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Die Wahrheit · 1911-01-06 · Heft 1 (6.1.1911) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1911
Issue
Heft 1 (6.1.1911)
Date
1911-01-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Die Wahrheit Nr. 1. die Regeneration unseres Volkes. Wir wären, um ein Wort Heines zu gebrauchen. Künstler im Geiste Moses, dessen Künstlergeist, wie der Dichter des Buches der Lieder sagt, wie bei seinen ägyptischen Landsleuten, mir ans das Kolossale und Unverwüstliche gerichtet war. Aber nicht wie dieser Aegypter formte er seine Kunstwerke aus Backsteinen und Granit, sondern er baute Menschenpyramideu, er meißelteMenschenobelisken, er nahm einen armen Hirtenstamm und schuf daraus ein Volk, das eben falls Jahrtausenden trotzen sollte, ein großes, ewiges, heiliges Volk, ein Volk' Gottes,, das allen anderen Völkern als Muster, ja der ganzen Menschheit als Prototyp dienen könnte! ErschufJsrael. Seien wir würdige Schüler unseres großen Lehres Moses! Ehren wir sein Gedächtnis, indem wir sein Werk, uns selbst erhalten, schaffen wir Bausteine herbei, nm die etwas morsch gewordene Menschenpyramide zu restaurieren — für weitere Jahrtausende. Jakob Robinsohn. Ans der Woche. Vom vorbereitenden Komitee für den jüdischen Emigrations-Kongreß erhalten wir folgende Mitteilungen: Am 17. v. M. fand im Sitzungssaale der B'nai B'rith eine zahlreich besuchte Sitzung des hier zur Verbreitung des Emigrutionskongresses in Wien bestehenden Komitees unter dem Vorsitze des Obmannes des Vizepräsidenten der Wiener israelitischen Kultnsgemeinde Herrn Dr. Gustav K v h n statt. In derselben erstattete Herr Dr. Gustav Kohn einen ausführlichen Bericht über die bisherige Tätigkeit des Komitees; er konnte mit Befriedigung darauf Hinweisen, daß die Idee der Abhaltung eines Emigratiouskongresses die Zustimmung der weitesten Kreise in allen in Betracht kommenden Ländern gesunden hat. Er bemerkte, daß die zahlreichen Sympathiekundgebungen und wertvollen Anregungen, die von vielen in den Emigrationssragen kompetenten Persönlichkeiten und Organisationen ihm zngekommen sind, gewiß zur Aufmunterung dienen müssen, die in so vielen Belangen schwierigen Borbereitungsarbeiten sortzusetzen und daß dieselben hoffen lassen, daß diese Arbeiten auch mit sehr günstigem Erfolg zu Ende geführt werden. Hieraus erstattete der Schriftführer Herr M. Schmidt das Referat über den Stand der Aktion, indem er zuvor die zahlreichen Korrespondenzen und Zuschriften aus- Amerika. Deutschland, Frankreich, England, Holland, Rußland. Türket, Schweiz usw. verlas. An der Hand dieser Zuschriften entwarf derselbe ein Bild des heutigen Standes der Emigrationsbewegntlg im allgemeinen, sowie des Interesses, welches die Idee der Einberufung eines Kongresses zur Beratung sämtlicher jüdischer Emigratiousangelegenheiten überall gefunden hat. Bon besonderer Wichtigkeit waren die Zuschriften russischer und englischer Finanzfachleute und Bankinstitute, die sich mit der Notwendigkeit der Schaffung eines Finanzinstitutes in Form einer Emigrationsbank befassen und die Förderung eines solchen Unternehmens zusichern. Nach eingehender Debatte wurde folgender Antrag einhellig angenommen: „Nach Anhörung der Ausführungen des Präsidenten Dr. Gustav Kohn und des vom Schriftführer M. Schmidt erstatteten Berichtes über die Vorbereitungen zu dem in Wien einzuberufenden Einigratiouskongresse bestimmt das Komitee, bezugnehmend ans den im September gefaßten Beschluß, den Kongreß in der ersten Hälfte des Jahres 1911 einznberufen, die Vorarbeiten zu demselben fortzusetzen und seine besondere Aufmerksamkeit der Schaffung netter Jmmigrationsmöglichkeiten für die jüdischen Altswanderer, der detaillierten Ausarbeitung des Emigrations-Bankprojektes und der Verhandlungen mit den in Betracht kommenden Finanzkreisen zuzuwenden. Das Komitee billigt die in den Kongreßangelegenheiten vom Präsidenten Dr. Gustav Kohn unternommenen Schritte, drückt ihm sein volles Vertrauen und seinen Dank aus und wünscht die Arbeit im Aufträge des Komitees fortzusetzen und zu finalisieren." Es wird demgemäß die Fortsetzung der Arbeiten und die Einberufung des Komitees in einigen Wochen zur weiteren Besprechung beschlossen. Ungefähr 10.000 jüdische Schanker in Galizien haben gegen die Abweisung ihrer Gesuche ans Erteilung einer Schankkonzession bei der. Statthalterei. Rekurse eingebracht. Nun wird verlautbart, daß die Statthalterei kaum 800 Rekurse günstig erledigt hat. Die Verzmeistnng der neunlansend armen jüdischen Schänkersamilien ist die denkbar größte, da sie ans die Einbringung eines Rekurses bei der Slatthalterei ihre letzte Hoffnullg gesetzt hatten. 9000 vernichtete jüdische Existenzen! Und schon ist im ungarischen Abgeordnetenhanse eine Interpellation eiugebracht worden, was die Regierung gegen die drohende Invasion der brotlosen jüdischen Schänkersamilien aus Galizien zu tun gedenke. * * * Wir haben in letzter Zeit schon wiederholt und auch in . der vorwöchentlichen Nummer darauf hingewiesen, daß auch in Ungarn Willkür und Grausamkeit unter dem Schein der.Gesetzlichkeit gegen die Inden herrscht. Nene empörende Beispiele solcher Behandlung werden in der „Neuen Jüdischen Korrespondenz" znsammengestellt. Es heißt darin: Seit einigen Jahren refreuen auch wir im „liberalen" und „gastfreundlichen" Ungarn uns eines strengen Einwanderungsgesetzes itnd der segensreichen Institution einer Grenzpolizei, die mit Argusaugen darüber wacht, daß kein lebender galizischer Jude sich länger als ein paar Tage in Ungarn anfhalte. Das wäre aber noch nicht das Schlimmste. Seit den glorreichen Tagen der Koalitionsregierung erläßt die Grenzpolizei in den nordöstlichen, an Galizien grenzen den Komitaten immer häufiger Ausweisungsbefehle gegen völlig unbescholtene jüdische Familien, die schon jahrzehntelang im Lande wohnen und hier zum Teil Grundbesitz erworben haben oder Inhaber größerer Handelsfirmen sind — ganz nach russischem Muster. Wie 'wenig der Regierungswechsel an diesem judenfeindlichen Treiben geändert hat, beweisen die fortgesetzten Beschwerdern und Wehklagen ansgewiesener Inden ans den Komitaten Mä-ramaros, Ung. Zemplsn usw., die in die Oeffentlichkeit dringen und selbst in nicht gerade judenfreundlichen Kreisen Entrüstung gegen das unmenschliche Vorgehen der Grenzpolizei Hervorrufen. So wird ans dem Grenzstädtchen Sztropkö gemeldet, daß dort in den letzten Wochen zahlreiche angesehene jüdische Bürger, die den Nachweis ihrer ungarischen Staatsbürgerschaft nicht erbringen konnten, kurzerhand allsgewiesen worden sind. Und all dies geschieht unter dem allsgesprochenen „liberalen" Regime des Ministeriums Khnen Hedervary. Am 20. Dezember hat das sächsische Ministerium des Innern eine neue Verordnung über das Schlachten erlassen und zugleich damit die Verordnung, das Betäuben der Schlachttiere betreffend, vom 21. März 1892, aufgehoben. In der Begründung hierzll schreibt das amtliche Dresdener Journal: „Das Ministerillm des Innern erläßt eine neue Verordnung über das Schlachten, welche die Verordnnug vom 21. März 1892, das Betäuben der Schlachttiere betreffend, die sich in einigen Punkten verbesserungsbedürftig gezeigt hatte, aufhebt lind das Schlachten nach jüdischem Ritus, das jogenannte Schächten, das sonst nirgend in Deutschland laudesrechtlich verboten ist, auch , für das Königreich Sachsen wieder zuläßt. In Sachsen war seinerzeit die Meinung dem Schächten vornehmlich deshalb wenig günstig, weil das Niederlegen der Schächttiere, das dem Schächtschnitt vorangeht, so, wie man es damals ausznführen verstand, mit Qualen für die Tiere verbunden schien. Konnten doch bei den früher angewandten Methoden selbst Hörner- und Beinbrüche der Tiere während ihres Niederlegens nicht mit Sicherheit vermieden werden. Inzwischen sind nun neue Methoden für das Niederlegen gefmtbeu worden, die volle Gewähr gegen Verletzungen und schwerere Beängstigungen der Schächttiere bieten. Schon lange hatten auch Männer der Wissenschaft und Praxis in großer Zahl mit Entschiedenheit die Ansicht vertreten, daß sich sachgemäßes Schächten frei von jeder Tierquälerei halte, und noch in letzter Zeit sind von bernfener Seite Gutachten des gleichen Inhalts abgegeben worden. Der grundsätzliche Ausschluß des Schlichtens, womit Sachsen, wie schon bemerkt worden ist, in Deutschland allein stand, ließ sich

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