Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 42 (28.10.1910)
- Date
- 1910-10-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wahrheit Seite 7. Nr. 42. Und am Abend wie die Matter sich ans Klavier setzt nud Das Lied singt, das Vater von allen Liedern am liebsten hört, .zeigt es sich, daß die Worte ein Jude gedichtet und ein anderer Jude die Melodie komponiert hat. Mein kleiner Junge ist heiß und rot. als er an diesem Abend entschläft. Unruhig wirst ersieh im Bett herum und spricht uns dem Schlaf. „Er hat wohl etwas Fieber." fragt seine Mutter. Und ich beuge mich herab, küsse seine Stirne und antworte -beruhigt: „Es ist nicht so schlimm. Ich habe ihn nur heute mumm gemacht gegen die schimpflichste aller schimpflichen Seuchen des Pöbels." __ Das Kelrea and Wirken der Inden in Oesterreich in vormiirxlichen Zeilen. ^Von Dr. M H. Friedläirder.IH (Fortsetzung^ „Du irrst gewaltig." entgegnere Bileam „wenn du der Ansicht Raum geven zu müssen glaubst, daß die Inden engherzig, unduldsam, fanatisch und abergläubisch seien und daher heillose" Schaden im Kreise der menschlichen Gesellschaft anrichten. Li.. liibbic owen lejakow. Man schaut kein Unglück in Jakob tlno man sieht kein Elend in Israel; der Ewige sein Gott ist mit ihm. hält königliche Residenz bei ihm. Ein Volk, das sich für jene Thora, die jede Engherzigkeit und Intoleranz, jeden Aberglauben und Fanatismus auf das entschiedenste verpönt und nur Nächstenliebe. Menschenfreundlichkeit, Menschenverbrüdernng und Menschenbeglücknng lehrt und predigt, kann unmöglich fanatisch, abergläubisch und engherzig sein. So lange dse Kenntnis der Thora ans Israel nicht schwindet, wird es daselbst keine Fanatiker, Zauberer und Ahndnngskünstler geben. £i lau nackascli bejakow welau kesem bejisroel, denn es gibt keine Zauberei in Jakob und keine Wahrsagerei in Israel — koes jeoinar lejakow ulejisroel mak poal el — so lange man in Jakob und Israel weiß, was Gott gesprochen, gelehrt, geboten und gewirkt." „Wenn du das Volk nicht verwünschen willst", entgeguete Balak erbittert, so segne es doch nicht. Komme mit mir an einen andern Ott, wo ich dir Fehler imb Schwächen dieses Volkes zeigen werde, und du wirst die Ueberzengnng gewinnen, daß das von dir so sehr verherrlichte Israel ein sittlich und moralisch verkommenes Vokk sei." Als aber Bileam seine Angen geöffnet und sah Israel gelagert nach seinen S t ä mmen, da kam ein göttlicher Geist über ihn. Mit wahrer Begeisterung rief er ans: ..Wie schön sind deine Zelte, Jakob, deine Wohnungen Israel! Welche Liebe, welche Treue, welche .Zärtlichkeit, welche Hingebung und Aufopferung herrscht in diesen Hütten und Wohnungen! Gerade das sittliche reine .Familienleben bildete Israels Palladium zu allen Zeiten." Nun geriet Balak jetzt erst recht in Zorn, schlug vor Aufregung die Hände zusammen und sprach: „Meine Feinde .zu verwünschen, habe ich dich kommen lassen, und siehe, du hast sie schon dreimal gesegnet. Nun eile und kehre in deine Heimat zurück, ich mag von dir nichts mehr wissen." Der schlaue Bileam aber gab ihm, ehe er ihn verließ, einen Wink, den er, Balak nämlich, zu würdigen verstand. „Wenn es dir ernstlich darum zu tun ist, dieses Volk zu vernichten, so mußt du andere Mittel anwenden und andere Wege einschlagen. Durch Gewalt und Roheit, durch Verfolgungen und Bedrückungen kommt man diesem Volke nicht bei. Je mehr man es quält und bedrückt, desto glaubensstarker wird es. Kaascker jaue avsauken jirbeh. — Hingegen läßt sich kein Volk auf Erden durch süße heuchlerische und gleißnerische Redensarten, durch Scheinliberalismns so leicht täuschen, berücken und bestricken, verleiten und verführen als Israel, j -Jozecko. Ich will dir einen Rat gehen — ascher jasch es hoom käse leamcko — der dieses Volk zlt deinem Volke im Laufe der Zeit machen wird, so daß Israel endlich doch spurlos ans der Geschichte schwinden wird. Versuche es, dich Mit diesem Volke zu befreunden, lade die jungen Söhne Israels zu deinen Festgelagen ein, und du wirst sehen, mit welcher Freude die edlen Jünglinge Judas deiner Einladung Folge leisten, wie sie um die Gunst der moabitischen Töchter sklavenmäßig buhlen und ihnen zuliebe sich assimilieren, ihre Herkunft und Abstammung, ihren Glauben und ihre Traditionen, ihre Sitten und Bräuche verleugnen, den heidnischen Göttern huldigen und heidnische Bräuche und Formen sich aneignen werden." Sodann machte sich Bileam auf, und kehrte limkaumau nach seinem Orte zurück, aber auch Balak schlug den von Bileam ihm vorgezeichneten Weg ein, wegam Bolok kolock le dar kau, und die Folge war: Wajesckew Jisroel besckitim, als Israel in Schitim verweilte, sing das Volk an. um die Liebe der Töchter Moabs zu buhlen und sich zu assimilieren. (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. Freirag. den 28. Oktober, abends, Predigt im Stadtrempel. Wien. Bon der k. k. mederösterreichischen Itanyalterei ist folgende Zuschrift an das Präsidium der israel. Kulrusgemeiude gelangt: Zeine k. und k. Apostolische Majestät haben bte von den österreichischen israel. Knlrnsgeineinden aus Anlaß des Allerhöchsten achtzigsten Gebnrcssenes Allernnrerränigst nnrerbrelrete Glückwunschadresse mit besonderem Beisalle bnldvollst encgegenznneymen und die Bekanntgabe des Allerhöchsten Dankes an die Einsender Allergnadigst anzuordnen geruht. Hievon setze ich das geehrte Präsidium über Erlaß des k. k. Ministeriums für Kultus und llncerricht vom 5. Oktober 1910. Z. 2853/k. U. M. zur eigenen Wissenschaft und mit der Einladung in Kenntnis, die übrigen Beteiligten in geeigneter Weise zu verständigen. Für den k. k. Itarrhalter: Tils m. p. Wien. (Israel. Spita l). Donnerstag, den 21. d. M.. 10 Uhr vormittags, fand im Spital der Wiener israel. Kulrusgemeiude (Rothschildspiral) die Aiiltseiiisührnng des an Stelle des verstorbenen Hofrares Professor Dr. O s e r nenernannren Direktors Dr. Karl F 1 e i s ch m a n n. Primarius an der gynäkologischen Abteilung der Anstalt, statt. In der Direkcionskanzlei harren sich aus diesem Anlässe eingesuuden: Der Präsident der Kntcnsgeineinde Dr. Alfred Ster n, II. Vizepräsident Hosrat Dr. R a v p a p o r t, der Obmann der Spicalskommission Wilhelm Kussner. die Vertreter Salo Cohn, Max F rank und Professor Dr. P o l l a k, die Kultnsvorsteher Professor Dr. Ehrmann und Emanuel H o s fm a n N, I. Sekretär kais. Rar Dr. Lieben. Herr Richard Betrelheim in Vertretung des Baron Roths ch i l d. Professor Dr. Otto Z u ck e r k a u d l und Professor Dr. Klein. Abteilnngsvorstand Dozent Dr. Katz, Primarius Dr. Jnseld, sämtliche Assistenten und Sekundarärzte des Spitales, die Präsidentin des Damenkomitees Frau Jda Diamant. Spitalsverwalrer Dr. K o r a n y i. Redakteur Dr. M. L ö w y, zahlreiche Aerzte rc. Präsident Dr. Stern hielt eine Ansprache, in welcher er ans die großen Verdienste des srüberen Direktors Hofrat Professor Dr. O s e r hinwies, der im Vereine mit ansgezeichneten und tüchtigen Mitarbeitern dem Spirale einen Weltruf verschaffte, und dann übergab er die Anstalt der Obhut des neuen Direktors. Direktor Dr. F l e i s ch m a u u dankte dem Kultusvorstande für das Vertrauen, das ihm durch Übertragung des bedeutungsvollen und veranrworrungsreichen Amtes zuteil wurde, und versicherte, all sein Streben und Können einzusetzen, um das Spiral im Sinne und Geiste seines unvergeßlichen Vorgängers zu leiten und auf seiner bisherigen Höhe zu erhalten. Seine Devise werde sein: Suprema lex salus aegrorum. Nach Vorstellung der Aerzre uild Funktionäre fand unter Führung des neuen Direktors ein Rundgang durch das Spital statt. Wien. Mit Bewilligung des k. n. k. Korpskommandos in Wien fand wie alljährlich, so auch heuer während der hohen Festtage in der Nossaner-Kaierne für die Mannschaft jüdischen Glaubens, „bereits zum sünsundzwanzigstenrnals unter Leitung des Qber-Ossiziales der israelitischen Knltusgemeinde Herrn Jakob S t e i n." ein feierlicher von den Funktionären Herrn H e y m a n n, Reich und Mayer-B r n ltiiet in würdiger Weise abgehalteuer Gottesdienst statt, dessen Weihe durch eine am Bersöhnungstage gehaltene Predigt des Herrn Feld-Rabbiners Dr. Armin A b e l e s noch erhöht wurde. Es wurden an beiden Neujahrstagen, wie auch nach Schluß des Versöhnungstages nahezu 500 Manu seitens des Vorstandes der hiesigen israelitischen Knlrusgemeinde verköstigt. Wie». Im Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinuen- Heim gelangt die Stelle einer Verwalterin zur sofortigen Neubesetzung. Bewerberinnen wollen ihre mit den bisherigen Verwendunqsausweisen belegten Gesuche an das Präsidium des Vereines, Wien, II. Leopoldsgasie Nr. 15 (Malzgaffe 7) richten. Wien. Eine Theater-Festvorstellunq zugunsten des Baufondes des Jsr. Tempelvereines Wieden-Margarethen sinder Sonntag, den 30. Oktober d. I.. halb 3 Uhr nachmittags, int Johann Strauß- Theater statt. Es gelangt die Operette „Die Fledermaus" zur Aus- | sührung. In der Konzercizene des zweiten Aktes treten aus besonderer Gefälligkeit Frau Andre L e n o i r, ein aufleuchtender Stern auf dem Gebiete der Sangeskunst und der bekannte Violinvirtuose und Komponist Franz D r d l a aus. Die Klavierbegleitung hat Herr Profeffor Wilhelm Sommer bereitwilligst übernommen. Karten soweit noch vorrätig i» der Kanzlei des Tempelvereines. V. Siebenbrunnengasse 1, auch telefonisch (3335) zu bestellen.