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Die Wahrheit · 1911-07-07 · Heft 26 (7.7.1911) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 26 (7.7.1911)
Date
1911-07-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Seite 0. Die Wahrheit. Nr, 26. Verschiedene U ach richten Wien. (K i n d e r g ä r t n e r i u it e n - Prüf u n g e n.) An der mit Der isr. Kmderbewahranstalt, II., Schiffamtsgasse 15, verbundenen und mit dem Oeffentlichkeitsrechte verseheneu Ersten Bildnngsanstalt für Kindergärtnerinnen in Wien, fanden am 28. Juni unter dem Vorsitze des i., f. Professors Viktor Fr an Kl die diesjährigen Befähigungsprüfungen statt, bei welchen sämtliche erschielienen Kandidatinnen als Kindergärtnerinnen befähigt wurden. Anmeldungen für den 44. Jahrgang des .Äiudergärtnerinnenknrses und für den damit verbundenen Bonnenkurs werden im Juli und September bei der Direktion entgegengeuommen. Wien. Sonntag, den 25.'Juni verschied in seiner Billa in Kaltenlentgeben nach kurzem Leiden der Seniorchef der Firma Frischauer & Co., Wien, Budapest und Asperg, Herr Leopold Frischauer im 68. Lebensjahre. Der Verstorbene war ein Sohn des gewesenen Rabbiners Frischauer in Brünn und zeichnete sich durch Frömmigkeit und HerzaAsgüte aus. Von kleinen Anfängen stieg er immer höher und erwarb silh durch sein tonziliantes Wesen und feilte Charakterfestigkeit die Achtung und Wertschätzung der weitesten Kreise. Die Leiche wurde nach Wien überführt und am 27. Juni unter zahlreicher Beteiligung auf dem Zentralfriedhofeneben der vor vier Jahren verstorbenen Gattin beigesetzt. Vom Vorstand des .Josefstädter Tempelvereines waren die Herren Architekt Modern, Vizepräses, Albert Frank l, Hermann Pol! ak u. m. a. erschienen. Die Leichenrede hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. M. Bauer, 'der besonders das schöne Familienleben des Verblichenen rühmend hervorhob. Er gedachte des Wohltätigkeitssiunes, zeichnete die herrlichen 'Charaktereigenschaften des Verblichenen und dankte in bewegten, vom Herzen koinmenden Worten für die treue Anhänglichkeit an den Josefstädter Tempel, der in dem Verstorbenen ein wohlwollendes, opferwilliges Mitglied verliert. Herr I. Kantor I u r b e r g e r, ein Verwandter des Verblichenen, versah in der Zeremonienhalle die kantoralen Funktionen. Am offenen Grabe rezitierte Herr Kantor Josef Grob das DI mole -:rachamim in sehr ergreifender Weise. Wir werden dem leneren Toten stets ein ehrendes Andenken bewahren l Wien-Floridsdorf. Sonntag, den 25. Juni fand die Schluß- Prüfung unserer Talmnd-Thora-Schule für Volks- und Bürgerschüler, sowie die der Fortbildungsschule für Mittelschüler statt. Die Prüfung wurde von Herrn Rabbiner Dr. Rose n m a n n eröffnet, der die anwesenden Herren Kultnsvorsteher Emanuel Grünwald. Obmaun-Stellwertreter des Tempelvorstandes G. Dukes, Obmann der Talmud-Thora Max Reumann, die Herren Mitglieder der Bezirkskommission Ignaz W o d i c k a, Adolf W o d a k, Simon C z u c z k a, Emil F a n t o, Heinrich B l a t t, ferner die Herren Karl S i n a i, Dr. R u ß. Dr. K n e ch t, Max Feßler und viele Damen, mit einer warmen Ansprache begrüßte. Die beiden Lehrer Herr I. L ö w und Herr Eiben schütz führten ihre Schüler und Schülerinnen vor, welche glänzende Beweise ihrer Leistungen abzulegeu vermochten. Es mar namentlich sehr erfreulich beobachten zu können, wie zwei Gymnasiastinnen (T r e i b l und Stein) Pentateuchtexte fließend übersetzten. Die höhere Grnppe der Obergymnasiasten konnte Proben aus den Psalmen' zum Vortrag bringen. Der Septimaner Morgenstern machte sich überdies bemerkbar durch die Geläufigkeit, mir der er den Raschikommentar las und erklärte. Herr Kultusvorsteher Emanuel G r ü n w a l d und Herr Obmann-Stellvertreter G. Dukes sprachen ihre Anerkennung in beredten Worten aus. Gr.-Enzersdorf. Sonntag, den 2. Juli wurde hier der Religionslehrer, Kantor und Matrikenführer Herr Samuel Eigner unter ungewöhnlich großer Beteiligung zu Grave getragen. Der Verstorbene wurde in den Tempel, der Stätte seines 28jährigen .Wirkens, gebracht, sodann reihte ffich der imposante Zug, welcher sämtliche Schüler und Schülerinnen, ohne Unterschied der Konfession, mit dem ganzen Lehrkörper, eröffneten. Am Grabe sprachen: Herr Rabb. Dr. Rosenmaun ans Floridsdorf, der Oberlehrer der städtischen .Volksschule, der Ortsschulrat Herr M a n d l, der Obmann der Gemeinde Herr R o s e u b a u m und Herr Religionslehrer Josef Pick ans Wien. Rührenden Abschied von ihrem geliebten Lehrer nahmen auch die Schülerin. Valli N e u m a n n und der Schüler Willi R o s e n b a ii nt. Unter den zahlreichen Trauergästen bemerkte man auch den Bürgermeister und den. Bezirksrichter der Stadt. Herr Rabb. Dr. Rosenmann schilderte in seiner ergreifenden Trauerrede die vortrefflichen Eigenschaften des Verblichenen und gab der sicheren Erwartung Ausdruck, daß die Gemeinde ihrer Pflicht auch den Hinterbliebenen gegenüber nach- .kommen werde. Herr Kantor Jonas Eibenschütz versah in erhebender Weise die kantoralen Funktionen. Prag. (Eine Lehrer-Idylle.) Die Berhältniffe, unter denen der jüdische Religionsunterricht an Volks- und Bürgerschulen in Böhmen leidet, werden drastisch beleuchtet durch eine Eingabe, welche der jüdische Schulverein in Prag jüngst zu erledigen hatte, und - deren Inhalt im Wesentlichen der Folgende ist: „Seit 11 Jahren wirke ich in Z. als Religionslehrer. Im Nachbarorte K. wohnen einige jüdische Familien, doch, wurde dort nie Religionsunterricht erteilt. Im Jahre 1905 brachte ich. in Erfahrung» daß ein armer Glaubensgenosse daselbst drei Kinder zur Schule schicke, die keinen Religionsunterricht genießen. Nachdem meine Kultusgemeinde nichts veranlassen wollte, wandte ich mich an den Bezirksschulrat. Dieser gestattete mir den Religionsunterricht zu erteile», jedoch nur unter der Bedingung, da ß d i e s o h n e j e d e n A n s p nt ch auf ein e E n ts ch ä d i g u n g g e s ch e ch e. Ich nahm den Unterricht sofort auf, fuhr "jeden zweiten Sonntag nach K. und unterrichtete daselbst je zwei Stunden. Die Kosten in der Höhe von zirka X 7.— deckte ich aus Eigenem. Der Ortschulcat sah die Einführung des jüdischen Religionsunterrichtes in den dortigen Schulen ungern und legte mir mehrfache Hindernisse in den Weg. Ec wollte den Unterricht an Sonntagen nicht gestatten, ein Lokal nicht beistellen' und dieses im Winter nicht beheizen und als ich mit Erfolg mich beschwerte, ließ die Stadtgemeinde dem Vater der drei Kinder einen Ausweisungsbefehl zustellen, denn andere jüdische Kinder waren nicht in K. und der Unterricht in der jüdischen Religion hätte dort aufgehört. Ich habe auch gegen die Ausweisung des betreffenden Herrn Beschwerde erhoben und wurde diese rückgängig gemacht. Hiezu bemerke ich, daß ich den betreffenden Herrn bis heute nicht kenne. Im Jahre 1907 wurde ein viertes Kind jüdischer Eltern schulpflichtig. Ich suchte beim k. k. Landesschulrat um Zuerkennung einer Wegentschädigung an, diese wurde mir auch im Betrage von K 4.56 in vier Wochen zugestanden. Der Ortschulrat in K.. in seinem Grolle, erstattete gegen mich die Anzeige, es gebe eine kürzere Verbindung zwischen Z. und K. und so wurde mir denn die Wegentschädigung auf K 2.99 in vier Wochen h era b gef e tzt, welcher Betrag mir auch bis heute ausbezahlt wird, trotzdem ich mehr als K 14.— in vier Wochen ansgeben muß, da ich wegen vorgeschrittenen Alters und Kränklichkeit nicht zufuß gehen kann. Jnsolange ich irgend ein Nebeneinkommen hatte, brachte ich dieses Opfer gerne. Mich befriedigten die schönen Erfolge beim Unterrichte. Das Bewußtsein, ei n i g e Kinder d e m I u d e n t u m erhalten zu k ö u n e n, war m i r G e u u g r u n n g. Nun haben sich die Berhältniffe geändert, mein Nebeneinkommen ist gering, der Gemeindemitglieder werden immer weniger. Ich beziehe einen Gehalt von IC 1400.— und kann von diesem bei der herrschenden Teuerung die Auslagen für die Fahrten nach K. nicht mehr tragen. Der Ortschulcat von K. würde es gerne sehen, lvenn ich den weiteren Unterricht einstellte und deshalb gestatte ich mir die höfliche Anfrage, ob nicht fetten» des jüdischen Schulvereines eine Subvention behufs Ermöglichung der weiteren Erteilung des Religionsunterrichtes in K. bewilligt werden könnte." Es ist selbstverständlich, daß der jüdische Schnlverein, nachdem alle näheren Umstände genau ermittelt worden und die Angaben des Gesuchsstellers für vollkommen richtig befunden worden sind, sofort die nötige Subvention bewilligt und ansdezahlt hat. Derartige Zustände finden sich jedoch in Böhmen an mehreren Orten. Damit nun der jüdische Lrchulverein seine Aufgabe erfüllen und wo es nottut, helfen kann, ist es notwendig, daß jeder Jude seine Pflicht diesem Verein gegenüber erfülle und seinen Beitrag von mindestens X 1.— jährlich leiste. Geldsendungen sind zu adressieren: Jüdischer Schulverein für Böhmen in Prag. (Postsparkaffen-Konto Nr. 35.201.) Budapest. Der Chef des Hauses Rothschild, Baron Louis Rothschild, ist mittelst Automobils nach Budapest gekommen und stattete dem Ministerpräsidenten Grafen Karl Khuen-Hedervary und dem Finanzminister Ladislaus v. L u k ä. c s Besuche ab, um für die ihm auf Vorschlag der ungarischen Regierung zuteil gewordene Auszeichnung seinen Dank abznstatten. In Begleitung des Magnatenhausmitgliedes Adolf von U l l m a n n erschien Baron Rothschild auch auf der Galerie des Abgeordnetenhauses, von wo er eine zeitlang die Berhandlmtgen des Abgeordnetenhauses mit Interesse verfolgte. Baron Rothschild, der auch den Geheimräten Kotoman S z e [ l und Alexander Wekerle Besuche abstattete und mittelst Automobils nach Wien zurückkehrte, hat zugunsten des ungarischen Jonrnalistenpensionsfonds 9000 Kronen.gespendet. Budapest. Freitag, den 30. Juni ist hier Kantor Abraham K i r s ch b a u m, ein in Kollegenkreisen geachteter Fachmann, nach kurzem Leiden im 47. Lebensjahre gestorben. Das Leichenbegängnis fand am 2. Juli unter zahlreicher Teilnahme statt. Literatur. Synagogengesänge. Den Herren Kantoren und Freunden des Synagogengesanges diene zur Nachricht, daß der dritte Teil der Synagogengesänge von Emanuel Kirschuer, erster Kantor in München, im Verlage von I. Kauffmann in Frankfurt am Main, demnächst erscheinen wird. Das Werk enthält in 73 Nummern neben Sabbath- und Festgesängen auch Gesänge für den Jugendgottesdienst. Anstritte ans dem Judentum. R e i ch m a n n Marcell. Techniker, geb. 7. März 1892 in Wien. I. Schanflergaffe 2. G ö tz l Leo, Elektriker, geb. 10. November 1883 in Graz. XVII. Weidmanngaffe 30. Schmied Margarete, Private, geb. 24. Juni 1884 in Mähren, Kloster» Hradisch. XXI. Frömelgape 37. Rechenberg Josef. Ingenieur, geb. 6. November 1859 in Sereth. V. Reidigergasse 25. Köhler Fritz, geb. 1. Oktober 1904 in Wien.!. Rotenturmstraße 29. Altmann Oskar. Svenglergehilfe, geb. 20. Mai 1887 in Wien. H. Engertstraße 223 Stolzenberg Friedrich, Handelsakademiker, geb. 11. November 1891. II. Kleine Schiffgaffe 7. Schönwald Paul Alfred. Bankgeschäfts-Prokurist, geb. 30. Juni 1888. I. Liebiggaffe 4. Kohn Anna, geb. 10. Juli 1879 in Wien. HX. Budinskygaffe 30. K o l l m a n n Julie, Modistin, geb. 11. September 1886 in Wien. H. Molkereistraße 10. Köhler Jda, geb. Lackeubacher, Advokatensgattin, geb. 16. Mai 1880. I. Rotenturmstraße 29.

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