Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 38 (23.9.1910)
- Date
- 1910-09-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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M 38. Die Wahrheit Seite 11. Moses. Voil Pabette. Fp.i^d^Prag.- (Fortsttzung.) . Als, der Vater .gewohntexweise-seine „Kinderseinen wollte, -bemerkte er/ daß. die kleine Mirjam 'ganz, verstört war. Tiefe Blässe, bedeckte das, sonst, r.osige Gesichtchen. und Mibe - blickten -die sonst , glänzenden Angen. >: ■'; .Mas fehlt Dir, mein. .Kind?" .;fru& Amram besorgt, „Du siehst so elend ans und bist' so betrübt, Bist Du krank?" „Nicht doch, mein Vater! Gehe ruhig fort, mir fehlt nichts." „Doch, doch, mein Kind, Du bist nicht wie gestern und ^hegestern. Vertraue mir, was Dich ängstigt, vielleichr kann ich Dir raten, Dir helfen. Ich bin ja Dein treuer Vater." Mit einem mißglückten Versuche zu lächeln, antwortete Mirjam: „Deine abendliche Erzählung von unserem frommen Ahnen Josef hat einen sonderbaren Traum in mir hervorgernfen." „Erzähle mir ihn doch!" bat Amram. „Wie hatte doch eben dieser Josef im Kerker zu seinen Schicksalsgenossen gesagt: „Sind denn nicht alle Träume von Gott?" Und Mirjam erzählte: „Mir träumte, ich wäre in einem tiefen Keller gelegen, ganz abgeschnitten von der Außenwelt, und neben mir meine Mutter., und diese Hütte ein neugeborenes Kuäblein im Arme gehalten. Da kam Josef zu uns, angetan in königlichen Gewändern, eine leuchtende Krone auf dem Haupte, von der zwölf Edelsteine die ganze Höhle mit glitzerndem Lichte erfüllten. Er bückte sich zu dem Kinde, küßte es und legte segnend seine Hand auf dessen Scheitel. Darauf wendete er sich zu mir mit den Worten: „Bleibet hier in dieser Höhle mit dem Knaben, damit ihn die Knechte Pharaos nicht finden und töten. Denn dieses Kind ist dazu ausersehen, das Volk, welches ich törichterweise ins Land gerufen, mit starker Hand und mächtigem Arm heranszuführen aus dem Lande der Knechtschaft, aus dem Hause der Sklaverei. Nicht Fenersflammen, noch Wasserfluten können ihm was anhaben, denn in ihm lebt der Geist dessen, der unseren Eltern zugeschworen Hai, daß er deren Nachkommen in Feindesland tlicht untergehen läßt." „Als ich mich bückte, um das Gewand dieser Erscheinung .zu fassen, war alles verschwunden. Dieser Traum ist so sonderbar, daß er mich weiter nicht schlafen ließ und sehr beunruhigte." „Traum oder Erscheinung! Ich wage das nicht zu entscheiden," sprach Amram bedächtig. „Aber für mich ist es ein Fingerzeig, der mir weist, was ich zu tun habe." Von diesem Tage an hörten die traulichen Gespräche der Levitenfamilie auf. Dafür entstand im Innern des Hanfes ein rastloses Arbeiten, das nicht eher aufhörte, bis ein kellerähnliches Versteck errichtet war, das geeignet schien, die Mutter und ihr Neugeborenes vor den Häschern des Königs zu verbergen. Kurz nachdem das Versteck vollendet und mit dem Notwendigsten versehen war, genas Mutter Jachebed daselbst eines gesunden Knäbleins, welcher der Tradition gemäß am achten Tage in den Bund Abrahams eingeführt wurde. Der vorige Friede war wieder in das Hans des Lewiten eingekehrt. Nun da die Vorkehrung getroffen war, das Kind vor jeder Nachstellung zu schützen, schien Amram der Frohndienst, den er verrichten mußte, eine leichte Aufgabe zu sein, wußte er ja die Seinen geborgen vor Späeraugeu. Aber allzufrüh hatte sich Amram einer ruhigen Sicherheit hingegeben. Ungeahnt von ihm wachte ein Verräter. Die bezaubernde Anmut Mirjams hatte einen königlichen Hofbeamten, der sie einmal durch Zufall gesehen, in Liebesraserei versetzt. Er bot alle Verführungskünste auf, um der Jungfrau habhaft zu werden und ihre Liebe zu gewinnen, aber all sein Bemühen scheiterte an der keuschen Zurückhaltung des fast noch kindlichen israelitischen Mädchens. Vergebens streifte der liebeglühende Aegypter in der Nähe ihres Wohnsitzes herum. Das sittliche Mädchen hatte mit Anbruch der Nacht das schützende Dach der elterlichen Hütte aufgesucht und ließ sich durch keine Versprechen bewegen, hinaus ins Freie an das Ufer des Nil zu kommen, woselbst ber Aegypter ihrer harren wollte. Etwas aber hatte der beharrliche Liebhaber doch erreicht' Nicht in den Besitz des begehrten Mädchens war er gekommen, wohl aber in den Besitz eines Geheimnisses, welches ihm nicht nur dieses sondern anch ihre ganze Familie in die Hand liefern sollte. " ' Er hatte das Vorhandensein eines kleinen Knaben und auch den Ort entdeckt, woselbst dieser verborgen wurde. Jetzt drohte er nun, sich des Kindes zu bemächtigen und dasselbe den zur Tötung der Neugeborenen bestimmten Organen auszufolgen. Eine entsetzliche Angst halte die ganze Lewitenfamilie erfaßt. Sie wußten wohl, wessen sie sich von einem Aegypter zu versehen hatten, und daß selbst die etwaige Ansfolgung Miriams an diesen das Schicksal des unschuldigen Kindes nicht abwenden werde. (Fortsetzung folgt.) Aufruf! Der Bethausvereui „Am Volkert" hat bereits einen sehr geeigneten, im zweiten Bezirke an der Kaiser Josesstraße gelegenen Baugrund zur Erbauung eines würdigen und großen Gotteshauses mir einem Fassungsraume von mehr als 850 Personen käuflich erworben. Der Erstehungspreis einschließlich des mit 115.000 Kronen vereiubarten Baugrundes wird auf etwa 360.000 bis 380.000 Kronen präliminiert. Derzeit verfügt der Bethausverein nur über ein bescheidenes Kapital, das keinesfalls hinreichr, um mir dem Baue zu beginnen. Da dieses zur Erinnerung an den achtzigsten Geburtstag unseres ruhmgekrönten Monarchen zu erbauende Gotteshaus für ewige Zeiten den Namen „K a i s e r F r a n z I o s e s I. H u l d i g u n g s t e m p e l" führen soll, und da der 2. Dezember 1010, der Tag der Thronbesteigung unseres allseits verehrten Kaisers, für die Grundsteinlegung in Aussicht genommen ist. erlaubt sich der gefertigte Vorstand des Bethausvereines „Am Volkert" unter Hinweis auf das Begleitschreiben des Oberrabbiners Herrn Dr. M. G ü d e m a n n au den bekannten und stets bewährten Edel- und Wohltätigkeltssinn des Gesamtjudeurums im allgemeinen und der Wiener jüdischen Bevölkerung insbesondere zu appellieren, um durch hochherzige Spenden das Gelingen des Baues dieses als ewiges Wahrzeichen für die unter der glorreichen Regierung nuferes erlauchten und hocherhabenen Herrschers gesetzlich fichergestellre Gleichberechtigung und unverrückbare Gleichstellung der Judenschaft mit den übrigen Staatsbürgern und für die freie Betätigung und Ausübung unserer Religion dienenden Gotteshauses zu fördern. Für den Bethausverein „Am Bolkert" der Schriftführer: der Obmann: Dr. Moriz Kohn. Adolf Schrämet. * * Der Israelitische Bethausverein „Am Volkert", II. Fugbachgasse 7, hat bedingungsweise einen an der Kaiser Josesstraße liegenden Baugrund erworben, um auf demselben ein würdiges, 850 Personen fassendes Gotteshaus zu errichten. Die Leopoldstadt besitzt das größte Kontingent unserer Gemeinde. Es ist daher ein höchst verdienstliches Unternehmen des genannten Bethausvereines, wenn er denjenigen jüdischen Bewohnern dieses Bezirkes, die in dem sonstigen Gemeindebethaus nicht Platz finden, eine ständige nnd würdige Andachtsstätte bereitet» so daß sie nicht gezwungen sind, besonders an den hohen Feiertagen, in gelegentlichen Zusammenkünften ihre Andacht zu verrichten. Möge der Verein durch den bekannten Wohltätigkeitssinn unserer Gemeinde in die Lage versetzt werden, sein verdienstliches Unternehmen auszuführen. Ich richte deshalb an alle verehrlichen Mitglieder unserer Gemeinde die herzliche Bitte, das gute Werk durch zahlreiche Beiträge zu fördern. Wien, 10. September 1910. Dr. M. Güdemann w. p. Oberrabbiner. Weujahrs-Kralrrlationerr Einem vielfachen Wliniche emiprechend, wollen wir unseren Lesern Gelegenheit bieten, an Stelle der direkten Nenjahrsgratnlationen per Post eine diesbezügliche Anzeige in unserem Blatte einzurückeu nnd gleichzeitig einem wohltätigen Zwecke zu dienen. Die Einschaltung einer solchen Anzeige erfolgt in der dem Roschhaschanoh-Feste vorangehenden Nummer unseres Blattes vom 30. September laufenden Jahres gegen Einsendung einer Spende von mindestens K 4.—, zugunsten der Pensionskassa des österreichisch-ungarischen Kantorenvereines. Letzter Termin zur Einsendung solcher Anzeigen 27. September. Die Redaktion.