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Die Wahrheit · 1910-12-09 · Heft 48 (9.12.1910) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 48 (9.12.1910)
Date
1910-12-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seile 10. Die Wabrheit. Nr. 48 unterbrochenen Ausführungen mit dem Hinweis auf die weiteren j nun zu erstrebenden Ziele und teilte mit, daß an den in Czeri novitz weilenden Herrn Universitäts-Professor Dr. Leon Kellner ein herzliches Glückwunsch- und Begrüßungstelegramm abgegangeu sei. Hofrat Rappapvrt brachte in warmen Worten dem Vereine die Glückwünsche und die Sympathie des Kultns-Vorftandes zum Ausdrucke. Herr Her m miit Berline r sprach namens des ersten Vereinsvorstaudes, dem er angehört hatte und Schriftsteller Adolf Gelber schilderte in schwungvoller Rede im Namen der Vortragenden, wie diese in ihrer Betätigung! die Erfüllung einer sozialen Pflicht erblicken. — Herr Pallenberg, der seit der Begründung zu den täglichett Besuchern der Halle zählt, brachte in rührenden Worten den Dank der Hörerschaft zum Ausdrucke und ihm schloß sich ein Vertreter der Jngettd mit gleicher Ausführung an. Als letzter Redner sprach Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang namens der Amtskollegen, die gleich ihm nach besten Kräften dieses heilige Werk der Nächstenliebe gerne fördern. Den Abend beschloß ein glanzvolles Konzert, eingeleitet von der Pianistin Selma Libowitz, die auch diesmal wieder durch ihre virtuosen Leistungen entzückte. Der herrliche Alt der Konzertsängerin Frau Raja B a rb er-W a ld b e r g kam in Arien und Liedern zu schönster Geltung und Benno Wünsch erweckte durch den trefflichen Vortrag heiterer Piecen stürmischen Beifall. Damit war der Festabend zu Ende. — Gleichsam als Nachfeier für die Kleinen fand Sonntag nachmittags eine der vom Obmann-Stellvertreter Karl Freund mit Unterstützung der Damen: Kornfeld, Freund und Knöpfmacher veranstalteten Kinderjausen statt, bei welcher 300 arme Schützlinge bewirtet, durch Spiel und Gesang erfreut und schließlich mit Schulreqnisiten, warmer Wäsche und teils auch mit Kleidern beschenkt wurden. Das ßeben nnd Wirke« der Juden i« Oesterreich in normirrzlichen Zeiten. Ein Beitrag zur Kultur- und Sittengeschichte. Von Dr. M. H. Friedländer. (Schluß.) Im einzelnen haben klimatische Abänderungen, neue Lebensgewohnheiten. vorgeschrittene Kenntnis und hochentwickelte Kultur geringe Abweichungen zugelassen; im ganzen ist des großen Gesetzgebers Gesundheitsgesetz wahr und bestehend geblieben, und wir bewundern, wie schon Peter Frank sagt, diese auf dem biologischen und physiologischen Wesen der organischen Welt aufgebaute Gesetzgebung. Jahrtausende sind seither an der Menschheit vorübergegangen, zerstreut nnd vernichtet ist die Mehrzahl der Völker, die das Gesetz nicht verstanden haben; erhalten blieben diejenigen, die des Gesetzes fundamentale Wahrheit erkennend, dasselbe in seinen Grundzügen ausgenommen und zur Grundlage ihres Daseins gemacht haben. Gesundheitspflege im großen, erhabenen Styl des gewaltigen Gesetzgebers, Ethik und Kultur decken sich zumeist, sie sind die Erhalter des Menschengeschlechtes, Mäßigkeit und Reinheit im physischen Leben und Ethik und Moral sind die Ausflüsse desselben Intellekts, des Verständnisses der gesamten menschlichen Naturanlage. Wenn wir mit diesem Bewußtsein des Gesetzgebers Vorschriften lesen, so verstehen wir auch die Worte Deuteronomiums 32, 46, 47: Richtet euer Herz auf all die Worte, durch die ich heute Zeugnis ablege gegen euch, daß ihr auftraget eueren Kindern zu beobachten, auszuüben, all die Worte dieser Lehre, denn es ist kein leeres Wort, sondern es ist für euerLeben und durch diese Lache werdet ihr lange leben auf dem Erdboden" u. s. w. Aus diesen hier angeführten Aeußerungen hervorragender medizinischer Autoritäten ist klar und deutlich zu ersehen, daß nicht nur die ethischen, sondern auch die religiösen Satzungen und Vorschriften der Thora, die in unserer Zeit von viele» Stammesgenossen als veraltet und unbrauchbar betrachtet werden, ewige Wahrheiten enthalten, die kein Fortschritt auf dem Gebiete der Wissenschaft zu erschüttern vermag, daß die schönen,, herrlichen Gesetze der Bibel allein geeignet sind, das geistige' und körperliche Heil nnd Wohl der Menschen aller Zeiten nach jeder Richtung hin zu fördern, uschemartem es Chukausai wees misclipotai ascher jaaseli ausomhoodom wocliai b oh ein. (III. M. 18, 5). Ja, „die Thora, die Moses uns gebot, ist ein ewiges Erbgut der Gemeinde Jakob. Dieses Erbgnt zu erhalten, haben unsere Ahnen stets als ihre erste und heiligste Pflicht erachtet. Unter allen Umständen Hab en sie für die Verbreitung der Kenntnis der Thora, die auch 0s „Sieg"' genannt wird, für die Erhaltung der Schule bereitwilligst die größten Opfer gebracht, denn sie waren von der Ueberzengnng durchdrungen, daß die Thora allein es sei, die ihnen Kraft und Mnt verliehen, den Stürmen der Zeiten zu trotzen. Draußen wurden sie jahrhundertelang durch Pharaonische Ansnahmsgesetze tief zu Boden gedrückt, echte ägyptische Finsternis war überall' fühlbar, die finstere Nacht des grausamen Mittelalters schien gar nicht enden zu wollen, sie wurde nur daun erhellt, wenn Scheiterhaufen augezüudet und sogenannte Ketzer, angeblich zur Ehre Gottes verbrannt wurden, dessen ungeachtet haben fie das Licht der Thora, das Licht der Religion, der. Wissenschaft, das Feuer der religiösen Begeisterung nicht erlöschen lassen. Ulechol bene Jisroel kojo or. Alle Israeliten, im Oste», wie im Westen, im Süden wie im Norden, halten das Licht der Religion, der Kultur und Bildung, der Humanität nnd der Menschenliebe zu erhalten gesucht, und zwar bemauschwosonr iit ihren von der Außenwelt hermetisch abgeschlossenen Wohnungen. Soll das Judentum fortbestehen, sollen die Bekenner desselben mit den Waffen des Geistes zu kämpfen*) die boshaften Vorwürfe und hämischen Behauptungen ihrer Feinde zu widerlegen imstande sein, so müsse,! die Gemeinden vor allem die größten Opfer bringen, um Lehrhäuser zu gründen, in welchen die Jugend sowohl als die Erwachsenen mit den Grundlehren der Thora vertraut gemacht, für den reinen, geläuterten Gottesglauben erwärmt und begeistert werden. Wenn die verschiedenen Nationen und Konfessionen in unseren Landen ihre Schulvereine haben, damit die Jugend nicht eutuatioualisiert werde, warum sollen wir Juden nicht unsere Talmud Thora, jüdischen Schulvereine, die sich jahrtausendelang der schönsten Blüte erfreuten, zu erhalten suchen? Allerdings sind in meiner Zeit zahlreiche jüdische Vereine ins Leben gerufen worden, um das Judentum: erhalten zu können, allein vor lauter Vereinen — die sich oft gegenseitig bekämpfen — sieht man keine „Vereinigung." Ein großer jüdischer Schnlverein zur Erhaltung konfessioneller Schulen würde dem Judentum mehr nützen, als alle nationalen Vereine.. Talmud Thora keneged kullom: „Die Schule, die Pflanzstätte der künftigen Generation, überragt alle anderen Anstalten', und Institutionen," denn nur der jüdischen Schule hat das Judentum seine unverwüstliche Lebenskraft zu verdanken. „Die Thora ist ein Baum des Lebens,- denen, die sie erhalten." Mit Recht rief daher der gottbegnadete Prophet Jesaias Israel zu: „Wecliol bonajich limude Adonai, sind alle deine Kinder in der Lehre Gottes wohl unterrichtet, werav Schelom bonajich,. dann werden sie glücklich und zufrieden leben und selbst den Gegnern die Achtung abgewinnen. Verschiedene Nachrichten. Wien. Freitag, den 9. Dezember 1910 abends, Predigt.im Stadttempel. Wien. (O e st e r r e i ch i s ch - I s r a e t i t i s ch e Utt io n.) Dienstag, den 13. Dezember d. I., präzise 1/ß Uhr abends, wird Herr Reichsratsabgkordneter Prof. Dr. Arthur M a h l e r im Festsaale des Niederösterreichischen Gewerbevereines, I. Eschenbachgasse 2, das aktuelle *) Lau beckajil welau bekauack ki im beruchi. „Nicht durch Kraft nnd nicht durch Macht, nicht durch Roheit nnd nicht durch Gewalttätigkeit siegt Israel, sondern nur durch den Geist Gottes, durch den Geist der Religiosität, der Liebe, der Versöhnlichkeit, der Menschenfreundlichkeit nnd der echten Humanität, spricht der Herr Zebaoth." (Zacharias 2.)

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