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Die Wahrheit · 1911-06-09 · Heft 22 (9.6.1911) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 22 (9.6.1911)
Date
1911-06-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Seite 9. Nr. 22. Die Wahrheit. rechtigten Fällen nie in Stich lassendes, alle Gebiete umfassendes streng -objektives Nachschlagebuch, über in ihren Kreisen führende, lebende Zeitgenossen deutscher Zunge zu bieten, ja auch das Auslaud ist selbstverständlich in bestimmten Grenzen, aber in sehr willkommener Weise hinzngezogen. Weit überholt sind durch Umfang, Zuverlässigkeit und Vielseitigkeit, die 'in diesen sechs Jahren erschienenen Nachahmungen anderer Kulturvölker als Amerika („Who’s Wio in America?“, „The Catholic Who’s Who“), Australien („John’s Notable Australians“), England („Who’s Who“), Frankreich („Qui E-tes Vous?“), Italien („Chi EP“). ^,Wer ist’s" ist unentbehrlich in jedem vornehmen Hause, im Heime des .Künstlers und Gelehrten, des Redakteurs, des Offizieres und des Privaten. Eingebürgert ist es bereits allenthalben im Inland so wie im Ausland, wo dies aber nicht-der Fall sein sollte, ist seine Anschaffung unbedingt zn empfehlen. Kurt Waller. O) österreichische Gesetzeskunde. Kommentare znm Gebrauch für Juristen und Nichtjuristen. Herausgegebeu von Dr, Max Leopold Ehrenreich, k. k. Bezirksrichter, unter Mitwirkung hervorragender Juristen. 4 Bände gebunden K 44. Verlag der Patriotischen Volksbuchhandlung, Wien Ges. m. b. H. Das vorliegende Werk ist berufen eine bedeutende Lücke in unserer Rechtsliterätur auszufüllen. Es fehlte bisher vollständig an Schriften, die geeignet werden, dem Nichtjuristen die bestehenden Gesetze mundgerecht und verständlich zu machen. Hiezu genügt es nicht — was tatsächlich uuternoittiuen wurde — den ganzen Text eines Gesetzes abzudrucken und ihm eine mehr »der minder systematische Abhandlung folgen zu lassen. Die zweckmäßigste Form, in der einem Laien ein Gesetz erklärt werden kann, ist die eines Kommentars, d. h. es müssen die einzelnen Paragraphen oder kleinere Paragraphengruppen ihrem Sinne und Zwecks nach erläutert werden. Nur so ist es möglich, die geradezu unglaubliche herrschende Unkenntnis der geltenden Gesetze wirksam zn bekämpfen. Einen solchen Popnlarisieruiigsversuch enthält auch das vorliegende Werk, zu dessen erstem Bande, der das allgemeine bürgerliche Gesetzbuch erläutert, der berühmte Rechtslehrer und Forscher Hofrat Professor Dr. Leopold Pfasf ein Geleitwerk geschrieben hat, an dessen Schlüsse es heißt: „Ich mache namentlich aufmerksain auf den Kern des Programmes: In möglichst einfacher und klarer Sprache sollen Grund, Zweck und Sinn der einzelnen gesetzlichen Vorschriften angegeben und durch Beispiele aus der Praxis, also aus dem Leben erläutert werden, wobei wir besonders darauf Gewicht legen, verbreitete irrige Rechtsanschauungen des Publikums hervor- .zuheben . . ." Jeder Leser des Werkes — ich habe einen recht bedeutenden Teil des vorliegenden Bandes gelesen — wird sich sagen müssen, daß nicht zuviel versprochen ist: die Sprache ist in der Tat so einfach und klar als möglich, der einzelne Rechtssatz wird, wo nötig, ergänzt und abgerundet durch andere, dazu gehörige Sätze, die Beispiele sind zahlreich und passend, theoretische. Streitfragen werden nur, wo es unerläßlich ist, berührt, die künftige Entwicklung des bürgerlichen Rechtes durch knappe Mitteilungen ans der Novelle angedeutet. Etwas Ueberflüsiiges habe ich in dem Buche nicht gefunden. Ich glaube, es ist geeignet, das vorgesteckte Ziel zu erreichen". Wir haben dem Urteil dieser fachmännischen Autorität nur beizufügen, daß das Werk zweifellos nicht nur znr Verbreitung von Rechtskenntnissen unter gebildeten Laien mit Erfolg benützt werden, sondern auch dem studierenden Juristen und jedem juristischen Praktiker ein wertvoller Behelf sein wird, denn es enthält in gedrängter Fassung die Ergebnisse der heutigen juristischen Wissenschaft und auch der Rechtssprechung des obersten Gerichtshofes. Wir können den vorliegenden Baud Juristen, wie Nichtjuristen wärmstens empfehlen. Dem Erscheinen der weiteren drei Bände sehen wir mit Interesse entgegen. Ost und West. Heft 6. Juiii 1911. 11. Jahrgang. Inhalt: .Zu den Wahlen des Zentral-Komitees der A. 1.11.! Soziale Gerechtigkeit im alten Judentum. Dr. Felix Perles, Königsberg i. Pr. Julius Obst (mit 6 Illustrationen) von Karl Bayer. Die jüdische Abteilung in der internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden. Von Dr. Bamberger. Alfred Wolmark (mit 3 Illustrationen). Die Alten (Drama) von Michael Wurmbrand. Sabbatgesänge. I. Sabbatanfang (Noten). Jakob Beymel. Mitteilungen ans d e m Deutschen B n r e a n der Alliance Israelite Universelle: Briefwechsel zwischen dem C. C. nnd der D. C. G. der A. I. U. Die Israeliten in Rußland. M. A. Klausner. (Denkstein-Enthüllung). Notizen; Lauterburg. Dortmund. Schach. Jüdischer Bolksverein (Saumeich Nauflim) mit Porträt. Jahresbericht der jüdischen Emigrations-Gesellschaft (Jto) in Kiew. Jüdisches Volksliederbuch Im Berlage des Herrn Meier -Hübner in Nadworua, Galizien, der die vekannten Liederbücher fv£ 'N'L? in-IV. vergrößerter Auflage herausgegebeu hat, ist soeben ein „Jüdisches Bol k s l i e d e r b n ch" erschienen, welches eine Sammlung der populärsten jüdischen Volkslieder enthält. Durch den ermähnten Verlag können auch sämtliche jüdische Zeitungen abonniert nud Prospekte verlangt werden. tzin Kpikores. - Von Babette Fried, Prag. (Schluß.). „Diese Dame," stotterte Irma, „deren Bild war es ja, welches mein Mann aufbewahrt und geliebkost hat." -In des Doktors Kopfe war es aufgeblitzt. Jetzt verstand er alles, Doktor Friedländer war der von Martha heimlich Geliebte gewesen, um dessetwillen sie so lange seine treue Werbung zurückgewiesen, und doch hat sie sich entschlossen, - das Kind desjenigen, der sie so unglücklich gemacht, bei sich aufznnehmen und mütterlich zn pflegen. Welche Herzenskämpfe hatte die Gute erdulden müssen. Und jetzt, nachdem sie den Knaben fest ans Herz geschlossen, drohte ihr der Verlust desselben, wenn ihn seine Mutter ernstlich verlangen würde. Dem mußte er Vorbeugen. „Leo!" so sprach er zn dem eintretenden Knaben, „hier ist noch eine Tante von Dir, eine Schwester Deines Vaters. Gehe hin zn ihr, küsse ihr die Hand und umarme sie. Sie heißt wie du, Friedländer, Irma Friedländer. Artig trat der wohlerzogene Knabe — zn seiner Mutter hin, und zog deren Hand an seine Lippen. Laut schluchzend zog Irma ihr wiedergefnnde» nes Kind aus Herz und bedeckte ihm Mund, Wangen und Angen mit glühenden Küssen. „Endlich, endlich sehe ich Dich wieder, mein teures Kind, nun soll uns nichts mehr trennen." Der Doktor runzelte die Stirne. „Keine Szene, Irma! Bleiben Sie eine Weile bei dem Kinde, dann verabschieden Sie sich von der Dame, welche Mutterstelle an demselben vertritt, nud dann gehen Sie in Ihr Hotel, tun nach den vielen Aufregungen des heutigen Tages der Ruhe zn pflegen. Morgen früh erwarten Sie mich bei Ihnen, ich komme dann alles Nähere zu verabreden." Als sie gegangen war und Leo wieder weggeschickt hatte, rief Ludwig seiner Braut zn: Du Edle, Du Herrliche! Welches Märtyrertum habe ich Dir aufgelegt, nnd wie tapfer hast du es ertragen! Nun erst ist es mir klar geworden, welch großherziges Weibchen du bist, und wie Deiner unwürdig ich vor Dir stehe. Kannst Du mir vergeben? „Ich verstehe Dich nicht, Ludwig, ebenso wenig wie die Einführung dieser Fremden. Ist sie wirklich Leos Tante? Trotz der unverkennbaren Familienähnlichkeit zwischen den beiden ist mir alles sehr seltsam. Meines Wissens hat Dr. Friedländer keine Schwester besessen.^ „Du ahnungsvoller Engel, Du", zitierte der Doktor gut gelaunt. Diese Frau ist tatsächlich nicht Leos Tante, so ähnlich er ihr auch ist — sondern sie ist seine Mutter." „Seine Mutter!" schrie Martha auf. „Ja, seine Mutter, die Frau, welche sich in. das Herz Deines heimlich Verlobten geschlichen nnd ihn zur Untreue gegen Dich verleitet. Vor wenigen Stunden ist mir dies klar geworden. Er, dessen Kind du so mütterlich gehütet, war es, der Deinem Herzen eine so tiefe Wunde geschlagen' meine Ausgabe soll es nunmehr sein. Dich die Jahre still getragenen Schmerzes vergessen und Dich so glücklich zn machen, als dein Edelsinn es verdient. Wenn ich nur auch wüßte, wodurch ich Dich ganz zufrieden und. glücklich machen kann. „Das steht in Deiner Macht.. Ich kann es Dir sagen." „Sprich, Geliebte!" „Mein volles Glück kannst Du erstehen lassen, wenn Du fortab äufhörst, in den Namen Apikores, den man Dir spottweise beilegte, einen Ehrentitel zn sehen; wenn Du aufhöreft über alles Religiöse zn spotten, dafür mit alll Deiner Kraft bestrebt wärst. Deinem unterdrückten Volke ein treuer Sohn zn werden, jedes Unrecht, das ihm angetan wird, mitznfühlen, mit Wort und Schrift, mit Gedanken und Tat zn seiner Veredlung, zu seinem Ruhme beizntrageu. Dann wird alles, was noch zu meinem Glücke fehlt, errungen." „Das wäre ohnedies schon geschehen, mein Lieb'. Irmas Bekenntnisse haben mir die Augen geöffnet. Ich will alles Versäumte nachtragen." Doktor Ludwig Braitn hat sich dafür eingesetzt, daß Irma die Zinsen der Versicherungssumme ganz ausbezahlt bekomme, ohne irgend einen Abzug für Leos Verpflegung, welche das junge Ehepaar nach wie vor bestritt. Das Kapital blieb in sicherer Weise angelegt. Da dieses Geld aber nicht ausreichte, um der Künstlerin ihre gewohnte luxuriöse Lebensweise zu gestatten, so schloß sie sich abermals einer Truppe fahrender Säuger au und blieb ferner für Leo und dessen Pflegeeltern verschollen.

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