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Die Wahrheit · 1912-03-08 · Heft 10 (8.3.1912) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 10 (8.3.1912)
Date
1912-03-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 10 Die Wahrheit Seite 9. „Auf all dies bin ich nicht neugierig. Wenn ich an Diesem Abende meine Familie verlassen föiiute, so geschähe es nur zu hören, ob ein Rabbiner auch Dajenn (genug) sagen könne." „O ja," unterbrach der Rabbiner den Spötter. „Wenn mir der Wunsch in Erfüllung ginge: Jln nofsan lonn es momannom. wenn er uns I b r Geld geben wurde, dann wollte lch aus vollstem Herzen: „Dajenn!" ansrufen." So war es dem geistreichen Manne auch diesesmal gelungen, den Spötter mit seinen eigenen Waffen, den Waffen der Ironie, .zu schlagen, und beschämt, wie so öfter, ohne es einzngestehen. verabschiedete sich der Vorsteher von dem stets schlagfertigen Rabbiner. _■_._ Literatur. Raimunds Werke, in drei Teilen, herausgegeben, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Rudolf Für st. (Preis M. 1-75.) Nestroys . Werke, in zwei Teilen, heransgegeben, mit Einleitungen und Anmerkungen versehen von Otto R o m m e l. (Preis M. 2'50.) Goldene Klassiker-Bibliothek. Deutsches Verlagshaus Bong & Co.. BerlinIV. 57. Raimund und Nestroy — diese beiden so ähnlichen und zugleich so verschiedenen Meister des Wiener Bolksstückes leben in unserer Erinnerung als die typischen Vertreter einer vergangenen Zeit: Alt-Wien ist in ihnen lebendig gewesen. Im Altwienerischeu wurzelte ihre Kraft, ihr Ruhm und. wenn man will, ihre Tragik. Beide in Wien geboren, beide von Berns Schauspieler, beide voll Neigung für das ernste Fach, aber wider ihren Willen durch eine geniale Begabung ans die Laufbahn des Komikers und 'Charakterspielers gedrängt, schrieben beide ihre Stücke aus der Theatervraxis heraus, um für ihr eigenes Auftreten gute Rollen zu haben. Sie gingen von der alten Tradition des beliebten Wiener Bolksstückes ans. Als Darsteller ihrer eigenell Werke erlebten sie ihre größten schauspielerischen Triumphe und gehörten in ihrer Vaterstadt zn den Berühmtheiten ihrer Zeit. Aber hinter dieser äußeren Aehnlichkeit birgt sich eine riefe innere. Gegensätzlichkeit. Der ältere von ihnen, Raimund, war ein seelisch kranker, von Mißtrauen und Schwermnr sein Leben lang gevernigter Mann, dem überdies unglückliche Ehe- und Liebesverhältnisse die Harmonie des Lebens zerstört hatten. Auch durch sein dichterisches Schaffen ging ein Riß: er strebte nach dem hohen Stil der klassischen Tragödie und war doch nur in volkstümlichen und komischen Sz.-ueu groß. Sein Schaffen ist ernst, ehrlich, voll des reinen Strebens, die Widersprüche des Daseins durch heitere Lebensphilosopüie zu überwinden. Es ist ein beständiger Aufstieg bis zu der Meisterleistnng des „Verschwenders", die ihn unter die klassischen Dichter erhebt. Der jüngere, Nestroy, war bestimmt, ihn zu überholen. Nestroy ivollte nicht aufbaueu, sondern zerstören; abersein tödlicher Witz, seine beißende Satire, sein kalter Zynismus zog die Lacher von Raimund weg auf seine Seite. Raimund selbst erkannte an, daß er hier von einem Draufgänger übertroffen werde. Als Nestroys Ruhm aufging, schoß sich der andere eine Kugel in den Kopf und überließ seinem Rivalen das Feld, das er nun lange Jahre als unbestrittener Liebling der Wiener bis zu seinem Tode behauptete. — Diese beiden Dichter-Schauspieler und ihr Werk werden uns in den obengenannten Ausgaben der Goldenen Klassiker-Bibliothek in bekannter Vortrefflichkeit vor Augen geführt. Beider Texte.werden zum ersten Male mit philologischer Sorgfalt wiedergegeben, und zwar von Raimund sämtliche Schriften, von Nestroy, der mit seinem Talent nicht haushielt und sehr vieles nur für den Tagesbedarf schuf, eine Auswahl des Wertvollsten, von der lustigen Zaubervosse „Lumpazivagabnndus" bis zu dem an Anzengruber erinnernden Sittenstück „Kampl." Jeder Ausgabe ist eine ausführliche Einleitung vorangestellt, welche das Leben und Schaffen des Dichters entwickelt und den Zusammenhang mit der allgemeinen Literatur anfdeckt. In Anmerkungen am Schluffe der Baude wird alles Notwendige erläncerr, der Nesiroy- Ausgabe ist außerdem ein alphabetisches Verzeichnis seiner sehr zahlreichen Dialektausdrücke beigefügt. Papier, Druck und Einband sind von jener Gediegenheit, die wir an allen Ausgaben der Goldenen Klassiker-Bibliothek -schätzen. Der Preis ist trotzdem außerordentlich mäßig: M. 1.75 für Rainlund, M. 2.50 für Nestroy. — Nicht nur in Oesterreich, sondern im gesamten deutschen Sprachgebiet wird man gern zu diesen Büchern greifen, welche uns zwei der frischesten Humoristen und echtesten Volksdichter nahebringen. __ __’__ K. k. priv. österr. Länderbank. D i e e i n u n d d r e i ß i g st e ordentliche G e n e r a l v e r s a m m l n n g der Aktionäre der .Kais. K ö n. privilegierten L ä n d e r b a n k findet Mittwoch, den 10. April d. I., 6 Uhr abends, im Anstaltsgebände (I. Hohenstanfengasse Nr. 3) statt. Gegenstände der Verhandlung sind: 1. Bericht des Gouverneurs -über das abgelanfene Geschäftsjahr. 2. Bericht der Zensoren über die Geschäftsgebarung im- Jahre 1911. 3. Beschlußfassung über die Verwendung des Reingewinnes des Jahres 1911. 4. Beschlußfassung über die Erhöhung des Aktienkapitals um 30 Millionen Kronen. 5. Statutenänderungen (§§ 22, 23 nnd 25). 7. Wahl der Zensoren und deren Ersatzmänner für das Jahr 1912 (§ 39) sowie Wertbeftimmung der Anwesenheitsmarken für dieselben (§ 42). Die stimmberechtigten Aktionäre (§§ 43, 44), welche an der Generalversammlung teilzunehmen wünschenwerden hiermit eingeladen, ihre Aktien spätestens am 27. März d. I. zu deponieren und zwar: in Wien bei der Kais. Kön. privilegierten Oesterreichischen Länderbank: in Baden, Bozen, Graz, Jnnsbrnck, Linz, Pilsen, Prag, Reichenberg, Salzburg bei den Filialen, resp. Exposituren der Kais. Kön. privilegierten Oesterreichischen Länderbauk; in Berlin bei der Deutschen Bank sowie deren Filialen und bei der Dresdner Bank: in Frankfurt a. M. bei der Deutschen Bank. Filiale Frankfurt, bei der Deutschen Effekten- und Wechselbank. bei der Deutschen Vereinsbank, bei der Dresdner Bank in Frankfurt a. M.; in Stuttgart bei der Württembergschen Vereinsbank: in London bei der Kais. Kön. privilegierreu Oesterreichischen Länderbauk, E. C. 9 Bioshopsgate; in Paris bei der Banque Imp. Roy. Privilegiee des Pays Autrichiens, Succursale de Paris, 12, rue du 4. Septembre nnd Societe Generale pour favoriser le developpement du Commerce et de l’Industrie en France, 54 rue de provence; in Lyon bei der Lodete Lyonnaise de Depots, des Comptes-Courants et de Credit Industrie! Anglo-Oesterreichische Bank. D i e achtnudvierzigste ordentliche Generalversammlung der Aktionäre der Anglo-Oesterreichischeu Bank findet am 2. April 1912 um 1^7 Uhr abends im Kasseusaale der Anglo-Oesterreichlscheir Bank (I., Strauchgasse 1) statt. Gegenstände der Verhandlung: 1. Jahresbericht des Generalrates. 2. Bericht der Zensoren über den Rechnungsabschluß des Jahres 1911 und- Beschlußfassung hierüber. 3. Beschlußfafsnug über die Verwendung des Reingewinnes pro 1911. 4. Bestüriguug der Kooptation von Mitgliedern des Generalrates und Wahl von zwei Milgliedern infolge Ablaufes der Fuukcioilsdnuer. Lanr Artikel 30 der Statuten berechtigen 25 Aktien zu einer Stimme. Die stiinmberechtigren Herren Aktionäre werden eingeladen, ihre Aktien samt den nicht fälligen Coupons bis inkl. 26. März d. I. in Wien bei der Lignidatnr der Anglo-Oesterreichischeu Bank; in London bei der Anglo-Austrian Bank; in Aussig, Bodenbach, Brünn. Brüx. Bndapest. Czernowitz. Eger, Falkenan, Graz, Innsbruck, Korneuburg, Linz, Lobositz, Marburg, Pardubitz, Piranv, Prag, Proßnitz, Saaz, Sr. Pölren, Teplitz. Tetschen, Traurenau. Triest. Wels, und Znaun bei den Filialen der Anglo-Oesterreichischeu Bank; in Pilsen bei der Bank-Konunanditgesellschaft Hofrnann & Köttlarzig zu deponieren. Laut Artikel 27 der Statuten könlien Vollmachten nur an stimmberechtigte Aktionäre erteilt werden. Ü88ikrreioki8vbk Zentralbodenkreditbank. Die in der gestrigen Yerwaltungsratssitzung der Oesterreichischen Zentralbodenkreditbank genehmigte Bilanz pro 1911 schließt mit einem Gewinn per Saldo von 1,151.874 (-{- 119.122) K und abzüglich des Gewinnvortrages vom Vorjahre mit einem Beingewinn von 944.338 K (-J- 83.514) K. Es wurde beschlossen, in der Generalversammlung der Aktionäre den Antrag zu stellen, von dem nach Abrechnung der statutenmässigen Abzüge für den ordentlichen Reservefonds und die Tantieme verbleibenden Erträgnisse eine Dividende von 8 Prozent, das ist 32 K (gegen 7V, Prozent, das ist 80 K im Vorjahre) an die Aktionäre zu bezahlen, dem Hvpothekarreserve- Fonds 100.000 (-f- 40.000) K und dem Pensionsfonds der Angestellten 60.000 (-{-10.060) K zu widmen und den Rest von 215.789 (-|- 8253) Iv auf Gewinn- und Verlustkonto des Jahres 1912 vorzutragen. Wiener Bank-Verein. Die zweiundvierzigste ordentliche Generalversammlung findet am 4. April 1912 um 11 Ehr vormittags in "Wien, I., Herrengasse 8, statt. Verhandlungsgegenstände: 1. Jahresbericht des Administrationsrates. 2. Bericht der Zensoren über den Rechnungsabschluss pro 1911 und Beschlussfassung über denselben. 3. Beschlussfassung über die Verwendung des Reinerträgnisses ■ des Jahres 1911 (§ 59, lit. c der Statuten). 4. Antrag auf Aenderung der §§ 9, 14, 15 und 59 der Statuten. 5. Wahlen in den Administrationsrat. 6. Wahlen in das Zensoren-Ivollegium und den Aufsichtsrat für die Filialen. Vach § 47 der Statuten sind zur Stimmführung in der Generalversammlung nur .jene Aktionäre berechtigt, welche seit wenigstens 14 Tage vor dem Zusammentreten derselben mindestens fünfundzwanzig Aktien nebst Coupons bei der Gesellschaftskasse oder den sonst hiezu vom Administrationsrate bestimmten Stellen erlegt haben. Je fünfundzwanzig Aktien geben das Recht auf eine Stimme (§ 48 der Statuten). Die stimmberechtigten Herren Aktionäre werden daher eingeladen, ihre Aktien samt Coupons bis spätestens 21. März d. J. in Wien hei der Liquidator des Wiener Bank-Verein (I., Herrengasse 8): in Agram, Aussig a/E, Bielitz-Biala. Bozen, Brünn, Budapest, Budweis, Czernowitz, Friedek-Mistek, Graz, Innsbruck, Jägerndorf, Karlsbad, Klagen fort, Konstantinopel. Krakau, Lemberg, Marienbad, Meran, Oesterr.-Kowosielitza, Pardubitz. Pilsen, Prag, Prossnitz, Przemvsl. Salzburg, St. Pölten, Smyrna. Tarnow, Teplitz, Teschen, Villach, Wr. Neustadt und Zwittau hei den Zweigniederlassungen des Wiener Bank-Verein; in Triest bei der Banka Commerciale Triestina: in Berlin bei der Deutschen Bank und der Dresdner Bank; in Dresden bei der Dresdner Bank und der Deutschen Bank, Filiale Dresden; in Frankfurt a/M. bei der Deutschen Vereinsbank, der Deutschen Bank, Filiale Frankfurt am Main und der Dresdner Bank in Frankfurt a/M; in Stuttgart bei der Württembergischen Vereinsbank; in München bei der Deutschen Bank Filiale München und der Dresdner Bank Filiale München; in Zürich bei der Schweiz. Kreditanstalt und beim Schweiz. Bank- Verein; in Genf bei der Societe de Credit Suisse und beim Schweiz. Bankverein; in Basel bei der Schweiz. Kreditanstalt, beim Schweiz. Bankverein und bei der Basler Handelsbank zu deponieren. Wien, den 4. März 1912. Wiener Bank-Verein.

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