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Die Wahrheit · 1910-09-16 · Heft 37 (16.9.1910) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 37 (16.9.1910)
Date
1910-09-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 37. Oesterr.-ungar. Kantoren-Zeitung Seite 9. Schir chadasch. (tnn *W) Hreitag-Abeud-Synagogengesäiige und Rezitalive für Vorbeter. Soli und Chor mit und ohne Orgelbegleitung. I. Teil der F r e i t a g - A b e n d g e s ä n g e. Heransgegeben von Rafael Moor. Besprochen von kaiserl. Rat Josef Singer, Wien. Der schon seit Jahrzehnten als Kantor ersten Ranges und 'weiter hinauf seit seiner Knabenperiode als Wnnderkantor bestens .bekannte Name des geehrten Herausgebers vorliegender Gesänge, bürgt uns für die Trefflichkeit derselben. — Diese Tatsache, sowie die vor einiger Zeit gelegentlich des Erscheinens dieser Freitag-Abendgesänge vom Herrn Herausgeber in diesen Blättern als notwendig (?) erachtete Voransschickung macht unsere Feder allerdings etwas stumpf, da es doch gemeiniglich nicht Gepflogenheit ist, gleichzeitig als Herausgeber und Rezensent eines und desselben Werkes zu figurieren. Doch muß und soll sachgemäß konstatiert werden, daß die vorliegenden Veröffentlichungen Rafael Moors als in gewisser Beziehung überaus treffliche Schenkung für den Synagogengesang anerkannt werden müssen. Zuvörderst ist nirgends, tvas Form und Melodiengestaltung betrifft, das so allgemein beliebte Anlehnen an die Schöpfungen früherer großer Meister zu bemerken, sondern die -melodischen Wendungen ergeben sich — mit Ausnahme einzelner traditioneller Notwendigkeiten — als Originalschöpsnngen reinster Form und auch den mehrstimmigen Kompositionen, sowie der -obligaten Orgelbegleitung kann dieses Zugeständnis nicht vorenthalten werden. Es kann also unmöglich unsere Aufgabe sein, bei den vorliegenden Darbietungen nach Gemeinplätzen, wie etwaigen falschen Auflösungen rc., zu forschen oder aus einzelne harmonische Schönheiten speziell hinzuweisen. Die Veröffentlichung dieser Gesänge seitens eines, wie bereits erwähnt, seit vielen Jahrzehnten anerkannten Meisterkantors kann und darf ausschließlich nur als ein Moment psychologischer Betätigung erachtet werden, die, der Schablone ausweichend, Ergebnisse der jahrzehntelangen eigenen Seelenarbeit öffentlich darbietet. Diese Richtung, die sich uns — um nur e i n Beispiel anzuführen — in der nicht ivie bis nun üblichen Form der Sonderbehandlung der einzelnen Lecko dodi-Stropheu, vielmehr in der einheitlichen musikalischen Durchführung des in den jeweiligen Lecko dodi- Abteiliingen mannigfaltigen Jnhaltsstoffes — so zielbewußt vorfiihrt, kann beileibe nicht als ein System, sondern nur als ein S t a n d p u n k t Moors erachtet werden; als ein Standpunkt, der vielleicht auch Andere zu gleicher Anssaffnng veranlassen dürfte. Nur will es uns bedünken, daß die melodische und harmonische Ausgestaltung dieses ersten Lecko dodi, S. 3 bis 8, wie auch andere Piecen des Werkes unabhängig vom Texte geschaffen und der letztere erst nachträglich dem Musikgedanken angepaßt worden wäre; sonst ergibt sich keine Aufklärung für die Wiederholung der Textesworte, zum Beispiel liisckmienu el hamjucliod — — ki hi mekor, S. 3; ki ki mekor kabrocko, S. 4; merosck mikedem, S. 4; anve ami, S. 5. Einen weiteren Beleg für den psychologischen Sonderstandpunkt Moors bildet die Vorsührnng des Edosecko mtb des darauf folgenden adonoj molock, S. 13. Hier greift der Komponist mit starker Hand in das Getriebe der Radspeichen vergangener Tage, um die einstigen Drehungen für die Gegenwart dienstbar zu machen, das will sagen, hier zeigt uns der Chasen, wic man die einstige Steigersorm mit der modernen Gesangsgepstogenheit in Einklang bringen und zu einer sogenannten „Sache" gestalten kann; der daraus folgende Adonoj molock, S. 15, zeigt eine ganz geschlossene Chorsorm mit reicher, exotischer Modulation. Die Piece stellt an die Sänger große Anforderungen bezüglich der Treffsicherheit, kann jedoch bei exakter Ausführung eines großen Erfolges sicher sein. Aehnlich Rühmliches ist auch von den hieraus folgenden sechs Wesckomru bezüglich der Verschiedengestaltnug der Form, sowie vom Mögen -owans und dem Rezitativ reze 'wimnucliosenu zu erwähnen. Und nun zum Schluffe noch eine persönliche Bitte, allerdings den Gegenstand betreffend, an den Herausgeber vorliegender Gesäuge. — Möge Herr Moor srenndlichst den Haschkiwenu (Kantorsolo mit Orgelbegleitung) S. 18, nusschlagen um sich vollends zu überzeugen, daß die ganze Piece, nicht wie die beigegebeue Orgelbegleitung diktatorisch bekunden möchte, aus der A-moll-Touarl, sondern ganz offenkundig auf der E-Basis des Akoxvok-rabbok-Steiger ruht; ja als bester Beweis für unsere Behauptung dient auch der Umstand, daß der Komponist durch den A-rnoll-Mkvrd bei den Schlnßtextesworten meato wead olom unbefriedigt, denselben nach E-Gis-H ansznlösen sich veranlaßt findet. Also wozu diese moderne Harmonisierung eines offenkundig traditionellen Vorwandes vermittelst der leiteruneigenen 0i8, vi8 uudG? DieChristen halten ihre Kirchentonarten hoch; weshalb bringen wir unseren Synagogentonarlen nicht dieselbe Würdigung entgegen? Resnmiereii wir, so muß allen Ernstes davor gewarnt werden, die vorliegenden musikalischen Gaben ja nicht mit dem Gradmesser jener mannigfachen Kompositionen beurteilen zu wollen, die in letzter Zeit mit bombastischer Anpreisung aus den Markt geworfen wurden und leider die Eignung besitzen, eher das Urteil zu trüben als zu klären. Diese von Rafael Moor veröffentlichten Kompositionen sind nicht allein trefflich gearbeitet, sondern in gewisser Richtung auch eigenartig gestaltet. In diesem Sinne seien dieselben bestens empfohlen, und wir wünschen und hoffen, daß diesen Arbeiten die gebührende Anerkennung und Wertschätzung nicht vorentbalten bleiben wird. Kiteratnr. Ost und West. Heft 8/9. Angusr/September 1910. X. Jahrgang. Inhalt: „Znm 80. Geburtstag Kaiser Franz Josef I." Ein Hnldignngsgruß der Inden (mit 2 Porträts). Binjamin Segel. „Kaiser Franz Josef in der jüdischen Bolkssage." Bon Bar-Ami. „Die israel. Knlrnsgemeinde Wien" (mit 42 Porträts). Bon Siegmund H u s s e r l. „Das Steuerwesen der Wiener Knltusgemeinde." Bon Max Frau k. „Die Bedeutung des jüdischen Matrikelamtes." Bon Julius R o s e n f e l d. „Das Beerdiqnngswesen in der Wiener israelitischen Knltusgemeinde" (mit 2 Illustrationen). Bon Siegmund H u s s e r l. „Die Wiener Inden und das Aufgebot 1797" (mit 1 Illustration). Bon Dr. Jgn. Schwarz. „Wiener Juden für die österreichisch - ungarische Armee" (mit 5 Illustrationen). Bon Moritz Frühling. „Jüdische Politik". Bon Reichsratsabg. Doz. Dr. Arthur Mahl e r. „Die Bibliotheca Rosenthaliana in Amsterdam" (mit vier Illustrationen). Bon Ernst Alrkirch. „Benno Becker" (mit 9 Illustrationen). Bon Karl S ch w a r z. „Die Märtyrer von Berlin" (Schluß). Bon B. S a m n e l. „Paul Morphy oder die objektive Kraft". Bon Doktor Emanuel L as ker. Mitteilungen ans dem deutschen Bureau der „Alliance Jsraelite Universelle": Das fünfzigjährige Jubiläum der Alliance. Die Israeliten von Bu-El-Djad und Tadla (Marokko). .Notizen: Aus den Allianceschulen: Casablanca, Konstantinopel, Mossul. Neue Allianceschulen in Marokko. Jnstizrat Johannes Behrendt-Danzig. Jnsiläumsfonds der Deutschen Konserenz-Gemeinschaft der A. I. U. Frankfurt a. M. Neue immerwährende Mitglieder. Inserate. Rein sachlicher, naturwissenschaftlicher Beweis für das Dasein des Schöpfers des Weltalls, von Bernhard T e i ch m a n n, Erfurt, Preis 60 Pf., Kommissionsverlag von Fritzsche & Schmidt, Leipzig, Hospitalstraße 261. Nach den maßgebenden Urteilen von Universitätsprofessoren, von denen einige im Buche abgedruckc sind, ist dies eine populäre, leichtverständliche Ausführung des teleologischen Gorresbeweises. In dieser klaren, präzisen und interessanten Schrift sind sehr viel kluge und zutreffende Gedanken und sehr solide Kenntnisse enrhalren. Es in auch dnrchaus verdienstlich, daß der Berfaffer gegenüber der pessimistischen Zwerfelsucht, die sich mirnnrer so breit macht, auf unsere Nalnrerkennrnis hinweist, als deren Grundlage wir eine stete Gesetzmäßigkeit der Welt dnrchans mit vollem Recht annehmen dürfen und müssen. Möge die Scyrifr nnrer den Gebildeten recht viele denkende Leier sinden. Austritte ans dem Indentmn. Donath Karl. Ingenieur, geb. 24. Juni 1380, Troppan, IV., Favoritenstraße 11. Schwarz Ludwig, geb. 7. Februar 1871, Wien. XV., Mariahilferür. 152. S kutetzky Emma. Private, geb. 29. Juli 1887, Gr. Meseritich, III.. Hainbnrgerstraße 60. Guttmann Rudolf, Wüschewaren-Erzeuger, geb. 30. Oktober 1874 Szenicz. Ungarn. VI.. Könlergasse 4.. Vereins-Zahnarzt Dr. Max Weisz. Wien, II., Circusgasse 47. Ordination von 9—6. Telephon 18399.

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