Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 39 (30.9.1910)
- Date
- 1910-09-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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akfhsit Redaktion nnd Ildniinistration: Wien, H/i Nvvaiagasse 27 Telephon: Redaktion 5107/VII1. Anabhängige Aertfchrift für Mische Nerugs-preis: Ganzjährig.K 1*.— Halbjährig.K 7.— Administralion 4938/11. K. k. osterr. Postsparkassa- Scheek-Konlo Nr. 100.918. Interessen. Für Kultusbeamte: «Lanzjährig.IC 10. — Inserate: Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. Erscheint jeden Ireitng. Für Ausland: AbonneuienlSnnd JniertionS- Äanziährig.8 Mark benage sind in Wie» zahlbar nnd klagbar. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ 8 Nabel oder lg FrrS.!- Ur. 39. Wien. 30. September 1910. Fnh alt: Neujahr. — Aus der Woche. — Der Taschlichkorso am Neujahrstage. — Verschiedene Nachrichten. — Jom Kippurs Zaubermacht. — Feuilleton: Moses. — Austritte aus dem Jildentum. — Aus dem österr.-ungar. Kantoren-Berein. — Selichoth. Abonnements-Ginlcrdung. Are geehrten Kerren Iöonnenten werden um umgehende Erneuerung des Aöonnernents für das am 1. Hktoöer1910 beginnende 4. Huartal ersucht, damit die regetrnäßige Expedition des Wtattes keine Unterbrechung erleide. Abonnements-Bedingungen: Kanzjährig Kr. 14.— Salbjährig Kr. 7.—, Uierteljährig Kr. 3.59. K. k. Postsparkass err-Konto 1OO.S18. Probenummern gratis zur Verfügung. Den geschätzten Lesern, Mitarbeitern und Freunden unseres Blattes entbieten wir zum Jahreswechsel die herzlichsten Glückwünsche roiB wnm roTD Die Redaktion. Uenfahr. Wir lesen während des ganzen Jahres Vorschläge und Ratschläge zur Hebung und Förderung des Glaubens und zur Abwehr des Abfalls. Wohl sind alle diese Ratschläge deworim schejozim min halew, Eingebungen des gut jüdisch fühlenden Herzens, die zum Teile ja wirken mögen, doch eine wesentliche Besserung nach dieser Richtung ‘ weist die Statistik leider nicht auf. Wir wollen die Zahl der Ratgeber nicht vermehren, sondern nur der Ansicht Ausdruck leihen, daß einerseits die wirtschaftliche Stärkung der armen Juden, namentlich im Osten, wie anderseits eine stramme Organisation und Zusammenfassung aller Kräfte der schönste Erfolg unserer Nenjahrsstimmung wie überhaupt der Beginn eines neuen Jahres und einer wirklich bessern Zeit wären. Wohl hat Gott, der Herr, jedes Menschen Los bestimmt, wie das ergreifend im une8ane tokef geschildert wird, doch muß auch der Mensch durch unermüdliche Arbeit und unentwegtes Schaffen, gerade wegen der Kürze seines Erdenwallens, sein Möglichstes tun, um der Gesamtheit zu nützen. Du ma8ol lejisroel, Israel glaubt nicht an Sterneneinfluß, sondern will nach „ewigen, ehernen, unabänderlichen Gesetzen" sein Schicksal nach getaner Arbeit, nach Erreichung des Zieles vollenden; es will die Idee der Herrschaft Gottes über das Universum in der Menschheit festigen, um diese zur Höhe einer geläuterten Gottesauschauung und der daraus fließenden sittlichen Vollkommenheit zu bringen, wie es seine Aufgabe auf Erden ist und bleibt. Dazu muß aber Israel selbst eingedenk sein seiner eigenen großen Geschichte, seiner einzig großen Vergangenheit, und wenn es den Lebeusfinn bejaht, wie es in seiner Psyche liegt, seiner Zukunft. Das sind die großen Erinnerungen und Mahnungen seiner ganzen Geschichte vom Berge Morih bis auf unsere Tage! Gerade die Neujahrsstimmung muß uns entweder in Trauer versetzen, ob dieser welkenden Natur, oder aber im Hinblick auf unsere hehre Geschichte den Gedanken der Ewigkeit in uns stärken und uns erheben und trösten über unfern leiblichen Tod, der alles Organische einer Umwandlung, aber keiner Vernichtung unterzieht. Do omus, ki echjeh, waassaper maasseh Joh. „Ich werde nicht sterben, sondern leben, Gottes Werk künden!", das ist das unwillkürliche, herrliche Trostwort, das von selbst sich bei diesen Gedanken aufdrängt. Die Materie, der Stoff bleibt, in anderer Form allerdings, dem Leben erhalten. die Seele, „der Geist kehrt zu Gott zurück." Mögen die Physiologen spotten, lachen und uns Narren schelten, mögen selbst „radikale" Theologen dies als „veraltet" erklären, „im Herzen kündet es laut sich an, zu was Besserem sind wir geboren." Ja, es ist wahr, dieser Geist ist unzerstörbar, seine Werke sind für die Ewigkeit. Nicht wie das Tier wollen wir sterben, sondern im Bewußtsein eines neuen (nicht bloß stofflichen!!) Weiterlebens! Das sind die Neujahrsstimmen, die aus dem Tosen und Lärmen des Kampfes zu uns dringen: Haltet aus im Kampfe um Ideale von unendlichem Werte, stehet treu auf Wacht für Bätersilte und Lehre! Es liegt in unserem innersten Wesen, dies zu tun, und mit Verachtung sehen wir auf die Verächter der Vätersitte und des echten Volkstums herab. Was bei allen Völkern als Höchstes. Erhabenstes gilt: Treue, Wahrheit und Liebe, das ist noch mehr bei uns gesucht und geschätzt, den „falschen" Juden. Gerade wir sind da am empfindlichsten, weil wir zu viel zu verlieren haben! Darum die Schofarklänge des Neujahrsfestes, die uns an unsere Sendung gemahnen und in den Ohren gellen, daß wir uns aufraffen für unsere große, erhabene Sache. Wir wollen keine Uebermenschen sein, aber Menschen in des Wortes edelster Bedeutung. Wir wollen der Väter Erbe ungeschmälert unfern Kindern übergeben und auch ein Plätzchen an der Sonne haben. „Raum für alle hat die Erde", rufen