrefflichen ärztlichen Leitnng, der sorgfältigen Pstege, wie auch den segensreichen Einflüssell des Meraner Klimas daS beredteste Zeugnis ansgestellt wird. Bei den sodann vorgenommenen Ersatzwahlen wurden die ausscheideudeu Vorstandsmitglieder per Akklamation wieder gewählt. Herr Heinrich Gut in a u n, Meran, und Herr Dr. Emil Hirsch, Halberstädr, wurden als Schiedsrichter für zwei erledigte Stellen neu gewählt. Mit einem aufrichtigen Danke au den Vorstand, den Herr Dr. med. Popper aus Prag namens der Versammlung aussprach, schloß die IV. Generalversammlung. Es ist aufs innigste zu wünsche», daß das Genejnngsheim aus iveitesteu Kreisen Förderung und Unterstützung finde, damit es in für alle Zeit gesicherter Weise feine segensreiche Tätigkeit entfalte. Stomfa. Die Schulkommiffioik der hiesigen Talmud-Thora-Schule erstattet über das abgelaufeue Jahr folgenden Bericht: So wir Heuer mit nuferem alljährlichen Recheuschafrsbericht vor die große Oeffeutlichkeit tretenkönnen wir mit Genugtuung und Befriedigung mitteilen, daß auch die vor 1V2 Jahren inneren alten Talmudtora-Austalt allgegliederte öffentliche. sechsklaffige isr. Volksschule ihre Notwendigkeit erwiesen, sich vollauf bewährt und seither festen Fuß gefaßt hat, indem selbe bereits mit einer alljährlichen Staatssubvenriou bedacht wurde. Dank edler Menschen- und Schulfreunde sind wir auch andererseits in die angenehme Lage versetzt worden, unseren Kindern ein allen gesetzlichen Anforderungen entsprechendes Schullokal zu errichten, ganz nene Einrichtung zu beschaffen, um so den Aufenthalt der Kinder in solch' großem Lehrsaale je angenehmer zu gestalten. Wenn wir nun in erster Reihe unseren werten Gemeindemitgliedern, die durch ihre werktätige Mithilfe den Grulldstein zu dieser nuferer Doppelanstalt legten, dann unseren answärcigen, unrerstützenden Mitgliedern und Gönnern unfereic tiefgefühlteir Dank hiemit anssprechen, lassen wir im Rahmen unserer Baubilanz die Namen derjenigen edlen Körperschaften und Schulfreunde nebst dem Ausdrucke unseres Dankes folgen, die durch ihre muilifizenten Beiträge erwähnten größeren Umban und die Neueinrichtung unserer Schulräumlichkeiten ermöglichten, und bitten wir, um dieses Dopvelwerk auch erhalten zu können, um fernere tatkräftige Unterstützung, Gönner und Freunde, wofür selbe wieder des Lebens reichlicher Segnungen teilhaftig werden mögen! Marie Daffinger-Stiftung für arme israelitische Familien. Anzahl der Plätze: Vier im Betrage von je Bl 42. —. Bewerbungsbereehtigt sind: Arme israel. Familieu-Oberhäupter. Verleihnngstag: 13. Juni 1912. Gesuchsbeiiagen: Geburtsschein, Armutszeugnis, eventuell Totenschein des Gatten. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 30. April 1912. Einreichsteile: I., Seiteustettengasse 4, II. Stock (Einreichungsprotokoll). Zur Bewerbung sind Gesuchsbögen zu verwenden, welche in der Einreichstelle (I., Seitenstettengasse 4,. XE. Stock) unentgeltlich zu haben sind; diese Formulare enthalten auch nähere für die Einschreiter wichtige Bestimmungen. Wien, 1. April 1912. Der Vorstand der israel. Kultusgemeinde Wien.