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Die Wahrheit · 1911-01-06 · Heft 1 (6.1.1911) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 1 (6.1.1911)
Date
1911-01-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 1. Die Wahrheit Seite 11. Mied-Oesterr. Gewerbevereines, I: Eichenbachgasse 11, ein außerordentlicher -Vortrag des Schriftstellers Herrn Jaqnes Ja eg er statt, der als Delegierter der Oest.-ung. Kvlonial-Gesellschaft mit Staatssubvention der k. k. Regiernng, von seiner Studienreise soeben zucückgekehrt ist. Thema: Land und .Leute in Südamerika (Brasilien, Uruguay. Ärgenlinien rc.) mit 120. teilweise kolorierten Skioptikonbildern. Damen und Gäste willkommen, Kinder .ausgeschlossen. . Wien. Sonntag den 8. Jänner, präzise */g 10 Uhr vormittags findet im Tempelgebäude, XIX. Dollmergasse 3, eine General-Beriammlnug des israelitischen Tempelvereines für den XIX. Bezirk statt. Tagesordnung: 1. Jahresbericht des Vorstandes über seine Tätigkeit im abgelanfenen Vereinsjahre. 2. Bericht über die Einnahmen und Ansgaben im abgelaufeneu Vereinsjahre. 3. Bericht der Revisoren. Beschlußfassung darüber und Erteilung des Absolutoriums. 4. Aendecung der Statuten. 5. Eventuelle 'Anträge der Vereinsmitglieder (§ 10 der Statuten). 6. Wahl des Vorstandes. 7. Wahl der Revisoren. Im Falle die für lj310 Uhr einberusene Generalversammlung nicht beschlußfähig sein sollte, wird um 10 Uhr vormittags an demselben Tage und an demselben Orte im Sinne des § 11 der Statuten eine neuerliche -Generalversammlung mit der gleichen Tagesordnung abgehalten. Vien. Allgemeiner Jüdischer Arbeiterverein °(Poale-Zion). Sep. Saal des Cafe Stefanie, II. Stefaniestraße 2, Samstag, -den 7. d. M. 8 Uhr abends G e n e r a l v e r s a m m l u n g. Die Mitglieder werden dringend ersucht, pünktlich zu erscheinen. Wien. Samstag, den 31. Dezember feierte Herr Jakob Schleifer, erster Kantor am Fünfhansec Temvel der israel. Kultusgemeinde, die 'Vollendung seiner 10-jährigen Wirksamkeit an der genannten Synagoge, aus ivelchen Anlässe dem allgemein beliebten Funktionär mannigfache -Ovationen und Ehrnngen bereitet wurden. Im- Tempel wurde I. Kantor Schleife r zur Thora gerufen und Kantor Hirsch trug einen zu diesem Zwecke verfaßten „Mischeberach“ vor. Nach dem Gottesdienste erschienen in der Wohnung der Bethansvocstand. Rabbiner Dr. G r u n w a l d, Redakteur Dr. Löwy. viele Mitglieder, Gönner und Freunde des Jubilars. Herr Rabbiner Dr. G r n n w a l d hielt bei dem improvisierten Festmahle eine überaus herzliche nnd ehrende Ansprache, an I. Kantor -Schleifer und der Bethausvvrstand überreichte unter schmeichelhaften Worten der Anerkennnng eine Ehrengabe. Am Abend fand sich unter Führung des I. Vizepräsidenten Oberkantor Bauer in Vertretung des durch Unwohlsein verhinderten Präsidenten kaiserl. Rat .S i n g e r, eine Vertretung der Wiener Kollegenschaft, bestehend aus den Herren Dünmann, Löwit, Serebrenik, Friedländer, Schlesinger, Basser. Rosenberger, Kühner, Weitzmann, Harndorf zur Gratulation ein. Oberkantor Bauer hielt eine gemütvolle Ansprache an den jubilierenden Kollegen, worauf ihm eine von .Kantor Kühner in reicher Kalligrafie ausgeführte Adresse überreicht wurde. Tief gerührt dankte I. Kantor Schleifer die ihn ausgezeichneten Ehrungen, worauf dann die ganze Gesellschaft einige Stunden gemütlichen Beisammenseins verbrachte. Wien. Samstag, den 7. d. M. wird im Verlauf des Morgeugottesdienstes im Leopoldstädter Tempel die goldene Hochzeit des Ehepaares Leopold und Rosa Hahn geb. Glaser, gefeiert werden. Das Ehepaar, das bereits seit 49 Jahren in Wien lebt — der goldene Hochzeiter ist 73 Jahre, seine Gattin 71 Jahre alt, beide in voller Rüstigkeit — wurde am 10. Jänner 1861 in Nikolsburg getraut. Der glücklichen Ehe entstammen acht Kinder, die alle in geachteten Stellungen find. Die Funktionen werden vom Rabbiner Dr. Feuchtwang und I. Kantor I n r b e r g e r versehen. Wien. (Jüdische Toynbee-Halle), Wien, XX., Othmargasse 46. Beginn der Borträge an Wochentagen 1/28 Uhr, am Samstagen, sowie an Sonnnnd Feiertagen um 7 Uhr abends. Anmeldungen von Vorträgen und Mitwirkungen bei Konzerten wolle man an den Obmann Dr. I. S ü m nely, Spenden für die Kinderjausen (Kleidungs- und Wäschestücke, Bücher, Spiele rc.) an den Obmann-Stellvertreter Karl F r e u n d erbeten. Vortrags-Programm für die Zeit vom 7. bis 13. Jänner 1911: Samstag, 7. Kammermusik. Trio Bettelheim. Sonntag, 8. „Das Münzwesen im Altertum", Eduard Jonas Schachtitz. Montag, 9. Thema Vorbehalten, Hofnnd Ger.-Adv. Dr. Carl L i f c i s. Dienstag, 10. „Geschichte der Juden in Oesterreich" (Zyklus), Dr. K. Kuvfer. Mittwoch, 11. „Ueber erste Hilfe" (Zyklus II), Dr. Max E i s e n st ä d t e r. Donnerstag, 12. „Ans. der Mappe eines Verteidigers", Hof- und Gerichts- Advokat Dr. Wolfg. Pollaczek. Freitag, 13. Bibelvortrag. Religionslehrer Josef Pick. Wie». Dienstag den 3. d. M. fand unter zahlreicher Beteiligung das Leichenbegängnis der Frau Cäcilie Beck, Gattin des Herrn Salamon Beck, langjährigen Vorstandsmitgliedes des Fugbachtempels, statt. Die kantyrale Funktion versah der Neffe der Verblichenen, Oberkantor Bauer, Irber Ersuchen der Familie. Rabbi Abeles widmete der frommen Frau einen sehr würdigen Nachruf . Wien. (Jüdisches Theater.) Regie M. Siegler, Hotel Stefanie, II., Taborstraße 12. Freitag, abend. 6. Jänner: „Der Jüdische König Lear" von I. Gordiu. Nachm, halb 4 Uhr: „Sulamith" von A. Goldfaden. Samstag, 7. Jänner: „Der Gemeinderat" von M. Richter. Sonntag. 8. Jänner: »Schabes, Kojdesch", Operette von S. Feinmann. Nachm, halb 4 Uhr : „Der zweite Hamau" von I. Latainer. Montag, 9. Jänner: „Jüdale der Blinde" von I. Latainer. Ab Dienstag, 10. Jänner, Täglich: „Die Schechite" von I. Gordin. In Vorbereitung: „Ben Jakojw" von I. Latainer. Prag. (Lehrer-Elend-) Diese Ueberschrift ist schon zu einer ständigen Einrichtung unserer Tagesblätter geworden. Jedermann der das Wort liest, weiß sofort, mn was es sich handelt und man findet es ganz selbstverständlich, daß die Lehrer fest zusammenhalten und alles daran setzen, ihre materielle Lage zu verbessern. Sagt man aber einem Juden, einem Khille-Mitglied, daß auch der jüdische Lehrer nicht auf Rosen gebettet ist, so wird man staunen, welche Aenßerungen man da zn hören bekommt. „Ich bitte Sie der' Mann hat dock rein gar nichts zu tun und dafür bekommt er doch genug gezahlt." Und doch! Wie ganz anders gestalten sich die Verhältnisse in ihrer rauhen Wirklichkeit, wie sie sich in den Gesucken an den „Jüdischen Schulverein" widerspiegelu. Der Mann, der nach Ansicht seiner Balbatim. so gar nichts zu tun hat, erteilt z. B. in einem Orte Religionsunterricht, der außerhalb der Grenze des Kronlandes, zu welchem seine Gemeinde gehört, liegt und selbstverständlich auch nicht zu dem Sprengel seiner Gemeinde gehört. Der Ort ist zn weit entfernt pyn jener Gemeinde, die eigentlich den Religionsunterricht zu besorge» hätte, die aber gleichzeitig nicht die Mittel hat, dieser ihrer Pflicht Genüge zu tun. Sechs jüdische Kinder müßten also ohne jeden Religionsunterricht bleiben, wenn eben der fremde Rabbi sich der Sache nicht angenommen und aus eigener Initiative die Erteilung des Unterrichtes nicht organisiert hätte. Auch die pekuniäre Frage hat er zn regeln verstanden, indem er bisher die ausgelaufenen Spesen unter seine Zöglinge so ausgestellt hat, daß deren Eltern sie, wenn auch mühsam, so doch anfbringen konnten. Trotzdem hat er jährlich, nebst seiner Mühe, die die Fahrt einerseits und der Unterricht anderseits mit sich bringt, auch noch ein ganz schönes Sümmchen Geld bei der Sache zngesetzt. Plötzlich trat aber eine große Veränderung in diesem kleinen Idyll ein. Die Kinder der wolhabendereu Leute haben die Schulen absolviert und was da blieb, waren zum größeren Teile so armer Leute Kinder, daß sie selbst den kleinen auf sie entfallenden Beitrag für den Religionsunterricht nicht anfbringen können. Die Not ist groß. Der Lehrer ist alles, nur kein reicher Mann. Was ist zn tun! Halt! Da liest er von dem Bestand des „Jüdischen Schnlvereines" und zagend wendet er sich an diesen nnd schildert das ganze Elend. Wie groß ist seine Freude, da ihm von Prag prompt Hilfe wird. Der „Jüdische Schulverein" zahlt für die ganz Armen das Schulgeld nnd der Religionsunterricht nimmt seinen ungestörten Fortgang. Durch solche Kleinarbeit schreitet der „Jüdische Schnlverein" langsam aber sicher seinem Ziele zu: die Regelung des jüdischen Unterrichtes in Böhmen zur Tat werden zu lassen. Wie viele große Organisationen haben dieses Ziel seit Jahren und Jahrzehnten im Auge? In einem Jahre seines Bestandes hat der „Jüdische Schulverein", wenn auch nicht viel, so doch unendlich mehr geleistet als bisher überhaupt geschehen ist. Er hat an Stelle des bisherigen Nichts ein Etwas gesetzt und hat Positives geleistet. Um auch weiter seine stille, aber zielbewnßte Tätigkeit entfalten zu können, braucht er in erster Reihe Geld und Geld nnd Geld. Beiträge sende man unter der Adresse: Jüdischer Schulverein in Prag. Freiberg. (C h a n n k a f e st.) Am 1. Jänuer veranstaltete der hiesige Franenverein für die Schuljugend eine Channkafeier verbunden mit einem Festgottesdienst. Um 3 Uhr nachmittags war der Tempel voll besetzt von einen distingujrten Publikum. Herr Kantor L ö w e n r o s e n mit seinem gut geschulten Chore fungierte in gewohnter meisterhafter Weise. Nach den Borträgen der Schuljugend hielt Herr Rabbiner Dr. S. Mandl eine schwungvolle Ansprache. Mit Absingung mehrerer Chorgesänge fand der feierliche Gottesdienst seinen Abschluß, worauf die Kinder von den Damen mit einer Jause und sehr hübschen Geschenken bedacht wurden. Die Stimmung im Tempel war eine derartige, daß sich das ganze Publikum in den Saal begab und sich bis spät in die Nacht gemütlich und in einträchtlicher Weise unterhielt. Szenicz. Am 1. Jänner hielt der hiesige „Maskil el dal-Bereiu" die Jahresversammlung ab. Bei dieser Gelegenheit nahm unser verehrter Herr Rabbiner Dr. M a r m o r st e i n Anlaß, dem in diesem Jahre verstorbenen Vorsteher Herrn Heinrich Schick einen warmen Nachruf zu widmen. Zum Zeichen der Ehrung erhoben sich die Anwesenden von ihren Sitzen und es wurde beschlossen, die Verdienste des Herrn Schick s. A. protokollarisch zn verewigen. Lemberg. (Ein mysteriöses Gerüch t.) Ein Geistlicher erstattete bei der Polizei Anzeige, daß eine jüngst im Jrrenhause verstorbene Frau ihm vor ihrem Tode berichtete, ihr Manic, der bei dem vor mehreren Monaten plötzlich auf der Straße verstorbenen zionistischen Reichsratsabgeordneten Dr. Gabel angestellt war, habe diesen vergiftet. Der Mann leugnet mit Hinweis auf die Unzurechnungsfähigkeit seiner Frau. Die Untersuchung wird fortgesetzt. Uugereigen. Herr Adolf Dukes, bisher Kantor in Dürnkrut, ist in gleicher Eigenschaft hier azeptiert worden. Meran. Das Kuratorium der Königswarterstistung in Meran hat für die durch den Tod des verdienstvollen Herrn Gustav R i e s. A. frei gewordene Stelle eines Kurators durch einstimmige Wahl Herrn Hermann P a ch, Mitinhaber der Firma Gebrüder P a ch des bekannten Cafs Central. Wien, Herreugasse. ernannt. Herr Herman P a ch, der durch feine wohltätige Gesinnung dem Vereine „Asyl für mittellose, kranke Israeliten" bereits seit Jahren schätzbare Dienste geleistet hat, ist nunmehr durch diese Wahl auch Borstandsmitglred des Meraner Genesungsheimes geworden. Das Kuratorium ist zn dieser Wahl zu beglückwünschen, da es in Herrn P a ch einen tatkräftigen Mitarbeiter für das so schwere und arbeitsreiche Ressort der Friedhofsverwaltnug gefunden hat. Vereins-Zahnarzt Dr. Max Weisz. Wien, II., Circusgasse 47. Ordination ron 9—0. Telephon 18‘d99.

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