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Die Wahrheit · 1911-03-31 · Heft 13 (31.3.1911) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 13 (31.3.1911)
Date
1911-03-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Ditbaftiou »iib Slbiniiiifuatiou: Wien. II. t 9üiuaiai}flfie 27 Ttltöbou: Viel aktiv» 5l07(Vill Abministralio» -1936 Jl. K. k. bfterr. Vostsvarkaisa» £ajfd»Slonio Dir. 100.91S. ünlVratc: Die viermal geivaUettc Dlonpareille-Zeile 25 Heller. Abounememtz- »nb J»jerlio»Sbelräge nnb i» 3Lie» zahlbar u»b klagbar. Unabhängige Aeitschnft für jnöifche Antere^en. Erscheint jeden Kreitng. Motto: „Das Siegel Uottes ist Wahrheit!“ Kerugsprei»: Ganzjährig.K 14.— Halbjährig.K 7.— Für tfultnvbeiiiiite: •Miuuiiibviii.K 10 - Für Ausland: Gaiiziäyrig.8 Mark S Rubel ober lt> Fre». llr. 18 Wien. Bl. Miir; Inhalt: Ans der Wvche. — Dele^ierteukoiiferenz zur Regelung des Wanderbettels. — Tr. M. I. Altfchüler. — Zehnjähriges Bestaudjubiläum des Verbandes zur Unterstützung armer ksraelitischer Wöchnerinnen. — Aus der Wiener Knlkusgemeinde. — Die Juden in der Technik, der Kunst, der Wissenschaft und als Forscher, Entdecker und Erfinder. — Verschiedene Nachrichten. — Aus dem Berufs- und Privatleben des Kantors. — Feuilleton: Ein Apikores.— Austritte aus dem Judentum. Die geehrten «Herren Iöonrrenten werden um umgehende Erneuerung des Abonnements für das am 1. April 1911 beginnende 2. Quartal ersucht, damit die regelmäßige Expedition des Blattes keine Unterbrechung erleide. Ans der Woche. Das österreichische Abgeordnetenhaus, schon seit langem der Schauplatz unfruchtbarer, politischer Jntrigne und widerlichen Portefeuillehuugers, ist nach vergeblichen Versucheil der Regierung, die Arbeitsfähigkeit desselben wiederherzusiellen, vertagt worden und schon in den nächsten Stunden dürfte auch seine Auflösung von der Krone verfügt werden. Selbst konstitutionell empfindsame Naturen, die mit Granen das Gespenst des Paragraph Vierzehn wieder auferstehen sehen, brauchen diesem vorzeitig geschlossenen Parlament keine Träne nachzuweiuen, denn die Hoffnungen, die auf das erste aus dem allgemeinen Wahlrecht hervorgegaugeue Volkshans gesetzt wurden, haben sich nach keiner Richtung hin erfüllt. Der Nationalitätenhast ist eher verschärft als gemildert worden und der freiheitliche Einschlag, den die verhältnismäßig große Zahl der sozialdemokratischen Mandate bringen sollte, ist in der Hochsint der rückschrittlichen Tendenzen spurlos verschwunden. Klerikalismus und Antisemitisnuls hatten in dem eben heimgeschickteu Parlament die Oberhand und feine legislatorische Tätigkeit wird am charakteristischsten durch eine seiner letzten Lebensäußeruugen, das Hansiergesetz, illnstriert das tausende armseliger jüdischer Existenzen, allerdings auch nichtjüdische, dem völligen Ruin preisgibt. Die nationalen und politischen Parteien rüsten bereits zum Wahlkampf. Ueber ihre Parolen und Chancen zu sprechen, wäre heute verfrüht, aber den einen Wunsch können wir nicht unterdrücken, daß die jüdischen Politiker und die jüdischen Wähler die gewonnenen Erfahrungen richtig verwerten - und ans denselben lernen mögen, besonders dort, wo sie auf die Vergebung der Mandate bestimmenden Einfluß nehmen können, nüchter zu denken und praktisch zu handeln. * * * Die nachfolgende Meldung aus Budapest wirft ein grelles Schlaglicht auf die gesellschaftlichen Verhältnisse in der ungarischen Hauptstadt: Einer der vornehmsten Bndapester Klubs ist der „Unionklub", in dem sich die Haptefinanze znsammensindet. Er wird gewöhnlich der „Millioncjrklub" genannt und hat seine eleganten Lokalitäten im „Hotel Huugaria". In der letzten Zeit wurden vom Baron Emerich Fejsrvaiy, dem Sohne des ehemaligen Ministerpräsidenten Baron Geza Fejsrväry, zwei Herren zur Aufnahme in den Klub empfohlen, und zwar der ehemalige Reichsratsabgeorduete und Sohn des Handelsministers Ludwig Hmansßky und der Direktor der Ungarischen BanknndHandelsnktiengesellschast Emerich Vajda. In der Sitzung, in der über die Ausnahme der beiden Herren entschieden werden sollte, präsidierte der bekannte Großindustrielle Alexander Deutsch- Hatvauy. Horä-ustky wurde ohne jede Debatte in den Klub ausgenommen. Als jedoch über die Ausnahme Vajdcds abgestimmt werden sollte, erhob sich Herr Demsch-Hatvany und führte ans, daß nach den Statuten des Klubs die Zahl der jüdischen Mitglieder kontingentiert sei. und daß nur 40 Perzent der Mitglieder jüdischer Konfession sein dürfen. Wenn dieie Zahl vollständig sei, könne ein neues jüdisches Mitglied erst dann aufgenommen werden, wenn ein Sitz durch Austritt oder Todesfall frei werde. Infolgedessen müsse die Ansnabnle Direktor Emerich Vajdas in den Unionklub vorderhand noch in Schwebe gelassen werden. Als Horaußkl) von dem Beschluß Kenntnis erhielt, erklärte er,' daß er aus die Aufuahrne nicht reflektiere, da er einem Klub, der konfessionelle Rücksichten hegt, mcht angehören wolle. Daraufhin begab sich Herr Demsch-Hatvany sowohl zum Baron Fsjorvary als auch zu Hvranstky, um die Angelegenheit gut zu machen, und sicherte für die nächste Sitzung die bedingungslose Aufnahme Direktors Vajdas zu. Tie Geschichte erhälr noch dadurch eine ganz besondere Pointe, daß Herr Vajda schon seit vielen Jahren der evangelischen Kirche angehön. Jedenfalls hatte die Bndapester Gesellschaft eine sogenannte Klubasiaire. Wir geben recht gerne zu, bemerkt biezrr die „Jüd. Volksst.", daß Herr Baron Alexander Hatvany-Deutsch laut den Statuten des Klubs ganz bona fide gehandelt. Es fragt sich aber nur, welches Bewandtnis die Klubstatnten damit involvieren, daß so und so viel Christen und so und so viel Inden Ausnahme irr den Klub finden. Wäre es vielleicht hier nicht am Platze, den ganzen Punkt der Statuten betreffend die Konfession des neu aufzunehmenden Mitgliedes ganz anszuschalten, so daß der Präsident und der neu Vorgeschlagene, wie es diesmal der allgemein geachtete Direktor Vajda war, nicht kompromittiert zu werden brauchen? Herr Horanßky hat hier bewiesen, daß er beit Liberalismus seines verstorbenen Vaters sich zu eigen gemacht. * * Italien feiert die 50. Wiederkehr des Tages, an dem der einheitliche Nationalstaat zur Tatsache geworden ist, nnb in die jubelnden Huldigungen, die aus diesem Anlässe dem Herrscher

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