Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 45 (24.11.1911)
- Date
- 1911-11-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3063572-3063617--07572-3074669- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Redaktion und Administration: Wien, H/j Novaragasse 27 Televhou: Redaktion 5509/1V. Unabhängige Aeikfchnfk für Mische Veznn»z»ret»: Ganzjährig.K 14.— halbjährig.K 7.— Administration 4938/U, ft. k. öftere. Nostsparkaffa- Schect-Konto Nr. 100.918. Anlere^en. Für srnliiisbfunite: iMiiiniiibri,t.K KI - Inserate: Die viermal gejvaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. Erscheint jeden Ire Hag. Für Ausland: Abonnementsnnd JnsertionS- '^„»zjiihria.8 Mark betröge und in Wien zahlbar und klagbar. Motto: „Das Siegel Dottes ist Wahrheit!“ t» tHtiOei oder Ki FrcS: I i i* ki |!v. 45. Wien, 24. November Inhalt : Werner Sombart und die Juden. — Liszt. Wagner und das Judentum. — Das Judeulum im Kulrur- und Wirrschafrsleben Deutschlands- — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Der Hosjude. — Zur Eröffnung der Kantoren-Schule. — Austritte aus dem Judentume. Werner Sombart «nd die Inden. Bon Prof. M. Stark. , Noch sind die Federn/ mit welchen von jüdischer Seite die-zahlreichen Besprechungen nnd Kritiken des Soinbartschen Buches über jüdischen Erwerbs- und Haudelssinu, Spcknlations- und Unternehmungsgeist u. s.,w. geschrieben worden sind, nicht . ganz trocken geworden nnd schon wieder hat der fleißig forschende und auch im jüdischen Schrifttum überaus belesene Nationalökonom mit den Juden sich beschäftigt. Wie nämlich die Blätter berichten, hat Sombart Montag, den 13. d. M. seinen ersten Vortrag über „Die Zukunft der Inden" in Berlin gehalten. ' Auch vor zwei Jahren hat er in Berlin den Anfang gemacht und dann die dort gehaltenen Vorträge in allen größeren Städten mit großen Judengemeinden wiederholt und zuletzt nach erfolgter. Erweiterung in einem Buche veröffentlicht. Wahrscheinlich wird auch diesmal derselbe Vorgang und die gleiche Oekonomie von Seiten des Herrn Professors beobachtet werden. Darum möchte ich bei Zeiten darauf Hinweisen, daß es ein Fehler jüdischerseits ist, wenn Aeußernngen und Meinungen nichtjüdischer Gelehrter über Inden und Judentum gar solch großes Gewicht und Bedeutung beigelegt wird, wie es im Falle Sombarts sich gezeigt hat. Es unterliegt keinem Zweifel, daß mehr als neun Zehntel der Zuhörer von Sombarts Vorträgen und der Leser und Käufer seines Buches Juden waren. Haben doch selbst nationaljüdische Vereine ihn zur Abhaltung von Borträgen eingeladen, und als er nicht ganz ihren Erwartungen entsprach, nebst Schmeichelhaftem und Angenehmem auch vieles vorbrachte, was wissenschaftlich und tatsächlich, unrichtig war und dabei auch das religiöse und nationale Gefühl verletzte, ziemlich scharfe Kritik an ihm geübt. Wäre es nicht vom Anfang an besser und klüger gewesen, sich an den alten jüdischen Spruch zu halten: ln meduwschoch wein meukzocii (nichts von deinem Honig und nichts von deinem Stachel)! und nicht noch den Stich, der>nnr Schmerz verursacht, aber keine Heilung eines wirklich vorhandenen Schadens bringt, mit teuerem jüdischen Gelde zu ' bezahlen!? Und zeugt es, nicht von Mangel an jüdischem Selbstbewttßtsein und Stammesgefnhl, wenn man danach lechzt, etwas Lob aus dem Munde wohlgesinnter (?) Nichtjuden zu hören und von ihnen das Zeugnis zu erhalten, daß man nebst \ vielen Fehlern und Untugenden auch einige Vorzüge besitzt, nebst vielem Schlechtem auch, manches Gute beim Juden zu finden ist, daß er seiner Umgebung nicht immer geschadet, sondern hie und da auch genützt hat?! Würde ein solches Zeugnis wenigstens von den Konnationalen und Glaubensgenossen des Ausstellers allgemein gelesen, geglaubt nnd anerkannt werden, dann könnte man es sich noch gefallen lassen, das aber ist mitnichten der Fall; es dient den Juden nur zum eigenen Gebrauch. Brauchen sie aber erst ein solches Zeugnis, um ihren eigenen Wert zu erkennen, um zu wissen, was sie der Menschheit geleistet, ob sie den Völkern, unter welchen sie wohnen, mehr Schaden oder mehr Nutzen gebracht haben?! Wir müssen selbst den Maßstab unseres Wertes oder Unwertes in uns tragen. Sobald wir andere, die doch zumeist Gegner, um nicht zu sagen Feinde sind (Weojwenii pelilim) zu Richtern über uns machen, so ist es um uns und unsere Ehre geschehen. Als Sombart die erste Serie seiner Vorträge über „Judaismus und Kapitalismus" in Berlin hielt und alle Tagesblätter ausführliche Berichte über dieselben brachten, da war Schreiber dieses der erste, der gleich nach dem Erscheinen der Berichte in einem dieser Blätter ihm sachlich und höflich erwiderte und besonders seine Behauptung, daß die jüdische Religion den Erwerbssinn der Juden und deren Streben nach dem Besitz von irdischen Gütern unterstütze und fördere durch Anführung zahlreicher Aussprüche in Bibel, Talmud. Midrasch n. f. w. widerlegte. Und als bald darauf in jenem Blatte zu lesen war, Sombart werde nach Prag kommen und auch da über dasselbe Thema sprechen, so richtete ich an Sombart ein ausführliches Schreiben, in welchem ich meine Auseinandersetzungen noch des Weiteren ausführte und begründete. Sombart hat mir sofort geantwortet und nicht allein gedankt, sondern auch bemerkt, daß er meine Einwendungen in seinem Buche berücksichtigen nnd jedenfalls auch in seinen Vorträgen von nun an in der Wahl seiner Ansdrücke vorsichtiger sein werde. Was nun die jetzt begonnenen Bortrüge Sombarts über »Die Zukunft der Inden" betrifft, so wäre es meines Dafürhaltens töricht, sich darüber in eine Kontroverse mit Sombart einzulafsen. Denn über die Zukunft eines Individuums nnd noch mehr eines Volkes können nur subjektive Ansichten und Meinungen ausgesprochen werden, die jeder realen Grundlage entbehren. Beweise dafür zrr erbringen, daß sich die Zukunft so nnd nicht anders gestalten werde, ist kein Mensch imstande. Nur ein Prophet könnte sichere Behauptungen über die Gestaltung der Zukunft anfstellen; ein solcher ist aber auch Sombart, bei aller Achtung vor seinem Forschergeiste und seiner beflügelten Phantasie, wie er wohl selbst zugeben -wird, nicht. Glücklicherweise hat es aber schon vor Jahrtausenden wirkliche Propheten gegeben, die über die Zukunft der Juden sehr ausführliche Borträge gehalten haben. An der Wahrheit nnd Richtigkeit ihrer .4 ■! t i •I GB B