Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1911
- Issue
- Heft 3 (20.1.1911)
- Date
- 1911-01-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3. ' Die Wahrheit Seite 3. Carl Frankel. Am 6'. Dezember 1910 war der hundertjährige Geburtstag des phänomenalen Solobassisten und Chordirigenten Carl F r ä n k e l, der 40 Jahre lang im Wiener Stadttempel au Seite des Meistersängers und Komponisten Salomon Snlzer so hervorragend gewirkt hatte. Frankel, der Beherrscher des 0 o n t r a 0 m des Grundes Urgewalte n, saug auch .oben F ein gleichmäßig ausgeglichenes Register, volles Metall mit edler T o n f ä r b u n g, und der Mann war im wahren Sinne des Wortes ein Ersatz der Orgel. Dr. Adolf Fischhof sagte von Fränkel, wie ans seinem Munde nie ein falscher Ton gekommen, so kam auch nie ein unwahres Wort über seine Lippen. Sein biederer Charakter, feine edle Männlichkeit war mit echter, wahrer Religositüt verbunden, er war ein tüchtiger Musiker, der das Chorpersonal selbst unterrichtete, und mit seinem kleinen Finger in dezenter, ruhiger, n n an ffüll iger Weise ohne Nervosität den Chor dirigierte. Er vermählte sich mit Salomon Snlzers einziger Schwester Henriette, in treuester Liebe und Anhänglichkeit Snlzer und dessen Familie ergeben. Carls Fränkels Vater war Rabbiner Josef Fränkel in Grünstadt in der Rheinpfalz in Deutschland, dessen Söhne als jüdische Sänger unter dem Namen Grünstädter Kinher in den Synagogen Deutschlands sangen und bis nach Paris berufen wurden. Bei einem in der Synagoge in München abgehaltenen Gottesdienste wurden die Grünstädter Sänger nach Hohenems berufen, wo sie den Fabrikanten Josef Snlzer besuchten, der ihnen erzählte, daß sein Sohn Salomon Oberkantor in Wien sei. Sie hatten in Hohenems solchen Beifall, daß die Familie Snlzer ihren Sohn in Wien auf diese Sänger a u f m e r k f a m m achte, und so wurde Carl Fränkel nach Wien berufen und Snlzers Schwager! Einer der Grnnstädter Sänger, Jzig Fränkel, war Kantor in Grnnstadt, sein Schwiegersohn Moritz Rosen- .h a n p t, ein bedeutender Sänger und Komponist, war Oberkantor im S P e y e r, dann in N ü r n b e r g, der Nachfolger des Herrn kais. Rates Oberkantor Singer, der von Nürnberg nach W i e n k a m. Ein Grünstädter Sänger Isidor Fränkel war Oberkantvr in M a i n z, d a n n in Philadelphia, O b e r k a n t o r der R o d e f Scholem-Gemein de und Ärmenkaplan der Unionarmee. Carl Fränkel in Wien war ein Vater seiner Choristen, ex überwachte das Studium der armen Knaben in den Schulen, verschaffte ihnen Unterstützung und Stipendien, brachte sie in -das Konservatorium für Musik zur Ausbildung, wo ihm b esonders Prof. Weis wacker ^zur Seite stand. Das Beispiel des gottbegnadeten Künstlers S. Tulzer fand da günstig vorbereiteten Grund und Boden, und alsbald wurden die Chorsänger des Wiener Stadttempels gesuchte Oberkantoren in Europa und Amerika. Opernsänger wie Sontheim, Robitschek. n. a. mit), der jüngst verstorbene Angelo Nenmann, einer der hervorragendsten Operndirektoren des Kontinentes, sangen unter Snlzer und Fränkel im Seitenstetter Tempel in Wien. Verschiedene Nachrichten. Wien. Sonntag, den 15. d. M., lj2ö Uhr nachmittags fand im Tempel des XI. Bez. eine Gedächtnisfeier, für den vor kurzem verstorbenen Ehrenobmann des Tempelvereiues. Herrn kais. Rat Friedrich Vogel, statt. Unter den Anwesenden bemerkte' man die Knltnsvorsteher kais. Rat Sigm. Sauber» liiib kais. Rat Jonas Weil, den Obmann-Srellvertreter des Tempelvereines Handelskammerrar Leopold Weiß mit den Vorstehern Max N e m s ch i tz. Moriz Schwär z, Ignaz Tauber und Jnlins Kraus, den Obmann der Chewra-Kadischa I. N e u s e l d, mehrere Mitglieder der Bezirksverrretnng des XI. Bezirkes, den Obmann des BethanSvereines im HI. Bez..Dr. I. A n e r b a ch. in Vertretung der Chewra-Kadischa des XV. Bezirkes, Vorsteher Moriz Weiß und ersten Kantor I. Schleifer, den Obmann der Bezirkskommission XXI Gabor Dukes, ferner die Herren Dr. O r n st e i n, Dr. I. Deuts ch. Börserar 'K ö n i g st e i n, Julius Stern, Filipp Schön u, Sekretär Elias Springer n. Al Nachdem Kantor H a r n d o r f einen Tranerpsalm in wirkungsvoller Weise vorgetragen hatte, hielt Rabbiner Dr. Abeles die -Gedenkrede, in welcher er die hohen Verdienste des Heimgegangenen würdigte. Mit dem Abendgebet schloß die erhebende Trauerfeier, die bei allen 'Teilnehmern einen nachhaltigen Eindruck zurückließ. Wie«. (Literarische Matinee.) Wie bereits gemeldet, findet Sonntag, den 22. d. M., 3 Uhr nachmittags, im Festsaale des Ingenieur» und Architekcenvereines eine literarische Matinee statt. Bei dieser wirken u. a. mit Frl. Lea Rose n (Hofburgtheater). Schriftsteller Felix Salten, Rudolf Schildkraut (Berliner Deutsches Theater). Regisseur Dr. Walter F r i e d e m a n n (Deutsches Bolkstheater), Max Bing (Bürgertheater). Enrrittskarten k K 5.—, 3 — und 2 — sind noch in beschränkter Anzahl im Lokal des „Jüdischen Handlungsgehilfeuverbandes" II., Taborstraße 20, (Souterrain) in der Zeir von 7—9 Uhr abends erhältlich. Wien. (Verein der L e m b e r g e r.) Die hier lebenden Lemberger Laudsleure haben sich zusammengesunden. um einen Humanitären Verein zu gründen, dessen konstituierende Generalversammlung Samstag, den 14. d. M. abends, im Saale des „Goldenen Widder" (Taborstr. 33) stattsand. Der Obmann des Gründungs-Komitees, Herr Jak. Heber, begrüßte die Erschienenen und gab der Erwartung Ausdruck, daß durch zahlreiche» Beitritt von Mitgliedern der nene Verein bald in die erfreuliche Lage versetzt werden möge, aus sozialem Gebiete hilfreich zu wirken. Hieraus verlas der Referent Herr Samnel Briefer die behördlich genehmigten Statuten, nach welchen den Mitgliedern das Recht ans Darlehen in beschränktem Maaße und ans Unterstützungen unter gewissen Bedingungen znsteht. An der ziemlich lebhasteic Diskilssion des Statutes beteiligten sich besonders die Herren MieseS, B l u m e n g a r r, S o b e l, S. L o s ch u. a. Bei der Vorstandswahl fungierten als Skrutatoren die Herren Feuer jun., M i l e t jnu. und T a m b o r. Als gewählt erschienen die Herren: Jakob Hel l e r, Sam. Briefer. Sam. S ch l i s k a, David Korkes, Marens Kaffer n. Adolf K l e p p, Sigm. R atz. M. Mieses, M. K r a m. Jos. S ch w a tz e r, Sigm. Schwätzer. Sigm. P r o p p, Moses Zeluik, S. P f a u, S. Feuer und M. Zobel. Baden. Ais Kantor der israelitischen Knltnsgemeiude Hl Baden wurde Herr Leo Z o i d a n bestellt. Bei der am 15. d. erfolgten Neuwahl des Vorstandes der Chewra-Kadischa Baden wurden wiedergewählt die Herren: Moriz Lettner, Sigmund R a u s n i tz und Gustav O e d e nb n r g e r; irengewähtt: Herr Ignaz F l e i s ch m a n it. Ung.-Ostra. Am letzten Chanuka-Abend fand hier eine Channka- Feier statt, die unter den zahlreich erschienenen Güsten großen Enthusiasmus hervorrief. Den Abend erössnete nnser Rabbiner Dr. M. H a t b e r st a m mit einer eindrucksvollen Rede, worauf das schöne historische Festspiel „Ein Chanuka-Tranm" mit Musik und Gesang, von Frieda M e h l e r, von der hiesigen Schiiljugend zur Aufführung gelangte. Die Leitung lag in den Händen unseres Oberkantors und Religionslehrers Berth. W e ißmand l. der sich feiner Aufgabe mit seltenem Geschick erledigte. Das exakte und verständnisvolle Spiel der Kinder, unter denen besonders die Bürgerschülerin Helene C z e ch hervorgehoben zu werden verdient, ries große Bewunderung hervor, und wurde Herr Oberkautoc Weißmandl allseits zu dem großeil Erfolge beglückwünscht. Eine heitere Posse, ebenfalls von Kindern aufgeführt, bildete den Abschluß der schönen Feier. Nagy-Barad. Der hier allgemein beliebte Oberkantvr der orthod. Gemeinde, Herr Emanuel Riff, wurde nach sechsjährigem Provisorium, in gleicher'Eigenschaft, nebst entsprechender Gehaltserhöhung, definitiv angestellr. Drohobycz. Der Herausgeber der „Drohobyczer Ztg.", Herr A. H. Z u p n i k har vom Sekretariate Sr. k. u. k. Hoheit Herrn Erzherzog Rainer folgendes Schreiben erhallen: „Im Besitze des in der „Drohobyczer Zeitung" erschienenen Leitartikels „Sittlichkeit und Charakterbildung" haben Seine kaiserliche und königliche Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog Rainer von Oesterreich mich gnädigst beauftragt, in Höchstseinem Namen der löblichen Redaktion für die gefällige Uebermittlnng des Leitartikels den besten Dank zum Ausdrucke zu bringen. An die Erfüllung des Auftrages meines gnädigsten Herrn gestatte ich mir die Versicherung der vorzüglichsten Hochachtung zu knüpfen, womit ich bin der löblichen Redaktion ganz ergebenster Dr.Basilius von Gi an nelia na. p. Wien, den 11. Jänner 1911. K. k. priv. Oesterreichische Kreditanstalt für Handel und Gewerbe. Jilfolge Beschlusses des Berwaltungsrates vom 17. Jämrer 1911 findet Donnerstag den 2. März 1911, 11 Uhr vormittags, im großen Festsaale des Oesterreichischen Ingenieur- und Architektenvereines (I. Bez. Eschenbachgaffe 9) eine außerordentliche Generalversammlung der Aktionäre der k. k. priv. Oesterreichischeir Kreditaiistalt für Handel und Gewerbe statt. G e g e n st a n d der Verhandlung: Antrag auf Erhöhung des Grundkapitals der Gesellschaft von 120 Millionen ans 150 Millionen Kronen durch Ausgabe von 93.750 auf den Nominalbetrag von 320 Kronen lautenden Aktien, auf die Aenderung der damit zusammenhängenden Paragraphen der Statuten und Beschlußfassung über die näheren Bestimmungen der Hinausgabe der Aktien. Die stimmberechtigten Herren Aktionäre, welche an der Generalversammlung teilzunehmen wünschen, werden hiemit eiugeladen, ihre Aktien samt Kupons oder die deren Stelle vertretenden Depotscheine der Anstalt spätestens bis 1. Februar d. I. als dem statutenmäßigen Endtermine zu deponieren. Je fünfundzwanzig Aktien geben das Recht auf eine Stimme. Mehrere Besitzer von weniger als fünfundzwanzig Aktien könne» aus ihrer Mitte einen gemeinschaftlichen Bevollmächtigten ernennen, der an der Generalversammlung teilnehmen kann, wenn die Zahl der von ihm vertreteuen Aktien wenigstens fünfundzwanzig beträgt. _ Vereins-Zahnarzt Dr. Max Weisz. Wien, II., Circusgasse 47. Ordination von 9—0. Telephon 18390 mSSässss