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Die Wahrheit · 1911-04-14 · Heft 15 (14.4.1911) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 15 (14.4.1911)
Date
1911-04-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Die Wahrheit - Nr. 15. Landeskomitee konstituiert worden, welches die Vereinsstatuten, festgestellt hat und nunmehr unmittelbar an die Gründung dieses Vereines schreiten will, um ehestens eine praktische Tätigkeit im Lande entwickeln zu können. * * * lieber die immer mehr zutage tretende judenfeindliche Tendenz in Ungarn wird aus Budapest folgendes berichtet: Durch die in Frankreich vollzogene Trennung der Kirche vom Staate sind ganze Scharen von Ördensmönchen nach Ungarn gekommen, wo sie von den führenden Kreisen mit offeneit Armen ausgenommen wurden. Den französischen Jesuiten ist es zunächst zu verdanken, daß der Klerikalismus in Ungarn von Tag zu Tag stärker wird und daß die katholischen Mittelschnlprofesforen und die Zugend in Mariakongregationen organisiert wird, die auch für eine Vertiefung des schlummernden Judenhasses Sorge tragen. Kougreganisten werden .zu Direktoren der Mittelschulen ernannt und für die freiwerdenden Stellen werden ausschließlich Mitglieder der Kongregation bestellt. Mau kann sich leicht vorstellen, welchen Einfluß dieser Geist auf den Unterricht und Behandlung der jüdischen Schüler hat. Der'allgewaltige Ministerialrat im Kulmsministerinm, Graf H a d i k - B a r k o c z y, ist ein fanatischer Förderer dieser Kongregation. Dies verleiht den Professoren, die ihr angehören. ein überschwengliches Selbftbewußtsein, daß sehr oft ihren spärlich gesäten jüdischen Kollegen gegenüber in Verfolgung und Angeberei zum Ausdruck lomun. Fast jeden Tag ereignet sich ein ähnlicher Skandal. Bei der konstituierenden Versammlung der Erlauer Jugendkongregation schloß z. B. der dortige Gymuasialprofessor K a r eno vics seine Ansprache mit folgenden Worten: „Wir wollen Euch lehren, wie Ihr gegen die schachernden Fremden zu kämpfen habet. . ." Derselbe Professor insultiert mit rohen Witzen die jüdischen Schüler. Er besprach u. a. in einer Geschichtsstnnde das Zeitalter des Königs Andreas II., wobei t er Anlaß nahm, über die damaligen Juden zu schimpfen. Und setzte fort: „Seht, jüdische Schüler, die waren Eure Ahnen!" Die Verfolgung von jüdischen Schülern ist eine derartige geworden, daß die Erlauer jüdische Gemeinde sich genötigt sah, -eine außerordentliche Sitzung einzuberufen, in welcher beschlossen wurde, beim Direktor des Gymnasiums zu intervenieren. Nun ist dieser Herr selbst ein Kongreganist. Selbst der unbefangenste Kenner der Verhältnisse hätte niemals an eine solche Verrohung der Gemüter geglaubt. Es ist nicht notwendig zu erwähnen, daß jetzt Juden als Gymnasial- Profefsoren fast gar nicht angestellt und die bereits angestellten Inden den Kougreganisten gegenüber stets präteriert werden. Mau denke nur: Hunderte von Juden, die sich der Profesforenlaufbahn gewidmet haben, müssen bei den für Mittelschnllehrerstellen ausgeschriebenen Konkursen mit leeren Händen ausgehen, wodurch sie oft niedrige Stellen mit einem Hungerlohn annehmen müssen oder aber der Not ganz preisgegeben sind. * 4- Jm preußischen Abgeordnetenhause brachte der Abgeordnete Cassel die Verfügung des Ostpreußischeü Regierungspräsidenten betreffs des A u f e n t h a l 1 s r e ch t e s russischer Juden in Ostpreußen zur Sprache. Der Abgeordnete verlas den Wortlaut der Verordnung und bemerkte u. a. folgendes! „Es scheint mir eine ganz besondere Härte zu sein, wenn man solchen Leuten die Erlaubnis gibt, in Ostpreußen oder sonstwo in Deutschland zu wohnen, weil sie dort ihren Erwerb finden, ihnen das aber nur unter der Bedingung gestattet, daß sie. obwohl sie verheiratet sind, in Lölibat leben muffen und ihre Kinder nicht bei sich erziehen dürfen, dazu lommt noch, daß die Leute, denen man die Erlaubnis zum Aufenthalte gewährt, sich hier sehr nützlich machen; sie bezahlen zunächst oft sehr -erhebliche Staats- und städtische Steuern. Sie betreiben große Handelsgeschäfte und es wird mitunter von den dortigen Behörden, von Landräteu und Gutsbesitzern, also von Leuten, die nicht gerade meine Parteigenoffen sind, anerkannt, daß diese Leute durch ihre gewerbliche Tätigkeit von großem Nutzen für die Provinz sind. Es handelt sich insbesondere run Viehhändler, die große Viehtransporte aus Rußland nach Preußen einführen; dieses Vieh wird von der dortigen Bevölkerung gebraucht. Die Leute erfreuen sich häufig des Rufes einer besonderen Solidität ihres Geschästsgebahrens. Ich möchte doch Litten, erstens die Praxis dahin abzuändern, daß die Ausweisungen nicht schablonenmäßig erfolgen und zweitens daß nnver- Äächtige Leute mit gesicherter wirtschaftlicher Existenz nicht ausgewiesen «erden,, wodurch sie vielfach erst der Not und dem Elend preisgegebeu werden. Ferner muß ich bitten, daß nicht, tu den Verfügungen bestimmt wird, daß die Kinder und die Frauen im Ausland bleiben müssen, oder .daß gar den Eltern die Verpflichtung, auferlegt wird, die Kinder, sobald sie 9 Jahre alt . geworden sind, zn entfernen und anderwärts erziehen zu lasten."; Auch Abgeordneter H i r s ch unterstützte die Ausführungen Cassels. In seiner kurzen Erwiderung teilte der Minister des Innern mit, daß es fein Wunsch, sei, daß alle Härten bei der Ausführung der Verordnung vermieden werden. Im übrigen werde den Zuzüglern aus dem Osten au der Grenze eröffnet, daß ihnen eine dauernde Niederlassung an der Grenze nicht genehmigt wird. * * Ein nationalistischer französischer Schriftsteller namens Jean Drault hat eine großartige Entdeckung gemacht, die einen untrüglichen Beweis für die körperliche und geistige Inferiorität der Juden liefert. Er stellt nämlich in einer Auseinandersetzung mit einem anderen Blatte über die Rassenfehler und -Vorzüge der Inden triumphierend die Frage: . Wie kommt es, daß es Zweige der menschlichen' Aktivität und-gewisse Arbeitsfelder gibt — wo das bis zum Sektennttwesen ausgebildete Zusammenhalten und die größtmögliche Schlauheit znrnckstehen müssen vor dem persönlichen Mut, vor der Tapferkeit — ans welchem die Inden sich keineswegs'bemühen, glänzende Stellungen zu erobern? Znm Beispiel die Aviatik. Welchen Standpunkt nehmen ihr gegenüber die Juden - ein? Höchstens beteiligen sie sich daran durch das Ansschreiben von Geldpreisen. Welches Interessezeigen sie diesem neuen Zweige des Fortschrittes? Höchstens als Erzeuger und Händler in" Benzin! Auf einem Zwei- und Eindecker haben wir Männer der höchsten Aristokratie sitzen gesehen: aber ein Inde h a t noch kein Luftschiff bestiegen. Und in der jetzt leider schon langen aber ruhmvollen Reihe der Opfer der Aviatik sucht man Umsonst nach einem hebräischen Namen." Das antisemitische „Bahr. Vaterl." macht hierzu die geistvolle Bemerkung: „Die ganze Kultur kann den jüdischen „Pfadfindern der Kultur" gestohlen werden, wo sie einem'gefährlich werden könnte. Jean Drault'hat recht." ... Aber nein! Herr Drault hat sehr unrecht und er-hat speziell von der Aviatik, die er als Beispiel heranzieht, keinen blassen Schimmer. Der Erfinder des ersten lenkbaren Luftschiffs war der österreichische Jugeuienr David Schwarz, ein Jude. Er baute den ersten lenkbaren Alnminiumballon, der 1897 unter den Auspizien des deutschen Generalstabs auf dem Tempelhofer Felde gebaut wurde. Er erlitt, wenn wir uns recht erinnern, bei der ersten verunglückten Probefahrt einen.schweren Sturz. Nachdem Schwarz gestorben war, übernahm Graf Zeppelin auf Grund einer Vereinbarung mit dessen Witwe den weiteren Ausbau der Schwarzschen Erfindung. Und ein anderer, Prof. Arthur Berson, der erste Observator am Königlichen Aeronautischen Observatorium, der sich schon seit Jahrzehnten mit dem Problemen der Lnftschiffahrt beschäftigt hatte, ist ebenfalls jüdischer Herkunft. Hervorragend beteiligt, war er an den durch den Berliner Verein für Lnftschiffahrt veranstalteten wissenschaftlichen Ballonfahrten, die die erste wirklich zuverlässige Grundlage für unsere Kenntnis von den Zuständen und Vorgängen in den oberen Schichten des Lnftmeeres lieferten. Großes Aufsehen machten seine Hochsahrten, die ihn und Prof. Süring auf die bisher von keinem Höhenforscher auch nur annähernd erreichte Höhe von 10.800 Meter führten. Im Juni 1908 begab er sich mit Dri Elias nach dem Viktoria Nyansa, um dort meteorologische-Forschungen anznstellen. Es galt besonders, mittels Drachen-Registrierballon- und Pilotballonaufstiegen die oberen Luftschichten über dem äquatorialen Teile des Innern von Ostafrika zu erforschen, um Aufschlüsse über die Entstehung der indischen Monsune zu gewinnen, deren Ursprungsstätte vermutlich-hier zu suchen ist. Den beiden Genannten könnte man noch andere Lnftschiffer anreihen, die alle den Beweis erbrächten, daß es den Inden auch ans dem Gebiete der Aviatik an persönlichem Mute nicht gebricht. - Freilich - in den . Angen eines Antisemiten bleibt der Jude immer körperlich und geistig inferior. ' ' ■ ' 4- 4- '

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