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Die Wahrheit · 1910-12-23 · Heft 50 (23.12.1910) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 50 (23.12.1910)
Date
1910-12-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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aßrfjeil Aedakiion und 3tbiniiiffivmion :: Wien. II,, vJitiunrai]nije 21 Televbo»: Aedaktion 5107/V1IL. Anakhängige Aeitschnft für jüöische r " ' ■ ■■ j; Nerngspreis: ji ^»uzjadi ig.Iv 14. — l! Halvjäbrig. 1» 1 — Administralion 4938 11. jt K.!. öfterr. aiofijpnrfafia. SfljfcWtouto Ar. 100.91b. Interessen. ij ji Mu tt’nltiirt'i’umtf: jj tMiiiijiribvirt. K io. - ij Jiilcrate: Die viermal geivattene Aonvnreille-Zeile 25 Heller. Erscheint jeden Ireitag. , ftiic Au-laud: Slbo»iie,»enltz- «iid Iiiierlions «Hiiiijinüiiii - . . . « ’JWarf berräge find in Wien zahlvar und klagbar. Motto: ,.Das Siegel (-»olles isl Wahrheit!“ | t> Dliibfl aber IN ftrc». L _:_ Ar. 50 Wie». 23 Dezember 11HO Inhalt: Aus der Woche. — Die Einberufung der ungarisch-israelitischen Landesversannnlung. — Die Lage der russischen Juden. — Aus der Wiener Kullusgeineinde. — Die Siedlungsgenossenschaft in Galiläa. — Verschiedene Nachrichten. — Aus dem Desterr.-ungar. Aantoren-Verein. — Heinrich <£. Eisenschimmel. — Austritte aus dem Judentum. Ans der Ueber die stetig sich mehrenden Zurückweisungen armer E m i g r a u l e n durch die amerikanischen E i n w a n d e r u n g s b e h ö r d e n wird uns vom Bureau der „Israelitischen Allianz zu Wien" zum Zwecke der Information weiterer Kreise folgendes mitgeteilt: Unter den Tag für Tag sich an die Allianz um Hilfe, dez. Zuschuß zu den Kosten der Auswanderung nach überseeischen Ländern sich wendenden russischen und rumänischen Glaubensgenossen kommen häufig Einzelpersonen und ganze Familien vor. welche selbst, wenn sie den größten Teil der Mittel bereits besitzen, vor der Reise nach den Vereinigten Staaten oder Kanada dringend gewarnt werden, da sie nach den bestehenden sehr st r e n g e n und i m m er st r e n g e r werdenden Vorschriften nicht zngelassen werden würden. Die Emigranten oder deren Fürsprecher hallen häufig die Ablehnung ihres Gesuches für eine Härte seitens der Allianz, lassen sich nicht überzeugen und drängen solange, bis nachgegeben wird und die betreffende Person oder Familie endlich doch nach Amerika befördert wird. Leider harrt dann die furchtbarste Enttäuschung dieser Unglücklichen; sie werden, wie vorauszusehen war, von New-Jork bei der Landung unbarmherzig zurückgewiesen und es sind in solchen Fällen nicht nur die beträchtlichen Kosten der Uebersahrt verloren, welche sich in der Regel ans den letzten Ersparnissen der Emigranten selbst, ans Beiträgen verschiedener Wohltäter und dem Zuschuß der Allianz znsammensetzen, sondern die bedauernswerten Heimgeiandteu kommen nach unsäglichen Strapazen ganz gebrochen und in eitlem noch unglücklicheren Zilstande nach Wien zurück, als sie sich bei der Abreise befunden haben. Einer der jüngsten Fälle ist folgender: Eine Familie G., bestehend aus Frau G. und deren 2 Kinder, die sich in Wien länger als zwei Jahre anfgehalten hatte und hier von Unterstützungen verschiedener humanitärer Institutionen und privater Wohltäter lebte, wurde im Oktober d. I. von der Allianz nach New-Iork expediert. Die Uebersahrtskosten betrugen zirka 370 Kronen; außerdem wurde der Frau ein Barbetrag von 125 Kronen mitgegeben. den sie bei der Landung vorweisen sollte. Die Allianz gab in diesem Falle einen Beitrag von zirka 150 Kronen, während der Rest durch eine von einem Privatwohltäter eingeleitete Sammlung unter Inanspruchnahme anderer Wiener jüdischer Organisationen aufgebracht wurde. Die Frau wurde im Bureau der Allianz wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß sie nicht mit Sicherheit aus ihre Zulassung zur Landung in New-Iork rechnen dürfe. Da sie aber dort eine Schwester hat. die in guten Verhültmssen lebt und sich zit ihrer Uebernahme bereit erklärte, ließ sie sich von ihrem Plane nicht abbringen und reiste Ende Oktober von Wien ab. In Castle Garden wurde sie nun ungeachtet der eifrigsten Bemühungen ihrer Schwester znrnckgestoßen. Die amerikanischen Einwanderungsbehörden erklärten, eine Frau mit zwei erwerbsunfähigen Kindern, die nicht vom Manne übernommen wird, könne nach den bestehetiden Gesetzen zur Landung nicht zugelassen werden. Frau G. mußte die Rückreise nach Europa antreten und befindet sich mm mit ihren Kindern wieder in Wien. Ihre Lage ist viel schlechter als vor ihrer Abreise, da sie hier ihren bescheidenen Hausstand ansiöste und nun vollkommen mittellos und ratlos ist. In zahlreichen anderen Fällen, wo es sich um einzelne, scheinbar arbeitsfähige Personen handelt, welche in Nem-Ior! oder in anderen großen amerikantschen Städten „Freunde" haben, vertrauen die Emigranten daraus, daß sie von ihren Freunden oder von Verwandten abgeholt und keine Schwierigkeiten finden werden. Es zeigt sich aber wiederholt, daß auch solche Personen, sei es daß sie den Einwandernngsbehörden als schwächlich oder sonst nicht vollkommen arbeitsfähig erscheinen, sei es daß sie die zur Vorweisung erforderliche Barsumme von 25 Dollars nicht besitzen, unnachsichtlich an der Landung gehindert werden rind zur Rückreise nach Europa verhalten werden. So wurde erst im Sommer d. I. ein Mann namens B., der von der Allianz unter Bewilligung eines größeren Zuschusses nach New- Aork geschickt wurde, wo ihn sein Bruder, ein dort seit mehreren Jahrzehnten ansässiger Gewerbetreibender, abholen wollte, obwohl er sich mit dem Besitze einer größeren Geldsumme ausweisen konnte, als ..schwächlich" zurückgestoßen. Aus dem Gesagten ergibt sich, daß man unbemittelte Personen nicht eindringlich genug vor der Auswanderung nach den großen nordamerikanischen Städten warnen kann. Es empfiehlt sich im allgemeinen für Personen, die answandern wollen, daß sie vor Antritt ihrer Reise sich genan bei dem bestehenden Emigrantenschntzkomttee iniormieren. Mit Ende dieses Jahres läuft die Uebergangszeit ab, während welcher die galizischen Rabbiner den Nachweis des vorgeschriebenen Bildungsgrades (Matura in einer Mittelschule) zn erbringen hätten. Infolge Intervention des Rabbi von Belz hat der galizische Statthalter dem Unterrichtsminister Vorschläge für die neuen Verordnungen unterbreitet, laut welchen die Rabbiner vor. einer eigenen Prüfungskommission

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