Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 14 (7.4.1911)
- Date
- 1911-04-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14. Seite 9. Die Wahrheit - Km Kpikores. , Von Babette Fried, Prag. (Fortsetzung.) ' Trotzdem Martha bereits alle Hoffnung auf den Besitz des ^noch immer im Stillen geliebten Mannes aufgegeben hatte, -traf sie diese Nachricht dennoch schwer, traf sie desto schwerer, .als grade um diese Zeit ihre Mutter kränker geworden, und -sie in steter Furcht schwebte, auch das letzte was ihr im Leben lieb und teuer war, git verlieren. Als dann das Unabwendbare ivirklich erfolgte, vermochte Martha nicht mehr an dem Orte zil verbleiben, wo sie einstmals so glücklich gewesen und so unglücklich und verlassen geworden. Sie lehnte dankbar den Vorschlag ihrer Brüder, bei einem von ihnen ihren Wohnsitz aufznschlagen ab. und ging nach Wien — nach dem näher gelegenen Prag mochte sie nicht, um ihm nicht zufällig irgendwo zu begegnen, und begann eifrig zu studieren, um mit der Zeit das 'Lehrerinnenexamen zu machen. Sie erhielt auch ein vorzügliches Reifezeugnis, und sah sich nach einem Posten an einem öffentlichen Institute um. Im Hanse der Witwe, bei der sie in Pension war, lernte sie einen Anverwandten derselben kennen, der öfter dahin zu Besuche kam. Es war das ein junger Mediziner, welcher im Mothschildspitale praktizierte. Der Umstand, daß sie Landsleute waren, hatte die jungen Leute znsammengeführt, und seine herbe, satyrische Ausdrucksweise chatte dem jungen Mädchen wohlgetan, welches ein zuvorkommendes oder galantes Geplauder nicht ertragen Hütte, da es sie an den Verräter gemahnt hätte, der -sich mit gleißnerischen Worten in ihr unbewachtes Herz gestohlen hatte. Sie begegnete ihm wie ihrem besten, ihrem einzigen '.Freunde und nahm ohne Bedenken seinen Vorschlag an, sich um die eben frei gewordene Stelle einer Lehrerin in seiner Heimatstadt zu bewerben. Damals hatte sein Vater noch gelebt, welcher sich großer Beliebtheit, mithin eines nicht zu unterschätzenden --Einflusses daselbst erfreute. Dessen Protektion im Vereine mit den vorzüglichen Zeugnissen, welche die junge Lehrerin vorlegen ckonnte, machten, daß sie aus der großen Zahl der sich um diese Stelle Bewerbenden gewählt wurde. Gerne verließ sie die Großstadt, deren Häusergewirr und Menschengewühl sie nur beängstigte; sie war ja nicht für ein geräuschvolles Leben geschaffen, sie fühlte sich nur wohl, in freier, guter Luft, unter einfachen, guten Menschen, und in-ungezwungener frisch froher Gesellschaft, in welcher sie nach des Tages Arbeit und Mühen ansrasten -konnte. Und Arbeit, die sollte das Arkanum sein, welches ihre -noch immer offene Herzenswunde heilen, sie alles vergessen machen sollte, was ihr das Leben Böses zngefügt. Im Hause des alten Braun, welches schon lange der -Hausfrau entbehrte, aber in der Schwester des letzteru, dem Fräulein Julchen eine liebenswürdige Vertreterin der Hausfrau besaß, fand die neue Lehrerin, dank der Empfehlung des ältesten -Sohnes, Doktor Ludwig Braun, eine überaus freundliche Aufnahme. Der alte Braun war ein jovialer alter Herr, der einem 'Herzhaften, wenn auch gewürzten Spaße nicht aus dem Wege -ging, der lebte und leben ließ. Nichts würde zu seinem , vollen Glücke gefehlt haben, wenn sein ältester Sohn andere Wege ge- -gangen wäre, als die er sich erwählt hatte. „Wohin soll das führen, liebes Fräulein," pflegte er zu -sagen, „wenn mein Ludwig so gottlos ist, um an gar nichts .zu glauben?" Martha suchte den Alten zu trösten, indem sie auf die gegenwärtige Zeitströmung' hinwies» wo der Geist der '.Aufklärung chie Reihen der Gebildeten durchzieht. Aber im reifen Alter werde er zu dem Alten znrttckkehren. Denn er ist nicht schlimmer --als die meisten seiner studierten Altersgenossen. Wenn aber diese so vorsichtig sind, mit ihrer Meinung hinter die Berge zu „zu halten, so ist Ihr Sohn so wahrheitsliebend, alles frei heraus- Lusagen, und seine Ideen, zum Gewinngut aller machen zu wollen. Doch hatte der Alte kerne Entgegnung, sondern rief mir -ein' über das andermal händeringend : Wohin soll das führen, wohin soll das führen? Auch Tante Julchen suchte den abwesenden Neffen zu verteidigen. Sie tat dies aber in anderer Weise, als die einsichtsvolle Martha. Sie kehrte den Spieß um, und überhäufte ihren Bruder mit Vorwürfen. (Fortsetzung folgt.) Notizen. Donau-Dampfschiffahrtsgesellschaft. In der am 30. März abgehaltene» Sitzung der Administration wurde von der Direktion der Rechnungsabschluß für das Jabr 1910 in Vorlage gebracht, welcher ein Reinerträgnis von 2,386.740 X gegen 2,793.459 K im Vorjahre, somit gegen das Jahr 1909 eine Abnahme um 406.718 X ausweist. Mit Hinzurechnung des Vortrages vom Jahre 1909 per 918.770 X (gegen 560.330 X vom Jahre 1908) ergibt sich ein Gesamrüberschnß von 3,305.511 X. Nach Abzug der vertragsmäßigen Rückzahlung von 358.011 X (gegen 419.013 X im Vorjahre) an die Staatsverwaltung, stellt sich der zur Verfügung der Generalversammlung verbleibende Ueberschuß. auf 2,947.500 X (gegen 2,934.770 X im Vorjahre). Die Administration beschloß, der Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von 42 X per Aktie, das ist. 2.016.000 X (gleich dem Vorjahre) sowie den Bortrag des Restes per 931.500 X auf neue Rechnung vorznschlagen. Das Remerträgnis des abgelanfenen Geschäftsjahres ist um rund 400.000 X niedriger als im Vorjahre. Während damals der Vortrag um 358.000 X höher dotiert wurde, hat er heuer bloß eine Zuweisung von 13.000 X erfahren. Der Ausfall ist ans verschiedene Umstände zurückzuführeu. Die Transportmengen waren geringer als im Vorjahre, welches sehr bedeutende Frachtziffern aufzuweisen hatte, und erst im Monat Dezember war es möglich, einen Teil des Ausfalles hereiirzubriugen. da die günstigen Wafferstandsverhältniffe eine Ausrechthaltung des Schisfahrtsverkehres länger als sonst ermöglichten. Die zur Bekämpfung der Cholera längs der Donaustrecke durchgeführte» prophylaktischen Maßnahmen, durch welche nicht nur der Schiffsverkehr erschwert, sondern m Mohacs auch der Kohlenverkehr gehindert wurde, haben auch einen größeren Kostenaufwand bedingt. Ferner hat die Gesellschaft im abgelaufeuen Jahre zur Aufbefferung der Gehalts» und Lohnverhültniffe namhafte Summen aufweuden muffen, ivelche im Ansteigen des Besoldungskontos zum Ausdruck gelangten. Mit Rücksicht auf das geringere Jahreserträgms wurde auch die vertragsmäßige RüHahlung an die Staatsverwaltung niedriger bemessen. Sie beläuft sich auf 358.011 X. wodurch sich die Schuld der Gesellschaft an die Staatsverwaltung auf 3 5 Millionen Kronen ermäßigt. „Adria"-Seeschiffahrts-Aktiengesellschaft. Aus Budapest wird mitgeteilt: Die Bilanz der „Aüria"-Seeschiffahrts-Aktiengesellschaft weist für das abgelanfene Geschäftsjahr einen Reingewinn von 897.980 X, das ist um 247.109 X mehr als im Vorjahre, auf. Die Direktion wird der am 30. d. stattfindeuden Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von 16 X, gegen 12 X im Vorjahre, in Vorschlag bringen. Zentralbodenkreditbank. Am 29. März d. I. wurde die Generalversammlung der Oesterreichischen Zentralbvdenkreditbank abgehalten. Der Geschäftsbericht konstatiert, daß. wenngleich die Bank für das abgelanfene Jahr durchaus befriedigende Resultate erzielen konnte, doch die andauernd wenig günstige Situation des Aulagemarktes sich auch Heuer im Pfandbriefgeschäfte fühlbar gemacht habe. Diese Verhältnisse erschweren auch das Hypothckargeschäft. Im abgelaufeuen Jahre wurde,i 5,892,600 Krone» an 4 prozeutigen Pfandbriefen verkauft. Insgesamt befanden sich mit Ende 1910 au Pfandbriefen 97.923.100 Kronen im Umlaufe. Bon Darlehensgesnchen wurde» 5,655.654 Krone» bewilligt nnd realisiert. Die Hypothekar-Forderungen beziffern sich insgesamt auf 99,531.994 Kronen. Bon dem Reingewinne per 1.032.742 Kronen werden in den Reservefonds 46.083 Kronen hinterlegt, dem Hyvothekar-Reservefonds mit Rücksicht auf die Zunahme des Hypolhekargeichäftes 60.000 Kronen zugewiesen, eine Gesamtdividende von das sind 30 Kronen per Aktie, verteilt, dem Pensionsfond 50.000 Kronen gewidinet nnd 207.536 Kronen aufneue Rechnung vorgetragen. Die Kapitalsvermehrung der Skoda-Werke. In der am 30. März abgehaltenen Sitzung des VerwaltungsrateS der Skoda-Werke A.-G. wurde befchloffeu, der am 24. April 1. F. stattfindenden Generalversammlung. den Antrag zu stellen, das Aktienkapital der Gesellschaft von 25,000.000 X durch Ausgabe von 25.000 Stück mir je 200 X volleingezahlten Aktien, welche an dem Erträgnisse der Gesellschaft vom 1. Jänner 1911 an partizivieren sollen, anf 30,000.000 X zu erhöhen und die neu zu emittierenden Aktien den bisherigen Aktionären im Berhältniffe von je fünf alten zu einer neuen Aktie znm Kurse von 330 X nebst den laufenden Srückziusen anznbieten. Zentralbank böhmischer Sparkaffen. Ans Prag wird gemeldet : Die Zentralbank böhmischer Svarkaffen verkeilt laut Beschluß der Generalversammlung von dem 1.824 212 X betragenden Reingewinn für das abgelanfene Geschäftsjahr eine Dividende von 5 Prozent, das ist 20 X per Aktie, wie im Vorjahre. Nach Dotierung verschiedener Fonds wurde beschlossen, den verbleibenden Rest von 44.210 X auf neue Rechnung vorzutragen. Vereins-Zahnarzt Dr. Max Weisz. Wien,II., Circusgasse 47. Ordination von 9—6. Telephon 18399t