Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 23 (16.6.1911)
- Date
- 1911-06-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Die Wahrheit. Seite 9. Nr. 23. Verschiedene Nachrichten. Wien.. Nach der Kantorfrage ist nunmehr auch die Rabbinerfrage im Leopoldstädter Tempel erledigt, indem Oberrabbiner Löw aus Szegedin, ■ der am 6. d. M. im großen Sitznngssaale der Kultnsgemeinde vor den wom Präsidium im Sinne der Statuten einberufenen Bertrauensniännern einen Bortrag abgehalten hat, vom Vorstände für den Leopoldstädter Tempel akzepriert wurde. Wien. Anläßlich der dem Bethaus- und Unterstützungs-Vereine „A.nache dath. v.o z e 4 e k“ seitens der Kultnsgemeinde erteilten Genehmigung zur Abhaltung von täglichen öffentlichen Betandachten berief die Vereinsleitung für Donnerstag den 8. d. M. eine außerordentliche Generalversammlung ein, welche im Vereinslokale XX. Brigittenauerläude 18, tagte. Zu derselben haben sich fast sämtliche Mitglieder ungefähr 300 Personen eingefunden und rief die Bekanntgabe dieses Ereignisses durch den Obmann Herr Sigmund Dickst ein allgemein freudige Genugthuung .hervor. Das Ehrenmitglied Herr Dr. Josef Zipse r, beglückwünschte den Verein zu seinem schönen Erfolge und mahnte zur friedlichen Arbeit nnd einträchtlichem Zusammenwirken mit der Kultusgemeinde. Schriftsteller N. Chameide s würdigte die Verdienste des Obtnanues Herrn D i ck st e i n wie auch des Herrn Dr. Zipfer um diese Gruppe konservativer Juden und gab der Hoffnung Ausdruck, daß der 'Verein auch in humanitärer Hinsicht eine gedeihliche Tätigkeit entfallen werde. Ueber Antrag des Herrn Dr. Zipf er sprach die Generalversammlung dem Vorstand der Knltnsgemeinde für das erwiesene Wohlwollen den "Dank aus und beschloß, eine Deputation an das Präsidium zu eutseuden, um den Gefühlen der Dankbarkeit persönlichen Ausdruck zu leihen. Wien. Sonntag den 11. d. M. fand in den Räumen der Toynbee- ,Halle die Schlußprüfüng der Brigittenauer Bibelschule in herzerfreuender Weise statt. Mit Recht sagte der in Vertretung der Kultusgemeinde erschienene Ai'ntsleiter Herr I. Braun in Bezug auf die Lehrkräfte, daß mau oft beim Anblicke eines schönen Bildes des Meisters vergesse. Und das Bild war wirklich ein faszinierendes. An 300 Volks- und Bürgerschüler saßen da mit dem stolzen Bewußtsein, in dem abgelaufenen Schuljahre etwas gelernt zu haben und für die bevorstehende Prüfung vollkommen gerüstet» zu sein. Um die Kinder bildeten die glückstrahlenden Eltern einen schönen Kranz. Auf der Estrade war der Brigittenauer Tempelvorstaud fast vollzählig zu sehen. Herr Dr. Josef Kohn. als Leirer der Schule, hielt an die Kinder, nach vollzogener Prüfung seitens der Lehrer F a (tische k, L ö w-V o g e l, L i f f ch i tz und O e h l e r eine begeisterte Ansprache, welche in den Vers ausklang: „Hoch die Thora, hoch das Wort, das wrr es bewahren fort und fort. Und im eifrigsten Streben, es allezeit tragen durchs Leben". Es sprach dann der Obmann des Tempel- Vereines Herr Hermann E l t b o g e n und zum Schlüsse Lehrer Oehler, dessen Ansprache in ein Hoch auf den Kaiser ausklang, worauf aus .hunderten Kinderkehlen die Volkshymne ertönte, in die auch die Erwachsenen kräftig eiustimmten. Um den Bericht nicht unvollständig erscheinen zu lassen, muß noch des hier geübten Brauches, an einzelne besonders talentierte Schüler 'Prämien zu verteilen, Erwähnung getan werden. Wenn es nicht möglich ist, sämtlichen Kindern ein Erinnerungszeichen'zu spenden, wäre es höchst wünschenswert, daß von dieser Uebung in der Folge überhaupt Umgang genommen werde. Der bessere Fortschritt ist ja nicht immer der Verdienst 'des Prämiierten, sondern oft nur auf das Konto feiner reicheren individuellen Begabung zu setzen, während andere bei weitem fleißiger gewesen sein mögen. — Es darf nicht geschehen, daß Kinder sich zurückgesetzt und in ihrem zartesten Empfindungen gekränkt fühlen. Also, entweder allen oder keinem! N. Ch. Wien Samstag, den 17. d. M. 1!2d Uhr vormittags findet im Tempel Kluckygasse 11 die Barmizwa des Konfirmanden Wilhelm Basfer, Sohn des Oberkantor Jofef Bayer, statt. Wien. Mit Herrn Salomon P i n kaf o w i ts ch, Oberkantor des Beihauses „Lsns-Lrith", XX. Karajangasse 20, wurde unter Aufbesserung des Gehaltes ein neuerlicher Vertrag auf drei Jahre abgeschlossen. Bei dieser Gelegenheit wurde demselben die Anerkennung des Vorstandes zum 'Ausdruck gebracht. Salzbürg. (Errichtung einer i s r a e l i t i s ch e n Kultnsgemeinde in S a lz b u r g.) Das Ministerium für Kultus und Unterricht hat mittelst zweier Verordnungen auf Grund des § 7 des Gesetzes vom 21. März 1890, R.-G.-Bl. Nr. 57, betreffend die Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Religions-Gesellschaft und des ~§ 3, lit. b, R.-G.-Bl. 96, in teilweiser Abänderung der Ministerial-Verordnungen vom 11. Jnni 1892, Ländesgesetz- und Verordnungsblatt für Oberösterreich Nr. 18 und Landesgesetz- und Verordnungsblatt für Salzburg Nr. 17^nachstehendes bestimmt: Die Zuweisung der Israeliten des Herzogtums Salzburg zur israelitischen Kulrusqemeinde in Linz im Erzherzogtum Oesterreich ob der Enns wird außer Kraft gesetzt. Für das Gebiet des .Herzogtums Salzburg wird eine neue israelitische Kultnsgemeinde errichtet, welche den ihrem Sitz entsprechenden Namen zu führen hat. Diese Verordnung tritt mit 1. Juli 1911 in Wirksamkeit, und von diesem Zeitpunkte .angefangen ist die bezeichnete neue Kultusgemeinde als im Sinne des Gesetzes vom 21. März 1890 konstituiert anzusehen. Salzburg. Sonntag den 18. Juni, halb 2 Uhr nachmittags, findet im hiesigen Tempel die Training des Herrn Kantor Hermann Ko h n, Sohn lies Herrn Kantors Adolf Ko h n in Mähr.-Budwitz, mit Fräulein Berta Schwarz statt.;; ,. Jassy. Die hiesige Bevölkerung nimmt gegen die Juden eine immer, drohendere Haltung ein. Die Erregung wird von gewissenlosen Agitatoren geschürt. Charakteristisch für die Stimmung ist folgende Episode: Der Bürgermeister ließ am 26. Mai den hiesigen hochangesehenen jüdischen Bankier Wachtel zu sich bescheiden und stellte ihu in erregtem Tone zur Rede, weil sich die Juden in jüngster Zeit zu viel auf der Straße zeigen. Es wäre, so meirite der Bürgermeister, besser, wenn die Juden, da die Bevölkerung gegen sie sa aufgeregt ist, in ihren Häusern blieben. Literatur. Stuttgarter Synagogengesänge. Oberkautor I. Tennenbaum in Stuttgart versendet folgende Subskriptions-Einladung: Im November 1911 waren es 50 Jahre, daß die hiesige Synagoge erbaut wurde und daß die auf Wunsch des damaligen israelitischen Kirchenvorsteheramtes von Herrn Professor Dr. Immanuel Faißt komponierten Synagogengesänge eingeführt sind. Diese Gesänge, noch heute im Repertoir, haben nicht nur die hiesige Gemeinde erbaut und erhoben, sie fanden nicht nur den ungeteilten Beifall und die volle Anerkennung der einheimischen Musiker und Fachleute, sie wurden auch nach auswärts viel begehrt. Die erschwerenden Umstände: das Einholen der Erlaubnis zur Abschrift, welche nur selten erteilt wurde, und die großen Abschreibekosten (über 50 Mk.) hinderten bisher eine weitere Verbreitung dieser herrlichen Gesänge. Der Name Faißt ist volle Gewähr für gediegene und stiledle Musik nnd es bedarf daher keines weiteren Lobes. Doch möchte ich hervorheben, daß namentlich der Syuagogengesangsstil von demselben so gut getroffen ist, wie er von den hervorragendsten israelitischen Komponisten nicht besser getroffen wurde. So glaube ich denn allen namhaften Kantoren und größeren Gemeinden, wie auch sonstigen Freunden edler Synagogenmusik mit der Herausgabe dieser Gesänge einen wesentlichen Dienst zu leisten und gleichzeitig eine Ehrenpflicht dem Komponisten gegenüber abzutragen. Um den Preis nicht zu hoch zu stellen und die Anschaffung zu erleichtern, suchte ich den Partitursatz und die Chorstimmen möglichst zusamnrenzuziehen und um auch der bei uns üblichen Lei'eweise des Textes Rechnung zu tragen, habe ich hie und da die Textunrerlage geändert. Das Werk „Stuttgarter Synagogengesänge" enthält 62 Nummern. Davon sind 51 Nummern (original) von Faißt und 11 Nnmmern (angeblich Melodie von M. Eichberg und Harmonie von Faißt) als Anhang nnd umfaßt nebst einem Einweihungsgesang „Bornch habo" Gesänge für Freitagabend und Sabbat, Hallel, 1. und 2. Kduscha für Sabbat und Feste. 1. und 2. Kduscha für J'me uoroim, Olenn (Awodo), Widnj Onno towo und Oichamnu und Choral zur Seelenfeier „Seele, was betrübst du dich". Im Anhang die Gesänge Arwis für J'me noroim (von Borchu bis Kadisch). Es sind im ganzen 17 Nnmmern für Chor. 22 Nummern für Kantor und Chor und 23 Numinern für Kantorsolo mit Orgelbegleitung. Preis per Einzelband bei Vorausbestellung 8 Mark. Preis per Kollektivbestellung von 20 Exemplaren bei Voransbeftellung 6.50 Mk. das Exempl. Nach Schluß der Subskription Ende Juli 10.50 Mark. Bestellungen sind erbeten: Kirchenpfleger M. Meyer, Stuttgart, Gartenstr. 32 oder I. Tennenbaum. Zusendung folgt nach Erscheinen .per Nachnahme oder bei vorheriger Einsendung des Betrages franko. Austritte ans dem Indeutmn. G e r ö Dr. Siegmnnd, k. u. k. Oberstabsarzt 1. Kl., geb. 2. Aug. 1857. VILL Wickenburggaffe 13. Pollak Wilhelm, geb. 22. April 1878, Wien, IX. Hahngasse 32. L a p p l e r Aurelia, Kontoristin, geb. 5. August 1887, Suczawa. IX. Glasergaffe 9. Brenner Ignaz, Buchhalter, geb. 24. November 1869, Gewitsch. XVIII. Antonigasse 23. Beck Leopold, Zuschneider, geb. 17. Juni 1874, Wien, XVI. Neulerchenfelderstraße 6. W u h r h a f t Mord., Bankbeamter, geb. 12. Dezember 1873, Odessa. II. Hotel Moskau. H e i t l e r' Friedrich, Zeitungsarbeiter, geb. 8. Mai 1884, Wien. V. Straußengasse 13. B r ä n e r Lazar Ludwig, Redakteur, geb. 18. Februar 1370. Bvdaik. XVIII. Salierigasse 7. Diamant Helene, Tabakarbeiterin, geb. 18. Oktober 1864. Neustift a/F. Badgasse 20. Hirsch Julius, Privatbeamter, geb. 14. Jänner 1869, Budapest. IX Liechtenstemstraße 73. I ar i tz Emilie Leopoldine Irene, geb. Klekner, Fabrik-leitersgattin, geb. 26. Februar 1887, Wien. VIII. Albertgasse 26. Iaray Felix, Kaufmann, geb. 17. Juli 1880, Wien. IX. Schukz- Straßnitzkygasse 15. I a r a y Marianne, geb. Pollak, Kaufmannsgattin, geb. 24. März 1886, Wien. IX. Schnlz-Straßnitzkygasse 15. S o y k a Rudolf, geb. 19. Mai 1875, Smichow. XVII. Geblergaffe 22. Kraus Otto. Kaufmann, geb. 16. Dezember 1877, Wien. XIX. Billroth- ' straße 6 a. Huth Regine, Knopflochnäherin, geb. 3. Jänner 1886, Wien. XX. Dammstraße 8. Weiß Pauline, Private, geb. 26. Jänner 1874, Wien. II. Praterstr. 26» Hammer schlag Miksa, geb. 28. Jänner 1868, Wien.