Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 48 (15.12.1911)
- Date
- 1911-12-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Redaktion nnd Sldministration: Wien, H/, Nvvaragasse 27 Telephon: Redaktion 5509/1V. Anabhängige Aeitschrift für jiiöifche Verugsprei»: Ganzjährig.K l*.— Halbjährig.K 7.— Administration 4938/il. ft. k. üsterr. Vostsparkajsa- Scheck-Koiuo Nr. 100.918. Anteresteu. ' Für tfnltiivbeiiiiite: Ganzjährig.K 10 - Inserate: Die viermal geipaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. Erscheint jeden Kreitng. Für Ausland: AbonnemenlSnnd Jnsertions- Ganzjährig.8 Mark betrüge sind in Wien zahlbar nnd klagbar. Illotto: „Da» Siegel Gottes ist Wahrheit!“ t> Rubel oder 1« Frei». Nr. 48. Wie», 13. Dezember Inhalt: Chanuka. — Zur Abfallbewegung. — Der Anteil der Juden an der wissenschaftlichen Arbeit auf dem Gebiete der kosmischen Forschung. — Jüdische Auswanderung und Auswanderungspolitik. — Der Knabeumord in Kiew. — Wie die Psalmen beim Religionsunterrichte behandelt werden sollen. — Der deutsche Paganini. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Weihnachten und Chanuka. — Austritte aus dem Judentume. Channka Wieder naht das liebliche Weihefest, das hehre Erinnerungen an eine glorreiche Heldenzeit in uns auslöst. Unsere Alten waren Helden, Hämmerer in edlem Sinne. Hammer oder Amboß sein, das ist Menschen- und Völkergeschick! Ob ihrer geringen Zahl waren sie oft Amboß, ob ihrer geistigen Kraft und sittlichen Stärke Hammer! Wir haben Helden im edelsten Sinne, die nicht andere nm Landerwerb niederrangen, sondern der Menschheit Bestes, die Glaubens- und Gewissensfreiheit mit ihrem Blute verteidigten. Nennt mir ein ähnliches Heldentum unter den Völkern ans dem Erdenrund, von denen jedes einzelne gewiß in seiner Art groß und bedeutend ist. Ferne sei es uns, dies zu bestreiten, doch wo ist in der Weltgeschichte ein solches Volk, das mit einziger Schärfe wirklich Großes, Gutes, Bildendes aufnahm und verarbeitete, ohne sein Wesen, seinen inneren Kern verderben zu lassen! Sie waren Helden, unsere Altvorderen! Seien auch wir es! Wie wäre dies möglich? Wir preisen Gott, der uns besohlen, das Licht der Weihe zu zünden! Weihe! Suchen wir in unserm Herzen die Weihe Gottes! Im Gewirre des Alltags, im Durcheinander der auf uns einstürmenden Tatsachen, Fragen und Kämpfe suchen wir in unserm „Buch der Bücher", unserer Bibel, Wahrheit und Richtschnur, Antwort auf des Lebens Fragen und Kämpfe, Tatsachen und Wirren! Wenn der Thora Licht in uns stammt, so wird es das kalte Leben mit seinen Enttäuschungen, Verkehrtheiten und Lügen erwärmen mit Wahrheit, Liebe und Güte, und der starre Winter mit Tod und Vernichtung wird einem besseren Lebensfrühling neuen Erwachens und Regens weichen. Doch müssen wir lehadHk ner schel Chairaka das Weihelicht der Thora in uns zünden und ausstammen lassen gleich Juda Makkabi. Jude mit Herz und Hand, Geist und Gesinnung, .das ist der Ruf der Väter! In harter Arbeit an sich, den Seinen und der Gesamtheit immer mutig schaffen, nicht rasten bis ans Ende, das ist Makkabäerpsticht. Ihr Väter, Mütter, Vormünder, Ihr Großen und Kleinen seht zu, daß nicht des Winters Starre und Tod uns ergreife, sondern unseres Volkes Lehr' und Leben auch uns durchwehe und zu großen Taten treibe! Nur Arbeit, nur Leistung ist Leben, nur durch sie können auch uns Gottes Wunder werden. Das ist Makkabis Ruf! Ihr Mächtigen, zeigt eure Größe, Kraft und Stärke, indem Ihr gleich Jochanan dem hohen Priester der Gesamtheit an großen Werken, an Hilfe für Bedrängte und Gehetzte allerwärts Hohenpriesterdienst edler Menschlichkeit mib vornehmer Tatenfülle verrichtet! Ihr Kleinen, Entmutigten, leset Eures Volkes Geschichte und sehet, daß zu allen Zeiten Gott uns in jeder Bedrängnis half, so wir ihn aus ganzem Herzen suchten undliebten! Tut es ebenso und lernt aus diesem Winterfeste den Frühling erwarten und durch Euch, Euren Willen, Mut und Gemeinsinn für Gesamtisrael herbeiführen! Das ist unseres Festes Sinn und Ruf! Höret und erwachet! In Euch nnd unserer Gesamtheit sucht Wert und Größe, Licht und Zukunft, nicht in Nachahmung fremder Sitte und fremden, oft erborgten Schmuckes! Haben wir nicht die größten ethischen Werte in unserm großen Schrifttum, unserer Ueberlieferung und Geschichte, wie dem Leben unserer Tage! Wozu Abfall, wozu Treulosigkeit gegen sich und die Gesamtheit?! Seien wir Helden gegen uns, nicht bloß für uns! Helden, die mutig dem tückischen Lockrufe der Versuchung und jeder Widerwärtigkeit heldenhaft wie unsere Makkabäer widerstanden! Lernen wir durch Glaubens- und Volkstrene unfern inneren Wert erkennen, fördern und bewahren! Durch unentwegte Arbeit und Unverdrossenheit nach außen zur Geltung und Schätzung zu gelangen, sei unser Ziel! Leuchte, Lichtlein der Weihe, in die Herzen aller und laß sie aus dem Winterschlafe der Gleichgültigkeit oder Mutlosigkeit zu neuem Leben erwachen, laß sie erkennen, daß nur in der steten Arbeit auf allen Gebieten etwas zu erreichen ist und laß sie das Licht des Glaubens, der Wahrheit in ihrer Kinder Herzen dauernd zünden und erhalten! Das ist der Weg zum wahren Heldentum der Makkabäer! Das die Antwort aus unsere Frage, wie wir Helden werden und als solche wirken und für die Zukunft unvergängliche Werte schaffen können! Frömmigkeit und Tatensreude, Psticht und Mut können uns diese Heiligung und Förderung geben. Haus und Schule, Einzelner nnd Gesamtheit müssen sich zu dieser Arbeit vereinen, zu dauerndem Gewinne zusammenschaffen! Das eine große Ziel des Ansehens unserer Gesamtheit muß uns leiten nnd alles Trennende zurücktreten angesichts der uns umlauernden Gefahren und Leiden, angesichts der traurigen Folgen von Zwist, Uneinigkeit und Zerfahrenheit! Lehret die Schüler in Wort und Tat, die kleinen und die großen Schüler, in der Schule des Kindes und der großen Lebensschule, die mit ihren Mahnungen, Forderungen nnd Bedürfnissen, leider oft ungehört, an uns sich wendet. Feiert das Weihefest im Lichte dieses Gedankens, fördert unsere Einrichtungen, die jede einzelne wie alle zusammen mächtige Bausteine zum großen Baue unseres öffentlichen Lebens, Schaffens und Wirkens, zur Abwehr schwerer Stürme und Gewitter sind. Tttt Herz und Tasche aus und lindert Leid und