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Die Wahrheit · 1911-05-26 · Heft 20 (26.5.1911) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 20 (26.5.1911)
Date
1911-05-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Die Wahrheit ... Nr. 20. sich der Familienmitglieder wegen dieser,..Tatsachen.eilie starke Entrüstung bemächtigt Hai. In ihrein ÄnMäge ist nun ein Familienmitglied am letzten Dienstag beim Statthalter Grafen Thun in Audienz erschienen.'und hat zugleich' mit einer ausdrücklichen schriftlichen Eingabe das Ansuchen gestellt, es mögen die ans die Familie Baffewi bezüglichen Papiere, ebenso wie andere wichtige Dokumente in Hinblick auf die zutage getretene mangelnde Sorgfalt bei deren Aufbewahrung aus dem jüdischen- Archiv entfernt und in ein staatliches oder Landesarchiv übernommen werden. Die ganze Angelegenheit wird noch Gegenstand eingehender Untersuchungen sein. * Vom Bnrearr der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft werden mir um Veröffentlichung folgender, die Allianzwahlen betreffender EUlärnng ersucht In verschiedenen jüdischen Zeitungen gelangte eine aus Berlin herrührende Korrespondenz znm Abdruck, in der über den Wahlkampf zwischen dem Comitö Central der Alliance in Paris mrd der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft' einige Mitteilungen gemacht werden, die geeignet sind, die Leser über die wahre Sachlage irre zu führen und daher einer Berichtigung bedürfen. 1. Es ist nicht richtig, daß die-ganze Aktion gegen . Paris, nur unter Leitung der Herren Geheimrat Landau, und Dr. Iahuda geführt wird.. Eine ganze Reihe von Mitgliedern des tstesigen Lokal-Komitees beteiligt sich ununterbrochen in gleicher aufopferungsvoller Weise an unseren Sitzungen und Beratungen über die schwebende Wahlfrage. . 2. Es ist nicht richtig, daß Herr Dr. Iahuda das Amt eines Geschäftsführers der D. C.--G. übernommen hat.^ Wahr ist nur: daß unser bisheriger Geschäftsführer seine Demission aus dem Grunde eingereicht hat, weil ihn seine beruflichen Pflichten daran hindern, das ihm von tins anvertraüte Amt mit der Energie zu versehen, die die jetzige Zeit erfordert. 3. Es ist nicht wahr, daß wir in Paris Zionisten als unsere Kandidaten aufgestellt haben. Wie uns versichert wurde, gehört, kein einziger unserer Kandidaten der zionistischen Partei an. Eine grobe Unwahrheit ist es, wenn gesagt wird, unsere Pariser Kandidaten behaupten, wir hätten ihre Namen mißbraucht. Wir haben keinen einzigen von diesen Kandidaten ohne vorher eingeholte ausdrückliche Einwilligung aufgestellt. Wahr ist nur: daß einer unserer französischen Kandidaten, der eine hohe soziale Stellung einnimmt und von guter, treuer jüdischer Gesinnung ist, auf Betreibe!! des Sekretärs der Alliance Herrn Bigart sich gedrängt fühlte, uns gegenüber seine Bedenken gegen seine Kandidatur ausznsprecheü, weil der Herr Sekretär ihm unsere ganze Aktion als eine deutsch-nationalistische bezeichnet habe. Die Behauptung, daß einige unserer Pariser Kandidaten, nicht einmal der israelitischen Knllusgemeinöe angehören,,ist nur dazu angetan, in Deutschland die Auffassung zu verbreiten, als seien die betreffenden Herren konfessionslos, was aber durchaus nicht der Fall ist, weil es in Frankreich bekanntlich seit der Trennung von Kirche und Staat keine anerkannten Kultnsgemeinden gibt, unb es jedem Inden freisteht, einer Knltnsgeineinde anzngehören oder nicht. Diese offenbare Irreführung der öffentlichen Meinung in Deutschland kann nicht scharf genug gerügt werden; umsomehr, als zwei unserer Kandidaten sogar konservativer Richtung sind. Zur Charakterisierung der von Paris aus gegen uns betriebenen Agitation wollen wir hervorheben, daß, unsere Bewegung in Deutschland bald als dentsch-nationalistifche, bald als zionistische, und wenn es paßt, als'orthodoxe hingestellt, wird, alles lediglich zu dem Zweck, um diese Bewegung zu diskreditieren, die in Deutschland wie im Anstande erfreulicherweise immer weitere Kreise ergreift. 4. Es ist nicht wahr, daß wir. die Vertretung deb otto-- manifchen.Judenheit im Comits.Central in unserer Liste üusgeschaltet haben. Wahr ist vielmehr, daß wir an, Stelle des von Paris ausgestellten' Herrn Jsaäc Fernalldez Las Mitglied des Kaiserlich Ottomanifchen Senats Behör Wendi Äschkenazi, in die Liste, der Kandidaten: ausgenommen,tzaöeü.,. Di^'e von Paris, aus in Deutschland verbreitete Behauptung geht daraüf zurück, daß eine frühere, ttoch im Vorbereitungsstadiüm befindliche KailöidÄell'liste' durch'Indiskretion wach Pahis übermittelt wurde. Die Herren in Paris habeiH'EniD-chinMl für;'nötig gehalten uns änzilfragen, oö die ihnen zilgegiingene ListeMreis als fest-, stehend zu betrachten sei. . .5. Wenn uns znm Vorwurf gemacht ivird/ dciß wir zwei von Paris vorgefchlageüe deutsche Kandidaten in Deutschland abgelehnt haben, so haben wir wiederholt erklärt, daß wir uns zu diesem Schritt durchaus nicht ans persönlichen, sondern ans prinzipiellen Gründen genötigt gesehen, haben'. . ' Diese Berichtigung.war ünerläßlich, um zu verhüten, daß die deutsche Judenheit' durch wahrheitswidrtge und böswillige Mitteilnngen über den Gang des gegenwärtigen Wahlkampfes fernerhin getäuscht wird. * - * , . ■ .... * Die Stellung Richard Wagners zum Judentum geivinnt durch die Veröffentlichnng seines Memoirenwerkes ivieder eine gewisse Aklnalitäl. Er schildert darin nebenher auch seine geschäftlichen, gesellschaftlichen und auch freundschaftlichen Beziehungen zu zahlreichen Personen ans dein Jndemtnm. Aüs - . dem wenigen Neuen, was die Publikatioii. in dieser. Beziehnlig enthält, .sei folgende Schilderung seines Breslauer Aufenthalts wiedergegeben: ' - „So reiste ich denn nach Breslau, wo mir Konzertmeister Damrofch, von meinem letzten Besuche in Weimar her mir bekannt und durch Lißt empfohlen, ebenfalls ein Konzert besorgt hatte. Leider stimmte mich hier alles nilgemein traurig und verzweiflnngsvolldie ganze Angelegenheit, wie es andererseits wohl auch zu erwarten stand, war in kleinlichster Weise eingeleitet. Ein ganz abscheuliches Konzertlokal, welches für gewöhnlich nur als Bierhälle diente und mit dem Hintergrund ans ein kleines Tivoli-Theäter mit davor herabgelassenem, entsetzlich gemeinem Vorhänge ausging und in welchem ich mir erst einen erhöhten Bretterbogen für das Orchester herbeischaffen lassen müßte, widerte mich so stark an, daß ich eigentlich sofort die schlecht anssehenden Musiker, entlassen wollte. Mein beängstigter Freund Damrosch mußte mir wenigstens versprechen, den fürchterlichen Tabaksgernch des Lokals neutralisieren zu lassen. Da er mir .dennoch in betreff der. Einnahme gar keine Garantie zu bieten hatte, konnte nur die Rücksicht darauf, ihn nicht stark zu kompromittieren, mich endlich noch, zur Ausführung des Konzertes bestimmen. Zn meinem Staunen sah ich säst das ganze Lokal, namentlich den Vorderteil desselben, nur von Inden innegehabt, und daß icfj; überhaupt nur der angeregten Teilnähme dieses Teiles der-Bebölkernttg irgend welchen Erfolg zu danken hatte, erfuhr ich des anderen Tages, als ich einem von Damrosch ,mir zu Ehren öeranstälteteir Mittagsmahle beiwohnte, an weichem nur Inden teilnahmeu." Der Theaterkritiker .und Feuilletoiileiter der „Breslauer Morgenzeitnng," Dr. Erich Freund, ..bemerkt hierzu: ..Die ungewöhnlich..stärke, voll Wagner so lebhaft vermerkte Teilnahme der Breslauer Jllden an seinem Konzert mag sich znm Teil daraus erklären, daß der daniüllge Synagdgenkailtor Deutsch, ein gewaltiger Tenorbariton öor Lein Herrn, Bruchstücke aus der ..Walkürh" („Wiilterstürme wichen, dein Wonnemond") vortriig und so der erste, in der, längen Reihe dör Breslauer Wagnersäiiger wurde. Auch, sonst erwähnt Wagner in seinem Buche häufig genug die .Inden, aber nicht immer in so gleichgültiger, hälbfrenndlicher Art, wie hier. Vielmehr hnldigt diesergroße -Mann der kleinlichen , Gewohnheit, ihm. unangenehme jüdische Persönlichkeiten, durch Erwähnung ihrer Religion noch..extra zu „belasten^," während er hei seilten zahlreichen .christlichen Gegnern, aber auch hei,, den. Inden, die ihm/sympathisch wären, diesen Zusatz ittiterläßt. Wagner war nämlich durchaus kein verstockter -Antlsemit. Mit Jllden, die er für seine. Zwecke 'brauchen könnte, \ hat er sich immer vortrefstich vertragen.. So mit seinem ersten; itlld. .besten „Pa'rfifai"-Dirigellten Hermann Levi, luit dem ihm hefrelilldeien Pariser Komtzoliisten Lnddvic Halsvy (dessen ga.nz Meyexbeerische „Jüdin" derselbe Wagner, der Meherheer selbst in die tiefste Hölle, warf, änffalleiid hoch schätzte.!), mit Josef; Id ach im, -mit einem hilfreichen Pariser Mäkelt Erlanger und vielen andekeii. Äüch seine zahlreicheii.'jüdischen Vorkämpfer in der Presse hat sich Wagner bis in seine letzten Tage stets mit

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