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Die Wahrheit · 1911-09-22 · Heft 37 (22.9.1911) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 37 (22.9.1911)
Date
1911-09-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 37. Oesterr.-ungar. Kantoren-Zeitung Seite 11. Zinn AAjahrigen Kantorjnbilknm des Herr« Mar Singerunmu, . > Oberkantor der israel. Kultusgemeinde in Troppau. In Zeltverhältnissen, da man telephonisch übers Meer -spricht; — im Aeroplan durch Wolken segelt und im Automobile Lurch die entlegensten Länder rast — also gewissermaßen größere Dimensionen zu möglichst winzigen umzugestalten sich bemüht — könnte es vielleicht hie und da bedenklich erscheinen, immer noch, der alten Gepflogenheit entsprechend, von einer solch' kurzen Spanne Zeit — als von einem 25jährigen Jubiläum zu sprechen und zu berichten. Wohl wahr! Dem Fortschritte unseres hastenden Zeitalters gemäß bedeuten 25 Jahre allerdings nicht viel —; doch, wenn dieselben eine solch' gesättigte und fachmännisch bedeutsame Lebenswirksamkeit aufweisen, wie es bei Max Siugermanu der Fall so wachsen auch hier die Dimensionen in einer Weise, die -sich des Berichtens und Festhaltens für spätere Tage würdig erweisen. — Doch — lassen wir die Tatsachen selbst sprechen; — dieselben erscheinen uns, besser, als gespendetes Lob — als wirksamste und erschöpfendste Empfehlung. Unser Jubilar, Herr Max Singermann in. Troppau, erblickte im Jahre 1860 in Kouiu, Russ.-Polen, als Sohn des berühmten pn Hersch'ke, das Licht der Welt; wirkte schon als -5—6jähriger Knabe zuvörderst als ttiwq' seines Vaters, später in derselben Eigenschaft bei dem gleichfalls berühmten „Schikeu. A. in rühmlicher Weise gesanglich mit und absolvierte gleichzeitig im ttn-rön *2 die ernsten dazumal üblichen hebräischen Studien. — War es familiäre Nöthignng*) oder seelischer Drang, — der jugendliche Max Singermann fühlte sich veranlaßt, die heimatliche Scholle zu verlassen, 'den Wanderstab zu ergreifen .und wandte sich im Jahre 1877 nach Hannover, um am dortigen jüdischen Lehrerseminar die ihm fehlende Bildung zu ergänzen und gleichzeitig unter der Aeglde des rühmlichst bewährten Oberkantors Berggrün die modern kantoralen Kenntnisse sich anzueignen. — Sein erwachter Wissensdrang veranlaßte ihn jedoch im Jahre 1880 die vom Meister Moriz Deutsch in Breslau geleitete Kantorschule aufzusnchen, zn-deren ausgezeichnetsten Schülern er zählte. Oberkantor Deutsch brachte die Würdigung seines Eleven Siugermanu dadurch eklatant znm Ausdrucke, daß er denselben wiederholt zu seiner Vertretung beim Hauptgottesdienste im großen Breslauer Tempel empfahl, welcher bedeutsamen Mission sich Singermann stets mit Geschick nnd Erfolg entledigte. — Nun war der Pfad geebnet. —1882 wirkte Singermann bereits als Kantor in Schweidnitz und 1883 in Duisburg a. Rh. — Die Tätigkeit am letztgenannten Orte verschaffte Singermann die Gelegenheit, etwaig vorhandene musikalische nnd stimmtechuische Lücken bei Gesangs- und Musikmeistern in Düsseldorf und Cöln zu ergänzen, so daß es ihm nach Vollendung dieser Studien ermöglicht war, im namhaften Städten als Solo-Konzertsänger mit bestem Erfolge aufzutreten. 1886 traf Singermann der schwere Schicksalsschlag, aus Deutschland ausgewiesen zn werden. — An diesem bedeutungsvollen Wendepunkte des Singermann'schen Lebens trat weiland Oberkantor Deutsch geradezu als rettender Engel dem Mißgeschicke entgegen, indem er seinen einstigen Lieblingsschüler für die erledigte Oberkantorstelle in Troppau vorschlug, welcher Posten auch dem letzteren nach einem überaus beifällig absolvirten Probevortrage (am->N2°s re») 1886 übertragen wurde. Am 15. Juli 1886 trat Singermaun sein Amt als Oberkantor und Religionslehrer der Trpppauer Gemeinde an. Wie die geschilderten Etappen des Singermannscheu Lebensweges von der Wiege bis nun eine festschließenden Kette von Ringen stets neuer .Bestrebungen, stets neuer Wirk¬ *) Der Vater des Herrn Jubilars hatte eine zahlreiche Familie. Von den andern Söhnen wirken zur Zeit Herr Oberkantor Singermann in Ratibor und Herr Kantor und Lehrer Singermann in Schildberg in Preußen verdienstlich; ein Sohn betätigt sich als vielbeschäftigter Advokat in New-Pork. samkeiten bilden; wie es niemals seine Art war, nach bekannter Gepflogenheit, für klaffende Wunden, Schönheitspflästerchen zu verwenden, sondern Wunden aufzudecken und gründlich zn heilen, so erachtete er es auch als allerwichügste Aufgabe seines Troppauer Amtsantrittes, den bisherigen — etwas vernachlässigten Gottesdienst von Grund auf zu regeneriren und — mir einigermaßen zn Ruhe gelangt — alsbald auch, eine anßerkantorale Beschäftigung durch Kreirung einer Musik- und Gesangschule vorzubereiten, die ihm in später Folge nicht allein entsprechenden, materiellen Erfolg sondern auch gesellschaftliche und sonstige Ehrungen verschafften. Es muß hier ernsteits darauf hingewiesen werden, daß die jeweiligen Jahresprüfungen dieser Schule zu den bedeutungsvollsten Ereignissen der Stadt zählten; daß dieselben sowohl bei der Musikwelt, Lehrern nnd Kaufmannschaft, so auch beim Offizierskorps und dem Adel volle Beachtung fanden; ja, daß sogar die Gattin des Herrn Landespräsidenteu Exzellenz Gräfin Condenhove-Taaffe, General Tiebich-Ripke; Bezirkshauptmann Klinger, Oberst Kotulsky, Baronin Beyer, Baronin Schönau, Major Baron Dürfeld u. a. diesen Darbietungen folgten und Gelegenheit nahmen, den tüchtigen Leiter der Anstalt durch Beifall und andere faßbare Zeichen, Anerkennung entgegen zu bringen. — Eine solche Anerkennung kann keineswegs als schablonenhafter Ansdruck sogenannter persönlicher Liebenswürdigkeit, muß vielmehr als Dankeszoll für die geleistete ernste Arbeit erachtet werden. Nach dieser dargelegten Lebens-, Studien- und Wirksamkeits-Skizze erscheint es gewissermaßen überflüssig, auch noch speziell auf die kautorale und komponistische Bethätigung Max Siugermanns eingehen zn müssen. In einer wnr-r-Athmosphäre geboren, im einer w-i-iivv-Athmosphäre Heraugewachsen, von Gesaugsmeistern allerersten Ranges und von Kantoren von Weltruf wie Berggrün und Deutsch herangebildet, betätigt sich Max Singermann seit Jahrzehnten in ausgezeichneter Weise als Kantor; wirkt und schafft er ja noch heute jugendfrifch und kontoral-bedeutsam zum Heile seiner großen Gemeinde, zur eigenen Befriedigung und zur Ehre des jüdischen Kautorfaches. Was wir Kollegen dem Herrn Jubilar Max Singermann als Segeusspende für den heutigen Tag entgegenbringen möchten, ist der Herzenswunsch, ein gütiges Geschick möge ihm auch weiter treu bleiben und ihm auch fiirder die Möglichkeit bieten, sich noch lange, bis an der Zeiten Ende schaffensfreudig und künstlerisch wirksam betätigen zu können. Er hat ehrlich gelebt, gestrebt und geschafft; eine bedeutsame Stufe in der Ruhmeshalle jüdischer Kantoren sich errungen — also weiter vorwärts auf der schönen Bahn! Kaiserlicher Rat Josef Singer, Wien. Kuntoren-Sildnngsanstalt. Kundmachung. Am 1. November wird die behördlich genehmigte Kantorenschule des österri-ungar. Kantoreu-Bereines in Wien eröffnet nnd haben sich die Aufnahmswerber bei dem gefertigten Bereinsvorstande bis 15. Oktober a. c. schriftlich zu melden. Aufnahmsbedingungen: Vollendetes 18. Lebensjahr, bildungsfähige Männerstimme, Nachweis der nötigen Kenntniffe im Hebräischen und der allgemeinen Bildung, soweit dieselbe durch Absolvierung einer unteren Mittelschule oder einer Bürgerschule erreicht wird. Der Bildungsnachweis, insofern er nicht durch das Zeugnis einer öffentlichen Lehranstalt erwiesen wird, kann durch eine Prüsung bei der Aufnahme in die Kantorenschule oder im Laufe des Studienganges erbracht werden. Dauer des Stndiengauges in der Kantorenschule: zwei Jahre. 1 Jahr -Vorbildung, 1 Jahr Ausbildung. Bei genügenden Borkenntniffen kann auch die Ausnahme in den Ausbildnugskurs erfolgen. Schulgeld: Bei Absolvierung beider Jahrgänge 300 L jährlich, für den Ausblldungskurs allein 400 J£. Das Schulgeld ist vierteljährig im Vorhinein zn entrichten. Einschreibegebühr 6 K. Besonders talentierte oder gänzlich mittellose Aufnahmswerber können vom Schulgelde zum Teile oder gänzlich befreit werden. Wien, im September 1911. Der Borstand des österr.-uugar. Kantorerr-Bereines: kaiserl. Rar Joses Singer Jakob Bauer Präses. l. Bizepräse».

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