Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1912
- Issue
- Heft 11 (15.3.1912)
- Date
- 1912-03-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 11 Die Wahrheit Seite 11. sbe§ Entsetzens und Mitgefühls wurden überall laut. Als diese Ansrufe an Jakobs Ohren kamen, da wurde er kreidebleich und l'eine Kniee wankten. „Nicht anders," so dachte er, „die Kunde von. meiner unkindlichen Handlungsweise hatte sich unter den Leuten verbreitet, und diese Znsammenrottnng gilt mir. Ich habe mich lächerlich gemacht auf ewig." Und mit bitterem Spotte sagte er -sich weiter: „Diejenigen, die sonst höhnend und schimpfend hinter meinem alten Vater einherliesen, wenn er berauscht durch die Gasse taumelte, heute nehmen sie für ihn Partei." Aber, so klug Jakob auch war, er hatte sich doch getäuscht. An ihn und seinen Vater dachte man heute nicht. Die allgemeine Erregung hatte einen anderen Grund. In der Jndengasse war in der Nacht ein verwegener Einbruch verübt worden. Während der Weinhändler Schepkes dem Gottesdienste beim Rabbi beiwohnte, waren Diebe in sein Hans gedrungen, hatten seine Kasse gesprengt und viele Tausende an Geld und Geldeswert mitgenommen. Auch einige Flaschen Wein, die zum Gebrauche für die Festtage vorbereitet waren, hatten sie mitgehen geheißen. Jakob begab sich direkt zu Rabbi. Dieser folgte ihm, trotzdem er an der morgigen Predigt noch arbeitete, zum Friedhofe. Der alte Trunkenbold lag, noch immer vom Rausche umsangen, im tiefen Schlafe. Um ihn herum lagen die geleerten und meist zerbrochenen Weinstaschen. Als die beiden die Umgebung absnchten, fanden sie in einem Winkel des Totenhauses einen gefüllten Sack mit einem gar sonderbaren Inhalte. Es war die ganze Beute, welche die Diebe in Schepkes Haus machten. Aufklärung hierüber konnte nur allein Blumberg geben. Den vereinten Bemühungen des Rabbi und Jakobs gelang es, den Schläfer wachzurntteln, doch erst nach einer längeren Weile tonnte er seine Erinnerungen und Gedanken so weit sammeln, um den Sachverhalt zu erzählen. Ein einem Zauke ähnliches Geräusch hatte ihn aus seinem Schlafe geweckt. Er glaubte sich im Nachtgewande in seinem Bette zu befinden. Da er durstig war, stand er auf, um bei dem Scheine eines brennenden Lichtes sich Wasser (?) zu suchen, da hörte er laute Schreckensruse und sah etliche Männer fortstürzen. Er fand einige Flaschen, brach einer von ihnen den Hals ab und da er in denselben guten Wein fand, trank er er so lange, bis alle leer waren. Weiter wisse er nichts. Der Scharfsinn des Rabbi fand sich alsbald zurecht. Die Diebe hatten die Abwesenheit des Hausherrn be^tzt, in seine Wohnung einzndringen und hatten den jüdischen Miedhof dazu ansersehen, um dort entweder ihrem Raub zu verargen, oder daselbst die Teilung desselben vorzunehmen. Dabei mochten sie in Streit geraten sein, dessen Lärm den Schlafenden weckte. Als sich dieser erhob, angetan in weißen Sterbekleidern, glaubten die Schurken nichts anderes, als daß ein Leichnam anfgestanden l'ei, und nahmen schreckerfüllt Reißans, alles im Stiche laft&ib. Sofort machte man die polizeiliche Anzeige. Da die Drebe nicht nnr ihren Raub, sondern auch ihre Kopfbedeckung zurückgelassen hatten, so wurden sie bald ausfindig gemacht, und in ihnen sehr gefährliche Individuen erkannt, welche schon viele Diebstähle in der Umgebung begangen hatten. Als Schepkes erfahren hatte, wem er die Rückerstattung seines Eigentums verdankte, hatte seine Dankbarkeit keine Grenzen. Nicht nur, daß er den Blumbergs die laufenden Wechsel prolongierte, er war auch den jungen strebsamen Kaustenten behilflich, ihr Geschäft zu vergrößern und auf solider Basis weiter zu führen. Der alte Blumberg hatte sich am Haschaana raba am guten Ort neuerdings den Schwur geleistet, sich nicht mehr zu berauschen, den er dieses Mal hielt. Denn er brauchte sich nur an die Schreckensnacht am Friedhofe zu^ erinnern, um jeder Versuchung würdig begegnen zu können. Die Gegend von Groß-M. blieb aber jetzt von den gefährlichen Einbrechern befreit, nachdem diese auf Jahre hinaus dingfest gemacht wurden. Sie waren fest dabei geblieben, daß sie ein Gespenst gesehen haben. Jüdischer Mittekschut-Merein. Der „Jüdische M i t t e l s ch u l - V e r e i n" hat sich nunmehr konstituiert und die ihm zugewandten Sympathien beweisen zur Genüge, daß das von Herrn Rabbiner Dr. Jung bereits mit der ersten Klaffe eröffnete jüdische Gymnasium einem wirklichen Bedürsnisse entspricht. Thora- Studium und prophanes Wiffeu sollen unserer Jugend, geleitet von erstklaffigen Lehrkräften, geboten werden, die Pflege echt jüdischen Geistes soll in unseren Schulen ein Heim finden, an Sabbaten und Festtagen soll die Teilnahme am öffentlichen Gottesdienst ermöglicht werden. „Thora" und „Derech-Erez" ist unser Wahlspruch und wer unsere Bestrebungen durch einen Mitgliedsbeitrag von wenigstens 6 K per Jahr sördert, tut ein gutes Werk, das uns schon bald gute Früchte tragen wird. Jüdische Brüder und Schwestern, helfet uns durch zahlreichen Beitritt unsere heilige Ausgabe erfüllen, und ihr werdet ein eminent gntes Werk fördern! Prof. Dr. S. K r a u ß, Obmann. Direktor Dr. M. F r l e d e b e r g e r. Obmann-Stellvertreter. Siegmund B o n d y, Schriftführer. Gefällige Anmeldungen sind zu richten an den Kassier des Vereines Herrn Emil N e u r a r h. II. Untere Augartenstraße II. „Union" tedens- und Kinderversicherungs-Anstait als Genossenschaft. (Erster Mädchenausstattungs-Bereln.) Unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Moritz W i t r m a n n hat jüngst die 49. ordentliche Generalversammlung stactgefunden. Der Generalberichc gedenkt in pietätvoller Weise der Verdienste des im verflossenen Jahre verstorbenen Präsidenten Armin Schwarz und des verdrenstsvollen Direktlonsmitglledes Sigmund Herzfeld. Der geschäftliche Teil des Berichtes weist auf allen Linien Daten und Ziffern auf, die das Prosperieren der Anstalt dokumentieren. An Fälligkeiten wurden im verflossenen Jahre K 1.797.112’32 um K 258.406 30 als im vorhergegangenen Jahre an die Mitglieder ausbezahlt. Die Prämieneinnahme hat sich von K 3.751.234 73 ans Kronen 4,134.444 05 und die Zlnseneinnahme hat sich von K 686.72641 auf K 761.249'20 gehoben. Des Weiteren wird über die Gründung einer Aktiengesellschaft unter dem Titel „Union Bersichorungs-Aknengesellschast" zum Zwecke der Einführung der Volksversicherung berichtet. DaS Gründungskapital beträgt K 2.000.000. In die Direktion der Aktiengesellschaft wurden gewählt die Herren Dr. Moritz Witrmau n, Emerich Szivä.k, Dr. Max Graf W i ck e n b n r g, Graf Bvla P a l l a v i c i ti i, Arnold Ko h u, Alexander T s it k. Isidor F r i e d l ä n d e r, Dr. Ernst Witt m a n n und Emerich K o v a c ». In den Anfsichtsrat Dr. Alexander Bernhard, Dr. Josef Reich, Josef H s g e r und Siegfried E p st e i n. Dem Pensionsfond der Beamten wurden K 10.000 zugewiesen. Nachdem dem Präsidenten Dr. Moritz W i t t m a n n und dem leitenden Direktor Arnold K o h n und dem Direktor Isidor Friedländer protokollarischer Dank votiert und dem Beamtenkörper Anerkennung ausgesprochen worden, wurde zur Neuwahl der Funktionäre der Genossenschaft geschritten, wobei die früheren Direktoren wiedergeivählt. Herr Isidor Friedländer und Dr. Julius Werner aber in die Direktion nengewählt wurden. Auch die früheren Aufsichtsräte und Ansschnßmitglieder wurden wiedergewählt. Der Generalversammlung folgte eine konstituierende Direktionssitzung, in welcher Herr Dr. Moritz W i t t m a n n zum Präsidenten, die Herren Dr. Emerich v. S z i v a f und Dr. Wilhelm Vä. zsony zu Vizepräsidenten gewählt wurden. Union-Lanst. Diez w ei nndvierzig sie ordentliche Generalversammlung der Aktionäre der Union-Bank findet Donnerstag, den 28. Mürz 1912,11 Uhr vormittags im Anstaltsgebäude, I., Renngasse Nr. 1, statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Verwaltungsrates und Vorlage des Bilauzabschlnsses pro 1911. Bericht des Revisions- Ausschnffes und Beschlußfassung hierüber. 3. Beschlußfassung über die Verwendung des Reingewinnes. 4. Antrag des Verwaltungsrates auf Abänderung der §§ 2,7 und 34 der Statuten. 5. Wahlen in den Verwaltnrlgsrat. 6. Wahl des Revisionsausschusses für das Jahr 1912. Die stimmberechtigten Herren Aktionäre, welche an der Generalversammlung teilzunehmen wünschen, wollen ihre Aktien in Gemäßheit des § 27 der Statuten spätestens am 20. März d. I. deponieren und zwar.: in Wien bei der Liquidatur der Union-Bank, in Triest bei der Filiale der Union-Bank, in Lemberg bei der Union-Bank, Filale Lemberg, in Berlin bei dem A. Schaaffhausen'schen Bankverein oder bei der Dresdner Bank, in Frankfurt a. M. bei der Deutschen Effekten- und Wechsel-Bank oder bei der Dresdner Bank in Frankfnrt am M., in München bei der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank oder bei der Dresdner Bank. Filiale München, in Nürnberg bei der Dresdner Bank. Filiale Nürnberg, in Genf. St. Gallen und Zürich bei dem Schweizerischen Bankverein oder bei der EidgenössischenBant(A.-G.), in Basel bei den letztgenannten Instituten oder bei der Aktiengesellschaft von Speyr n. Co. Austritte ans dem Judentum. Koppel Richard, Kaufmann, geb. 14. Mai 1883. Wien, Untere Augartenstraße 12. W o l l n e r Marie, geb. 12. August 1849 in Zwettl. Wien, Hl. Hauptstraße 32. Morgenstern Olga, geb. 24. Juli 1887. Wien, VHI. Tigergaffe 38. Suschitzky Anna, geb. 18. Juni 1868 in Divischau. Wien, VH. Mariahilferstraße 72. Wilczek Julius, Drechslergehilfe, geb. 3. Dezember 1865 in Brünn. Wien, XIV. Goldschlagstraße 137. Adler Emil, Kaufmann, geb. 11. September 1889 in Wien. Müglengaffe 2. H i tz k y Josef, geb. 7. September 1878 in Wien. H. Enusgaffe 5.