Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 4 (27.1.1911)
- Date
- 1911-01-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 8. Die Wahrheit. Nr. 4. schäften haben viele Juden Ruhm .und Ehren erworben. Berühmte Botaniker sind Paul Aschersou, Ferdinand Cohn, N. Pringsheim, Eduard Straßburger. Als Chemiker zeichneten sich aus, außer den schon erwähnten Georg Lunge und Adolf Frank, noch A. Pinn er und Emil Marburg, sowie Adolf von Baeyer, der Ersinder des künstlichen Indigos, der Nachfolger Liebigs in München. Europäischen Ruf als Physiker besitzen Viktor Meyer, und vor allem Heinrich Hertz, der bahnbrechende Forscher auf dem Felde der Elektrizität, der den ersten Anstoß zur Erfindung der drahtlosen Telegraphie gab. B e r ü h m te Physiologen sind: Valentin, Julius Bernstein. L. Herrmann. H. Munk, I. Rosenthal, Moritz Schiff. Bedeutende Mathematiker: Moritz K a n t o r, I. L. Fuchs, Leopold Kronecker, N. Wilhelm Meyer, Lev Königsberger und Schön fließ, ordentlicher Professor der Mathematik an der Universität Königsberg. Professor Dr. Adolf Hirsch, gestorben 1901, ein hervorragender Astronom, war Direktor der Sternwarte zu NenchLtel und ständiger Sekretär des Internationalen Maß- und Gewichtskomitees. Er hat sich um die internationale Organisation des Maß- und Gewichtswesens große Verdienste erworben. Dr. Minkowski, ordentlicher Professor in Göttingen, der dort im Januar 1909 starb, war eine Zierde der Wissenschaft, der ihre Grenzen in geradezu idealer Weise erweiterte, und der im In- und Auslande von allen Fachgenossen als einer der allerersten Mathematiker der Gegenwart, anerkannt wurde. Zwei Jahre nach der 1885 in Königsberg erfolgten Promotion begann Minkowski seine Lehrtätigkeit; er habilitierte sich in Bonn, später kam er an die Universität Königsberg und an das Polytechnikum von Zürich, bis ihm durch den 1902 erfolgten Ruf nach Göllingen der Wirkungskreis zu Teil wurde, der seiner Bedeutung entsprach. Er hat zu dem Glanze der ' Göttinger Mathematikerschule nicht zum wenigsten beigetragen; zu seinen 7 originellen, geistreichen Vorlesungen strömten bei Schüler von weit her, die in ihm nicht nur den überragenden Lehrer, sondern auch den edlen, liebenswerten Menschen verehrten. Die Worte, die er auf dem Totenbette sprach, „daß es für die Ausbreitung seiner Lehren vielleicht gut sei, wenn der Autor beiseite träte", zeugen am besten von der Bescheidenheit und Großherzigkeit dieses seltenen Geistes. Kein Geringerer als Alexander von Humboldt interessierte sich außerordentlich für den genialen Mathematiker Chajim Selig Slonimski, der zuerst mit einem Werke Moßde-Ha-Hochma auftrat, worin der Jugend ein Lehrbuch für sämtliche physikalische Wissenschaften — in hebräischer Sprache geboten wird. Im Jahre 1835 veröffentlichte Slonimski die treffliche Schrift Cuchba de Schebith, die, in sechs Abschnitte zerfallend, sich über verschiedene Gegenstände der Astronomie verbreitet. Slonimski war der erste, der in diesem Buche auf die merkwürdige Stelle des Sohar aufmerksam machte, die über Gestalt und Bewegung der Erde handelt. Slonimski erfand ein Recheninstrument,' das so vortrefflich befunden wurde, daß die Petersburger Akademie in ihrer Sitzung vom 26. Mai 1845 dem jungen jüdischen Mathematiker als Lohn für diese. Erfindung den Demidoffscheu Preis, im Werte von 2500 R. B., der alljährlich für die besten, in russischer Sprache erscheinenden, wissenschaftlichen Werke erteilt wird, znerkannte. Slonimski machte sich ferner noch dadurch bekannt, daß er 1857 eine Lebensbeschreibung Alexander von Humboldts in hebräischer Sprache herausgab. Ein berühmter Geologe ist Eduard Sn eß. Professor in Wien, 1898 Präsident der Akademie der Wissenschaften. Er schrieb viele Aussehen erregende Werke, 11.. a. „Die Entstehung der Algen, die Zukunft des Silbers" und viele andere mehr. Bekannt als Geographist ist Alfred Philippso n,. ordentlicher Professor in Bonn. Er machte Studienreisen nach Griechenland und nach Kleiuasien. Von seinen Schriften seien genannt: Studien-über Wasserscheiden — der Peloponnes — Europa. Allgemeine Landeskunde — Thessalien und Epirus — Beiträge zur Kennt-- nis der griechischen Inselwelt — Das Mittelmeergebiet. Hervorragende Nativ n alök 0 wo m e it sind Professor Ignatz Jastrow und Gustav Cohn. ' (Fortsetzung folgt.) Tempelverein für Mieden nnd Margarethen. Die 37. Generalversammlung des Tempelvereines für' die Bezirke Wieden—Margarethen in Wien, fand Sonntage den 21. Jänner unter überaus zahlreicher Beteiligung von Gästen und Mitgliedern statt. Es waren u. A. erschienen: Kultus-- Vorsteher Dr. Leo Halperu in Vertretung der Israelitischen Kultusgemeinde, Obmann der Bezirkskommission k. k. Kom.-Ra! M. Hacker, Obmann Jakob S. Straßberg nnd Vorsteher Em. Schidrowitz vom Tempelverein Favoriten, 'Obmann Philipp Nuß bäum vom Bethaus-Verein Wieden, Gemeinde-- Rabbiner H. R e i ch, die Vorstands-Damen des Israelitischen Fraueuwohltätigkeits-Vereines Wieden—Margarethen Amalie B a m b e r g e r, Karoline H 0 f m a n n und Alice Fische r. Nach herzlicher Begrüßung der Erschienenen durch Obmann Adolf H offmann, welcher seiner Freude Ausdruck gab, nach langjähriger rastloser Arbeit endlich in den Räumen des schönen,, dem ganzen Bezirke znr Zierde gereichenden Kaiser Franz-Josef- Jubilänms-Tempel die Versammlung begrüßen zu können, erstatte! Schriftführer Franz Frankl den Jahresbericht, der sich in erster Reihe mit der Vollendung des neuen „Kaiser Franz Josef- Jubilänmstempel" nnd den mannigfachen Zuwendungen für denselben beschäftigt. Dieser Bericht wird unter lebhafter Beifallskundgebung einstimmig zur Kenntnis genommen. Ebenso wird der Kassabericht des Kasseverwalters Herrn Emil W i e s e l lh ie r genehmigt,, wozu Herr Revisor Max Spitzer bemerkt, daß die Revision der Kassa eine musterhafte Führung bekunde, daß er den Verein zu dieser nnd seinem Verwalter Herrn W i es el th i er beglückwünsche. Das von ihm beantragte Absolntorium wird einstimmig' angenommen. Obmann Hofmann hält Rückschau über jene, welche" den Bau des Tempels besonders eifrig gefördert, aber seine Fertigstellung nicht mehr erschauten. Es sind dies insbesondere die Herren Kais. Rat Adolf Lichtblau, Jakob Fischer und Karl B am berge r, deren Andenken gesegnet sei. Er dankt ferner dem Herrn Gustav Marburg für seine erfolgreiche Mitarbeit an der Spitze des Damen-Aktionskomitees, welches durch Veranstaltung von Festlichkeiten nnd Sammlung von Spenden große Erfolge erzielte. Obmann Jakob S. Straßburg beglückwünschte den Verein in längerer, wohlgefügter Rede zu dem erzielten großen Erfolge, rühmt, insbesondere dem Zusammenhalt der Mitglieder des Vereines nnd die Opferwilligkeit der Tempelbesucher, welche sich in so schöner Weise in dem reichen Ertrage der Opfersäcke Maten Beseßer, (Opfere im stillen, unauffällig) in so schöner Weise knndgebe und wünscht dem Vereine eine erfolgreiche Zukunft. Herr Kultnsvorsteher Dr. Leo Halperu dankt namens der isr. Kultusgemeinde dem Vorstände für das geschaffene Werk. Er führt aus.- daß diese heutige Generalversammlung, einem hohen Feste gleichkomme, da sie in den Räumen'des nun vollendeten schönen Gotteshauses stattfinde. Redner hebt insbesondere die Verdienste des Obmannes Herrn Hofmann um das Zustandekommen, dieses schönen, zweckdienlichen Gotteshauses hervor und versichert, daß die Kultusgemeinde die Bestrebungen des Vereines wie überhaupt die aller Tempelvereine dankbar begrüße und in jeder Weise fördern wolle. /Die Ausführungen des Redners, welcher als neugewählter Kultus-Vorsteher die Kultusgemeinde zum erstenmale und in überaus sympathischer Weise vertritt, finden lebhaften Beifall.