Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 18 (12.5.1911)
- Date
- 1911-05-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Redaktion nnd Administration: Wien, ll/i Novaragasse 27 Seltpljou: Redaktion 5107/VIII. ÄnäkHängige Lerlfchnft für Mische Gerngspreis: Ganzjährig .lv 14.— Halbjährig.1» 7.— i SIbmiuiitratiou 49S8/II. : St. t. öftere. Nostsparkassa- Schetk-Konio Nr. 500.918. Interests«. Für ihiltioJbeumte: Ganzjährig.K U> - Inserate: Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. Krscheint jeden Kreitag. Für AttSlaild: Abonnements- und JnjertionS- Gauziährig.8 Mark betröge sind in Wien zahlbar nnd klagbar. Molto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit'“ ü Siiioet oder 1« Frc». Ar 18. Wien, 12. Mai Inhalt: Juden und Judentum in der Darstellung Werner Sombarts.— Die Schulaktionen der Allianz in Galizien. — Ans der Deutschen Konferenz- Gemeinschast der Alliance Jsr. Universelle.'— Die Inden in der Technik, der Knust, der Wissenschaft und als Entdecker und Erfinder. — Verschiedene Nachrichten. — Literatur. — Feuilleton: Ein Npikores.— Oberkantor Tennenbanm-Stuttgart — Austritte ans dem Judenlume. Inden nnd Indentnm in der Darstellung Werner Sombarts. Von De. I. Taglicht. Das Buch Werner Sombarts („Die Inden und das Wirtschaftsleben," Leipzig bei Dunker & Humblot, 1911) ist das Ergebnis vieljähriger'Spezialstudien aus dem Gebiete der jüdischen Literatur und tiefgehenden Forschens nach dem Wesen des Judentums, ■ der Eigenart der Juden nnd deren Einwirkung auf das Wirtschaftsleben der Völker. Das Buch wird durch seinen Titel und den Namen des Verfassers eine ungewöhnlich große Anzahl von Lesern anziehen, die sicherlich, durch die Schreibweise, durch die blendenden Gedankengänge und neu aufgedeckten -überraschenden Zusammenhänge gefesselt, das umfangreiche Werk auch mit größter Aufmerksamkeit studieren nnd die aus dem Ungeheuern Tatsachenmaterial resultierenden Aufstellungen des als Autorität anerkannten Verfassers für wissenschaftlich gesicherte nnd unanfechtbare Urteile halten werden. Dies umsomehr, als der Verfasser im Vorworte uachdrücklichft betont, daß er in strenger Objektivität nur das wiedergebe, was er gesehen hat, nur die beobachteten Tatsachen zu erklären versuche, sich aber der Werturteile, die immer subjektiv sind, enthalte. Sombart schreibt den Juden eine bisher nicht geahnte Bedeutung zu. Sie sind die Begründer des kapitalistischen Wirtschaftssystems, der modernen Kllltur und des modernen Staates (Seite 50). Kapitalismus ist diejenige verkehrswirtschaftliche Organisation, bei der regelmäßig zwei verschiedene Bevölkerungsgruppen — die Inhaber der Produktionsmittel, die gleichzeitig die leitende Arbeit ausführen und die besitzlosen Nurarbeiter — zusammenwirken, so zwar, daß die Vertreter des Kapitals die Wirtschaftssnbjekte sind, das heißt den Eutscheid über Art und Richtung des Wirtschaftens und die Verantwortung für dessen Erfolg tragen. Die das kapitalistische Wirtschaftssystem beherrschende Idee ist die Erwerbsidee (186). . . Die seit dem Ende des 15. bis zum Ende des 17. Jahrhundertssich vollziehende Wandlung im europäischen Wirtschaftsleben, die Verschiebung des wirtschaftlichen Schwergewichtes aus den südenropäischett nach den nordwestlichen Ländern, der Verfall Spaniens, der'Aufschwung Hollands, der Niedergang vieler italienischen und deutschen Städte und das Aufblühen anderer: das war das Problem, dem S.' seine Aufmerksamkeit . widmete. Da offenbarte sich ihm die überraschende Tatsache, daß die Wanderungen der Juden genau dieselbe Richtung genommen hatten wie die Entfaltung des Wirtschaftslebens und bei näherem Zusehen ergab sich ihm die sichere Erkenntnis, daß die Juden den wirtschaftlichen Aufschwung dort förderten, wo sie sich niederließen, der Niedergang sich dort zeigte, von wo sie sich wegwandten, daß es ohne Versprengung der Juden über die nördlichen Länder des Erdballs keinen modernen Kapitalismus und keine moderne Kultur gäbe. „Wie die Sonne geht Israel über Europa, wo es hinkommt, sprießt neues Leben hervor, von wo es wegzieht, da modert alles, was geblüht hat" (YHI). Im 16. Jahrhundert siedeln sich viele Juden in Livorno an. Großer wirtschaftlicher Aufschwung ist die Folge. Ebenso in Hamburg, in Frankfurt am Main im 16. uitd 17. Jahrhundert. Der Senat von Hamburg befürwortet den Bau von Synagogen, da sonst die Juden wegzögen und Hamburg dann zu einem Dorfe herabsinkeu würde. „Die vereinigten Staaten verdanken es den Juden, daß sie überhaupt da sind. Dank dem jüdischen Einschlag sind sie amerikanisch. Das was wir Amerikanismus nennen, ist zum großen Teil nichts anderes als geronnener Judengeist" (44). Die Juden sind es, die den Fürsten zur Kriegsführung und zur Deckung des Staatsbedarfs die notwendigen Summen vorstrecken und dadurch die Gründung des modernen Staates ermöglichen. Antonis Fernandes Carvajal (ca. 1635 eingewandert), Geldgeber und Lieferant „tüs great Jewtf, ist der bedeutendste Heereslieferant in England. Sampson Gideon ist (1699—1762) die „Säule des englischen Staatskredits." Während des 17. und 18. Jahrhunderts hat jeder deutsche Staat einen oder mehrere Hofjudeu, von deren Unterstützung im wesentlichen die Finanzen des Landes abhängig sind. Durch die Entwicklung des modernen Anleihewefens jedoch, die durch die Juden herbeigeführt wird, vermindern sie selbst ihre ausschlaggebende Bedeutung, indem der öffentliche Kredit demokratisiert wird, so daß an die Stelle eines Geldgebers eine Mehrheit solcher tritt. Die Juden sind die Erfinder der Jnhaberpapiere, die ein unpersönliches Schuldverhältnis (Versachlichung) statuieren. Sie sind die Begründer der Börse. Der Ursprung der Effektenbörse ist der Wechselhandel, dieser aber ist im 16. und 17. Jahrhundert in Venedig, Amsterdam, Frankfurt am Main, Hamburg, in Händen der Juden. Die börsenhafte Organisation kommt durch die Kommerzialisierung des Wirtschaftslebens zur. Vollendung. Und nun dringen die Juden auch in das Gebiet der Güterprodnktion ein. Sie haben die kommerzielle Leitung, die vom technischen Können ganz unabhängig ist. Was hier S. als die Hauptsache ansieht, ist, daß der Geist des modernen Wirtschaftslebens, die Wirtschaf t s g e s i n u u n g größtenteils auf jüdischen Einfluß zurückzuführen sei. Alle traditionellen, wirtschaftlichen Gepflogenheiten