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Die Wahrheit · 1912-02-16 · Heft 7 (16.2.1912) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1912
Issue
Heft 7 (16.2.1912)
Date
1912-02-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Die Wahrheit Sette 9. Nr. 7. Feuilleton. Wur romantisch! Humoristische Skizze von Babette Fried, Prag. (Fortsetzung.) Da in der Gemeinde jede Hausfrau für ihre Hausgenossen utitb etwaige Gäste gut zu kochen verstand, so erwies sich das .Institut einer koscheren Restauration als überflüssig, und so blieb nichts anders übrig, als den Gast der Gemeinde nach alt hergebrachter Sitte beim Vorsteher einzuguartieren, woselbst es ihm wahrlich weder an kulinarischen, noch an geistigen Genüssen fehlte, denn Fran Lindenstamm war nicht nur eine gute Köchm, sondern auch eine angenehme Gesellschafterin, eine sogenannte gebildete Fran, und trotz seiner Schüchternheit machte er ans die gute Frau den Eindruck, als unterhielte er sich gerne mit ihrer schönen geistreichen Tochter, und in der Vorsteherin brillantgeschmückten Ohren begann eine Zukunftsmusik zu klingen. — Zwar war der Rabbiner trotz seines Doktortitels eigentlich keine Partie, wie sie der stolzeil Fran Lindenstattlm vorgeschwebt haben mochte' aber da ihre Tochter bisher alle Partien ansgeschlagen hatt, und Gefahr lief, eine alte Jungfer zu werden, so wollte sie doch den Verkehr der Beiden begünstigen, indem sie den neuen Rabbiner sieißig ins Haus lud, wo er sich von der .vortrefflichen Erziehung, welche Schön-Elschen genossen, überzeugen und andererseits alle seine glänzenden Eigenschaften vordem wählerischen Mädchen entfalten konnte. Aber trotzdem schien der Liebe Müh' bei der wackren Fran Vorsteherin vergeblich zu sein. Bei Else konnte nur ein solcher Mann renssiren, dessen Haupt von der Glorie einergroßen Herz bewegenden Leidenschaft umgeben war, oder das eines romantischen Unglücks, das ihre vpsermütige Liebe zu beseitigen im Stande war. Aber bei dem neuen Rabbiner war nichts von all dem der Fall. Er bewegte sich in dem ausgetretenen Geleise, hielt seine regelmäßigen Vorträge ab, welche immer mehr gefielen, je festeren Fuß er in der Gemeinde gefaßt hatte. Die Fran Vorsteherin hatte sich mit dem ihr eigenen Eigensinn in den Plan verrannt, daß ihre Tochter Rabbinerin werden müsse, und da wartete sie daraus, daß dem im Grunde etwas nnbeholfenen Rabbiner irgend ein llngemach zngestoßen wäre, daß er am nahen Neujahrsfeste seine Predigt oergeffen und darin stecken geblieben wäre, daß ihn am bevorstehenden Versöhnungstage ein Ohnmachtsanfall betroffen und am Neilagebete verhindert Hütte, daß ihm beim Lnlvwbenschen am Laubhüttenfeste der Esrog aus der Hand gefallen wäre, schließlich hätte sie nichts dagegen gehabt, wenn die leichte Reisigdecke der Laubhütte ihm ans den Kopf gefallen wäre — nur etwas hätte geschehen müssen, damit das Mitgefühl Elses ob dieses tragischen Ereignisses erweckt würde. Und vom Mitgefühl zur Liebe sei bei einer so romantisch angelegten Natur nur ein Schritt; so kombinierte die kluge Vorstehersfran. Aber nichts von alledem geschah. Der Rabbiner, welchem am Neujahrsfeste die Ehre des Schofarblasens zu Teil ward, entlockte dem sonst recht widerspenstigen Schosar die diversen Töne mit einer solchen Bravour, wie es noch niemals in dieser Synagoge gehört wurde, und selbst die Tekio gedoloh schmetterte er mit einer solchen Kraft hervor, daß er damit den Be- . weis erbrachte, daß diese Synagoge ans weit soliderer Basis - erbaut war, als es die Mauern Jerichos waren, welche einst sanfteren Trompetenstößen nicht Stand gehalten hatten. Die darauf folgende Predigt war ein Meisterstück der Rethorik, gab mithin keinen Anlaß, Mitleid zu empfinden, höchstens mit denjenigen .Zuhörern, die durch den langen Gottesdienst um das gewohnte Gabelfrühstück kamen. Auch der Versöhnungstag verlief ohne Störung. Immer siegesbewußter trat der Rabbiner dem holden Mädchen gegenüber, doch immer ablehnender verhielt sich dieses gegen ihn. Da war ja gar keine Spur von Romantik, mithin kein Anlaß für 'Else, sich für den Herrn zu interessieren. In dem erfinderischen Kopfe der Frau Vorsteherin war aber ein Plan entstanden und hatte im Laufe der Zeit auch greifbare Gestalt angenommen, auf welche Weise das Interesse ihres Töchterchens für den neuen Rabbiner erweckt und gesteigert werden konnte. Sie suchte ihn für die Idee zu gewinnen, in der Gemeinde einen Chanukaverein ins Leben zu rufen, der die Bekleidung armer Schulkinder zum Zwecke haben sollte. Bescheiden verzichtete sie auf den Ruhm, diesen Gedanken zuerst erfaßt zu haben, und wußte geschickt dem Rabbiner die Erfinderrolle zu suggerieren. Die junge und alte Damenwelt nahm mit Entzücken den Vorschlag an. den der Rabbiner in einer formvollendeten Ansprache an diese entwickelte. Sollte ja dieser Verein auch Abwechslung in die Eintönigkeit des Landlebens bringen, die selbst der interessanteste Killeklatsch nicht ganz zu bannen vermochte. Niemand schloß sich ans. Mau gab mit vollen Händen zu diesem edlen Zwecke. Bevor das Channkafest erschienen, hatte sich der Verein richtig konstituiert, hatte sein Präsidium und eine Anzahl von Vorstandsmitgliedern, auch das nötige Geld, um die betreffenden Kinder bekleiden und fönst noch beschenken zu können. Am Ansgauge des Sabbath-Channka sollte nun die Channkafeier gleichzeitig mit dem Gründungsfeste des gemeinnützigen Vereines stattfinden. Das größte Lehrzimmer der Schule war dazu ansersehen und von den eifrigen Komiteedamen aufs prächtigste geschmückt worden. Kopf an Kopf saßen und standen die Festteilnehmer. Für den Festredner war eine Art von Tribüne errichtet. Seitwärts stand in einer Fensternische auf einem kleinen Tischchen die Menorah, woran ein Waisenknabe die Chanukalichter anzündete. Darnach wurde von einigen Sängern das Maas Zur nach alt hergebrachter Melodie gesungen, und endlich bestieg der Rabbiner die Rednertribüne. Im Saale war es ganz stille geworden. Man hätte eine Fliege summen gehört, wenn nicht alle vom Winterschlafe umfangen gewesen wären. Alles blickte' erwartungsvoll auf den Redner, von dem man sich einen geistvollen, erbaulichen Vortrag versprach. Am gespanntesten waren die Komiteedamen, die von der improvisierten Kanzel herab das Lob für ihr ersprießliches Wirken im Dienste der guten Sache und für die herrliche Ausschmückung des Lokals zu hören erwarteten. (Fortsetzung folgt.) des öu.-ung. Jlnmtorai-lereines. Beitrittsaumeldungen znm „ Oesterr. - ungar. Kanroren- Vereiu" sind zu richten an den Vizepräsidenten Oberkantor I. Bauer, Wien, IL. Aovaragasse 27. (Jahresbeitrag 8 K, Aufnahmsgebühr 4 K.) Vereins bei träge sind an den Kassier, Erster Kantor S. I n r b e r g e r, Wien, II., Tempelgasse 3 oder mittelst Erlagscheine der Postsparkasse einznsenden. Austritte uns dem Judentum. Leidersdorf Stefanie. Hilfsarbeiterin, geb. 2. April 1888 in Wien. IX. Peregriugaffe 7. S t e r k Einma gb. B i r it b a u m, SchriftstellerSgatlin, geb. 5. Dezember 1872 in Wien. IV. Johann Straußqaffe 34. Sterk Wilhelm, Schriftsteller, geb. 28. Juni 1380 in Budapest. Wien, IV. Johann Stranßgafse 34. S t e r k Perer Kornelius, geb. 24. Februar 1906 in Wien. IV. Johann Srraußgasfe 34. Sterk Gertrud Magda, geb. 3. Juni 1907 in Wien. IV. Johann Strauß gaffe 34. H u s s e r l Johanna, Auguste, Gabriele, geb. Forst, geb. 6. Mai 1881 in Berlin. Wien, IX. Porzellangaffe 45. M a n h a r d Theodor Hermann, Kaufmann, geb. '24. Juli 1860 in Wien. IX. Peregringaffe 4. K o ch e l e s Karl, Portier im Sanatorium Dc. Freiler Judendorf bei Graz, geb. 11. Dezember 1887 in Wien. 06365638

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