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Die Wahrheit · 1911-11-03 · Heft 42 (3.11.1911) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 42 (3.11.1911)
Date
1911-11-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redaktion und Administration: Wien, II/, Novaragasse 27 , Televhon: Redaktion 5509/1V. Anabhällgige Herlschrift für jäöische Gernst»prei»: Gaiizstibrig.K l* *.— Halbi>id>>a.7,— Administration 4938/11, _ K. f. östcrr. Postsvarkasta» Scheck-Konto Nr. 100.9l8. Interessen. Für DillnSdetunte: .K 10 - Inserate: Die viermal gespaltene Ronpareille-Zeile 25 Heller. Erscheint jeden Areilng. Für Ausland: Abonnementsnnd Jnsertions- (tomnuitniii.8 Warf betröge nnd tu Wien zahlbar nnd klagbar. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ 6 Rubel oder 10 jsrc». Ur. 42. Wien, 3. November Inhalt: Aus der Woche. -— Misracht uub zionistische Organisation. — Das Judentum int Kultur- und Wirtschaftsleben Deutschlands. — Verschiedene Nachrichten. — Literatur. — Synagogengesänge. — Feuilleton: Die Brautwahl. Die geehrten Herren Abonnenten werden dringendst ersucht, die restlichen Abonnementsbeträge umgehend einsenden zu wollen. Ans der Woche. Baron Gautsch hat, wie wir bereits vorige Woche an dieser Stelle signalisierten, seine Demission gegeben und der-bisherige Unterrichtsminister Graf Stürgkh ist zn seinem Nachfolger ansgewählt. Der neue Ministerpräsident will ein unparteiisches Beamtenministerinm bilden, wie es so oft in den Verlegenheitspausen der österreichischen Politik auf den Plan trat, wenn die politische Situation recht verworren und die Harmonie zwischen Regierung und Parlament nicht zu finden war. Graf Stürgkh hat durchwegs hervorragende Persönlichkeiten ans der Beamtenhierarchie zur Leitung der einzelnen Ressorts herangezogen und die Namen der neuen Minister haben einen vollen Klang. Nur einer erregt wegen seiner ausgesprochen klerikalen Richtung in freisinnigen Kreisen Bedenken, es ist dies der zum Kultus- und Unterrichtsminister designierte Professor des Kirchenrechtes an der Wiener Universität uub Sektionschef im Unterrichtsministerium Dr. Max von Hussarek. Aber klerikale Gesinnung wird oft mit religiöser Ueberzeugung verwechselt und wir haben genug Beispiele dafür, daß als klerikal verschrieene Minister in der Ausübung ihres Amtes viel liberaler und duldsamer waren, als jene Parteien, die sich heute freisinnig nennen. * * * Lange vor Inkrafttreten des Versicherungsgesetzes für Privatangestellte in Oesterreich, in dessen Geltungskreis auch die einer Pensionskassa nicht angehörigen jüdischen Gemeindebeamten fallen, haben wir die Idee angeregt, daß unter Mitwirkung der Kultusgemeinden und Kultusbeamten eine besondere Pensionskässe für die letzteren gegründet werde. Leider scheiterte damals chie Ausführung dieses Planes an mannigfachen Widerständen, und zum gleichen Schaden für die Gemeinden und Beamten, ist auch die Hoffnung, daß die zu kreierende Gesamtorgauisatiou der jüdischen Gemeinden in Oesterreich diese überaus dringende Aufgabe lösen werde, nicht in Erfüllung gegangen. In Deutschland soll nun eine ähnliche Zwangsversicherung Gesetz werden, die aber, gerade wie bei uns in Oesterreich, sich für die jüdischen Gemeindebeamten unzulänglich erweist und ihnen nur große Lasten ohne entsprechende Gegenleistungen bringt. In Erkenntnis dieser Umstände hat nun der Deutsch-israelitische Gemeindebuud eine Aktion eiugeleitet, um eine Ersatzkasse für jüdische Gemeindeangestellte zn gründen und zn diesem Behuse versendet er folgendes Zirkular an sämtliche jüdischen Gemeinden Deutschlands: „Verehrlicher Vorstand! Der Zeitpunkt für eine endgültige Beschlußfassung des Reichstages über das Versichernngsgesetz für Angestellte naht heran. Die Bestimmungen dieses Gesetzes sind recht schwere, sowohl für die Gemeinden, wie für die Kultusbeamten. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebuud beabsichtigt deshalb, wie Ihnen ans ltnserem Rundschreiben vom 25. September d. I. bekannt ist. wenn irgend möglich, eine eigene Versicherungskasse für die Pension und die Hinterbliebenen der jüdischen Kultusbemten Deutschlands zu gründen. Kommt diese Kasse zustande, und umfaßt sie eine größere Anzahl von Gemeinden, so wird es ihr möglich sein, mit der Zeit günstigere Bedingungelt gewähren ztl können als der Staat solche bewilligt. Die Kasse kann aber liur dann begründet werden und hat nur dann Aussicht auf staatliche Genehmigung, wenn eine große Anzahl von Gemeinden sich verpstichtei, alle ihre llnter das Gesetz fallenden Angestellten bei dieser unserer Kasse zn versichern. Da die Annahme des Gesetzes innerhalb der nächsten zwei Monate bevorsteht, und da in Gemäßheit des Gesetzentwurfes die Ersatzkassen bereits bei Veröffentlichung des Gesetzes bestehen müssen, bitten wir Sie. uns Ihre Zustimmung bezw. Verpflichtung bis spätestens in 14 Tagen einsenden zit wollen, damit wir eventuell rechtzeitig an die Konstituierung der Kasse gehen können." Diese Aktion des Deutsch-Israel. Gemeindebundes beweist von neuem, wie dringlich und notwendig es wäre, auch in Oesterreich endlich eine ähnliche Organisation zu schaffen, die überall dort eiutreten könnte, wo die Kräfte der einzelnen Gemeinden versagen. * * * Unverbürgten Mitteilungen znfolge soll die tripolitanische Frage zur Aufrollung einer andern, lind zwar des Allspruches des Papstes auf das heilige Land, Anlaß gegeben haben. Ein italienischer Kardinal soll nämlich gesagt haben: „Geht die Türkei jetzt in Stücke, dann wird der Papst das Heilige Land mit dem Titel „König von Jerusalem" für sich beanspruchen. Erreicht er dieses Ziel, so würde er als Kompensation allen Ansprüchen auf die weltliche Herrschaft über Rom entsagen." Obzlvar diese Aeußerung, wie bemerkt, höchst zweifelhaft ist, hat die „Vossische Zeitung" es für gut befunden, einen ihrer

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